Von der Theater-AG zur Schauspielschule: Cedric Hormann hat ein großes Ziel Claudia Hyna Petershagen. Er keucht, schwitzt und hechelt. Und überzeugt mit der Darstellung des Patrick Bateman aus „American Psycho“ die Jury. Cedric Hormann (18) beginnt im Herbst seine Ausbildung an der Internationalen Akademie für Filmschauspiel in Köln – seine Laufbahn startete als Mitglied der Theater-AG am Gymnasium Petershagen. Die erste Figur, die der Fünftklässler spielte, war die des Buchhändlers Mo in dem Stück „Tintenblut“ von Cornelia Funke. „Es hat sich so ergeben, dass ich sofort eine richtig große Rolle bekam – was ich eigentlich nicht wollte“, sagt er rückblickend. Verholfen dazu hätten ihm wohl seine Geheimratsecken, die er schon als Kind hatte. Dadurch sehe er aus manchem Blickwinkel älter aus, als er ist. Und ja, es sei viel zu lernen gewesen, aber „die absolut richtige Entscheidung, das zu machen“. Es habe unfassbar viel Spaß gemacht und so blieb er dabei. Cedric war der Spielleiter in „Biografie – ein Spiel“, ein Kammerherr in „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ und im aktuellen Stück „Herr der Fliegen“ – das wegen Corona nicht zur Aufführung kam – der Schurke Jack Merridew. Dass er gerne redet, habe sich schon im Kindergarten gezeigt. Die frühere Theater-AG-Leiterin Marie-Louise Rasche-Hagemeier habe ihn in der Hinsicht geschult und geprägt. Sie legte großen Wert auf die Aussprache der jungen Schauspieler – die unter anderem mit einem Korken im Mund sprechen sollten. „Ihr Anspruch war, dass wir auch in der letzten Reihe ohne technische Unterstützung gut zu hören sind.“ Auch die heutigen AG-Leiter Rainer Hoock und Kristina Voß freuen sich über seinen Erfolg. Noch nie sei ein Mitglied der AG zum Schauspieler ausgebildet worden. Letztlich führte der Weg systematisch dorthin. Viel Ehrgeiz für die Schule habe er nie entwickelt, berichtet Cedric. Er bezeichnet sich als durchschnittlichen Schüler, der im Unterricht nicht viel spricht. „Ich bin froh, dass ich bald durch bin“, sagt er im Hinblick auf die Abiturprüfungen. Auch bei den Proben-Wochenenden sei er manches Mal durch mangelnde Vorbereitung aufgefallen – als der, der seine Rolle im Durchlauf noch nicht gut beherrschte. Sich hinsetzen und den Text üben ist nicht seine Sache. „Ich lerne eher im Spielen“, beschreibt er sein Vorgehen. Etwa ab der neunten Klasse habe er sich Gedanken über ein Leben nach der Schule gemacht. In die künstlerische Welt sollte es gehen, das war klar. Denn Cedric sieht sich als kreativen Menschen, er spielt Gitarre und ein wenig Schlagzeug, schreibt Songs. Und er mag es, den Entertainer zu geben. „Extrem aufgeregt“ sei er beim Vorsprechen in Köln gewesen, schildert er. Und zuvor beim Probenwochenende der AG habe er immer und immer wieder den Telefonmonolog aus „American Psycho“ geübt. Der sei schon ziemlich bizarr, denn darin erzählt ein Serienmörder von seinen blutigen Taten. Die Mitspieler hatten Geduld mit ihm und – fanden es super. Offenbar auch die Juroren. Diese versprachen, in spätestens 14 Tagen bekomme er Bescheid. Doch schon am nächsten Morgen war die Zusage da. „Ein schöner Moment“, für den sich das Üben gelohnt hatte. Eine Aufgabe bestand darin, den Monolog ohne Drama zu zeigen. Und schließlich musste er eine improvisierte Streitszene spielen. „Schreien kann ich gut“, das hätte gepasst, meint er. Der Abiturient findet, dass er sich gut in seine Rollen hineinversetzen kann. Das führe dazu, dass Bewegungen, Mimik und Sprache realistisch sind – und die Geschichte glaubwürdig machen. Obwohl er bisher nur Theaterstücke gespielt hat, findet der Schüler Filme faszinierender. „Da kann man mehr Atmosphäre erzeugen.“ Menschen in Geschichten ziehen, das ist sein Wunsch. Dabei könne er die Leute aus dem Alltag holen und in eine andere Welt bringen. Gute Geschichten, das sind für den 18-Jährigen Thriller wie „Shutter Island“ und das Actiondrama „The Dark Knight“. Bei letzterem hat ihn die Leistung von Heath Ledger beeindruckt, der dafür posthum einen Oscar zugesprochen bekam. Seine Idole sind Schauspieler wie Jake Gyllenhaal, Leonardo di Caprio, Christian Bale – Typen, die viel für ihre Rolle tun. Und sich körperlich und sprachlich verändern. Außerdem mag er Fantasyfilme wie „Herr der Ringe“ („den habe ich mehrfach gesehen – und zwar alle drei Teile am Stück“) und Komödien wie „Monsieur Claude und seine Töchter“. Nun träumen die meisten Eltern nicht unbedingt davon, dass ihre Kinder zur Bühne gehen – immer noch gelten Berufe in dem Bereich als brotlose Kunst. Cedrics Eltern stehen hinter ihrem Sohn und unterstützen seine Ambitionen. Sein acht Jahre älterer Bruder Niklas (der ebenfalls in der Theater-AG spielte) sagte zu ihm: „Mach, was dich glücklich macht“. Was das sein könnte, weiß er genau. Cedric Hormann träumt von Hollywood. Und davon, mit großen Regisseuren zusammen zu arbeiten. Für diesen Traum will er alles tun. Denn Cedric mag Kämpfer. Hätte es eine Abi-Mottowoche gegeben, wäre er wohl als Jedi-Ritter gegangen. „Dafür hätte ich mir zu gerne meine Lichtschwerter aus Plastik rausgekramt.“

