Petershagen

Von der Apotheke auf die Bühne: Claudia Brase ist die Neue bei den Stichlingen

Claudia Hyna

Claudia Brase zeigt dem Zuschauer keineswegs die kalte Schulter. Das Shirt ist Teil ihres Bühnenoutfits und passt zum Motto des Programms „Loch an Loch und hält doch“. MT- - © Foto: Alex Lehn
Claudia Brase zeigt dem Zuschauer keineswegs die kalte Schulter. Das Shirt ist Teil ihres Bühnenoutfits und passt zum Motto des Programms „Loch an Loch und hält doch“. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Petershagen. Mit sich selbst geht Claudia Brase nicht gerade zimperlich um. „Ich bin eigentlich humorbefreit“, behauptet die 47-Jährige. Eben eine typische Ostwestfälin, und als solche ehrlich und gradlinig, meint sie – und damit eben doch nicht ganz ohne Witz. Also ist die Petershägerin genau die Richtige für die Stichlinge, befand Regisseur Birger Hausmann. Welche Seite sie auf der Bühne zeigt, davon können sich die Zuschauer bei den Auftritten ein Bild machen.

Exakt 57 Einsätze liegen von der Premiere am 24. Januar in der Sparkasse Minden bis zum Ausklang am 8. Mai in Rehburg-Loccum vor ihr. Ein strammes Programm für die Inhaberin der Ösper-Apotheke Petershagen und Mutter von drei Kindern (13,11, 9).

Um diese Veranstaltungen, aber auch die zahlreichen Probentermine bewältigen zu können, hat Claudia Brase eine Vertretung gefunden. Denn im laufenden Betrieb muss jederzeit ein Apotheker anwesend sein. Woher sie die Energie für das alles nimmt, weiß sie nicht. „Ich bin eben ein typischer Widder. Und die müssen immer nach vorne“, sagt die Neue und lacht. Stillstand sei jedenfalls nicht ihre Sache.

Als Kind sei sie schüchtern und in sich gekehrt gewesen. Aufgewachsen ist sie in Neuenknick, machte Abitur am Gymnasium Petershagen und dann eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin (PTA). Anschließend studierte sie Pharmazie in Münster. Nach einem Praktikum in Leteln zog sie für ein Jahr nach Hamburg. Sie lernte, wie schwierig es ist, in einer Großstadt Anschluss zu finden, war einsam. Heute sagt Claudia Brase selbstkritisch, sie habe sich einfach zu wenig Zeit gegeben.

Als sie sich schließlich zur Rückkehr in die Heimat entschlossen hatte, wäre sie letztlich gerne geblieben. Die Apothekerin war dann in verschiedenen Apotheken im Kreis Minden-Lübbecke tätig, zog nach Windheim, bekam drei Kinder. Vor zwei Jahren erfüllte sich dann ihr „ewiger Wunsch“: sie machte sich selbstständig.

Ein anderer Wunsch, Theater zu spielen, blieb. Ein kurzes Intermezzo hatte sie im Jahr 2002 mit der plattdeutschen Laienspielgruppe Windheim. „Ich wollte aus mir raus, auf der Bühne stehen, um freier zu werden“, beschreibt sie ihre Motivation. Vor genau einem Jahr kam Birger Hausmann eines Tages zu ihr in die Apotheke, um dort ein Plakat für die Stichlinge aufzuhängen. Was Claudia Brase nicht wusste: Anschließend beobachtete er sie von draußen. Ihm gefiel, was er sah, ihren freundlichen Umgang mit den Kunden. „Er fand mich locker, sicher und patent“, erzählt die 47-Jährige fast erstaunt.

Eigentlich sei sie bis dahin politisch nicht interessiert gewesen. Und wenn ein Thema sie wirklich bewege, rege sie sich letztlich nur auf. In ihrer Apotheke hört sie täglich von den zahlreichen Themen, die den Petershägern auf den Nägeln brennen: Da geht es um Leerstände, fehlende Parkplätze, schlechtes Internet und auch die mangelnde Versorgung mit Ärzten.

Auftritte der Mindener Kabarettgruppe hatte Brase vor Jahren mal gesehen. Dass sie selber dort landen würde, wäre ihr nicht in den Sinn gekommen. Die 47-Jährige beschreibt sich als naturwissenschaftlich angehaucht, wenig kreativ. „Jetzt ertappe ich mich mitten am Tag, wie ich vor mich hin trällere.“ Sie stellt fest, dass sie sich immer mehr öffnet, lauter spricht, das gefällt ihr, da wollte sie hin. Den größten Part habe sie als Neue im Kabarett nicht. In einem Sketch spielt sie eine naive Ehefrau, in einem anderen ist sie ein Matrose. Immer mehr wachse sie in ihre Rolle hinein. „Was man fühlt, das kommt auch rüber“, ist sie überzeugt.

Mit ihrem Auftritt will sie nicht nur das Publikum gut unterhalten. Ihr geht es auch darum, persönlich weiter zu kommen. Und das ist ihr der enorme Zeitaufwand in diesem Jahr wert. Ob es danach weitergeht, weiß sie noch nicht. Schließlich hat sie zur Zeit wenig Zeitfenster für die Familie und für sich selbst. Gut vorstellen kann sie sich, dass sie künftig Texte schreibt für die Stichlinge. Wen das Kabarettvirus einmal erfasst hat, der kommt davon selten wieder los.

Termine in Petershagen

Stichlinge „Loch an Loch und hält doch“ am Freitag, 20. März, und Samstag, 21. März, jeweils um 20 Uhr im Waldhotel Morhoff, Forststraße 1, in Petershagen-Heisterholz.

