Schlüsselburg

Hart am Wind - Ausgleichs-Landeflächen für Rast- und Zugvögel am neuen Windpark Schlüsselburg

Oliver Plöger

An der Zufahrt zum neuen Windpark standen bis vor wenigen Wochen noch diese Schilder. MT- - © Foto: Oliver Plöger
An der Zufahrt zum neuen Windpark standen bis vor wenigen Wochen noch diese Schilder. MT- (© Foto: Oliver Plöger)

Petershagen-Schlüsselburg. Die vier neu errichteten Windkraftanlagen im Windpark Schlüsselburg sind am Netz und liefern Strom. Dass es vorab Diskussionen um den Standort gegeben hatte, ist dem Bremer Projektentwickler WPD Bremen durchaus bewusst. „Wir bewegen uns natürlich in einem sehr sensiblen Bereich“, so Diplom-Ingenieur Dirk Pardieck, Landschaftsplaner bei WPD. Das Unternehmen, das in Schlüsselburg ein Kooperationsprojekt mit der Rintelner Firma Thiele Consulting betreibt, setze auf Transparenz. Sonst könne man einen Windpark nicht realisieren, wie Pardieck im MT-Gespräch sagt.

Kritik an der Windpark-Planung gab es vorab von der Petershäger Politik, die sich mit dem Standort auch aus Umweltbelangen schwergetan hatte: Vogelflug war Thema und Landschaftsschutz. Das weitere Genehmigungsverfahren nahm mehr als zwei Jahre in Anspruch. Jetzt drehen sich die Rotoren.

Neben dem Umweltgutachten, das vorab „Grünes Licht“ gegeben hatte, verweist Dirk Pardieck auf die bestehenden Ausgleichsmaßnahmen im unmittelbaren Umfeld des Windparks. Insgesamt 3,7 Hektar seien für Rast- und Zugvögel vorgesehen, eine weitere Fläche im Süden – ein Hektar groß – komme noch dazu. Für die Flächen wurde Ackerland zu Grünland umgewandelt.

Vollendet: Die vier Windkraftanlagen in der Gemarkung Schlüsselburg sind seit wenigen Tagen komplett am Netz. Der Strom wird über eine Distanz von viereinhalb Kilometern bis zum Umspannwerk nach Leese geleitet. - © Foto: Thiele Consulting/pr
Vollendet: Die vier Windkraftanlagen in der Gemarkung Schlüsselburg sind seit wenigen Tagen komplett am Netz. Der Strom wird über eine Distanz von viereinhalb Kilometern bis zum Umspannwerk nach Leese geleitet. (© Foto: Thiele Consulting/pr)

„Ich habe mich selbst schon davon überzeugt: Die Flächen werden von den Tieren angenommen,“ sagt Pardieck, der speziell hier auf den externen Gutachter und das laufende Monitoring verweist. Ob der Ausgleich funktioniert, solle in regelmäßigen Abständen überprüft werden.

Im Zuge der Windpark-Entwicklung habe es darüber hinaus sogenannte Vermeidungsmaßnahmen gegeben. Grund laut Pardieck: die Beeinträchtigung durch die Bautätigkeit sollte minimiert werden. Dazu wurden 13 Nisthilfen angebracht, unter anderem an der Brücke nördlich des Kanals und im Bereich der Zufahrt zum Windpark. Entlang der Zufahrt und an allen vier Standorten der neuen Windkraftanlagen seien zudem die entstandenen Erdhaufen begrünt worden. Ersatzgeldzahlungen von fast 200.000 Euro sollen für weitere eventuelle naturschutzfachliche Belange eingesetzt werden. Das Geld musste an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Minden-Lübbecke überwiesen werden.

Bereits früh war zudem klar, dass die Fundamente der Anlagen um zwei Meter höher als üblich errichtet werden mussten: die Windanlagen befinden sich teilweise im Überschwemmungsgebiet der Weser.

Speziell auf den Lärmschutz verwies Rolf Thiele in dieser Woche – ohne wissenschaftlichen Hintergrund, dafür ganz praktisch. „Ich habe mich zwischen die Anlagen gestellt und nur den Traktor in der Nähe gehört.“ Lärm gehe seines Erachtens nicht von den Anlagen in der Gemarkung Schlüsselburg aus.

Ob sich die Anwohner gestört fühlen, muss sich indes noch zeigen. Alle Anlagen komplett sind erst seit wenigen Tagen aktiv. Bereits seit Februar speisen zwei Windräder die Strommengen ins viereinhalb Kilometer entfernte Umspannwerk Leese ein. Um die Distanz zu überbrücken, war eine Unterquerung der Weser notwendig. „Eine anspruchsvolle Aufgabe“, wie Rolf Thiele sagt. Er spielt damit auf die Horizontalbohrung an, die sich im Oktober vorigen Jahres als schwierig erwiesen hatte – der Untergrund habe sich massiver dargestellt als erwartet. Alle technischen Probleme konnten gelöst werden.

Der Windpark Schlüsselburg liefert Strom für mehr als 10.000 Drei-Personen-Haushalte. Die Windenergieanlagen vom Typ Enercon E 115 sind jeweils 135 Meter hoch, der Rotordurchmesser liegt bei 115 Metern, die Nennleistung gibt der Hersteller mit 3.200 Kilowatt je Anlage an.

Die Politik in Petershagen hatte sich die Entscheidung für die Schlüsselburger Fläche nicht leicht gemacht. Das wurde etwa in den Ausschussgremien deutlich: „Wir geben unsere Zustimmung, weil wir nicht wollen, das überall Einzelanlagen hinkommen“, so damals Wolfgang Riesner (Grüne). CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Humcke hatte zuletzt von einem „Kompromiss“ gesprochen. Bereits im September 2016 hatte der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss dem Vorhaben zugestimmt, der Kreis hatte – nach einem ausgesprochen langen Verfahren – erst im Juni 2018 Ja gesagt. Vor der abschließenden Genehmigung hatte die Bezirksregierung noch auf die Bedeutung der Weseraue als Leitlinie für den Vogelflug verwiesen, ebenso auf das mögliche Vorkommen „windenergiesensibler Greif- und Großvogelarten.“

Rolf Thiele sieht das Verfahren am Ende positiv: „Wir wünschen uns mehr weitsichtige Bürger, Kommunen und Genehmigungsbehörden wie in diesem Projekt.“ Noch im Laufe dieses Jahres soll es eine offizielle Einweihung geben. Da dann auch Hände geschüttelt werden sollen, wird die Corona-Krise abgewartet.

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 264 oder Oliver.Ploeger@MT.de

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