Lahde

"Alibi-Bepflanzung": Kritik an der Wiederaufforstung in der Lahder Aue

Oliver Plöger

Fachlich seien die einzelnen Anpflanzungen gut durchgeführt, Wilfried Triebwasser hätte sich aber geringere abstände der Bäume gewünscht. Laut Stadt seien die Arbeiten aber noch nicht abgeschlossen. MT- - © Foto: Oliver Plöger
Fachlich seien die einzelnen Anpflanzungen gut durchgeführt, Wilfried Triebwasser hätte sich aber geringere abstände der Bäume gewünscht. Laut Stadt seien die Arbeiten aber noch nicht abgeschlossen. MT- (© Foto: Oliver Plöger)

Petershagen-Lahde. Die Lahder Pappeln lassen Wilfried Triebwasser nicht los. Obwohl es sie am alten Standort an der Aue unterhalb der Straße Unterm Berge schon gar nicht mehr gibt. Um 2007 seien sie gefällt worden, erinnert sich Triebwasser. Damals mit der behördlichen Begründung, die Bäume stellten eine Unfallgefahr dar. Dass am Anfang des Wirtschaftsweges jetzt eine Wiederaufforstung begann, freut den Lahder grundsätzlich. Auf einem Teilstück von etwa 545 Metern seien sieben Eichenbäume und 20 Kopfweiden gepflanzt worden. Die einzelnen Anpflanzungen hält Triebwasser für gut, ärgert sich allerdings über die viel zu großen Abstände. „Es ist allenfalls Stückwerk, eine Alibipflanzung und kann so nicht hingenommen werden“, sagt der über 80-Jährige.

Eine akzeptable Wiederaufforstung wäre seiner Auffassung nach ein Abstand zwischen den Bäumen von zehn Metern in der gesamten Länge des Wirtschaftsweges gewesen. Mit dazwischen gepflanzten heimischen Sträuchern wie Holunder, Weißdorn, Schlehe oder Heckenrose. Das, so Wilfried Triebwasser, wäre ein starkes Zeichen „pro Natur“ seitens der Stadt. „Im Naherholungsgebiet Lahder Aueniederung gäbe es wieder ein grünes Band, wieder ein Stück Heimat im Bestand.“

MT-Grafik: Alex Hoffmann
MT-Grafik: Alex Hoffmann

Für die Stadt kommt Triebwassers Kritik etwas zu früh. Die Arbeiten dort seien noch gar nicht abgeschlossen, so Pressesprecherin Tatjana Brast auf MT-Anfrage. Wörtlich: „Die Pflanzmaßnahme ist mit dem Kreisumweltamt abgestimmt und wird auch noch weiter geführt.“ Eingebunden sei auch der Wasserbeschaffungsverband Weserniederung, mit dem aktuell Abstimmungen laufen, was das weitere Unterholz betrifft. Für Petershagen ist die Wiederaufforstung demnach ein „laufendes Verfahren.“ Allerdings wohl ohne Pappeln – für Kommunen sind sie angesichts der häufigeren Stürme zu windanfällig, sie brechen schnell.

Gerade zu Pappeln aber hat Wilfried Triebwasser ein besonderes Verhältnis. Die Aue, von der Talmühle kommend, sei 1936 an die Hanglage Friller-, Bückeburger Straße und die Straße Unterm Berge verlegt worden. „Dieser Bereich wurde ab 1950 mehrjährig von Abgängern der Lahder Volksschule bepflanzt.“ Und einer dieser Volksschüler war – Wilfried Triebwasser.

Lahder Bürger hätten geholfen, als zur gleichen Zeit der aus dem Bereich Rothemühle kommende Entwässerungsgraben mit dem parallel verlaufenden Wirtschaftsweg auf einer Länge von etwa 1,3 Kilometern mit Pappeln bepflanzt worden sei. Damals unter der Leitung eines örtlichen Gärtnermeisters. Wilfried Triebwasser: „War der Pflanzabstand mit vier Metern aus heutiger Sicht sicherlich unverhältnismäßig, war es aber das Bestreben, dem Rohstoffmangel an Holz mit schnell wachsenden Bäumen zu begegnen.“

In Wald und Forst seien Fichten gepflanzt worden, außerhalb der Ortschaften als Straßen- und Wegebegleitgrün jedoch die schnell wachsenden Pappeln. Die, so weiß Triebwasser, benötigen nur ein Drittel der Wachstumszeit gegenüber Hartholzarten, die erst mit rund 80 Jahren Schlagreife erreichten. Und: Die Pappel sei früher sehr wohl ein bedeutender Wirtschaftsbaum gewesen. „Industriell wurde das Holz vorwiegend zu Zellulose und Sperrholz und, weil es langsam brennt, zu Streichhölzern verarbeitet“, weiß Wilfried Triebwasser. Auch im Handwerk ließen sich vielerlei häusliche Gegenstände erstellen, darunter Holzschuhe. „Es gab sie in jedem Dorf, in jedem Kramladen, in jeder Größe zu kaufen.“

Mit bis zu 1,25 Metern dickem Stammholz und dem geringen Abstand der Bäume hatte sich im Laufe der Jahrzehnte am Entwässerungsgraben ein grünes Band entwickelt und war – wie die Aue selbst mit ihren drei Mühlen, dem Dreiers Berg, den Eichen, den Kiesteichen und im Hintergrund dem Kirchturm – ein die Landschaft prägendes Element, betont Triebwasser.

