Glashütte Gernheim zeigt Objekte des finnischen Designers Timo Sarpaneva Ursula Koch Petershagen-Ovenstädt. Der finnische Glaskünstler Timo Sarpaneva (1926-2006) ist hierzulande weniger bekannt, als sein Kollege Tapio Wirkkala. Dabei dürften sich Nachahmungen seines Kerzenständers „Festivo“, dessen Oberfläche wie Eis aussieht, in vielen Haushalten finden. Dem Glasdesigner widmet die Glashütte Gernheim in Ovenstädt die neue Ausstellung, die am Sonntag, 16. Februar, um 15 Uhr im Herrenhaus des LWL-Industriemuseums eröffnet wird. „Lanzette“ und „Orchidee“ heißen zwei Ikonen, die Sarpaneva geschaffen hat. Es sind Kleinskulpturen, nicht für den Gebrauch bestimmt. Bei „Orchidee“ handelt es sich um asymmetrische Formen aus klarem Glas, die eine Blase aus weißem Glas umfangen. „Lanzette“ besteht aus klarem Glas. In der massiven Formen sind an verschiedenen Stellen Blasen „gefangen“. „Dafür hat Timo Sarpaneva eine neue Technik erfunden“, erzählt Uta Laurén, Kuratorin des Finnischen Glasmuseums Riihimäki. Er habe ein nasses Holzstäbchen in die heiße Masse gesteckt. Durch das Verdampfen der Feuchtigkeit entstand die Blase, wie Laurén erläutert. Allerdings hat Sarpaneva die Gläser nicht selbst gefertigt. Er war Designer, nach dessen Entwürfen die Glasmacher der Glashütte Iittala die Objekte realisierten. Deren heutiges Markenzeichen ist übrigens auch ein Entwurf Sarpanevas, der auf einer Serie von Gebrauchsgläsern basiert, die der Designer in den 50er Jahren gestaltet hatte. Damals entstanden farbige Teller und Schalen. „Sarpaneva gebraucht die Farbe wie ein Maler. Das sind sehr seltene Stücke“, berichtet Laurén. Sein zweites großes Thema ist Eis. Von dessen Formen und Strukturen ließ er sich immer wieder inspirieren und schuf Glas mit zerklüfteten, matten Oberflächen, aber auch massive Körper aus Glas, denen er erst durch den Schliff die eigentliche Form gab. Die Objekte stammen überwiegend aus der Sammlung von Koysti Kakkonen, aus der Laurén vor drei Jahren auch die Ausstellung über Tapio Wirkkala für Riihimäki und Gernheim zusammengestellt hatte. Diese Ausstellung ist die vierte Kooperation der beiden Museen. Sarpaneva, 1926 im ländlichen Finnland geboren, schloss 1949 sein Grafikstudium an der Central School for Applied Arts in Helsinki ab und begann seine Karriere mit der Gestaltung von Drucksachen und Verpackungen für das Unternehmen Ahlström, zu dem die Glashütte Iittala gehört. Von 1950 bis 1998 arbeitete Sarpaneva für Iittala, gewann 1954 seinen ersten Grand Prix bei der Triennale in Mailand, 1957 wieder, berichtet Laurén. Er entwarf nicht nur Glasobjekte, sondern malte auch Aquarelle und kreierte Wandteppiche. Für den deutschen Porzellan-Hersteller Rosenthal entwarf er das bis heute produzierte Geschirr „Suomi“. 1989 ging der Finne zu der italienischen Glasmanufaktur Venini, wo er sich mit der italienischen Incalmo-Technik vertraut machte. Die bringt Glas in verschiedenen Farben zusammen. Sarpaneva entwickelte dafür fließende Übergänge. Die Experimente mit farbigem Glas setzte er ab Ende der 90er Jahre im Studio von Pino Signoretto fort. Öffnungszeiten Die Ausstellung „Timo Sarpaneva – finnisches Glasdesign“ wird am Sonntag, 16. Februar, um 15 Uhr im LWL-Industrie-museum Glashütte Gernheim, Gernheim 12, Petershagen-Ovenstädt, eröffnet. Uta Laurén, Kuratorin des Finnischen Glasmuseums Riihimäki führt in die Ausstellung ein, Steve Sinko (Piano) sorgt für die musikalische Begleitung. Die Ausstellung ist bis zum 27. September Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Vortrag von Dr. Verena Wasmuth über Timo Sarpaneva findet am Samstag, 7. März, in der Glashütte Gernheim um 17 Uhr statt.

