Petershagen

Umsonst auf die Schatzinsel: Lehrer stellt tausende Arbeitsblätter für Schüler kostenlos im Netz

Oliver Plöger

Petershagen. Als ehemaliger Lehrer kann sich Georg Klingsiek ziemlich gut vorstellen, dass sich so mancher Schüler über die geschlossene Schule gefreut hat. Doch auch davon ist Kling-siek überzeugt: „Es wird schnell langweilig.“ Und für manche Eltern sei die Corona-Krise sicher eine Herausforderung. Genau da will der Petershäger jetzt Abhilfe schaffen. Mit über tausend Arbeitsblättern, unzähligen Farb- und Fotofolien und vielen Filmen. Die stellt er nämlich „für lau“ ins Netz.

Verschickt die Arbeitsblätter kostenlos: Georg Klingsiek, ehemaliger Lehrer. - © Foto: Westermann
Verschickt die Arbeitsblätter kostenlos: Georg Klingsiek, ehemaliger Lehrer. (© Foto: Westermann)

Dazu muss man wissen: Georg Klingsiek hat in seiner aktiven Zeit als Lehrer an der Freiherr-von-Vincke-Realschule in Minden nicht nur unterrichtet, sondern auch viele Jahre für einen Schulbuchverlag Unterrichtsmaterialien für den Erdkundeunterricht erstellt.

Um die, wie er sagt „gegenwärtig zum Teil schwierige häusliche Situation etwas abzumildern, will ich all diese Materialien kostenlos zur Verfügung stellen.“ Interessierte Eltern und auch Lehrer könnten das Gewünschte direkt auf der Internetseite www.geo-pool.de herunterladen. „Da das Angebot aber viel zu groß ist, um es komplett ins Internet zu stellen, ist es möglich, es auf dieser Internetseite per Mail zu bestellen“, sagt Klingsiek. Und weist auch hier auf das kostenlose Angebot hin. „Die Materialien werden nach Eingang der Bestellung auf DVD gebrannt und dann verschickt.“Ein umfangreiches Online-Inhaltsverzeichnis helfe bei der Auswahl.

Hinter den Drachenbergen kommt der Schlangensumpf: Spannend will Georg Klingsiek Erdkunde-Wissen vermitteln. So wie mit dieser Schatzkarte. Darstellung: Geo-Pool
Hinter den Drachenbergen kommt der Schlangensumpf: Spannend will Georg Klingsiek Erdkunde-Wissen vermitteln. So wie mit dieser Schatzkarte. Darstellung: Geo-Pool

In den vergangenen Tagen (und Nächten) habe Georg Klingsiek die bereits bestehende Homepage seiner Verlags-Mitarbeit entsprechend aktualisiert und der Corona-Krise angepasst.

Die ersten Klicks hat es schon gegeben, auch wenn sich, wie Georg Kling-siek weiß, „Arbeitsblatt“ erstmal nicht so toll anhört. Aber: „Bei vielen Materialien geht es auch um spielendes Lernen mit Rätseln und echten Spielen.“ So können sich Schüler etwa auf einer Schatzinsel auf die spannende Schatzsuche begeben. Sie treffen auf ein Sandmeer, begeben sich durch die Hungersteppe, die Knochenhöhle oder in den Schlangensumpf. Vielleicht verirren sie sich auch an die Skelettküste – wer weiß?Doch was ist eine Karte ohne Legende? Hier gilt es, die Zeichen zu entschlüsseln, die (vielleicht) zum Schatz führen.

Über 2.300 Foto-Folien hat Georg Klingsiek zusammengestellt – mit Motiven aus aller Welt. Anschauung ist ein Schlüssel zum Lernen“, sagt er und zeigt eines der höchsten Gebäude überhaupt: Burj Khalifa, ein Wolkenkratzer in Dubai. Und ja, es geht auch in den Weltraum. Das Planetensystem wird plastisch dargestellt und die Frage aller Erdkundeschüler endlich beantwortet: „Wie macht man die Erde platt?“ Klingsiek entwirrt den Schnitt von der Kugeldarstellung zur Karte: von der dritten in die zweite Dimension.

