Lahde

Wie geht es weiter mit dem Lahder Badesee?

Claudia Hyna

Das Badeverbot für den Badesee Lahde schreckt nicht alle Gäste ab. Die Blaualgen können allerdings zur Gesundheitsgefahr werden. - © Lehn Alexander
Das Badeverbot für den Badesee Lahde schreckt nicht alle Gäste ab. Die Blaualgen können allerdings zur Gesundheitsgefahr werden. (© Lehn Alexander)

Petershagen-Lahde. Das touristische Aushängeschild Badesee macht der Stadt Petershagen weiter Sorgen. Knifflig an der Sache ist, dass die Blaualgen-Problematik eng mit der Zukunft der Beachbar verknüpft ist. Jetzt gab es im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus einen Zwischenstand – der zumindest in einer Hinsicht die Mitglieder beruhigte.

Bereits im zweiten Sommer in Folge war der See 2019 wegen gesundheitsgefährdender Blaualgen gesperrt. Diese treten vor allem bei hohen Wassertemperaturen in den Sommermonaten auf. Es könne zu Haut- und Schleimhautreizungen kommen, außerdem könne das Verschlucken zu Durchfall und Erbrechen führen. Einige Badegäste ließen sich davon nicht abschrecken (das MT berichtete). Die Ursache für die Blaualgen im See steht mittlerweile fest: Ein erhöhter Phosphor-Gehalt ist dafür verantwortlich, hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) herausgefunden.

Je größer dieser Nährstoffeintrag sei, desto mehr Algen befinden sich im Gewässer. Und sind diese erstmal vorhanden, sei eine neue Algenbildung schwer zu vermeiden. Um die Problematik in den Griff zu bekommen, sei zunächst Ursachenforschung notwendig, sagt Dr. Ilona Arndt, zuständig für biologische Gewässeruntersuchungen und Bewertungen beim LANUV. Die Gründe müssten bekannt sein und behoben werden, um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen.

Zwar könne die Algenblüte kurzfristig mit einer Ultraschallbehandlung eingedämmt werden – das sei aber ohne Ursachenbekämpfung herausgeworfenes Geld, so die Fachbereichsleiterin. Gründe für einen erhöhten Phosphorgehalt können ihrer Einschätzung nach Vogelkot, Fische (Karpfen sind hochproblematisch, da sie gründeln), Einfluss von Landwirtschaft und Mensch (Sonnencreme, Urin) sein, so die Expertin. Zurzeit sei eine Grundwasser-Analyse extern in Auftrag gegeben worden, erklärt Evelyn Hotze, Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus.

Warum erst jetzt? Bisher sei man davon ausgegangen, dass der Eintrag von oben ausschlaggebend für die Blaualgen-Bildung sei, sagt Evelyn Hotze auf MT-Nachfrage. Den unterirdischen Zulauf habe man nicht so auf dem Schirm gehabt, sagt sie, ohne weitere Details zu nennen.

Spätestens bis Mitte März soll das Ergebnis der Untersuchung vorliegen. Wenn die Politiker sich das nächste Mal mit der Thematik befassen, ist die Badesaison bereits angelaufen. Ganz Hartgesottene könnten jetzt ein Bad im See wagen: Seit Anfang Februar hat der Kreis das Gewässer freigegeben, die letzten Proben waren unbedenklich.

Unabhängig vom Badebetrieb, aber abhängig vom Wetter wollen die Betreiber der Beachbar im April ihre Gastronomie wieder öffnen. „Wenn die Temperaturen um die 20 Grad liegen“, sei der der Zeitpunkt gekommen, sagt Pächter Alexander von Eye. Vor der Ausschusssitzung im September hatte es einen Ortstermin gegeben. Damals hatten die Betreiber auf die Dringlichkeit hingewiesen, die Küchenausstattung zu erneuern. Dabei war von einer Investitionssumme von 20.000 bis 30.000 Euro die Rede. Bevor diese zum Tragen kommt, soll aber zunächst die Blaualgen-Problematik geklärt werden.

Die Pächter teilen mit, dass für sie auch ein Betrieb bei gesperrtem See denkbar sei. Dann müsse das Lokal allerdings so umgebaut werden, dass es ganzjährig bewirtschaftet werden könne. Angesprochen wurden zwei Szenarien: Die Pächter kaufen die Bar und modernisieren sie nach ihren Vorstellungen oder die Stadt erstellt ein Sanierungs- und Modernisierungskonzept für die Beachbar und stellt einen Förderantrag. Die Pächter ziehen die Fördervariante vor.

Erst im nächsten Jahr werde es die große Planung geben, sagt Alexander von Eye. Mit der Stadt haben er und sein Kompagnon Babur Sahebzada sich für dieses Jahr auf eine kleine Lösung geeinigt, mit der sie vorerst zufrieden seien. „Die Stadt hat sich bereit erklärt, uns zu unterstützen“, so von Eye. „Und wir schauen: Was brauchen wir jetzt?“.

