Windheim

Ran an die Köpfe: Die Storcheninitiative aus Windheim kümmert sich seit fast 30 Jahren um Kopfweiden

Ulrich Westermann

Das Astwerk der Weiden am Riehebach wurde mit Hochschneidern bearbeitet. Im Einsatz waren Mitglieder der Storcheninitiative Windheim und weitere Helfer. Fotos: Ulrich Westermann
Das Astwerk der Weiden am Riehebach wurde mit Hochschneidern bearbeitet. Im Einsatz waren Mitglieder der Storcheninitiative Windheim und weitere Helfer. Fotos: Ulrich Westermann

Petershagen-Windheim. Vor 30 Jahren ist die Windheimer Storcheninitiative ins Leben gerufen worden. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Kopfbäume im Böschungsbereich und im näheren Umfeld des Riehebaches zu pflegen. Bereits kurz nach der Vereinsgründung wurde damit begonnen, die Bäume mit Schneitelwerkzeug in die gewünschte Form zu bringen. Zu diesem Gehölz gehören neben Weiden auch Pappeln und Eschen.

Ein umfangreicher Arbeitseinsatz stand am Samstag in Höhe der Kirche am letzten Riehebachabschnitt vor der Einmündung in die Weser auf dem Programm. In dem Arbeitseinsatz wurden die Äste von 13 hochgewachsenen Kopfweiden geschneitelt. „Wir legen großen Wert darauf, uralte Bäume mit einem Pflegeschnitt zu erhalten. In Verbindung mit dem Riehebach und der Kirche stellen diese Weiden markante Punkte auch im Selbstbild unseres Dorfes dar“, betonte der erste Vorsitzende der Storcheninitiative, Dr. Alfons Bense. An der Schneitelaktion waren 15 Personen beteiligt. Mit Motorsägen, Hochschneider, Astscheren und Leitern gingen die Helfer an die Bäume.

Nach dem Schneiteln ragen die Weidenstämme in bizarren Formen aus der Erde. Schon bald werden sich frische Triebe entwickeln.
Nach dem Schneiteln ragen die Weidenstämme in bizarren Formen aus der Erde. Schon bald werden sich frische Triebe entwickeln.

Das Alter der Kopfbäume ist nicht mehr genau zu bestimmen. Die Mitglieder der Storcheninitiative gehen von nahezu 100 Jahren aus. „Vor 40 Jahren hatte sich nach starken Regenfällen und den folgenden Minustemperaturen auf den Grünflächen am Riehebach eine Eisbahn gebildet, die wir Windheimer Jungs zum Schlittschuhlaufen genutzt haben. Da hatten sich die Weiden bereits zu großen Bäumen entwickelt“, erinnerte sich Andreas Wienold.

Bense wies darauf hin, dass Kopfbäume, die nicht regelmäßig mit Schneitelwerkzeug bearbeitet würden, bei starkem Winddruck gefährdet seien. Dann könnten die hohlen Stämme der Hebelwirkung des weit ausladenden Astwerkes häufig nicht mehr standhalten. Die Folge sei, dass sie umstürzten. Nach dem Rückschnitt der Äste bildeten sich im Holz Faulstellen, die sich im Laufe der Jahre zu Stammhöhlen entwickelten. Diese Aushöhlungen des Weidenkopfes würden von zahlreichen Tieren als Lebens-, Wohn-, Brut- und Nahrungsraum genutzt.

„Ein typischer Bewohner in alten Kopfweiden ist der Moschusbock. Dabei handelt es sich um einen Käfer, der sich durch das Weichholz frisst und auch einen Baum zum Umkippen bringen kann. Mit den antennenartigen Fühlern, die angelegt den Körper nach hinten weit überragen, wird der Moschusbock bis zu sechs Zentimeter lang“, wusste Bense. Zu den Bewohnern gehöre auch der Steinkauz, der im Kreis Minden-Lübbecke allerdings ausgesprochen selten vorkomme. Er brüte in Baumhöhlen und in speziellen Nisthöhlen, führte Bense weiter aus.

Nach dem Schneiteln ragen die Weidenbäume im Böschungsbereich des Riehebaches bis zu einer Höhe von 4,50 Metern in bizarren Formen aus der Erde. Der Stammdurchmesser liegt in Bodennähe bei einem, ganz oben sind es dann sogar gut zwei Meter. Es wird nicht lange dauern, bis sich frische Triebe entwickeln. Vom Nährboden im Weidenkopf profitieren verschiedene Pflanzenarten, beispielsweise Farne, Feldrosen und Sträucher.

Während einer Pause erinnerte Alfons Bense an zahlreiche Aktivitäten der Storcheninitiative seit 1990. Themen der Nachlese waren Baumpflege, eine Ausstellung zum Thema „Grün kaputt“ und Neuanpflanzungen. „Zudem haben wir uns bei den Benjes-Hecken in der Windheimer Marsch engagiert, zwei internationale Weißstorchtreffen in Windheim ausgerichtet, Kleingewässer angelegt, die Renaturierung des 5,4 Kilometer langen Riehebaches vorangetrieben, im Zusammenwirken mit der Kulturgemeinschaft Kopfbäume an der Weserstraße geschneitelt, Steinkauz-Niströhren angebracht und Arbeitseinsätze am restaurierten Fachwerkgebäude Windheim No. 2 unterstützt“, berichtete der Vorsitzende. Zu seinem Vorstandsteam gehören Marie-Luise Wienold, Cord Menking und Andreas Wienold.