Auch das Angebot an Filmen sei umfangreich und vielfältig und nicht rein geografisch, betont der ehemalige Lehrer, der in seiner aktiven Zeit auch Mitglied der Lehrplankommission für das Fach Erdkunde in Nordrhein-Westfalen war. Es geht um Anbau und Vermarktung von Bananen, Religionen, Stahlerzeugung, Abfallverwertung, die Dachziegelproduktion in Heisterholz, um Länder wie China, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Mongolei und vieles mehr.

Wer Georg Klingsiek kennt, der weiß, dass er nicht einfach nur Bücherwissen verbreitet, er war – abgesehen vielleicht von der dubiosen Schatzinsel oder dem Weltraum – schon an vielen Orten, für die es Arbeitsblätter gibt. Und eigentlich hätte Georg Klingsiek jetzt schon weder eine Reise unternehmen wollen – Corona hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin findet er durch die Arbeit an seiner Homepage gerade reichlich Beschäftigung.

Bekannt ist Klingsiek übrigens nicht nur als engagierter Lehrer. Er hatte sich in den vergangenen Jahren maßgeblich für den Förderverein des Alten Amtsgerichts eingesetzt, auch hier eine Broschüre samt DVD erstellt und die Veranstaltungen dort geplant und beworben. Darüber hinaus ist er als Fotograf mit zahlreichen Ausstellungen und Vorträgen an die Öffentlichkeit getreten und – nicht zuletzt – hatte sich für ein „blühendes Petershagen“ eingesetzt, die Bepflanzung von öffentlichen Flächen, deren Zustand (nicht nur) ihn oft ärgert.

Jetzt geht es aber erst einmal um den Geo-Pool und die Abertausend Materialien. Nein, Geld will er nicht verdienen, der Verkauf sei auch seitens des Verlags längst eingestellt, er selbst besitze nun die Rechte. Auch die Filme, so betont er, können per Mail kostenlos bestellt werden.

Allerdings würde sich Georg Kling-siek über eine Spende an „Plan International“ freuen. Diese Organisation, so erklärt er, kümmere sich weltweit um Kinder. Georg Klingsiek selbst hat ein Patenkind in Indien.

Jetzt wünscht sich der Petershäger vor allem eines: „Damit möglichst viele Kinder und Eltern dieses Angebot in Anspruch nehmen können, wäre es schön und wichtig, die Web-Adresse www.geo-pool.de an Bekannte und Freunde weiterzugeben.“

