Petershagen

Wie die Diskussion um das Schloss Petershagen neuen Schwung bekommen soll

Oliver Plöger

Gar nicht groß anders als heute: Hier wird der Schlosshof um 1905 auf einer Postkarte dargestellt. Die Geschichte des Gebäudes seit dem 16. Jahrhundert beleuchtet die Neuauflage des Hestermann-Buches. Abbildung: Archiv Ortsheimatpflege Petershagen
Gar nicht groß anders als heute: Hier wird der Schlosshof um 1905 auf einer Postkarte dargestellt. Die Geschichte des Gebäudes seit dem 16. Jahrhundert beleuchtet die Neuauflage des Hestermann-Buches. Abbildung: Archiv Ortsheimatpflege Petershagen

Petershagen. Ein Klassiker ist wieder da: Die Ortsheimatpflege Petershagen hat die Schloss- und Stadtgeschichte von Gustav Hestermann (1894 bis 1935) neu aufgelegt. Die erste Auflage gab es vor 14 Jahren aus Anlass des 700. Schlossjubiläums. Das Buch war lange vergriffen.

„Mit der Neuauflage wollen wir auch die Diskussion um das Schloss anregen“, sagt Uwe Jacobsen, Ortsheimatpfleger in Petershagen. Gleichzeitig gehe es um die Würdigung von Klaus Hestermann (89). „Der Erhalt des Schlosses ist sein und seiner Familie Lebenswerk. Sie lenkt seit vier Generationen die wechselnden Geschicke des Denkmals“, sagt Uwe Jacobsen. Heinrich Hestermann, Reichstagsmitglied, Vater von Gustav und Urgroßvater des heutigen Besitzers, hatte das Ensemble 1901 gekauft. Der gesellschaftliche Wandel, so Uwe Jacobsen, stelle die Familien Hestermann heute vor große Herausforderungen. Es gelte, die Zukunft des Schlosses neu zu verhandeln. „Das Buchprojekt der Ortsheimatpflege soll einen Beitrag zu diesem Vorhaben leisten“, so Jacobsen.

In Kürze soll auch eine weitere Auflage als Paperback erscheinen.
In Kürze soll auch eine weitere Auflage als Paperback erscheinen.

Auch für die Ortsheimatpflege ist das im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil erweiterte Schloss ein Dauerbrenner. „Es wäre schön, wenn sich ein Besitzer finden würde, der vielleicht eine gemischte Nutzung ins Auge fasst“, so Jacobsen. So könnte es museale Elemente geben. Genau das ist auch ein Wunsch von Klaus Hestermann, der sich – wie kaum ein zweiter – mit der Historie seines Schlosses auskennt und hier auf Wunsch – trotz der seit 2018 geschlossene Gastronomie – noch immer Führungen angeboten hat. Hunderte Exponate aus der Geschichte hat er gesammelt, Material, das nicht verloren gehen dürfe. Übrigens auch von seinem Vorfahren Gustav Hestermann, der sich den Nazis nach einer „persönlichen Krise“, wie es im Vorwort des neu aufgelegten Buches heißt, durch Suizid entzog.

Klaus Hestermann hofft darauf, dass der museale Anteil des Schlosses nicht verlorengeht. Foto: Ulrich Westermann - © Westermann Ulrich
Klaus Hestermann hofft darauf, dass der museale Anteil des Schlosses nicht verlorengeht. Foto: Ulrich Westermann (© Westermann Ulrich)

Seit 1919 beschäftigte sich der Jurist und Landtagsabgeordnete mit den Quellen zur Geschichte des Schlosses, der Stadt Petershagen und des Fürstbistums Minden. Seine Studien hielt er vor einem Jahrhundert auf einem 559 Seiten umfassenden Manuskript fest.

Bereits im Petershäger Jubiläumsjahr 2006 edierte und präsentierte ein Arbeitskreis, zu dem Wolfgang Battermann, Cordula und Eckhard Hagemeier, Verena und Uwe Jacobsen, Hans Luckfiel und Joachim Radi gehörten, die Erstausgabe. Die zweite Auflage geht – laut Jacobsen um der besseren Lesbarkeit willen – mit einem Wechsel des Formats und einer Aufnahme in die Reihe „Petershagen in Dokumenten“ einher. Sie wurde von Uwe Jacobsen und seiner Frau Verena eingerichtet.

