Petershagen

Zwangspause: Breitbandausbau in Petershagen gestoppt

Sebastian Radermacher und Oliver Plöger

„Bis auf Weiteres“ sind die Arbeiten am Glasfaserausbau kreisweit ausgesetzt. In Friedewalde sollten der Ausbau bereits vorigen Montag starten. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra - © (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
„Bis auf Weiteres“ sind die Arbeiten am Glasfaserausbau kreisweit ausgesetzt. In Friedewalde sollten der Ausbau bereits vorigen Montag starten. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra (© (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten)

Petershagen. Der Breitbandausbau in Petershagen verzögert sich. Die Stadt hat vom Unternehmen Internexio die Mitteilung bekommen, dass die Bauarbeiten infolge der Corona-Pandemie „bis auf Weiteres" kreisweit ausgesetzt werden, berichtet Sprecherin Tatjana Brast auf MT-Anfrage. Internexio hat dies am Donnerstag bestätigt. Wegen der Corona-Beschränkungen könne der Bau weiterer Glasfasertrassen nicht beginnen. Geschäftsführer Paul Gummert bedauert, dass davon vor allem der für diese Tage geplante Ausbau in Petershagen betroffen sei. Er hoffe, so schnell wie möglich die Arbeiten fortsetzen zu können. Die weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren laufen weiter, so Gummert.

Kritik am Breitbandausbau hatte es aber schon vor der jetzigen Zwangspause gegeben. Der Windheimer Wilhelm Bultemeyer hatte sich nach einer örtlichen Bürgerversammlung ans MT gewandt und befürchtete den „Schwarzen Peter" bei der Stadt. „Anscheinend hakt es hier am Genehmigungsverfahren. So wie ich es verstanden habe, muss dort noch einmal für jede Straße und jedes Haus, das angeschlossen werden möchte, ein Antrag gestellt und dieser Antrag anschließend mit örtlichen Besichtigung geprüft werden."

Dem widerspricht die Stadt, wie Tatjana Brast betont: „Auftraggeber des Glasfaserausbaus ist der Kreis Minden-Lübbecke. Die Stadt Petershagen erteilt auf Antrag von Internexio lediglich Genehmigungen für die Leitungsverlegung in den Gemeindestraßen und für etwaige Sperrungen oder Teilsperrungen dieser Straßen während der Bauarbeiten." Hierbei habe es, so Brast weiter, keine Verzögerungen gegeben. Unterdessen wundert sich Wilhelm Bultemeyer über fehlende Informationen von der Stadt, warum nun links der Weserseite mit dem Breitbandausbau begonnen werden sollte – entgegen der ursprünglichen Planung, bei der von beiden Weserseiten die Rede war.

Auch dazu Tatjana Brast: Der Kreis habe als Auftraggeber keine Vorgaben dazu gemacht, in welcher Reihenfolge einerseits die Kommunen im Kreisgebiet und andererseits die Ortschaften und Ortsteile innerhalb einer Kommune angeschlossen werden. „Die Entscheidung darüber trifft Internexio nach technischen und organisatorischen Gesichtspunkten", sagt Tatjana Brast, und: „Leider erfolgt der Ausbau des Kreisgebietes jetzt aber von Westen nach Osten, so dass Petershagen später als ursprünglich geplant erschlossen wird." Laut Planung sollte am Montag dieser Woche in Friedewalde auf der westlichen Weserseite begonnen werden. Dann kam Corona.

Die Firma bestätigt auf MT-Nachfrage, dass ursprünglich das neue Glasfasernetz im Mühlenkreis parallel im Osten und Westen gebaut werden sollte. Diesen Plan habe man aber geändert und gehe nun von West nach Ost vor, sagt Geschäftsführer Gummert. „Dies ist organisatorisch nun die Projektrichtung, auch wenn wir ursprünglich vor den Abstimmungen mit den Rathäusern eine ,Ost-Baustelle' und eine ,West-Baustelle' vorgesehen hatten." Wie ist es zu der Planänderung gekommen? Zum Projektstart sei die Aufgabe gewesen, möglichst viele Kolonnen an Tiefbaukapazitäten einzusetzen, erklärt Gummert. Dies sei insbesondere in Stemwede und Rahden möglich gewesen.