Von der Theater-AG zur Schauspielschule: Cedric Hormann hat ein großes Ziel

Cedric Hormann erzählt „unfassbar gerne Geschichten". Damit will er Denkanstöße geben. MT- © Foto: Alex Lehn

Petershagen. Er keucht, schwitzt und hechelt. Und überzeugt mit der Darstellung des Patrick Bateman aus „American Psycho“ die Jury. Cedric Hormann (18) beginnt im Herbst seine Ausbildung an der Internationalen Akademie für Filmschauspiel in Köln – seine Laufbahn startete als Mitglied der Theater-AG am Gymnasium Petershagen.

Die erste Figur, die der Fünftklässler spielte, war die des Buchhändlers Mo in dem Stück „Tintenblut“ von Cornelia Funke. „Es hat sich so ergeben, dass ich sofort eine richtig große Rolle bekam – was ich eigentlich nicht wollte“, sagt er rückblickend. Verholfen dazu hätten ihm wohl seine Geheimratsecken, die er schon als Kind hatte. Dadurch sehe er aus manchem Blickwinkel älter aus, als er ist. Und ja, es sei viel zu lernen gewesen, aber „die absolut richtige Entscheidung, das zu machen“. Es habe unfassbar viel Spaß gemacht und so blieb er dabei.

Cedric (Mitte) in „Herr der Fliegen“. Fotos: privat
Cedric (Mitte) in „Herr der Fliegen“. Fotos: privat

Cedric war der Spielleiter in „Biografie – ein Spiel“, ein Kammerherr in „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ und im aktuellen Stück „Herr der Fliegen“ – das wegen Corona nicht zur Aufführung kam – der Schurke Jack Merridew. Dass er gerne redet, habe sich schon im Kindergarten gezeigt. Die frühere Theater-AG-Leiterin Marie-Louise Rasche-Hagemeier habe ihn in der Hinsicht geschult und geprägt. Sie legte großen Wert auf die Aussprache der jungen Schauspieler – die unter anderem mit einem Korken im Mund sprechen sollten. „Ihr Anspruch war, dass wir auch in der letzten Reihe ohne technische Unterstützung gut zu hören sind.“

So fing es an: Als Mo in „Tintenblut“ (links).
So fing es an: Als Mo in „Tintenblut“ (links).

