Mit dem letzten Flieger zurück: So endete der Auslandsaufenthalt einer Petershäger Schülerin Oliver Plöger Québec/Petershagen. Für Klara Schlag hat Corona das Wintermärchen in Kanada beendet. Die Austauschschülerin aus Petershagen wollte drei Monate in Québec leben – doch der Schneesturm bei der Landung im Januar sollte nur der Anfang unvergessener Ereignisse sein. Ausgesprochen gut hatte sie sich in ihrer Gastfamilie eingelebt, hatte Ottawa kennengelernt und Montreal, war mit Schlittenhunden unterwegs, genoss bei minus 31 Grad Celsius alpines Skivergnügen und – feierte in Québec ein besonderes Fest: ihren 16. Geburtstag. Dann kam die Pandemie. Anfang März spitzte sich die Corona-Lage nicht nur in Deutschland zu. „Auch in Québec wurden alle großen Ereignisse abgesagt; so ein Eishockeyspiel, auf dass ich mich schon besonders gefreut hatte“, sagt Klara Schlag. Am 16. März schließlich machte die Regierung alle Schulen dicht. Alle Teilnehmer bekamen eine E-Mail von der Bezirksregierung Düsseldorf: der Austausch werde unverzüglich abgebrochen. Zu Klaras Reisegruppe gehörten insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler. Auch Klara sollte nach Deutschland zurückkehren, da mit einer Schließung aller Grenzen zu rechnen sei. „Das war ein echter Schock, da man sich von Freunden und Lehrern nicht mehr verabschieden konnte“, sagt die junge Petershägerin. Zwei Wochen lebte Klara Schlag dann in freiwilliger Quarantäne. „Ich war über dieses vorzeitige Ende sehr traurig, da ich mich richtig gut in Kanada eingelebt hatte.“ Im Nachhinein sei sie der Bezirksregierung sehr dankbar. „Wir haben einen der letzten Flieger nach Hause bekommen und konnten durch diese gute Planung alle wieder zu Hause sein.“ Und letztlich seien es ja auch „nur“ drei Wochen weniger gewesen. Wie Klara, die an einem NRW-Landesprogramm der Bezirksregierung Düsseldorf teilgenommen hat, ging es weltweit 10.000 Austauschschülern. Die meisten Teilnehmenden, so teilt es die größte und international tätige Austauschorganisation AFS mit, seienwohlbehalten nach Hause zurückgekehrt, wenige mussten noch bei ihren Gastfamilien ausharren. „Wir glauben daran, dass sie in den unsicheren Zeiten der Covid-19-Pandemie am besten bei ihren eigenen Familien aufgehoben sind“, hieß es von AFS, Auch die Bezirksregierung in Düsseldorf habe sehr umsichtig gehandelt, sagt Klara Schlag. Die 16-Jährige blickt schon auf die Zeit nach der Pandemie. „Ich habe mich mit meiner Gastfamilie für das nächste Jahr verabredet.“ Dann will sie auch ihre eigene Familie mitnehmen und alles zeigen, was sie schon kennengelernt hat. Doch egal was kommt: Die Erinnerungen bleiben: „Ein solch heftiger Winter mit Eis und Schnee und Temperaturen, die ich bei uns in Petershagen so noch nie erlebt habe, hat mich doch sehr überrascht. Und das besonders deshalb, weil Kanada in meiner bisherigen Vorstellung ein Land zu sein schien, dass weit im Norden liegt. Tatsächlich liegt speziell Québec fast eintausend Kilometer südlicher als Petershagen. Soll ich dem Golfstrom danken für unser doch so viel milderes Klima oder wünsche ich mir auch für unsere Breiten wieder einen richtigen Winter? Ich weiß es nicht!“ Auch kulturell durfte Klara Schlag, die zur Privatschule „Collége Jésus-Marie de Sillery“ ging, in ihrer gekappten Kanada-Zeit viel erleben. „Besonders Montreal hat mir sehr gut gefallen, mit dem Kontrast von totaler Großstadt und Wolkenkratzern auf der einen und dem Mont Royal als Aussichtsplattform und einem wunderschönen Park auf der anderen Seite.“ Der Austausch habe eine neue Welt erschlossen. „Wenn mir irgendjemand wieder einen Austausch anbietet, würde ich nicht lange überlegen. Denn man gewinnt Momente, Freundschaften und Erinnerungen, die man sein Leben lang nicht vergisst.“ Auf Anhieb habe sie sich gut mit den Gasteltern in Québec-City verstanden: „Wir waren immer auf einer gemeinsamen Wellenlänge. Vor allem hatte ich gleich meinen kleinen Gastbruder Simon ins Herz geschlossen. Auch mit dem Französisch funktionierte es gut, obwohl ich erst Bedenken hatte wegen des kanadischen Akzents und mancher Wort-Neuschöpfung im kanadischen Französisch. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr sprach ich „comme une vrai québecquoais“ (wie eine echte Quebecerin).“ Mittlerweile, so Klara Schlag, liebt sie den kanadischen Akzent.

