Petershagen

Stadtbücherei Petershagen geöffnet: Das Ende der Durststrecke

Oliver Plöger

Besonders neue Hörbücher sind gefragt, sagt Bücherei-Leiterin Bärbel Linnemeier. Auch hier ist der Bestand in den vergangenen Wochen aktualisiert worden. Druckfrische Romane und Sachbücher können ab sofort wieder ausgeliehen werden. MT-Fotos: Oliver Plöger
Besonders neue Hörbücher sind gefragt, sagt Bücherei-Leiterin Bärbel Linnemeier. Auch hier ist der Bestand in den vergangenen Wochen aktualisiert worden. Druckfrische Romane und Sachbücher können ab sofort wieder ausgeliehen werden. MT-Fotos: Oliver Plöger

Petershagen. Hauptsache in die Bücherei, endlich neue Bücher lesen. Anja Bachert freut sich über die Wiedereröffnung. Sie war schon als Kind hier und hatte erfolgreich nach Schmökern gesucht. Heute zählt sie längst zu den gern gesehenen Stammgästen. Sinnvoll ja, aber wirklich schade sei die Schließung wegen Corona für sie und ihre Familie gewesen. Jetzt gebe es wieder die Möglichkeit, neuen „Stoff“ auszuleihen – wenn auch unter besonderen Bedingungen: mit Abstand, Maske und Anmeldung.

Froh und zufrieden ist auch die Büchereileiterin Bärbel Linnemeier. Die ersten Tage seien gut gelaufen, die Leserinnen und Leser hätten sich verständnisvoll und diszipliniert gezeigt.

In der Zeit der Schließung war Linnemeier nicht untätig, wie sie sagt, sie habe die Bücherei auf den aktuellen Stand gebracht, die neuen Medien ins System eingelesen und Ladenhüter aussortiert.

Einige Klassiker wie „Max und Moritz“ und Bücher aus der Heimatgeschichte dürfen dauerhaft bleiben.
Einige Klassiker wie „Max und Moritz“ und Bücher aus der Heimatgeschichte dürfen dauerhaft bleiben.

Gemeinsam mit Monika Krause, Vorsitzende des erst im März gegründeten Bücherei-Fördervereins, hat Bärbel Linnemeier die Stadtbücherei für die Eröffnung unter Corona-Bedingungen fit gemacht. Glücklicherweise sei der Spuckschutz für den Tresen nach Lieferschwierigkeiten noch rechtzeitig eingetroffen und installiert worden. „Wir haben dann die Gänge geprobt, immer und immer wieder.“ Überall soll der notwendige Abstand ohne Verrenkungen einzuhalten sein.

Jetzt gibt es wieder reichlich Futter für Leseratten: Romane, Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher, Hörbücher für große und kleine Leute – etwa 500 Medien sind dazugekommen und können ausgeliehen werden. Den Bestand gibt Bärbel Linnemeier mit 23.000 an, darunter allein 6.200 Romane: Der neue Mørck von Jussi Adler-Olsen ist dabei: „Opfer 2117“. Dann Simon Beckett mit seinen „ewigen Toten“ um Ermittler David Hunter. Oder Christina Dalcher mit „Vox“, in dem Frauen nicht mehr als hundert Worte sprechen dürfen. Elisabeth Herrmann schreibt über den „Zartbittertod“, in dem die Tochter einer Chocolatiere-Familie herausfinden will, woher das eigentümliche Bild ihres Großvaters stammt.

Mehr Lesetipps gibt es auf der neu eingerichteten Facebook-Seite des Fördervereins, die von Monika Krause betreut wird. Für die ehemalige Schulleiterin in Friedewalde und Eldagsen ist das Angebot für die Kinder besonders wichtig. Auf altersgerechte Bücher könnten die Leseanfänger nicht verzichten. „Das ist Futter für die Kinder“, sagt Monika Krause, die mit dem Förderverein das Ansehen der Bücherei in Petershagen und darüber hinaus steigern will. Irgendwann müsse es deshalb die Ausleihmöglichkeit von E-Books geben. Das allerdings, so Bärbel Linnemeier, sei eine Frage des Geldes und der Ausstattung.

