500 Exponate aus der Geschichte der Weserschifffahrt: Otto Thater (90) löst die Sammlung auf Ulrich Westermann Petershagen-Ovenstädt . Otto Thater übte von 1947 bis 1954 auf der Weser, dem Rhein und auf weiteren Flüssen den Beruf des Binnenschiffers aus. Der gebürtige Schlesier kam im Kriegsjahr 1945 im Alter von 14 Jahren mit Pferd und Wagen nach Ovenstädt. Als begeisterter Sammler hat er nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 2003 in der früheren Wohnstube des eigenen Hauses einen Museums- und Ausstellungsraum eingerichtet. Davor waren die Archivalien in der Werkstatt untergebracht. Im Laufe der Jahre ist eine umfangreiche Sammlung über die Weserschifffahrt entstanden. „Es dürften weit über 500 Exponate sein. Im Juli 2021 bin ich 90 Jahre alt geworden. Nun ist es an der Zeit, die Sammlung nach und nach aufzulösen. Einen Teil wird mein Sohn Klaus übernehmen. Ich bin allerdings bereit, Ausstellungsstücke auch an ehemalige Schiffer und interessierte Sammler abzugeben“, sagt Otto Thater. Schon im Hausgarten wird sein Interesse an der Schifffahrt deutlich. Dort wurde im Jahr 2006 ein Motorschiffsmast aufgestellt. In der Sammlung „Weserschifffahrt im Wohnzimmer“ ist auch der frühere Schifferverein „Petershagen und Umgebung“ vertreten, der sich in seiner Blütezeit aus 60 Mitgliedern zusammensetzte. Unter den Gründungsmitgliedern im Jahr 1929 waren Willi Hartmann, Ludwig Kümmel, Heinrich Hormann, Fritz Redeker, Karl Kolbus, Fritz Korff, Heinz Hartmann und Wilhelm Brüggemann sowie die Ovenstädter Walter Speckmann, Fritz Klages und Karl Speckmann. Da sich im Laufe der Jahre die Reihen immer mehr lichteten, wurde der Verein 1972 notariell abgemeldet. Zwischenzeitlich bildete sich eine Schifferkameradschaft, die sich aus einer kleinen Gruppe zusammensetzte.Der Flaggenmast des ehemaligen Schiffervereins wurde von der Petershäger Kulturgemeinschaft im Jahr 1996 auf der maritimen Freizeitanlage in der Nähe des Ösperhafens aufgestellt. Standorte davor waren die alte Fährstelle an der Weser und die parkähnliche Anlage im Bereich Schifferberufsschule/Schiffsjungenheim. Diese Ausbildungsstätte (Besselscher Hof) in der Altstadt Petershagen ist im Jahr 1949 in Betrieb genommen worden. Die sinkenden Schülerzahlen hatten zur Folge, dass dort der letzte Jahrgang im Jahr 1994 unterrichtet wurde. Zum Schluss lag die Auslastung nur noch bei 35 Prozent. Begriffe wie Schlagde (Ladeplatz an der Weser), Schifferstraße oder Fischerstadt dokumentieren in Petershagen die enge Verbindung zur Schifffahrt. Zu den besonderen Schätzen seiner Sammlung zählt Otto Thater ein Fotoalbum, das der Ausbildung und Freizeitgestaltung in der ehemaligen Schifferberufsschule gewidmet ist. Dazu kommen Gruppenaufnahmen von sämtlichen Lehrgangsteilnehmern ab 1949 bis 1960. Bei dem Dokument handelt es sich um eine Schenkung, über die sich Otto Thater sehr gefreut hat. Er selbst gehörte im Jahr 1950 zu den Auszubildenden in der Schifferberufsschule. „Die Leitung hatte damals Kapitän Neumann. Der Lehrgang im Januar und Februar dauerte acht Wochen. Die praktische Ausbildung fand unter anderem auf der Weser in der Nähe des noch im Bau befindlichen Stauwehrs statt“, erzählt der 90-Jährige.Über seine Bilder hat er eine Inventarliste erstellt. Zu den Motiven gehören Personen, Schiffe (Rad-, Heckrad- und Passagierdampfer, Motorschlepper, Tanker, Schleppkahn, Proviant- und Beibootboot), Fahnenweihe, Gebäude, Fähre Hävern/Windheim und Schleusen. Zahlreiche Exponate fanden von ehemaligen Binnenschiffern den Weg in die Sammlung von Otto Thater. „Leider haben deren Nachkommen nicht alle Unterlagen aufbewahrt, sondern viele Archivalien auch entsorgt. Einmal ist es mir gelungen, in letzter Minute Dokumente vor dem Abtransport zur Mülldeponie zu retten. Die Erinnerungsstücke lagen bereits im Container. Deswegen wurde es für mich im Jahr 2001 höchste Zeit, intensiv mit dem Sammeln zu beginnen. Jahrelang bin ich regelmäßig zur Schachtschleuse nach Minden gefahren, um Kontakte zu Schiffern zu knüpfen“, erinnert sich der Ovenstädter.Die Fotos lassen viele Jahre Binnenschifffahrt lebendig werden. Einen Seitenraddampfer aus den 1920er Jahren in Höhe der Altstadt Petershagen ordnete er bei der Durchsicht aufgrund der Schornsteinmarkierung der Reederei Norddeutsche Lloyd zu. Ebenfalls in den zwanziger Jahren entstand die Aufnahme von einem Heckraddampfer, der die Fährüberfahrt zwischen Petershagen und Lahde kreuzte. Präsentiert werden zudem der Schleppkahn „Münchhausen“ im Bremer Überseehafen, der Seitenraddampfer „Fürstenberg“ auf der Weser in Hameln und die Schleppzug-Schleuse Hemelingen bei Bremen, deren alter Fußweg nach der Bearbeitung als Übergang an der Ostseite des Petershäger Hafens weiter existiert.Eine Rarität dürfte das Foto vom 17. Oktober 1953 sein. Zu sehen ist der Seitenraddampfer „Rudolf Tewes“, der als letztes Schiff die im Bau befindliche Stauwehranlage in Petershagen passierte. Eine 15 Meter lange Wurfleine des Raddampfers „Siegfried“ und ein Suchanker zählen ebenfalls zu den Exponaten. Dazu Otto Thater: „Dieser kleine Anker wurde in das Wasser geworfen, wenn ein Drahtseil oder ein Eimer über Bord gefallen war“.Zu den weiteren Archivalien gehören verschiedene Schiffsmodelle, Steuerrad, Rettungsring, Eissägen und -axt, Positionslampen, Fahrpläne, eine alte Karte über den Rheinverlauf, Signalhorn und eine rot-weiße Fahne (Mindener Flagge) aus den 1930er Jahren. Dazu kommen unter anderem Schiffsführerpatente, Bootsmannsbrief, Schifferdienstbuch mit handschriftlichen Eintragungen und Bücher.Weitere Informationen bei Otto Thater, Telefon (0 57 07) 22 67.

