Ovenstädt

2.000 Narren singen Trallala beim Karneval in Ovenstädt - mit Fotostrecke und Video

Oliver Plöger

Emotionen pur: Mit den Smileys setzten die Narren gestern ein deutliches Statement. MT-Fotos: Oliver Plöger
Emotionen pur: Mit den Smileys setzten die Narren gestern ein deutliches Statement. MT-Fotos: Oliver Plöger

Petershagen-Ovenstädt. Nein, gerissen hatte er sich um den Job nicht, aber: „Einer muss es ja machen", sagt Markus Kruse, Vorsitzender des Ovenstädter Karnevalsvereins. Gemeint ist die Tätigkeit als Zugchef beim großen Umzug, zweifelsohne einer der Höhepunkte der fünften Jahreszeit im Weserdorf. Während viele feiern, muss Kruse einen klaren Kopf behalten.

„Du musst hier wirklich alles im Blick haben", sagt er. Sind die sechs Wagen gesichert? Gibt es links und rechts Personal, das auf die Abstände zu den Narren achtet? Und dann der ständige Kontakt zu Security, Polizei und Rettungsdienst. Wenn alles flutscht, ist auch Kruse entspannt und – hat Spaß. Gestern flutschte (fast) alles. 2.000 Karnevalisten – so die vorsichtige Schätzung der Veranstalter – genossen den Straßenkarneval unter dem Motto „Kunterbunt und Trallala, OKV Hipp Hipp Hurra".

"Ovenstädt Helau" - Der Rosenmontagszug 2020 (Plus-Inhalt)

Fast alles? Eigentlich sollte sich der Lindwurm um 14.11 Uhr in Bewegung setzen. Das klappte nicht ganz: Zuerst, so hieß es von den Verantwortlichen, müsse noch ein Bus die Ringstraße passieren. Auf den warteten die Narren dann allerdings vergebens, Kruse gab schließlich mit knapp achtminütiger Verspätung den Startschuss. Kein Problem: Die Wartezeit hat die Spannung nur noch erhöht, und Regen war ohnehin erst später angesagt.

So manches Outfit erwies sich als Hingucker.
So manches Outfit erwies sich als Hingucker.

Durchaus kritisch setzen sich die Wagen dann mit den aktuellen Themen auseinander: Die endlose Berliner Flughafen-Baustelle war Thema. Und es war durchaus mit einem Fragezeichen versehen, ob die „Ovenstädter Lusthansa" hier schon 2020 landen kann. Wichtig war den Narren auch die Botschaft, dass der Müll nicht ins Meer gehört, sondern „nur noch getragen" wird.

Kritische Botschaften gab es auch: Macht die Meere sauber!
Kritische Botschaften gab es auch: Macht die Meere sauber!

Tragen mussten – besonders die ganz Jungen – auch die Tüten, die sich rasch mit Kamellen füllten. Etwa mit denen der Glücksbringer vom Marschberg und vom USA-Wagen. Dass es dort auch einen Seitenhieb auf den US-Präsidenten Trump gab, versteht sich von selbst.

Hingucker waren die Fußgruppen, darunter Smileys, Gefängnis-Insassen oder menschliche Pfefferminz-Bonbons. Auch die Eigengewächse des Karnevalsvereins hatten gestern ihren Spaß: die Tanzgarde etwa, Prinzengarde, Elferrat und – kurz vor Anschluss des Zuges – die Böllerschützen, die besonders lautstark auf sich aufmerksam machten. „Einfach toll", bilanzierte Ortsbürgermeister Wolfgang Koopmann (CDU) am Ende. Er hatte die Veranstaltung in seiner Funktion als Ordner vom Trecker aus beobachtet: „Hier habe ich alles im Blick."

Und auch Markus Kruse war zufrieden. Vor drei Jahren hatte er – zusätzlich zu seinen Aufgaben als erster Vorsitzender des OKV – die Aufgabe als Zugchef übernommen. Die Formulierung „Der wichtigste Mann" hört er nicht so gerne, höchstens: „einer davon". Straßenkarneval sei eine Gemeinschaftsaufgabe, wobei Kruse in seinen Zugchef-Aufgaben insbesondere von Klaus Thater unterstützt wird. Dass gestern alles so gut gelaufen ist, liege aber eben auch an der guten Vorbereitung, wie Markus Kruse betont.

Modisch auch mal aus der Reihe tanzen – hier etwa bei den Böllerschützen.
Modisch auch mal aus der Reihe tanzen – hier etwa bei den Böllerschützen.

Seit November werde der Zug konkret geplant. Und ja, auch wenn er zunächst nicht mitfeiern könne: Spaß mache dem 58-Jährigen die Aufgabe als Zugchef natürlich dennoch. Ihm sei es wichtig, dass die Familie hinter ihm stehe und selbst in den Karneval eingebunden ist. Zugchef, so sagt der Uchter, müsse einer sein, der Verantwortung übernehmen kann. Das mache Kruse gerne. Als die Böllerschüsse gestern verklungen waren, ganz am Ende, gönnte er sich auch einen Schluck Bier. Gewissermaßen als Belohnung. Die Party selbst ging dann noch weiter: Trallala und Hipp Hipp Hurra gab es am Abend auch im Festzelt.