Viele Sorgen hatte es in den vergangenen Jahren gegeben, auch, was die personelle Stärke und damit die Öffnungszeiten betrifft. Momentan ist Diplom-Bibliothekarin Bärbel Linnemeier wieder die einzige feste Kraft hier, wird aber von Monika Krause unterstützt. Dass es jetzt einen Förderverein gibt, ist auch für Bärbel Linnemeier Balsam, die seit 36 Jahren in der Stadtbücherei arbeitet: „Denn eine Stadtbücherei muss sich eine Stadt leisten können.“ Lesen sei Basiskultur.

Wer die Einrichtung an der Hauptstraße 17 besuchen will, sollte sich vorher anmelden, rät Bärbel Linnemeier. Die Terminvergabe ist montags, dienstags, donnerstags und freitags zwischen 10 und 13 Uhr unter (0 57 07) 12 11 erwünscht. Der Aufenthalt in der Stadtbücherei ist dann an den Nachmittagen für 30 Minuten pro Person möglich. Zeitgleich können bis zu fünf Nutzer Medien ausleihen.

„Nach den Erfahrungen der ersten Tage dürfen auch Ehepaare und Eltern mit jungen Kindern kommen. Ab zwölf Jahre können Kinder ja ohnehin allein rein“, sagt Bärbel Linnemeier. Die Termine können auch im Voraus für einen anderen Wochentag gebucht werden.

Ganz wichtig: „Telefonische Verlängerungen sind nicht notwendig, da die Leihfristen ja für alle ohnehin abgelaufen sind.“ Die Gebühren werden gelöscht, sagt Linnemeier. Und: Termine sollten nur zur Ausleihe vereinbart werden, Rückgaben seien nicht notwendig. Das biete dann auch die Chance, dass mehr Leute die Stadtbücherei nutzen können, die eben „nur“ ausleihen wollen.

Ob die jetzt im Zuge der Corona-Pandemie erlassenen Spielregeln von Dauer sind, weiß Bärbel Linnemeier nicht. „Das muss sich jetzt in der Anfangsphase erst einmal weiter bewähren.“ Wie lange der Büchereibesuch „mit Schutzmaßnahmen“ noch notwendig ist, steht also in den Sternen.

Nicht in den Sternen steht die Nutzung der Bücherei durch Anja Bachert. Sie wird – wenn denn geöffnet ist – die Regalreihen auch weiterhin nach spannender Literatur für sich und ihre Lieben durchsuchen – Corona hin oder her.

