Friedewalde

Ist das Natur oder kann das weg? - Mähen von Seitenstreifen in der Kritik

Claudia Hyna

Blühende Wegränder an Radwegen – hier am Bahndamm in Friedewalde – sind nicht nur nützlich für Insekten, sondern erfreuen auch das menschliche Auge. Nicht allen gefällt die regelmäßige Mahd. MT- - © Foto: Claudia Hyna
Blühende Wegränder an Radwegen – hier am Bahndamm in Friedewalde – sind nicht nur nützlich für Insekten, sondern erfreuen auch das menschliche Auge. Nicht allen gefällt die regelmäßige Mahd. MT- (© Foto: Claudia Hyna)

Petershagen-Friedewalde. Die Mäharbeiten entlang des Radweges im Bereich Friedewalde gehen einer Anwohnerin zu weit. Der Seitenstreifen sei nicht nur gemäht, sondern vom Kreis regelrecht abgefräst worden. Dem seien auch die natürlichen Blühstreifen zum Opfer gefallen. „Einfach nur traurig“, lautet ihr Kommentar dazu.

Sicherlich würde der Kreis die Arbeiten mit dem Hinweis auf die Verkehrssicherheit rechtfertigen, mutmaßt sie – und sie hat recht. Es ist seine Aufgabe, darauf zu achten. Einen festen Turnus gibt es dabei nicht, es werde nach Bedarf gemäht.

Dabei seien Straßen- und Radwegabschnitte, die einmal pro Saison dran sind, andere wiederum würden bis zu dreimal gemäht. Man achte nach Möglichkeit auf die Aspekte des Naturschutzes, teilt Pressesprecherin Mirjana Lenz mit. Die Pflege richtet sich nach den Vorgaben des „Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege“ (Bundesnaturschutzgesetz, BNatSchG). Damit sei gewährleistet, dass die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes Berücksichtigung finden.

Dabei gehen die Arbeiter folgendermaßen vor: Zunächst wird die Bankette des Radweges gemäht, um die volle Wegbreite nutzbar zu halten. Zu einem späteren Zeitpunkt geht es an die Seitenbereiche und Gräben. Dabei sei besonders wichtig, eine gute Sicht für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen, die sich in beiden Richtungen begegnen. Der angesprochene Abschnitt des Radwegs – etwa entlang der Straße Bahndamm in Friedewalde – ist nach heutigen Maßstäben viel zu schmal. Das ist generell ein Problem für die Behörde, denn die Verbindungen stammen aus einer Zeit, in der der Radtourismus kaum eine Rolle spielte. Ein Grünstreifen inklusive Sträuchern bleibe als Lebensraum für Kleinlebewesen und Pflanzenwelt am Weg aber stehen, erklärt die Pressesprecherin weiter.

Das ist der Aspekt, um den es der Anwohnerin in ihrer Kritik geht. Gerade im Zuge der Klimaveränderung sei es wichtig, etwas für Bienen und andere Insekten zu tun. Denn um ihre Lebensbedingungen ist es in der Agrarlandschaft nicht zum Besten bestellt – und mit der Mahd werden ihre Lebensräume erneut beschnitten. Landwirte haben im übrigen die Möglichkeit, für Blühstreifen im Bereich von Ackerflächen eine Förderung zu bekommen. Das ist aber ein anderes Thema.

Klimaschutz setze der Kreis mit zahlreichen Maßnahmen und Projekten um, lautet die Erwiderung der Pressestelle. Zudem hat sich seitens der Kreispolitik der Arbeitskreis Energie in den Arbeitskreis „Energie, Ressourcen, Klimaschutz“ umbenannt und die Arbeit aufgenommen. Ein Projekt sei unter anderem das Integrierte Klimaschutzkonzept, das der Kreis gemeinsam mit sieben seiner Städte und Gemeinden umsetzt. Dabei geht es um Punkte wie Bildung und Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Erneuerbare Energie, Klimafolgenanpassung, Mobilität, Vernetzung Kommunikation.

Das tut der Kreis für den Klimaschutz

Geplant sind außerdem ein Runder Tisch zum Thema Klimafolgen im Kreis Minden-Lübbecke, das Regionale-Projekt Smart Recycling Factory. Für das Pilotprojekt Blühränder sollen in diesem Jahr erste Versuchsflächen angelegt werden.

Bei der Internet-Aktion „Saubere Landschaft“ können Sammelaktionen eingetragen werden, damit – wenn wieder Aktionen stattfinden – möglichst viele Menschen mitmachen.

Ein Aufnahmeantrag für die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW ist in Vorbereitung.

Die Kreisstraßenmeisterei hat im Frühjahr 214 Hochstammbäume entlang der Kreisradwege bzw. -straßen gepflanzt. Anfang der nächsten Woche werden zwei Blühflächen des Pilotprojektes gesät (Gesamtfläche etwa 1.800 Quadratmeter in Wulferdingsen an der Bergkirchener Straße und am Weser-Radweg in Dehme). Am Neubau der Straßenmeisterei in Lübbecke sind auch 400 Quadratmeter Blühwiese eingesät worden. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit dauert die Keimung der Saat, der Erfolg ist also nicht sofort sichtbar.

