Maaslingen

Agentur in Maaslingen entwickelt Design für die Welt von morgen

Claudia Hyna

Petershagen-Maaslingen (mt). Barbara Busse entwickelt mit ihrem Team Design für die Welt von morgen. Das Spektrum reicht von der Kaffeemaschine bis zur App – und ist zum Teil top geheim, da die Produkte noch nicht auf dem Markt ist. Ob Volkswagen, Melitta oder Schüco – keiner ihrer Kunden hat weniger als 4.000 Mitarbeiter, darauf legt sie Wert. Standort dieser Ideenschmiede ist aber nicht etwa Hamburg oder Berlin, sondern Petershagen-Maaslingen.

Barbara Busse ist Mitglied im Managerkreis. 2016 gründete sie ihre Designagentur in Maaslingen. - © Foto: Future + you
Barbara Busse ist Mitglied im Managerkreis. 2016 gründete sie ihre Designagentur in Maaslingen. (© Foto: Future + you)

Zum Studio selbst gehört ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück inclusive Weiden und einem Wald. Der Blick aus dem Fenster fällt auf viel Grün, hier tummeln sich Rehe, Fasane und Hasen. „Die Natur bildet für uns einen Ruhepol im Kontrast zu den Hightech-Themen, mit denen wir uns oft befassen“, sagt die 41-jährige Designerin, die mit ihrem Mann (ein gebürtiger Meßlinger) und ihren beiden Kindern vor drei Jahren aus Bonn hierher zog.

Es gibt sogar einen Gemüsegarten am Büro, aus dem die Mitarbeiter im Sommer frische Tomaten, Salat und Kräuter für das Mittagessen ernten. Barbara Busse: „Wir empfinden den Standort als ideal, um konzentriert zu arbeiten. Es ist für uns ein Privileg, dass wir unser Geschäftsmodell von hier aus umsetzen können.“

Seit 2016 ist die Agentur „Future + You“ in Maaslingen zuhause. Zuhause, das ist ein altes bäuerliches Anwesen, dessen Scheune aus dem Jahr 1778 stammt. Hier geht Altes und Neues auf vielerlei Weise eine Allianz ein: Das Studio verbindet Altes und Neues miteinander. Elemente vergangener Zeiten sind gewollt sichtbar und bringen Atmosphäre zwischen die Schreibtische, die mit modernster Technik ausgestattet sind. Die Firma selbst wiederum liegt zwischen Wohnhaus und Scheune. Nebenan befindet sich ein landwirtschaftlicher Betrieb – ein Beispiel dafür, dass alte und neue Berufe auf dem Land in Einklang sind, wie die Chefin meint.

In der Stadt wäre eine solche Lösung unbezahlbar. Und daher sei ihre Familie kein Einzelfall, sondern Teil einer Bewegung, die Soziologen als „City Quitters“ (bewusste Abkehr von der Stadt) bezeichnen. Diese Landflucht werde ihrer Generation zugeschrieben, sagt die Designerin. Junge Kreative verlassen die überteuerten Städte und tauchten zunehmend auf dem Land auf. Seit sie 19 Jahre alt ist, hat sie überall auf der Welt gelebt und gearbeitet. Aufgewachsen in Schwanewede bei Bremen, war sie nach dem Designstudium in Köln in Sydney, London, Santiago de Chile und München tätig.

Der öffentliche Nahverkehr und das Internet auf dem Lande, das sei schon eine Herausforderung, sagt die Designerin. „Wir haben gute Lösungen gefunden. Und wir sehen uns als Teil einer Lösung, nicht als Teil eines Problems.“ Wichtig sei, dass die Bandbreite des Internets mit den wachsenden Anforderungen mithält. Und weiter: Keine Agentur könnte sich in einer Region halten oder niederlassen, in der keine angemessene Datenübertragung an Kunden und Datensicherung an IT-Dienstleister möglich ist.

Die Agentur „Future + You“ zeigt auf, wie die Welt in drei, fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Barbara Busse und ihre Kollegen liefern individuelle Berichte für große Unternehmen oder gestalten Produkte und Dienste. Ihr Credo dabei: Weniger ist mehr. Die Menschen hätten ein Bedürfnis nach dem Ursprünglichen, dem Nicht-Künstlichen, darauf ist ihr Design ausgerichtet. Sie umschreibt es mit „guten alten Sachen“ und sagt: Bunt und billig, nicht mit mir. Dazu verwendet sie wertige Materialien, mit langer Haltbarkeit – und zwar, lange bevor es zum Trend wurde. Seit einiger Zeit ist recyceltes Plastik eine Alternative. Einfache und schöne Formen, eine einfache Bedienung, kein Schnick-Schnack, so sieht die Handschrift ihrer Produkte aus – etwa beim Entwurf einer neuen Kaffeemaschine aus Metall, Glas und Keramik, die im nächsten Jahr auf den Markt kommt.