Mit dem letzten Flieger zurück: So endete der Auslandsaufenthalt einer Petershäger Schülerin

Québec/Petershagen. Für Klara Schlag hat Corona das Wintermärchen in Kanada beendet. Die Austauschschülerin aus Petershagen wollte drei Monate in Québec leben – doch der Schneesturm bei der Landung im Januar sollte nur der Anfang unvergessener Ereignisse sein. Ausgesprochen gut hatte sie sich in ihrer Gastfamilie eingelebt, hatte Ottawa kennengelernt und Montreal, war mit Schlittenhunden unterwegs, genoss bei minus 31 Grad Celsius alpines Skivergnügen und – feierte in Québec ein besonderes Fest: ihren 16. Geburtstag. Dann kam die Pandemie.

Kann Klara Schlag keiner mehr nehmen: Erinnerungen an ein Schlittenhunderennen bei Québec. Fotos: privat
Kann Klara Schlag keiner mehr nehmen: Erinnerungen an ein Schlittenhunderennen bei Québec. Fotos: privat

Anfang März spitzte sich die Corona-Lage nicht nur in Deutschland zu. „Auch in Québec wurden alle großen Ereignisse abgesagt; so ein Eishockeyspiel, auf dass ich mich schon besonders gefreut hatte“, sagt Klara Schlag. Am 16. März schließlich machte die Regierung alle Schulen dicht. Alle Teilnehmer bekamen eine E-Mail von der Bezirksregierung Düsseldorf: der Austausch werde unverzüglich abgebrochen. Zu Klaras Reisegruppe gehörten insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler. Auch Klara sollte nach Deutschland zurückkehren, da mit einer Schließung aller Grenzen zu rechnen sei. „Das war ein echter Schock, da man sich von Freunden und Lehrern nicht mehr verabschieden konnte“, sagt die junge Petershägerin. Zwei Wochen lebte Klara Schlag dann in freiwilliger Quarantäne.

Klara Schlag (links) mit Austauschpartnerin Anne-Sophie beim Schlittschuh laufen. Die Kanadierin war zuvor drei Monate Gast in Petershagen.
Klara Schlag (links) mit Austauschpartnerin Anne-Sophie beim Schlittschuh laufen. Die Kanadierin war zuvor drei Monate Gast in Petershagen.

„Ich war über dieses vorzeitige Ende sehr traurig, da ich mich richtig gut in Kanada eingelebt hatte.“ Im Nachhinein sei sie der Bezirksregierung sehr dankbar. „Wir haben einen der letzten Flieger nach Hause bekommen und konnten durch diese gute Planung alle wieder zu Hause sein.“ Und letztlich seien es ja auch „nur“ drei Wochen weniger gewesen.

Wie Klara, die an einem NRW-Landesprogramm der Bezirksregierung Düsseldorf teilgenommen hat, ging es weltweit 10.000 Austauschschülern. Die meisten Teilnehmenden, so teilt es die größte und international tätige Austauschorganisation AFS mit, seienwohlbehalten nach Hause zurückgekehrt, wenige mussten noch bei ihren Gastfamilien ausharren. „Wir glauben daran, dass sie in den unsicheren Zeiten der Covid-19-Pandemie am besten bei ihren eigenen Familien aufgehoben sind“, hieß es von AFS, Auch die Bezirksregierung in Düsseldorf habe sehr umsichtig gehandelt, sagt Klara Schlag.

Die 16-Jährige blickt schon auf die Zeit nach der Pandemie. „Ich habe mich mit meiner Gastfamilie für das nächste Jahr verabredet.“ Dann will sie auch ihre eigene Familie mitnehmen und alles zeigen, was sie schon kennengelernt hat.

Doch egal was kommt: Die Erinnerungen bleiben: „Ein solch heftiger Winter mit Eis und Schnee und Temperaturen, die ich bei uns in Petershagen so noch nie erlebt habe, hat mich doch sehr überrascht. Und das besonders deshalb, weil Kanada in meiner bisherigen Vorstellung ein Land zu sein schien, dass weit im Norden liegt. Tatsächlich liegt speziell Québec fast eintausend Kilometer südlicher als Petershagen. Soll ich dem Golfstrom danken für unser doch so viel milderes Klima oder wünsche ich mir auch für unsere Breiten wieder einen richtigen Winter? Ich weiß es nicht!“

Auch kulturell durfte Klara Schlag, die zur Privatschule „Collége Jésus-Marie de Sillery“ ging, in ihrer gekappten Kanada-Zeit viel erleben. „Besonders Montreal hat mir sehr gut gefallen, mit dem Kontrast von totaler Großstadt und Wolkenkratzern auf der einen und dem Mont Royal als Aussichtsplattform und einem wunderschönen Park auf der anderen Seite.“

Der Austausch habe eine neue Welt erschlossen. „Wenn mir irgendjemand wieder einen Austausch anbietet, würde ich nicht lange überlegen. Denn man gewinnt Momente, Freundschaften und Erinnerungen, die man sein Leben lang nicht vergisst.“ Auf Anhieb habe sie sich gut mit den Gasteltern in Québec-City verstanden: „Wir waren immer auf einer gemeinsamen Wellenlänge. Vor allem hatte ich gleich meinen kleinen Gastbruder Simon ins Herz geschlossen. Auch mit dem Französisch funktionierte es gut, obwohl ich erst Bedenken hatte wegen des kanadischen Akzents und mancher Wort-Neuschöpfung im kanadischen Französisch. Aber je mehr Zeit verging, desto mehr sprach ich „comme une vrai québecquoais“ (wie eine echte Quebecerin).“ Mittlerweile, so Klara Schlag, liebt sie den kanadischen Akzent.

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