Eine Frage der Haltung: Marion Höft arbeitet mit Problemhunden Claudia Hyna Petershagen-Ilse. „Das hat er ja noch nie gemacht“, ist der Satz den Marion Höft am häufigsten in ihrer Praxis hört. Und so heißt auch das Buch der Problemhund-Therapeutin, das im März erscheint. Darin zeigt sie, dass es nur wenig braucht, damit ein Hund auf Herrchen oder Frauchen hört. Ihr Ansatz: Beim Menschen ansetzen und nicht auf die Fehler des Hundes schauen. Die ganzen Ratgeber und 5-Schritte-zum-Erfolg-Bücher verunsichern die Menschen nur, meint die 54-Jährige. Sie sollten stattdessen mehr auf ihr Bauchgefühl hören – und auf den Hund schauen. Dennoch beschert sie dem beständig wachsenden Markt einen weiteren Titel. Eine Zauberstab-Lösung werden die Leser nicht darin finden. „Ich erzähle Geschichten aus dem Alltag von Hunden und ihren Haltern.“ Davon kennt sie eine ganze Menge – das hat nicht zuletzt mit ihrer Biografie zu tun. Aufgewachsen ist Marion Höft in Mühlhausen in Bayern. Es seien die Hofhunde gewesen, die sie geprägt haben, sagt sie rückblickend. Damals seien die Hunde noch als Hunde gesehen worden. Sie wurden alt, ohne dass sie dauernd zum Tierarzt mussten. Hundeschulen gab es nicht, Attacken aber auch nicht in dem Ausmaß wie heute. Ihr Hund hieß Blacky, war ein Mischling und einfach da, wie sie sagt. Nach der Schule machte sie eine Lehre im Einzelhandel, zog nach München. Sie absolvierte ein Psychologiestudium an der Fernuni Hagen. Als sie später in der Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen arbeitete, fiel ihr auf, dass die Menschen immer grimmiger und rücksichtsloser wurden. Nebenberuflich widmete sie sich dem Studium der Soziologie. Als sie einen Zusammenbruch hatte, beschloss sie: Ich muss raus aus der Stadt. Und so führte der Weg ihre Frau und sie 2015 nach Ilse. Das Grundstück war ideal für das Paar und seine fünf Hunde Pongo, Maja, Amelie, Elli und Annabel. Eine Ausbildung als Problemhund-Therapeutin hatte Marion Höft schon in Bayern absolviert, in NRW musste sie eine Sachkundeprüfung wiederholen. Die Strategie von Hundeschulen ist nicht ihr Ansatz. Natürlich könne man mit Grundkommandos die Tiere dazu bringen, zu sitzen und liegen. Das sei jedoch die falsche Motivation. Entscheidend ist die Beziehung zum Menschen, sagt die Fachfrau. Leider erlebe sie häufig, dass der Hund ein Vakuum füllen soll. Mit Führungslosigkeit sei das Tier jedoch überfordert. „Warum Hunde Führung brauchen“ ist darum der Untertitel ihres Buches. Ihre Philosophie gibt sie auf vielfältige Weise weiter. Sie hält Seminare und Vorträge, bildet Hundetrainer aus, arbeitet mit Tierschutzorganisationen zusammen, unterstützt Tierheime bei schwierigen Hunden und schult deren Mitarbeiter, hält Vorträge in Kindergärten und Schulen. Dazu kommt das Einzeltraining vor Ort. Hier sei der Bedarf größer geworden, ist ihre Erfahrung. Oft reiche ein einziger Besuch bei den verzweifelten Hundehaltern, um die gestörte Beziehung ins Gleichgewicht zu bringen. Meist wisse sie schon nach dem Telefonat, was sie erwartet, sagt Höft. Ein gutes Gespür für Menschen sei eine Voraussetzung, um den vermeintlichen Problemhund zu therapieren. Mögliche Auffälligkeiten sind zum Beispiel ständiges Bellen, Aggression bis zum Beißen und stetiges Ziehen an der Leine. „Wenn das Wort ´plötzlich´ fällt, schrillen bei mir die Alarmglocken.“ Im Prinzip sei es einfach: alles ist eine Frage der Haltung, sagt Marion Höft. Das wiederum ist alles andere als leicht, denn es bedeutet, dass der Mensch sich ändern muss, nicht der Hund. Ständig „Nein“ zum Vierbeiner zu sagen, sei jedenfalls keine Lösung. Im Grunde sei es wie bei Kindern: Man müsse eine Alternative aufzeigen. Und standhaft bleiben. Wer das üben möchte, für den bietet die Therapeutin „Wecke den Hund in dir“ an. Darin will sie Hundehaltern und anderen Menschen nicht weniger zeigen, als das s Glück letztlich kein Zufall, sondern eine Entscheidung ist. „Wenn ich das zulasse, habe ich bereits einen anderen Hund vor mir.“ Möglicherweise hilft auch der Leitspruch von Marion Höft den Menschen weiter, die gerade mit ihrem Tier überfordert sind. „Hunde kommen in unser Leben, um uns etwas beizubringen. Sie helfen uns zu wachsen.“ Und wenn sich der Mensch wohl fühle, tue es auch der Hund.