„Leider kamen wir in Petershagen nicht so schnell auf die Straße, wie es erforderlich gewesen wäre, um die Arbeitskraft maximal effizient einzusetzen", erklärt Gummert und ergänzt: „Hinzu kam nachgelagert auch der Wunsch aus Petershagen, vor der Baumaßnahme die Vermarktung abzuhalten."

Da der Baubeginn konzentriert dann im Westkreis begann, seien dort die Kapazitäten fortlaufend eingesetzt worden, „so dass wir uns nun von Ost nach West mit der gesamten Bauleistung bewegen." Für die Bereiche rechts der Weser sei das verständlicherweise nicht ideal. Dem Gerücht, Internexio habe bei der Planung den Verlauf der Weser nicht berücksichtigt und der Ausbau sei deshalb ins Stocken geraten, widerspricht Gummert energisch. „Mit der Weser hat dieses Vorgehen nichts zu tun."

Internexio sei in sehr guten Gesprächen mit der Petershäger Stadtverwaltung über die Ausbaugestaltung links der Weser. Nun müssten die Bauarbeiten den vertrieblichen und planerischen Vorarbeiten erst nachkommen. Wann die Arbeiten dort starten können? Das ist zurzeit wegen der Corona-Krise völlig unklar.

Was dem Geschäftsführer wichtig ist: Die als unterversorgt geltenden Haushalte in Petershagen rechts der Weser würden rechtzeitig über den Vermarktungszeitraum informiert und zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Mit dem Start des Ausbaus dort sei 2020 nicht mehr zu rechnen.

Nicht alles Corona

Ein Kommentar von Oliver Plöger

Corona ist sicher am aktuellen Baustopp bei der Glasfaserverlegung in Petershagen schuld. Offenbar hat es aber schon davor Unstimmigkeiten gegeben. Fragen kamen auch aus der Bevölkerung: Wieso wird links der Weser zuerst ausgebaut, wieso nicht überall gleichzeitig? Und warum dauert die Genehmigung dann doch so lange?

Das alles zeigt, wie dringend der Ausbau letztlich ist. Weiter warten will keiner, Private nicht und erst recht nicht die Unternehmen. Auch wenn sich jetzt keiner den Schuh anziehen will. Fest steht: Eine Planänderung, wie sie Internexio nach eigenen Angaben vornehmen musste, ist unschön und schwer zu vermitteln. Vielleicht wird die Zwangspause genutzt, um danach koordiniert und schnell voranzukommen. Denn irgendwann wollen alle wieder durchstarten.