Als 2007 die Pappeln am Auebogen gefällt wurden, habe er in de Verwaltung protestiert – ohne anhaltenden Erfolg. Die weitere Entfernung der Pappeln in den Folgejahren sei nicht mehr aufzuhalten gewesen. Wilfried Triebwasser, der am Wirtschaftsweg in den Achtzigerjahren auch Nistkästen angebracht hatte: „Dass hier ohne Not Lebensraum zerstört wurde, bezeugen 63 Pappeln am Ende des Wirtschaftsweges, die sich, sarkastisch formuliert, am Kahlschlag nicht beteiligt haben.“

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Lahde"Alibi-Bepflanzung": Kritik an der Wiederaufforstung in der Lahder AueOliver PlögerPetershagen-Lahde. Die Lahder Pappeln lassen Wilfried Triebwasser nicht los. Obwohl es sie am alten Standort an der Aue unterhalb der Straße Unterm Berge schon gar nicht mehr gibt. Um 2007 seien sie gefällt worden, erinnert sich Triebwasser. Damals mit der behördlichen Begründung, die Bäume stellten eine Unfallgefahr dar. Dass am Anfang des Wirtschaftsweges jetzt eine Wiederaufforstung begann, freut den Lahder grundsätzlich. Auf einem Teilstück von etwa 545 Metern seien sieben Eichenbäume und 20 Kopfweiden gepflanzt worden. Die einzelnen Anpflanzungen hält Triebwasser für gut, ärgert sich allerdings über die viel zu großen Abstände. „Es ist allenfalls Stückwerk, eine Alibipflanzung und kann so nicht hingenommen werden“, sagt der über 80-Jährige. Eine akzeptable Wiederaufforstung wäre seiner Auffassung nach ein Abstand zwischen den Bäumen von zehn Metern in der gesamten Länge des Wirtschaftsweges gewesen. Mit dazwischen gepflanzten heimischen Sträuchern wie Holunder, Weißdorn, Schlehe oder Heckenrose. Das, so Wilfried Triebwasser, wäre ein starkes Zeichen „pro Natur“ seitens der Stadt. „Im Naherholungsgebiet Lahder Aueniederung gäbe es wieder ein grünes Band, wieder ein Stück Heimat im Bestand.“ Für die Stadt kommt Triebwassers Kritik etwas zu früh. Die Arbeiten dort seien noch gar nicht abgeschlossen, so Pressesprecherin Tatjana Brast auf MT-Anfrage. Wörtlich: „Die Pflanzmaßnahme ist mit dem Kreisumweltamt abgestimmt und wird auch noch weiter geführt.“ Eingebunden sei auch der Wasserbeschaffungsverband Weserniederung, mit dem aktuell Abstimmungen laufen, was das weitere Unterholz betrifft. Für Petershagen ist die Wiederaufforstung demnach ein „laufendes Verfahren.“ Allerdings wohl ohne Pappeln – für Kommunen sind sie angesichts der häufigeren Stürme zu windanfällig, sie brechen schnell. Gerade zu Pappeln aber hat Wilfried Triebwasser ein besonderes Verhältnis. Die Aue, von der Talmühle kommend, sei 1936 an die Hanglage Friller-, Bückeburger Straße und die Straße Unterm Berge verlegt worden. „Dieser Bereich wurde ab 1950 mehrjährig von Abgängern der Lahder Volksschule bepflanzt.“ Und einer dieser Volksschüler war – Wilfried Triebwasser. Lahder Bürger hätten geholfen, als zur gleichen Zeit der aus dem Bereich Rothemühle kommende Entwässerungsgraben mit dem parallel verlaufenden Wirtschaftsweg auf einer Länge von etwa 1,3 Kilometern mit Pappeln bepflanzt worden sei. Damals unter der Leitung eines örtlichen Gärtnermeisters. Wilfried Triebwasser: „War der Pflanzabstand mit vier Metern aus heutiger Sicht sicherlich unverhältnismäßig, war es aber das Bestreben, dem Rohstoffmangel an Holz mit schnell wachsenden Bäumen zu begegnen.“ In Wald und Forst seien Fichten gepflanzt worden, außerhalb der Ortschaften als Straßen- und Wegebegleitgrün jedoch die schnell wachsenden Pappeln. Die, so weiß Triebwasser, benötigen nur ein Drittel der Wachstumszeit gegenüber Hartholzarten, die erst mit rund 80 Jahren Schlagreife erreichten. Und: Die Pappel sei früher sehr wohl ein bedeutender Wirtschaftsbaum gewesen. „Industriell wurde das Holz vorwiegend zu Zellulose und Sperrholz und, weil es langsam brennt, zu Streichhölzern verarbeitet“, weiß Wilfried Triebwasser. Auch im Handwerk ließen sich vielerlei häusliche Gegenstände erstellen, darunter Holzschuhe. „Es gab sie in jedem Dorf, in jedem Kramladen, in jeder Größe zu kaufen.“ Mit bis zu 1,25 Metern dickem Stammholz und dem geringen Abstand der Bäume hatte sich im Laufe der Jahrzehnte am Entwässerungsgraben ein grünes Band entwickelt und war – wie die Aue selbst mit ihren drei Mühlen, dem Dreiers Berg, den Eichen, den Kiesteichen und im Hintergrund dem Kirchturm – ein die Landschaft prägendes Element, betont Triebwasser. Als 2007 die Pappeln am Auebogen gefällt wurden, habe er in de Verwaltung protestiert – ohne anhaltenden Erfolg. Die weitere Entfernung der Pappeln in den Folgejahren sei nicht mehr aufzuhalten gewesen. Wilfried Triebwasser, der am Wirtschaftsweg in den Achtzigerjahren auch Nistkästen angebracht hatte: „Dass hier ohne Not Lebensraum zerstört wurde, bezeugen 63 Pappeln am Ende des Wirtschaftsweges, die sich, sarkastisch formuliert, am Kahlschlag nicht beteiligt haben.“