Im Herbst dieses Jahres soll es im Raum Petershagen weitere Schneitelaktionen geben.

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WindheimRan an die Köpfe: Die Storcheninitiative aus Windheim kümmert sich seit fast 30 Jahren um KopfweidenUlrich WestermannPetershagen-Windheim. Vor 30 Jahren ist die Windheimer Storcheninitiative ins Leben gerufen worden. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Kopfbäume im Böschungsbereich und im näheren Umfeld des Riehebaches zu pflegen. Bereits kurz nach der Vereinsgründung wurde damit begonnen, die Bäume mit Schneitelwerkzeug in die gewünschte Form zu bringen. Zu diesem Gehölz gehören neben Weiden auch Pappeln und Eschen. Ein umfangreicher Arbeitseinsatz stand am Samstag in Höhe der Kirche am letzten Riehebachabschnitt vor der Einmündung in die Weser auf dem Programm. In dem Arbeitseinsatz wurden die Äste von 13 hochgewachsenen Kopfweiden geschneitelt. „Wir legen großen Wert darauf, uralte Bäume mit einem Pflegeschnitt zu erhalten. In Verbindung mit dem Riehebach und der Kirche stellen diese Weiden markante Punkte auch im Selbstbild unseres Dorfes dar“, betonte der erste Vorsitzende der Storcheninitiative, Dr. Alfons Bense. An der Schneitelaktion waren 15 Personen beteiligt. Mit Motorsägen, Hochschneider, Astscheren und Leitern gingen die Helfer an die Bäume. Das Alter der Kopfbäume ist nicht mehr genau zu bestimmen. Die Mitglieder der Storcheninitiative gehen von nahezu 100 Jahren aus. „Vor 40 Jahren hatte sich nach starken Regenfällen und den folgenden Minustemperaturen auf den Grünflächen am Riehebach eine Eisbahn gebildet, die wir Windheimer Jungs zum Schlittschuhlaufen genutzt haben. Da hatten sich die Weiden bereits zu großen Bäumen entwickelt“, erinnerte sich Andreas Wienold. Bense wies darauf hin, dass Kopfbäume, die nicht regelmäßig mit Schneitelwerkzeug bearbeitet würden, bei starkem Winddruck gefährdet seien. Dann könnten die hohlen Stämme der Hebelwirkung des weit ausladenden Astwerkes häufig nicht mehr standhalten. Die Folge sei, dass sie umstürzten. Nach dem Rückschnitt der Äste bildeten sich im Holz Faulstellen, die sich im Laufe der Jahre zu Stammhöhlen entwickelten. Diese Aushöhlungen des Weidenkopfes würden von zahlreichen Tieren als Lebens-, Wohn-, Brut- und Nahrungsraum genutzt. „Ein typischer Bewohner in alten Kopfweiden ist der Moschusbock. Dabei handelt es sich um einen Käfer, der sich durch das Weichholz frisst und auch einen Baum zum Umkippen bringen kann. Mit den antennenartigen Fühlern, die angelegt den Körper nach hinten weit überragen, wird der Moschusbock bis zu sechs Zentimeter lang“, wusste Bense. Zu den Bewohnern gehöre auch der Steinkauz, der im Kreis Minden-Lübbecke allerdings ausgesprochen selten vorkomme. Er brüte in Baumhöhlen und in speziellen Nisthöhlen, führte Bense weiter aus. Nach dem Schneiteln ragen die Weidenbäume im Böschungsbereich des Riehebaches bis zu einer Höhe von 4,50 Metern in bizarren Formen aus der Erde. Der Stammdurchmesser liegt in Bodennähe bei einem, ganz oben sind es dann sogar gut zwei Meter. Es wird nicht lange dauern, bis sich frische Triebe entwickeln. Vom Nährboden im Weidenkopf profitieren verschiedene Pflanzenarten, beispielsweise Farne, Feldrosen und Sträucher. Während einer Pause erinnerte Alfons Bense an zahlreiche Aktivitäten der Storcheninitiative seit 1990. Themen der Nachlese waren Baumpflege, eine Ausstellung zum Thema „Grün kaputt“ und Neuanpflanzungen. „Zudem haben wir uns bei den Benjes-Hecken in der Windheimer Marsch engagiert, zwei internationale Weißstorchtreffen in Windheim ausgerichtet, Kleingewässer angelegt, die Renaturierung des 5,4 Kilometer langen Riehebaches vorangetrieben, im Zusammenwirken mit der Kulturgemeinschaft Kopfbäume an der Weserstraße geschneitelt, Steinkauz-Niströhren angebracht und Arbeitseinsätze am restaurierten Fachwerkgebäude Windheim No. 2 unterstützt“, berichtete der Vorsitzende. Zu seinem Vorstandsteam gehören Marie-Luise Wienold, Cord Menking und Andreas Wienold. Im Herbst dieses Jahres soll es im Raum Petershagen weitere Schneitelaktionen geben.