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FriedewaldeIst das Natur oder kann das weg? - Mähen von Seitenstreifen in der KritikClaudia HynaPetershagen-Friedewalde. Die Mäharbeiten entlang des Radweges im Bereich Friedewalde gehen einer Anwohnerin zu weit. Der Seitenstreifen sei nicht nur gemäht, sondern vom Kreis regelrecht abgefräst worden. Dem seien auch die natürlichen Blühstreifen zum Opfer gefallen. „Einfach nur traurig“, lautet ihr Kommentar dazu. Sicherlich würde der Kreis die Arbeiten mit dem Hinweis auf die Verkehrssicherheit rechtfertigen, mutmaßt sie – und sie hat recht. Es ist seine Aufgabe, darauf zu achten. Einen festen Turnus gibt es dabei nicht, es werde nach Bedarf gemäht. Dabei seien Straßen- und Radwegabschnitte, die einmal pro Saison dran sind, andere wiederum würden bis zu dreimal gemäht. Man achte nach Möglichkeit auf die Aspekte des Naturschutzes, teilt Pressesprecherin Mirjana Lenz mit. Die Pflege richtet sich nach den Vorgaben des „Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege“ (Bundesnaturschutzgesetz, BNatSchG). Damit sei gewährleistet, dass die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes Berücksichtigung finden. Dabei gehen die Arbeiter folgendermaßen vor: Zunächst wird die Bankette des Radweges gemäht, um die volle Wegbreite nutzbar zu halten. Zu einem späteren Zeitpunkt geht es an die Seitenbereiche und Gräben. Dabei sei besonders wichtig, eine gute Sicht für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen, die sich in beiden Richtungen begegnen. Der angesprochene Abschnitt des Radwegs – etwa entlang der Straße Bahndamm in Friedewalde – ist nach heutigen Maßstäben viel zu schmal. Das ist generell ein Problem für die Behörde, denn die Verbindungen stammen aus einer Zeit, in der der Radtourismus kaum eine Rolle spielte. Ein Grünstreifen inklusive Sträuchern bleibe als Lebensraum für Kleinlebewesen und Pflanzenwelt am Weg aber stehen, erklärt die Pressesprecherin weiter. Das ist der Aspekt, um den es der Anwohnerin in ihrer Kritik geht. Gerade im Zuge der Klimaveränderung sei es wichtig, etwas für Bienen und andere Insekten zu tun. Denn um ihre Lebensbedingungen ist es in der Agrarlandschaft nicht zum Besten bestellt – und mit der Mahd werden ihre Lebensräume erneut beschnitten. Landwirte haben im übrigen die Möglichkeit, für Blühstreifen im Bereich von Ackerflächen eine Förderung zu bekommen. Das ist aber ein anderes Thema. Klimaschutz setze der Kreis mit zahlreichen Maßnahmen und Projekten um, lautet die Erwiderung der Pressestelle. Zudem hat sich seitens der Kreispolitik der Arbeitskreis Energie in den Arbeitskreis „Energie, Ressourcen, Klimaschutz“ umbenannt und die Arbeit aufgenommen. Ein Projekt sei unter anderem das Integrierte Klimaschutzkonzept, das der Kreis gemeinsam mit sieben seiner Städte und Gemeinden umsetzt. Dabei geht es um Punkte wie Bildung und Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Erneuerbare Energie, Klimafolgenanpassung, Mobilität, Vernetzung Kommunikation. Das tut der Kreis für den Klimaschutz Geplant sind außerdem ein Runder Tisch zum Thema Klimafolgen im Kreis Minden-Lübbecke, das Regionale-Projekt Smart Recycling Factory. Für das Pilotprojekt Blühränder sollen in diesem Jahr erste Versuchsflächen angelegt werden. Bei der Internet-Aktion „Saubere Landschaft“ können Sammelaktionen eingetragen werden, damit – wenn wieder Aktionen stattfinden – möglichst viele Menschen mitmachen. Ein Aufnahmeantrag für die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW ist in Vorbereitung. Die Kreisstraßenmeisterei hat im Frühjahr 214 Hochstammbäume entlang der Kreisradwege bzw. -straßen gepflanzt. Anfang der nächsten Woche werden zwei Blühflächen des Pilotprojektes gesät (Gesamtfläche etwa 1.800 Quadratmeter in Wulferdingsen an der Bergkirchener Straße und am Weser-Radweg in Dehme). Am Neubau der Straßenmeisterei in Lübbecke sind auch 400 Quadratmeter Blühwiese eingesät worden. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit dauert die Keimung der Saat, der Erfolg ist also nicht sofort sichtbar.