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PetershagenStadtbücherei Petershagen geöffnet: Das Ende der DurststreckeOliver PlögerPetershagen. Hauptsache in die Bücherei, endlich neue Bücher lesen. Anja Bachert freut sich über die Wiedereröffnung. Sie war schon als Kind hier und hatte erfolgreich nach Schmökern gesucht. Heute zählt sie längst zu den gern gesehenen Stammgästen. Sinnvoll ja, aber wirklich schade sei die Schließung wegen Corona für sie und ihre Familie gewesen. Jetzt gebe es wieder die Möglichkeit, neuen „Stoff“ auszuleihen – wenn auch unter besonderen Bedingungen: mit Abstand, Maske und Anmeldung. Froh und zufrieden ist auch die Büchereileiterin Bärbel Linnemeier. Die ersten Tage seien gut gelaufen, die Leserinnen und Leser hätten sich verständnisvoll und diszipliniert gezeigt. In der Zeit der Schließung war Linnemeier nicht untätig, wie sie sagt, sie habe die Bücherei auf den aktuellen Stand gebracht, die neuen Medien ins System eingelesen und Ladenhüter aussortiert. Gemeinsam mit Monika Krause, Vorsitzende des erst im März gegründeten Bücherei-Fördervereins, hat Bärbel Linnemeier die Stadtbücherei für die Eröffnung unter Corona-Bedingungen fit gemacht. Glücklicherweise sei der Spuckschutz für den Tresen nach Lieferschwierigkeiten noch rechtzeitig eingetroffen und installiert worden. „Wir haben dann die Gänge geprobt, immer und immer wieder.“ Überall soll der notwendige Abstand ohne Verrenkungen einzuhalten sein. Jetzt gibt es wieder reichlich Futter für Leseratten: Romane, Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher, Hörbücher für große und kleine Leute – etwa 500 Medien sind dazugekommen und können ausgeliehen werden. Den Bestand gibt Bärbel Linnemeier mit 23.000 an, darunter allein 6.200 Romane: Der neue Mørck von Jussi Adler-Olsen ist dabei: „Opfer 2117“. Dann Simon Beckett mit seinen „ewigen Toten“ um Ermittler David Hunter. Oder Christina Dalcher mit „Vox“, in dem Frauen nicht mehr als hundert Worte sprechen dürfen. Elisabeth Herrmann schreibt über den „Zartbittertod“, in dem die Tochter einer Chocolatiere-Familie herausfinden will, woher das eigentümliche Bild ihres Großvaters stammt. Mehr Lesetipps gibt es auf der neu eingerichteten Facebook-Seite des Fördervereins, die von Monika Krause betreut wird. Für die ehemalige Schulleiterin in Friedewalde und Eldagsen ist das Angebot für die Kinder besonders wichtig. Auf altersgerechte Bücher könnten die Leseanfänger nicht verzichten. „Das ist Futter für die Kinder“, sagt Monika Krause, die mit dem Förderverein das Ansehen der Bücherei in Petershagen und darüber hinaus steigern will. Irgendwann müsse es deshalb die Ausleihmöglichkeit von E-Books geben. Das allerdings, so Bärbel Linnemeier, sei eine Frage des Geldes und der Ausstattung. Viele Sorgen hatte es in den vergangenen Jahren gegeben, auch, was die personelle Stärke und damit die Öffnungszeiten betrifft. Momentan ist Diplom-Bibliothekarin Bärbel Linnemeier wieder die einzige feste Kraft hier, wird aber von Monika Krause unterstützt. Dass es jetzt einen Förderverein gibt, ist auch für Bärbel Linnemeier Balsam, die seit 36 Jahren in der Stadtbücherei arbeitet: „Denn eine Stadtbücherei muss sich eine Stadt leisten können.“ Lesen sei Basiskultur. Wer die Einrichtung an der Hauptstraße 17 besuchen will, sollte sich vorher anmelden, rät Bärbel Linnemeier. Die Terminvergabe ist montags, dienstags, donnerstags und freitags zwischen 10 und 13 Uhr unter (0 57 07) 12 11 erwünscht. Der Aufenthalt in der Stadtbücherei ist dann an den Nachmittagen für 30 Minuten pro Person möglich. Zeitgleich können bis zu fünf Nutzer Medien ausleihen. „Nach den Erfahrungen der ersten Tage dürfen auch Ehepaare und Eltern mit jungen Kindern kommen. Ab zwölf Jahre können Kinder ja ohnehin allein rein“, sagt Bärbel Linnemeier. Die Termine können auch im Voraus für einen anderen Wochentag gebucht werden. Ganz wichtig: „Telefonische Verlängerungen sind nicht notwendig, da die Leihfristen ja für alle ohnehin abgelaufen sind.“ Die Gebühren werden gelöscht, sagt Linnemeier. Und: Termine sollten nur zur Ausleihe vereinbart werden, Rückgaben seien nicht notwendig. Das biete dann auch die Chance, dass mehr Leute die Stadtbücherei nutzen können, die eben „nur“ ausleihen wollen. Ob die jetzt im Zuge der Corona-Pandemie erlassenen Spielregeln von Dauer sind, weiß Bärbel Linnemeier nicht. „Das muss sich jetzt in der Anfangsphase erst einmal weiter bewähren.“ Wie lange der Büchereibesuch „mit Schutzmaßnahmen“ noch notwendig ist, steht also in den Sternen. Nicht in den Sternen steht die Nutzung der Bücherei durch Anja Bachert. Sie wird – wenn denn geöffnet ist – die Regalreihen auch weiterhin nach spannender Literatur für sich und ihre Lieben durchsuchen – Corona hin oder her.