Die Vertreterinnen der „Lusthansa“ wussten sich gut vor dem einsetzenden Regen zu schützen. Für einige Besucher war der Festumzug ein teuflisches Vergnügen. „Karneval geht bestimmt nicht ohne Ovenstädt“, stand für die Truppe fest.

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Ovenstädt2.000 Narren singen Trallala beim Karneval in Ovenstädt - mit Fotostrecke und VideoOliver PlögerPetershagen-Ovenstädt. Nein, gerissen hatte er sich um den Job nicht, aber: „Einer muss es ja machen", sagt Markus Kruse, Vorsitzender des Ovenstädter Karnevalsvereins. Gemeint ist die Tätigkeit als Zugchef beim großen Umzug, zweifelsohne einer der Höhepunkte der fünften Jahreszeit im Weserdorf. Während viele feiern, muss Kruse einen klaren Kopf behalten. „Du musst hier wirklich alles im Blick haben", sagt er. Sind die sechs Wagen gesichert? Gibt es links und rechts Personal, das auf die Abstände zu den Narren achtet? Und dann der ständige Kontakt zu Security, Polizei und Rettungsdienst. Wenn alles flutscht, ist auch Kruse entspannt und – hat Spaß. Gestern flutschte (fast) alles. 2.000 Karnevalisten – so die vorsichtige Schätzung der Veranstalter – genossen den Straßenkarneval unter dem Motto „Kunterbunt und Trallala, OKV Hipp Hipp Hurra". Fast alles? Eigentlich sollte sich der Lindwurm um 14.11 Uhr in Bewegung setzen. Das klappte nicht ganz: Zuerst, so hieß es von den Verantwortlichen, müsse noch ein Bus die Ringstraße passieren. Auf den warteten die Narren dann allerdings vergebens, Kruse gab schließlich mit knapp achtminütiger Verspätung den Startschuss. Kein Problem: Die Wartezeit hat die Spannung nur noch erhöht, und Regen war ohnehin erst später angesagt. Durchaus kritisch setzen sich die Wagen dann mit den aktuellen Themen auseinander: Die endlose Berliner Flughafen-Baustelle war Thema. Und es war durchaus mit einem Fragezeichen versehen, ob die „Ovenstädter Lusthansa" hier schon 2020 landen kann. Wichtig war den Narren auch die Botschaft, dass der Müll nicht ins Meer gehört, sondern „nur noch getragen" wird. Tragen mussten – besonders die ganz Jungen – auch die Tüten, die sich rasch mit Kamellen füllten. Etwa mit denen der Glücksbringer vom Marschberg und vom USA-Wagen. Dass es dort auch einen Seitenhieb auf den US-Präsidenten Trump gab, versteht sich von selbst. Hingucker waren die Fußgruppen, darunter Smileys, Gefängnis-Insassen oder menschliche Pfefferminz-Bonbons. Auch die Eigengewächse des Karnevalsvereins hatten gestern ihren Spaß: die Tanzgarde etwa, Prinzengarde, Elferrat und – kurz vor Anschluss des Zuges – die Böllerschützen, die besonders lautstark auf sich aufmerksam machten. „Einfach toll", bilanzierte Ortsbürgermeister Wolfgang Koopmann (CDU) am Ende. Er hatte die Veranstaltung in seiner Funktion als Ordner vom Trecker aus beobachtet: „Hier habe ich alles im Blick." Und auch Markus Kruse war zufrieden. Vor drei Jahren hatte er – zusätzlich zu seinen Aufgaben als erster Vorsitzender des OKV – die Aufgabe als Zugchef übernommen. Die Formulierung „Der wichtigste Mann" hört er nicht so gerne, höchstens: „einer davon". Straßenkarneval sei eine Gemeinschaftsaufgabe, wobei Kruse in seinen Zugchef-Aufgaben insbesondere von Klaus Thater unterstützt wird. Dass gestern alles so gut gelaufen ist, liege aber eben auch an der guten Vorbereitung, wie Markus Kruse betont. Seit November werde der Zug konkret geplant. Und ja, auch wenn er zunächst nicht mitfeiern könne: Spaß mache dem 58-Jährigen die Aufgabe als Zugchef natürlich dennoch. Ihm sei es wichtig, dass die Familie hinter ihm stehe und selbst in den Karneval eingebunden ist. Zugchef, so sagt der Uchter, müsse einer sein, der Verantwortung übernehmen kann. Das mache Kruse gerne. Als die Böllerschüsse gestern verklungen waren, ganz am Ende, gönnte er sich auch einen Schluck Bier. Gewissermaßen als Belohnung. Die Party selbst ging dann noch weiter: Trallala und Hipp Hipp Hurra gab es am Abend auch im Festzelt.