Gustav Hestermann entwickelt aus einem umfangreichen Mosaik lokaler Quellen „Historische Bilder“, wie es im Untertitel heißt. Im Nebeneinander von Schloss- und Stadtgeschichte geht es unter anderem um das Schicksal der Petershäger Familien, der Bürgermeister und Stadträte, um herausragende Ereignisse, Katastrophen sowie um Gebäude und ihre Geschichten, die Schlossanlagen, Stadttore, Schulen und Burghöfe. Dem Buch, das im Buchhandel und auch als E-Book erhältlich ist und 22 Euro kostet, sind eine Reihe von historischen Bildern beigefügt.

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PetershagenWie die Diskussion um das Schloss Petershagen neuen Schwung bekommen sollOliver PlögerPetershagen. Ein Klassiker ist wieder da: Die Ortsheimatpflege Petershagen hat die Schloss- und Stadtgeschichte von Gustav Hestermann (1894 bis 1935) neu aufgelegt. Die erste Auflage gab es vor 14 Jahren aus Anlass des 700. Schlossjubiläums. Das Buch war lange vergriffen. „Mit der Neuauflage wollen wir auch die Diskussion um das Schloss anregen“, sagt Uwe Jacobsen, Ortsheimatpfleger in Petershagen. Gleichzeitig gehe es um die Würdigung von Klaus Hestermann (89). „Der Erhalt des Schlosses ist sein und seiner Familie Lebenswerk. Sie lenkt seit vier Generationen die wechselnden Geschicke des Denkmals“, sagt Uwe Jacobsen. Heinrich Hestermann, Reichstagsmitglied, Vater von Gustav und Urgroßvater des heutigen Besitzers, hatte das Ensemble 1901 gekauft. Der gesellschaftliche Wandel, so Uwe Jacobsen, stelle die Familien Hestermann heute vor große Herausforderungen. Es gelte, die Zukunft des Schlosses neu zu verhandeln. „Das Buchprojekt der Ortsheimatpflege soll einen Beitrag zu diesem Vorhaben leisten“, so Jacobsen. Auch für die Ortsheimatpflege ist das im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil erweiterte Schloss ein Dauerbrenner. „Es wäre schön, wenn sich ein Besitzer finden würde, der vielleicht eine gemischte Nutzung ins Auge fasst“, so Jacobsen. So könnte es museale Elemente geben. Genau das ist auch ein Wunsch von Klaus Hestermann, der sich – wie kaum ein zweiter – mit der Historie seines Schlosses auskennt und hier auf Wunsch – trotz der seit 2018 geschlossene Gastronomie – noch immer Führungen angeboten hat. Hunderte Exponate aus der Geschichte hat er gesammelt, Material, das nicht verloren gehen dürfe. Übrigens auch von seinem Vorfahren Gustav Hestermann, der sich den Nazis nach einer „persönlichen Krise“, wie es im Vorwort des neu aufgelegten Buches heißt, durch Suizid entzog. Seit 1919 beschäftigte sich der Jurist und Landtagsabgeordnete mit den Quellen zur Geschichte des Schlosses, der Stadt Petershagen und des Fürstbistums Minden. Seine Studien hielt er vor einem Jahrhundert auf einem 559 Seiten umfassenden Manuskript fest. Bereits im Petershäger Jubiläumsjahr 2006 edierte und präsentierte ein Arbeitskreis, zu dem Wolfgang Battermann, Cordula und Eckhard Hagemeier, Verena und Uwe Jacobsen, Hans Luckfiel und Joachim Radi gehörten, die Erstausgabe. Die zweite Auflage geht – laut Jacobsen um der besseren Lesbarkeit willen – mit einem Wechsel des Formats und einer Aufnahme in die Reihe „Petershagen in Dokumenten“ einher. Sie wurde von Uwe Jacobsen und seiner Frau Verena eingerichtet. Gustav Hestermann entwickelt aus einem umfangreichen Mosaik lokaler Quellen „Historische Bilder“, wie es im Untertitel heißt. Im Nebeneinander von Schloss- und Stadtgeschichte geht es unter anderem um das Schicksal der Petershäger Familien, der Bürgermeister und Stadträte, um herausragende Ereignisse, Katastrophen sowie um Gebäude und ihre Geschichten, die Schlossanlagen, Stadttore, Schulen und Burghöfe. Dem Buch, das im Buchhandel und auch als E-Book erhältlich ist und 22 Euro kostet, sind eine Reihe von historischen Bildern beigefügt.