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PetershagenUmsonst auf die Schatzinsel: Lehrer stellt tausende Arbeitsblätter für Schüler kostenlos im NetzOliver PlögerPetershagen. Als ehemaliger Lehrer kann sich Georg Klingsiek ziemlich gut vorstellen, dass sich so mancher Schüler über die geschlossene Schule gefreut hat. Doch auch davon ist Kling-siek überzeugt: „Es wird schnell langweilig.“ Und für manche Eltern sei die Corona-Krise sicher eine Herausforderung. Genau da will der Petershäger jetzt Abhilfe schaffen. Mit über tausend Arbeitsblättern, unzähligen Farb- und Fotofolien und vielen Filmen. Die stellt er nämlich „für lau“ ins Netz. Dazu muss man wissen: Georg Klingsiek hat in seiner aktiven Zeit als Lehrer an der Freiherr-von-Vincke-Realschule in Minden nicht nur unterrichtet, sondern auch viele Jahre für einen Schulbuchverlag Unterrichtsmaterialien für den Erdkundeunterricht erstellt. Um die, wie er sagt „gegenwärtig zum Teil schwierige häusliche Situation etwas abzumildern, will ich all diese Materialien kostenlos zur Verfügung stellen.“ Interessierte Eltern und auch Lehrer könnten das Gewünschte direkt auf der Internetseite www.geo-pool.de herunterladen. „Da das Angebot aber viel zu groß ist, um es komplett ins Internet zu stellen, ist es möglich, es auf dieser Internetseite per Mail zu bestellen“, sagt Klingsiek. Und weist auch hier auf das kostenlose Angebot hin. „Die Materialien werden nach Eingang der Bestellung auf DVD gebrannt und dann verschickt.“Ein umfangreiches Online-Inhaltsverzeichnis helfe bei der Auswahl. In den vergangenen Tagen (und Nächten) habe Georg Klingsiek die bereits bestehende Homepage seiner Verlags-Mitarbeit entsprechend aktualisiert und der Corona-Krise angepasst. Die ersten Klicks hat es schon gegeben, auch wenn sich, wie Georg Kling-siek weiß, „Arbeitsblatt“ erstmal nicht so toll anhört. Aber: „Bei vielen Materialien geht es auch um spielendes Lernen mit Rätseln und echten Spielen.“ So können sich Schüler etwa auf einer Schatzinsel auf die spannende Schatzsuche begeben. Sie treffen auf ein Sandmeer, begeben sich durch die Hungersteppe, die Knochenhöhle oder in den Schlangensumpf. Vielleicht verirren sie sich auch an die Skelettküste – wer weiß?Doch was ist eine Karte ohne Legende? Hier gilt es, die Zeichen zu entschlüsseln, die (vielleicht) zum Schatz führen. Über 2.300 Foto-Folien hat Georg Klingsiek zusammengestellt – mit Motiven aus aller Welt. Anschauung ist ein Schlüssel zum Lernen“, sagt er und zeigt eines der höchsten Gebäude überhaupt: Burj Khalifa, ein Wolkenkratzer in Dubai. Und ja, es geht auch in den Weltraum. Das Planetensystem wird plastisch dargestellt und die Frage aller Erdkundeschüler endlich beantwortet: „Wie macht man die Erde platt?“ Klingsiek entwirrt den Schnitt von der Kugeldarstellung zur Karte: von der dritten in die zweite Dimension. Auch das Angebot an Filmen sei umfangreich und vielfältig und nicht rein geografisch, betont der ehemalige Lehrer, der in seiner aktiven Zeit auch Mitglied der Lehrplankommission für das Fach Erdkunde in Nordrhein-Westfalen war. Es geht um Anbau und Vermarktung von Bananen, Religionen, Stahlerzeugung, Abfallverwertung, die Dachziegelproduktion in Heisterholz, um Länder wie China, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Mongolei und vieles mehr. Wer Georg Klingsiek kennt, der weiß, dass er nicht einfach nur Bücherwissen verbreitet, er war – abgesehen vielleicht von der dubiosen Schatzinsel oder dem Weltraum – schon an vielen Orten, für die es Arbeitsblätter gibt. Und eigentlich hätte Georg Klingsiek jetzt schon weder eine Reise unternehmen wollen – Corona hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin findet er durch die Arbeit an seiner Homepage gerade reichlich Beschäftigung. Bekannt ist Klingsiek übrigens nicht nur als engagierter Lehrer. Er hatte sich in den vergangenen Jahren maßgeblich für den Förderverein des Alten Amtsgerichts eingesetzt, auch hier eine Broschüre samt DVD erstellt und die Veranstaltungen dort geplant und beworben. Darüber hinaus ist er als Fotograf mit zahlreichen Ausstellungen und Vorträgen an die Öffentlichkeit getreten und – nicht zuletzt – hatte sich für ein „blühendes Petershagen“ eingesetzt, die Bepflanzung von öffentlichen Flächen, deren Zustand (nicht nur) ihn oft ärgert. Jetzt geht es aber erst einmal um den Geo-Pool und die Abertausend Materialien. Nein, Geld will er nicht verdienen, der Verkauf sei auch seitens des Verlags längst eingestellt, er selbst besitze nun die Rechte. Auch die Filme, so betont er, können per Mail kostenlos bestellt werden. Allerdings würde sich Georg Kling-siek über eine Spende an „Plan International“ freuen. Diese Organisation, so erklärt er, kümmere sich weltweit um Kinder. Georg Klingsiek selbst hat ein Patenkind in Indien. Jetzt wünscht sich der Petershäger vor allem eines: „Damit möglichst viele Kinder und Eltern dieses Angebot in Anspruch nehmen können, wäre es schön und wichtig, die Web-Adresse www.geo-pool.de an Bekannte und Freunde weiterzugeben.“