500 Exponate aus der Geschichte der Weserschifffahrt: Otto Thater (90) löst die Sammlung auf

Dieses Bild zeigt den Raddampfer „Roland“ auf der Weser in Höhe der alten Petershäger Mühlen (Kalberkamp). Repro: Ulrich Westermann

Petershagen-Ovenstädt . Otto Thater übte von 1947 bis 1954 auf der Weser, dem Rhein und auf weiteren Flüssen den Beruf des Binnenschiffers aus. Der gebürtige Schlesier kam im Kriegsjahr 1945 im Alter von 14 Jahren mit Pferd und Wagen nach Ovenstädt. Als begeisterter Sammler hat er nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 2003 in der früheren Wohnstube des eigenen Hauses einen Museums- und Ausstellungsraum eingerichtet. Davor waren die Archivalien in der Werkstatt untergebracht. Im Laufe der Jahre ist eine umfangreiche Sammlung über die Weserschifffahrt entstanden. „Es dürften weit über 500 Exponate sein. Im Juli 2021 bin ich 90 Jahre alt geworden. Nun ist es an der Zeit, die Sammlung nach und nach aufzulösen. Einen Teil wird mein Sohn Klaus übernehmen. Ich bin allerdings bereit, Ausstellungsstücke auch an ehemalige Schiffer und interessierte Sammler abzugeben“, sagt Otto Thater.

Schon im Hausgarten wird sein Interesse an der Schifffahrt deutlich. Dort wurde im Jahr 2006 ein Motorschiffsmast aufgestellt. In der Sammlung „Weserschifffahrt im Wohnzimmer“ ist auch der frühere Schifferverein „Petershagen und Umgebung“ vertreten, der sich in seiner Blütezeit aus 60 Mitgliedern zusammensetzte. Unter den Gründungsmitgliedern im Jahr 1929 waren Willi Hartmann, Ludwig Kümmel, Heinrich Hormann, Fritz Redeker, Karl Kolbus, Fritz Korff, Heinz Hartmann und Wilhelm Brüggemann sowie die Ovenstädter Walter Speckmann, Fritz Klages und Karl Speckmann. Da sich im Laufe der Jahre die Reihen immer mehr lichteten, wurde der Verein 1972 notariell abgemeldet. Zwischenzeitlich bildete sich eine Schifferkameradschaft, die sich aus einer kleinen Gruppe zusammensetzte.