Glashütte Gernheim zeigt Objekte des finnischen Designers Timo Sarpaneva

Petershagen-Ovenstädt. Der finnische Glaskünstler Timo Sarpaneva (1926-2006) ist hierzulande weniger bekannt, als sein Kollege Tapio Wirkkala. Dabei dürften sich Nachahmungen seines Kerzenständers „Festivo“, dessen Oberfläche wie Eis aussieht, in vielen Haushalten finden. Dem Glasdesigner widmet die Glashütte Gernheim in Ovenstädt die neue Ausstellung, die am Sonntag, 16. Februar, um 15 Uhr im Herrenhaus des LWL-Industriemuseums eröffnet wird.

„Devils Churn“ ist in Gernheim ausgestellt. - © Foto: Timo Syrjänen
„Devils Churn“ ist in Gernheim ausgestellt. - © Foto: Timo Syrjänen

„Lanzette“ und „Orchidee“ heißen zwei Ikonen, die Sarpaneva geschaffen hat. Es sind Kleinskulpturen, nicht für den Gebrauch bestimmt. Bei „Orchidee“ handelt es sich um asymmetrische Formen aus klarem Glas, die eine Blase aus weißem Glas umfangen. „Lanzette“ besteht aus klarem Glas. In der massiven Formen sind an verschiedenen Stellen Blasen „gefangen“. „Dafür hat Timo Sarpaneva eine neue Technik erfunden“, erzählt Uta Laurén, Kuratorin des Finnischen Glasmuseums Riihimäki. Er habe ein nasses Holzstäbchen in die heiße Masse gesteckt. Durch das Verdampfen der Feuchtigkeit entstand die Blase, wie Laurén erläutert.

MT- - © Foto: Ursula Koch
MT- - © Foto: Ursula Koch

Allerdings hat Sarpaneva die Gläser nicht selbst gefertigt. Er war Designer, nach dessen Entwürfen die Glasmacher der Glashütte Iittala die Objekte realisierten. Deren heutiges Markenzeichen ist übrigens auch ein Entwurf Sarpanevas, der auf einer Serie von Gebrauchsgläsern basiert, die der Designer in den 50er Jahren gestaltet hatte. Damals entstanden farbige Teller und Schalen. „Sarpaneva gebraucht die Farbe wie ein Maler. Das sind sehr seltene Stücke“, berichtet Laurén.

Sein zweites großes Thema ist Eis. Von dessen Formen und Strukturen ließ er sich immer wieder inspirieren und schuf Glas mit zerklüfteten, matten Oberflächen, aber auch massive Körper aus Glas, denen er erst durch den Schliff die eigentliche Form gab.

Die Objekte stammen überwiegend aus der Sammlung von Koysti Kakkonen, aus der Laurén vor drei Jahren auch die Ausstellung über Tapio Wirkkala für Riihimäki und Gernheim zusammengestellt hatte. Diese Ausstellung ist die vierte Kooperation der beiden Museen.

Sarpaneva, 1926 im ländlichen Finnland geboren, schloss 1949 sein Grafikstudium an der Central School for Applied Arts in Helsinki ab und begann seine Karriere mit der Gestaltung von Drucksachen und Verpackungen für das Unternehmen Ahlström, zu dem die Glashütte Iittala gehört. Von 1950 bis 1998 arbeitete Sarpaneva für Iittala, gewann 1954 seinen ersten Grand Prix bei der Triennale in Mailand, 1957 wieder, berichtet Laurén.

Er entwarf nicht nur Glasobjekte, sondern malte auch Aquarelle und kreierte Wandteppiche.

Für den deutschen Porzellan-Hersteller Rosenthal entwarf er das bis heute produzierte Geschirr „Suomi“. 1989 ging der Finne zu der italienischen Glasmanufaktur Venini, wo er sich mit der italienischen Incalmo-Technik vertraut machte. Die bringt Glas in verschiedenen Farben zusammen. Sarpaneva entwickelte dafür fließende Übergänge. Die Experimente mit farbigem Glas setzte er ab Ende der 90er Jahre im Studio von Pino Signoretto fort.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Timo Sarpaneva – finnisches Glasdesign“ wird am Sonntag, 16. Februar, um 15 Uhr im LWL-Industrie-museum Glashütte Gernheim, Gernheim 12, Petershagen-Ovenstädt, eröffnet. Uta Laurén, Kuratorin des Finnischen Glasmuseums Riihimäki führt in die Ausstellung ein, Steve Sinko (Piano) sorgt für die musikalische Begleitung. Die Ausstellung ist bis zum 27. September Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Ein Vortrag von Dr. Verena Wasmuth über Timo Sarpaneva findet am Samstag, 7. März, in der Glashütte Gernheim um 17 Uhr statt.

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