Die angeschaffte Ausstattung könne weiter genutzt werden, wenn im nächsten Jahr komplett renoviert werden sollte, das ist ihm wichtig. Für alle Fans der Bar gibt er ein positives Signal: „Wir machen weiter.“

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LahdeWie geht es weiter mit dem Lahder Badesee?Claudia HynaPetershagen-Lahde. Das touristische Aushängeschild Badesee macht der Stadt Petershagen weiter Sorgen. Knifflig an der Sache ist, dass die Blaualgen-Problematik eng mit der Zukunft der Beachbar verknüpft ist. Jetzt gab es im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus einen Zwischenstand – der zumindest in einer Hinsicht die Mitglieder beruhigte. Bereits im zweiten Sommer in Folge war der See 2019 wegen gesundheitsgefährdender Blaualgen gesperrt. Diese treten vor allem bei hohen Wassertemperaturen in den Sommermonaten auf. Es könne zu Haut- und Schleimhautreizungen kommen, außerdem könne das Verschlucken zu Durchfall und Erbrechen führen. Einige Badegäste ließen sich davon nicht abschrecken (das MT berichtete). Die Ursache für die Blaualgen im See steht mittlerweile fest: Ein erhöhter Phosphor-Gehalt ist dafür verantwortlich, hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) herausgefunden. Je größer dieser Nährstoffeintrag sei, desto mehr Algen befinden sich im Gewässer. Und sind diese erstmal vorhanden, sei eine neue Algenbildung schwer zu vermeiden. Um die Problematik in den Griff zu bekommen, sei zunächst Ursachenforschung notwendig, sagt Dr. Ilona Arndt, zuständig für biologische Gewässeruntersuchungen und Bewertungen beim LANUV. Die Gründe müssten bekannt sein und behoben werden, um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen. Zwar könne die Algenblüte kurzfristig mit einer Ultraschallbehandlung eingedämmt werden – das sei aber ohne Ursachenbekämpfung herausgeworfenes Geld, so die Fachbereichsleiterin. Gründe für einen erhöhten Phosphorgehalt können ihrer Einschätzung nach Vogelkot, Fische (Karpfen sind hochproblematisch, da sie gründeln), Einfluss von Landwirtschaft und Mensch (Sonnencreme, Urin) sein, so die Expertin. Zurzeit sei eine Grundwasser-Analyse extern in Auftrag gegeben worden, erklärt Evelyn Hotze, Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Tourismus. Warum erst jetzt? Bisher sei man davon ausgegangen, dass der Eintrag von oben ausschlaggebend für die Blaualgen-Bildung sei, sagt Evelyn Hotze auf MT-Nachfrage. Den unterirdischen Zulauf habe man nicht so auf dem Schirm gehabt, sagt sie, ohne weitere Details zu nennen. Spätestens bis Mitte März soll das Ergebnis der Untersuchung vorliegen. Wenn die Politiker sich das nächste Mal mit der Thematik befassen, ist die Badesaison bereits angelaufen. Ganz Hartgesottene könnten jetzt ein Bad im See wagen: Seit Anfang Februar hat der Kreis das Gewässer freigegeben, die letzten Proben waren unbedenklich. Unabhängig vom Badebetrieb, aber abhängig vom Wetter wollen die Betreiber der Beachbar im April ihre Gastronomie wieder öffnen. „Wenn die Temperaturen um die 20 Grad liegen“, sei der der Zeitpunkt gekommen, sagt Pächter Alexander von Eye. Vor der Ausschusssitzung im September hatte es einen Ortstermin gegeben. Damals hatten die Betreiber auf die Dringlichkeit hingewiesen, die Küchenausstattung zu erneuern. Dabei war von einer Investitionssumme von 20.000 bis 30.000 Euro die Rede. Bevor diese zum Tragen kommt, soll aber zunächst die Blaualgen-Problematik geklärt werden. Die Pächter teilen mit, dass für sie auch ein Betrieb bei gesperrtem See denkbar sei. Dann müsse das Lokal allerdings so umgebaut werden, dass es ganzjährig bewirtschaftet werden könne. Angesprochen wurden zwei Szenarien: Die Pächter kaufen die Bar und modernisieren sie nach ihren Vorstellungen oder die Stadt erstellt ein Sanierungs- und Modernisierungskonzept für die Beachbar und stellt einen Förderantrag. Die Pächter ziehen die Fördervariante vor. Erst im nächsten Jahr werde es die große Planung geben, sagt Alexander von Eye. Mit der Stadt haben er und sein Kompagnon Babur Sahebzada sich für dieses Jahr auf eine kleine Lösung geeinigt, mit der sie vorerst zufrieden seien. „Die Stadt hat sich bereit erklärt, uns zu unterstützen“, so von Eye. „Und wir schauen: Was brauchen wir jetzt?“. Die angeschaffte Ausstattung könne weiter genutzt werden, wenn im nächsten Jahr komplett renoviert werden sollte, das ist ihm wichtig. Für alle Fans der Bar gibt er ein positives Signal: „Wir machen weiter.“