Auch die heutigen AG-Leiter Rainer Hoock und Kristina Voß freuen sich über seinen Erfolg. Noch nie sei ein Mitglied der AG zum Schauspieler ausgebildet worden. Letztlich führte der Weg systematisch dorthin. Viel Ehrgeiz für die Schule habe er nie entwickelt, berichtet Cedric. Er bezeichnet sich als durchschnittlichen Schüler, der im Unterricht nicht viel spricht. „Ich bin froh, dass ich bald durch bin“, sagt er im Hinblick auf die Abiturprüfungen.

Cedric (links) in Yvonne die Burgunderprinzessin.
Cedric (links) in Yvonne die Burgunderprinzessin.

Auch bei den Proben-Wochenenden sei er manches Mal durch mangelnde Vorbereitung aufgefallen – als der, der seine Rolle im Durchlauf noch nicht gut beherrschte. Sich hinsetzen und den Text üben ist nicht seine Sache. „Ich lerne eher im Spielen“, beschreibt er sein Vorgehen. Etwa ab der neunten Klasse habe er sich Gedanken über ein Leben nach der Schule gemacht. In die künstlerische Welt sollte es gehen, das war klar. Denn Cedric sieht sich als kreativen Menschen, er spielt Gitarre und ein wenig Schlagzeug, schreibt Songs. Und er mag es, den Entertainer zu geben.

„Extrem aufgeregt“ sei er beim Vorsprechen in Köln gewesen, schildert er. Und zuvor beim Probenwochenende der AG habe er immer und immer wieder den Telefonmonolog aus „American Psycho“ geübt. Der sei schon ziemlich bizarr, denn darin erzählt ein Serienmörder von seinen blutigen Taten. Die Mitspieler hatten Geduld mit ihm und – fanden es super.

Offenbar auch die Juroren. Diese versprachen, in spätestens 14 Tagen bekomme er Bescheid. Doch schon am nächsten Morgen war die Zusage da. „Ein schöner Moment“, für den sich das Üben gelohnt hatte. Eine Aufgabe bestand darin, den Monolog ohne Drama zu zeigen. Und schließlich musste er eine improvisierte Streitszene spielen. „Schreien kann ich gut“, das hätte gepasst, meint er. Der Abiturient findet, dass er sich gut in seine Rollen hineinversetzen kann. Das führe dazu, dass Bewegungen, Mimik und Sprache realistisch sind – und die Geschichte glaubwürdig machen.

Obwohl er bisher nur Theaterstücke gespielt hat, findet der Schüler Filme faszinierender. „Da kann man mehr Atmosphäre erzeugen.“ Menschen in Geschichten ziehen, das ist sein Wunsch. Dabei könne er die Leute aus dem Alltag holen und in eine andere Welt bringen.

Gute Geschichten, das sind für den 18-Jährigen Thriller wie „Shutter Island“ und das Actiondrama „The Dark Knight“. Bei letzterem hat ihn die Leistung von Heath Ledger beeindruckt, der dafür posthum einen Oscar zugesprochen bekam. Seine Idole sind Schauspieler wie Jake Gyllenhaal, Leonardo di Caprio, Christian Bale – Typen, die viel für ihre Rolle tun. Und sich körperlich und sprachlich verändern. Außerdem mag er Fantasyfilme wie „Herr der Ringe“ („den habe ich mehrfach gesehen – und zwar alle drei Teile am Stück“) und Komödien wie „Monsieur Claude und seine Töchter“.

Nun träumen die meisten Eltern nicht unbedingt davon, dass ihre Kinder zur Bühne gehen – immer noch gelten Berufe in dem Bereich als brotlose Kunst. Cedrics Eltern stehen hinter ihrem Sohn und unterstützen seine Ambitionen. Sein acht Jahre älterer Bruder Niklas (der ebenfalls in der Theater-AG spielte) sagte zu ihm: „Mach, was dich glücklich macht“. Was das sein könnte, weiß er genau. Cedric Hormann träumt von Hollywood. Und davon, mit großen Regisseuren zusammen zu arbeiten.

Für diesen Traum will er alles tun. Denn Cedric mag Kämpfer. Hätte es eine Abi-Mottowoche gegeben, wäre er wohl als Jedi-Ritter gegangen. „Dafür hätte ich mir zu gerne meine Lichtschwerter aus Plastik rausgekramt.“

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