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PetershagenZwangspause: Breitbandausbau in Petershagen gestopptOliver Plöger,Sebastian RadermacherPetershagen. Der Breitbandausbau in Petershagen verzögert sich. Die Stadt hat vom Unternehmen Internexio die Mitteilung bekommen, dass die Bauarbeiten infolge der Corona-Pandemie „bis auf Weiteres" kreisweit ausgesetzt werden, berichtet Sprecherin Tatjana Brast auf MT-Anfrage. Internexio hat dies am Donnerstag bestätigt. Wegen der Corona-Beschränkungen könne der Bau weiterer Glasfasertrassen nicht beginnen. Geschäftsführer Paul Gummert bedauert, dass davon vor allem der für diese Tage geplante Ausbau in Petershagen betroffen sei. Er hoffe, so schnell wie möglich die Arbeiten fortsetzen zu können. Die weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren laufen weiter, so Gummert. Kritik am Breitbandausbau hatte es aber schon vor der jetzigen Zwangspause gegeben. Der Windheimer Wilhelm Bultemeyer hatte sich nach einer örtlichen Bürgerversammlung ans MT gewandt und befürchtete den „Schwarzen Peter" bei der Stadt. „Anscheinend hakt es hier am Genehmigungsverfahren. So wie ich es verstanden habe, muss dort noch einmal für jede Straße und jedes Haus, das angeschlossen werden möchte, ein Antrag gestellt und dieser Antrag anschließend mit örtlichen Besichtigung geprüft werden." Dem widerspricht die Stadt, wie Tatjana Brast betont: „Auftraggeber des Glasfaserausbaus ist der Kreis Minden-Lübbecke. Die Stadt Petershagen erteilt auf Antrag von Internexio lediglich Genehmigungen für die Leitungsverlegung in den Gemeindestraßen und für etwaige Sperrungen oder Teilsperrungen dieser Straßen während der Bauarbeiten." Hierbei habe es, so Brast weiter, keine Verzögerungen gegeben. Unterdessen wundert sich Wilhelm Bultemeyer über fehlende Informationen von der Stadt, warum nun links der Weserseite mit dem Breitbandausbau begonnen werden sollte – entgegen der ursprünglichen Planung, bei der von beiden Weserseiten die Rede war. Auch dazu Tatjana Brast: Der Kreis habe als Auftraggeber keine Vorgaben dazu gemacht, in welcher Reihenfolge einerseits die Kommunen im Kreisgebiet und andererseits die Ortschaften und Ortsteile innerhalb einer Kommune angeschlossen werden. „Die Entscheidung darüber trifft Internexio nach technischen und organisatorischen Gesichtspunkten", sagt Tatjana Brast, und: „Leider erfolgt der Ausbau des Kreisgebietes jetzt aber von Westen nach Osten, so dass Petershagen später als ursprünglich geplant erschlossen wird." Laut Planung sollte am Montag dieser Woche in Friedewalde auf der westlichen Weserseite begonnen werden. Dann kam Corona. Die Firma bestätigt auf MT-Nachfrage, dass ursprünglich das neue Glasfasernetz im Mühlenkreis parallel im Osten und Westen gebaut werden sollte. Diesen Plan habe man aber geändert und gehe nun von West nach Ost vor, sagt Geschäftsführer Gummert. „Dies ist organisatorisch nun die Projektrichtung, auch wenn wir ursprünglich vor den Abstimmungen mit den Rathäusern eine ,Ost-Baustelle' und eine ,West-Baustelle' vorgesehen hatten." Wie ist es zu der Planänderung gekommen? Zum Projektstart sei die Aufgabe gewesen, möglichst viele Kolonnen an Tiefbaukapazitäten einzusetzen, erklärt Gummert. Dies sei insbesondere in Stemwede und Rahden möglich gewesen. „Leider kamen wir in Petershagen nicht so schnell auf die Straße, wie es erforderlich gewesen wäre, um die Arbeitskraft maximal effizient einzusetzen", erklärt Gummert und ergänzt: „Hinzu kam nachgelagert auch der Wunsch aus Petershagen, vor der Baumaßnahme die Vermarktung abzuhalten." Da der Baubeginn konzentriert dann im Westkreis begann, seien dort die Kapazitäten fortlaufend eingesetzt worden, „so dass wir uns nun von Ost nach West mit der gesamten Bauleistung bewegen." Für die Bereiche rechts der Weser sei das verständlicherweise nicht ideal. Dem Gerücht, Internexio habe bei der Planung den Verlauf der Weser nicht berücksichtigt und der Ausbau sei deshalb ins Stocken geraten, widerspricht Gummert energisch. „Mit der Weser hat dieses Vorgehen nichts zu tun." Internexio sei in sehr guten Gesprächen mit der Petershäger Stadtverwaltung über die Ausbaugestaltung links der Weser. Nun müssten die Bauarbeiten den vertrieblichen und planerischen Vorarbeiten erst nachkommen. Wann die Arbeiten dort starten können? Das ist zurzeit wegen der Corona-Krise völlig unklar. Was dem Geschäftsführer wichtig ist: Die als unterversorgt geltenden Haushalte in Petershagen rechts der Weser würden rechtzeitig über den Vermarktungszeitraum informiert und zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Mit dem Start des Ausbaus dort sei 2020 nicht mehr zu rechnen. Nicht alles Corona Ein Kommentar von Oliver Plöger Corona ist sicher am aktuellen Baustopp bei der Glasfaserverlegung in Petershagen schuld. Offenbar hat es aber schon davor Unstimmigkeiten gegeben. Fragen kamen auch aus der Bevölkerung: Wieso wird links der Weser zuerst ausgebaut, wieso nicht überall gleichzeitig? Und warum dauert die Genehmigung dann doch so lange? Das alles zeigt, wie dringend der Ausbau letztlich ist. Weiter warten will keiner, Private nicht und erst recht nicht die Unternehmen. Auch wenn sich jetzt keiner den Schuh anziehen will. Fest steht: Eine Planänderung, wie sie Internexio nach eigenen Angaben vornehmen musste, ist unschön und schwer zu vermitteln. Vielleicht wird die Zwangspause genutzt, um danach koordiniert und schnell voranzukommen. Denn irgendwann wollen alle wieder durchstarten.