Eine Frage der Haltung: Marion Höft arbeitet mit Problemhunden

In Marion Höfts großem Garten ist genügend Platz für ihre fünf Hunde. Hier dürfen sie frei laufen, doch in der Natur hat sie die Tiere an der Leine. „So sind wir miteinander verbunden.“ MT- © Foto: Alex Lehn

Petershagen-Ilse. „Das hat er ja noch nie gemacht“, ist der Satz den Marion Höft am häufigsten in ihrer Praxis hört. Und so heißt auch das Buch der Problemhund-Therapeutin, das im März erscheint. Darin zeigt sie, dass es nur wenig braucht, damit ein Hund auf Herrchen oder Frauchen hört. Ihr Ansatz: Beim Menschen ansetzen und nicht auf die Fehler des Hundes schauen.

Die ganzen Ratgeber und 5-Schritte-zum-Erfolg-Bücher verunsichern die Menschen nur, meint die 54-Jährige. Sie sollten stattdessen mehr auf ihr Bauchgefühl hören – und auf den Hund schauen. Dennoch beschert sie dem beständig wachsenden Markt einen weiteren Titel. Eine Zauberstab-Lösung werden die Leser nicht darin finden. „Ich erzähle Geschichten aus dem Alltag von Hunden und ihren Haltern.“ Davon kennt sie eine ganze Menge – das hat nicht zuletzt mit ihrer Biografie zu tun. Aufgewachsen ist Marion Höft in Mühlhausen in Bayern. Es seien die Hofhunde gewesen, die sie geprägt haben, sagt sie rückblickend. Damals seien die Hunde noch als Hunde gesehen worden. Sie wurden alt, ohne dass sie dauernd zum Tierarzt mussten. Hundeschulen gab es nicht, Attacken aber auch nicht in dem Ausmaß wie heute.

Ihr Hund hieß Blacky, war ein Mischling und einfach da, wie sie sagt. Nach der Schule machte sie eine Lehre im Einzelhandel, zog nach München. Sie absolvierte ein Psychologiestudium an der Fernuni Hagen. Als sie später in der Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen arbeitete, fiel ihr auf, dass die Menschen immer grimmiger und rücksichtsloser wurden. Nebenberuflich widmete sie sich dem Studium der Soziologie.

Als sie einen Zusammenbruch hatte, beschloss sie: Ich muss raus aus der Stadt. Und so führte der Weg ihre Frau und sie 2015 nach Ilse. Das Grundstück war ideal für das Paar und seine fünf Hunde Pongo, Maja, Amelie, Elli und Annabel.

Eine Ausbildung als Problemhund-Therapeutin hatte Marion Höft schon in Bayern absolviert, in NRW musste sie eine Sachkundeprüfung wiederholen. Die Strategie von Hundeschulen ist nicht ihr Ansatz. Natürlich könne man mit Grundkommandos die Tiere dazu bringen, zu sitzen und liegen. Das sei jedoch die falsche Motivation. Entscheidend ist die Beziehung zum Menschen, sagt die Fachfrau. Leider erlebe sie häufig, dass der Hund ein Vakuum füllen soll. Mit Führungslosigkeit sei das Tier jedoch überfordert. „Warum Hunde Führung brauchen“ ist darum der Untertitel ihres Buches.

Ihre Philosophie gibt sie auf vielfältige Weise weiter. Sie hält Seminare und Vorträge, bildet Hundetrainer aus, arbeitet mit Tierschutzorganisationen zusammen, unterstützt Tierheime bei schwierigen Hunden und schult deren Mitarbeiter, hält Vorträge in Kindergärten und Schulen. Dazu kommt das Einzeltraining vor Ort. Hier sei der Bedarf größer geworden, ist ihre Erfahrung.

Oft reiche ein einziger Besuch bei den verzweifelten Hundehaltern, um die gestörte Beziehung ins Gleichgewicht zu bringen. Meist wisse sie schon nach dem Telefonat, was sie erwartet, sagt Höft. Ein gutes Gespür für Menschen sei eine Voraussetzung, um den vermeintlichen Problemhund zu therapieren. Mögliche Auffälligkeiten sind zum Beispiel ständiges Bellen, Aggression bis zum Beißen und stetiges Ziehen an der Leine. „Wenn das Wort ´plötzlich´ fällt, schrillen bei mir die Alarmglocken.“ Im Prinzip sei es einfach: alles ist eine Frage der Haltung, sagt Marion Höft. Das wiederum ist alles andere als leicht, denn es bedeutet, dass der Mensch sich ändern muss, nicht der Hund. Ständig „Nein“ zum Vierbeiner zu sagen, sei jedenfalls keine Lösung.

Im Grunde sei es wie bei Kindern: Man müsse eine Alternative aufzeigen. Und standhaft bleiben. Wer das üben möchte, für den bietet die Therapeutin „Wecke den Hund in dir“ an. Darin will sie Hundehaltern und anderen Menschen nicht weniger zeigen, als das s Glück letztlich kein Zufall, sondern eine Entscheidung ist. „Wenn ich das zulasse, habe ich bereits einen anderen Hund vor mir.“

Möglicherweise hilft auch der Leitspruch von Marion Höft den Menschen weiter, die gerade mit ihrem Tier überfordert sind. „Hunde kommen in unser Leben, um uns etwas beizubringen. Sie helfen uns zu wachsen.“ Und wenn sich der Mensch wohl fühle, tue es auch der Hund.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Petershagen