Vorverkauf in der Buchhandlung Betz, Petershagen, Hauptstraße 4, Telefon (0 57 07) 91 94 45 und Foto Keller, Lahde, Bahnhofstraße 39, Telefon (0 57 02) 8 57 00.

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PetershagenVon der Apotheke auf die Bühne: Claudia Brase ist die Neue bei den StichlingenClaudia HynaPetershagen. Mit sich selbst geht Claudia Brase nicht gerade zimperlich um. „Ich bin eigentlich humorbefreit“, behauptet die 47-Jährige. Eben eine typische Ostwestfälin, und als solche ehrlich und gradlinig, meint sie – und damit eben doch nicht ganz ohne Witz. Also ist die Petershägerin genau die Richtige für die Stichlinge, befand Regisseur Birger Hausmann. Welche Seite sie auf der Bühne zeigt, davon können sich die Zuschauer bei den Auftritten ein Bild machen. Exakt 57 Einsätze liegen von der Premiere am 24. Januar in der Sparkasse Minden bis zum Ausklang am 8. Mai in Rehburg-Loccum vor ihr. Ein strammes Programm für die Inhaberin der Ösper-Apotheke Petershagen und Mutter von drei Kindern (13,11, 9). Um diese Veranstaltungen, aber auch die zahlreichen Probentermine bewältigen zu können, hat Claudia Brase eine Vertretung gefunden. Denn im laufenden Betrieb muss jederzeit ein Apotheker anwesend sein. Woher sie die Energie für das alles nimmt, weiß sie nicht. „Ich bin eben ein typischer Widder. Und die müssen immer nach vorne“, sagt die Neue und lacht. Stillstand sei jedenfalls nicht ihre Sache. Als Kind sei sie schüchtern und in sich gekehrt gewesen. Aufgewachsen ist sie in Neuenknick, machte Abitur am Gymnasium Petershagen und dann eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin (PTA). Anschließend studierte sie Pharmazie in Münster. Nach einem Praktikum in Leteln zog sie für ein Jahr nach Hamburg. Sie lernte, wie schwierig es ist, in einer Großstadt Anschluss zu finden, war einsam. Heute sagt Claudia Brase selbstkritisch, sie habe sich einfach zu wenig Zeit gegeben. Als sie sich schließlich zur Rückkehr in die Heimat entschlossen hatte, wäre sie letztlich gerne geblieben. Die Apothekerin war dann in verschiedenen Apotheken im Kreis Minden-Lübbecke tätig, zog nach Windheim, bekam drei Kinder. Vor zwei Jahren erfüllte sich dann ihr „ewiger Wunsch“: sie machte sich selbstständig. Ein anderer Wunsch, Theater zu spielen, blieb. Ein kurzes Intermezzo hatte sie im Jahr 2002 mit der plattdeutschen Laienspielgruppe Windheim. „Ich wollte aus mir raus, auf der Bühne stehen, um freier zu werden“, beschreibt sie ihre Motivation. Vor genau einem Jahr kam Birger Hausmann eines Tages zu ihr in die Apotheke, um dort ein Plakat für die Stichlinge aufzuhängen. Was Claudia Brase nicht wusste: Anschließend beobachtete er sie von draußen. Ihm gefiel, was er sah, ihren freundlichen Umgang mit den Kunden. „Er fand mich locker, sicher und patent“, erzählt die 47-Jährige fast erstaunt. Eigentlich sei sie bis dahin politisch nicht interessiert gewesen. Und wenn ein Thema sie wirklich bewege, rege sie sich letztlich nur auf. In ihrer Apotheke hört sie täglich von den zahlreichen Themen, die den Petershägern auf den Nägeln brennen: Da geht es um Leerstände, fehlende Parkplätze, schlechtes Internet und auch die mangelnde Versorgung mit Ärzten. Auftritte der Mindener Kabarettgruppe hatte Brase vor Jahren mal gesehen. Dass sie selber dort landen würde, wäre ihr nicht in den Sinn gekommen. Die 47-Jährige beschreibt sich als naturwissenschaftlich angehaucht, wenig kreativ. „Jetzt ertappe ich mich mitten am Tag, wie ich vor mich hin trällere.“ Sie stellt fest, dass sie sich immer mehr öffnet, lauter spricht, das gefällt ihr, da wollte sie hin. Den größten Part habe sie als Neue im Kabarett nicht. In einem Sketch spielt sie eine naive Ehefrau, in einem anderen ist sie ein Matrose. Immer mehr wachse sie in ihre Rolle hinein. „Was man fühlt, das kommt auch rüber“, ist sie überzeugt. Mit ihrem Auftritt will sie nicht nur das Publikum gut unterhalten. Ihr geht es auch darum, persönlich weiter zu kommen. Und das ist ihr der enorme Zeitaufwand in diesem Jahr wert. Ob es danach weitergeht, weiß sie noch nicht. Schließlich hat sie zur Zeit wenig Zeitfenster für die Familie und für sich selbst. Gut vorstellen kann sie sich, dass sie künftig Texte schreibt für die Stichlinge. Wen das Kabarettvirus einmal erfasst hat, der kommt davon selten wieder los. Termine in Petershagen Stichlinge „Loch an Loch und hält doch“ am Freitag, 20. März, und Samstag, 21. März, jeweils um 20 Uhr im Waldhotel Morhoff, Forststraße 1, in Petershagen-Heisterholz. Vorverkauf in der Buchhandlung Betz, Petershagen, Hauptstraße 4, Telefon (0 57 07) 91 94 45 und Foto Keller, Lahde, Bahnhofstraße 39, Telefon (0 57 02) 8 57 00.