Der Flaggenmast des ehemaligen Schiffervereins wurde von der Petershäger Kulturgemeinschaft im Jahr 1996 auf der maritimen Freizeitanlage in der Nähe des Ösperhafens aufgestellt. Standorte davor waren die alte Fährstelle an der Weser und die parkähnliche Anlage im Bereich Schifferberufsschule/Schiffsjungenheim. Diese Ausbildungsstätte (Besselscher Hof) in der Altstadt Petershagen ist im Jahr 1949 in Betrieb genommen worden. Die sinkenden Schülerzahlen hatten zur Folge, dass dort der letzte Jahrgang im Jahr 1994 unterrichtet wurde. Zum Schluss lag die Auslastung nur noch bei 35 Prozent. Begriffe wie Schlagde (Ladeplatz an der Weser), Schifferstraße oder Fischerstadt dokumentieren in Petershagen die enge Verbindung zur Schifffahrt.

Otto Thater hat im Laufe der Jahre eine umfangreiche Sammlung über die Binnenschifffahrt angelegt. Foto: Ulrich Westermann - © Ulrich Westermann
Otto Thater hat im Laufe der Jahre eine umfangreiche Sammlung über die Binnenschifffahrt angelegt. Foto: Ulrich Westermann - © Ulrich Westermann

Zu den besonderen Schätzen seiner Sammlung zählt Otto Thater ein Fotoalbum, das der Ausbildung und Freizeitgestaltung in der ehemaligen Schifferberufsschule gewidmet ist. Dazu kommen Gruppenaufnahmen von sämtlichen Lehrgangsteilnehmern ab 1949 bis 1960. Bei dem Dokument handelt es sich um eine Schenkung, über die sich Otto Thater sehr gefreut hat. Er selbst gehörte im Jahr 1950 zu den Auszubildenden in der Schifferberufsschule. „Die Leitung hatte damals Kapitän Neumann. Der Lehrgang im Januar und Februar dauerte acht Wochen. Die praktische Ausbildung fand unter anderem auf der Weser in der Nähe des noch im Bau befindlichen Stauwehrs statt“, erzählt der 90-Jährige.

Über seine Bilder hat er eine Inventarliste erstellt. Zu den Motiven gehören Personen, Schiffe (Rad-, Heckrad- und Passagierdampfer, Motorschlepper, Tanker, Schleppkahn, Proviant- und Beibootboot), Fahnenweihe, Gebäude, Fähre Hävern/Windheim und Schleusen. Zahlreiche Exponate fanden von ehemaligen Binnenschiffern den Weg in die Sammlung von Otto Thater. „Leider haben deren Nachkommen nicht alle Unterlagen aufbewahrt, sondern viele Archivalien auch entsorgt. Einmal ist es mir gelungen, in letzter Minute Dokumente vor dem Abtransport zur Mülldeponie zu retten. Die Erinnerungsstücke lagen bereits im Container. Deswegen wurde es für mich im Jahr 2001 höchste Zeit, intensiv mit dem Sammeln zu beginnen. Jahrelang bin ich regelmäßig zur Schachtschleuse nach Minden gefahren, um Kontakte zu Schiffern zu knüpfen“, erinnert sich der Ovenstädter.

Die Fotos lassen viele Jahre Binnenschifffahrt lebendig werden. Einen Seitenraddampfer aus den 1920er Jahren in Höhe der Altstadt Petershagen ordnete er bei der Durchsicht aufgrund der Schornsteinmarkierung der Reederei Norddeutsche Lloyd zu. Ebenfalls in den zwanziger Jahren entstand die Aufnahme von einem Heckraddampfer, der die Fährüberfahrt zwischen Petershagen und Lahde kreuzte. Präsentiert werden zudem der Schleppkahn „Münchhausen“ im Bremer Überseehafen, der Seitenraddampfer „Fürstenberg“ auf der Weser in Hameln und die Schleppzug-Schleuse Hemelingen bei Bremen, deren alter Fußweg nach der Bearbeitung als Übergang an der Ostseite des Petershäger Hafens weiter existiert.

Eine Rarität dürfte das Foto vom 17. Oktober 1953 sein. Zu sehen ist der Seitenraddampfer „Rudolf Tewes“, der als letztes Schiff die im Bau befindliche Stauwehranlage in Petershagen passierte. Eine 15 Meter lange Wurfleine des Raddampfers „Siegfried“ und ein Suchanker zählen ebenfalls zu den Exponaten. Dazu Otto Thater: „Dieser kleine Anker wurde in das Wasser geworfen, wenn ein Drahtseil oder ein Eimer über Bord gefallen war“.

Zu den weiteren Archivalien gehören verschiedene Schiffsmodelle, Steuerrad, Rettungsring, Eissägen und -axt, Positionslampen, Fahrpläne, eine alte Karte über den Rheinverlauf, Signalhorn und eine rot-weiße Fahne (Mindener Flagge) aus den 1930er Jahren. Dazu kommen unter anderem Schiffsführerpatente, Bootsmannsbrief, Schifferdienstbuch mit handschriftlichen Eintragungen und Bücher.

Weitere Informationen bei Otto Thater, Telefon (0 57 07) 22 67.

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