Der Erfolg gibt ihr recht, die Umsätze seien gut, berichtet sie. Am Anfang eines Auftrags stehe immer die Recherche. Der Konsumentenmarkt verändere sich derart schnell, so dass die Entscheider vom Markt entkoppelt seien. Hier setzt „Future + You“ an. Als Design-Researcherin unterwegs ist Cecilia Palombo (34), die mit Barbara Busse in Bonn bei der Telekom gearbeitet hat – und ihr im vergangenen Jahr von Köln nach Petershagen folgte. Hier könne sie die Zukunft mitgestalten, sagt sie. Dafür nimmt sie auch eine unbequeme Anreise in Kauf.

Palombo wohnt in einer WG in Minden und braucht mit dem Bus täglich 45 Minuten nach Maaslingen. Sie vermisst die Großstadt durchaus – und stellt doch nach und nach fest, dass sie nach Besuchen von dort gestresst zurück kommt. Und in der näheren Umgebung bekommt sie ebenfalls Anregungen. Sie sagt: Bielefeld ist eine coole Stadt für Kreative.

Auch Barbara Busse ist ein Viertel des Jahres unterwegs, darüber hinaus hat sie einen Lehrauftrag für Design Thinking in Osnabrück inne. Die Ideen für neue Produkte holt sie sich dort, aber auch auf Messen, Konferenzen und Auslandsreisen. Und dann sind da noch die Zusammenkünfte, zu denen regelmäßig rund 35 Teilnehmer aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Maaslingen kommen. Hier geht es in Vorträgen zum Beispiel um die Zukunft des Marketings, hier diskutieren Mitarbeiter von Melitta und Miele miteinander. „Eigentlich könnten wir von überall arbeiten. Am Ende zählt nur, dass das, was wir entwerfen, relevant ist. “

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MaaslingenAgentur in Maaslingen entwickelt Design für die Welt von morgenClaudia HynaPetershagen-Maaslingen (mt). Barbara Busse entwickelt mit ihrem Team Design für die Welt von morgen. Das Spektrum reicht von der Kaffeemaschine bis zur App – und ist zum Teil top geheim, da die Produkte noch nicht auf dem Markt ist. Ob Volkswagen, Melitta oder Schüco – keiner ihrer Kunden hat weniger als 4.000 Mitarbeiter, darauf legt sie Wert. Standort dieser Ideenschmiede ist aber nicht etwa Hamburg oder Berlin, sondern Petershagen-Maaslingen. Zum Studio selbst gehört ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück inclusive Weiden und einem Wald. Der Blick aus dem Fenster fällt auf viel Grün, hier tummeln sich Rehe, Fasane und Hasen. „Die Natur bildet für uns einen Ruhepol im Kontrast zu den Hightech-Themen, mit denen wir uns oft befassen“, sagt die 41-jährige Designerin, die mit ihrem Mann (ein gebürtiger Meßlinger) und ihren beiden Kindern vor drei Jahren aus Bonn hierher zog. Es gibt sogar einen Gemüsegarten am Büro, aus dem die Mitarbeiter im Sommer frische Tomaten, Salat und Kräuter für das Mittagessen ernten. Barbara Busse: „Wir empfinden den Standort als ideal, um konzentriert zu arbeiten. Es ist für uns ein Privileg, dass wir unser Geschäftsmodell von hier aus umsetzen können.“ Seit 2016 ist die Agentur „Future + You“ in Maaslingen zuhause. Zuhause, das ist ein altes bäuerliches Anwesen, dessen Scheune aus dem Jahr 1778 stammt. Hier geht Altes und Neues auf vielerlei Weise eine Allianz ein: Das Studio verbindet Altes und Neues miteinander. Elemente vergangener Zeiten sind gewollt sichtbar und bringen Atmosphäre zwischen die Schreibtische, die mit modernster Technik ausgestattet sind. Die Firma selbst wiederum liegt zwischen Wohnhaus und Scheune. Nebenan befindet sich ein landwirtschaftlicher Betrieb – ein Beispiel dafür, dass alte und neue Berufe auf dem Land in Einklang sind, wie die Chefin meint. In der Stadt wäre eine solche Lösung unbezahlbar. Und daher sei ihre Familie kein Einzelfall, sondern Teil einer Bewegung, die Soziologen als „City Quitters“ (bewusste Abkehr von der Stadt) bezeichnen. Diese Landflucht werde ihrer Generation zugeschrieben, sagt die Designerin. Junge Kreative verlassen die überteuerten Städte und tauchten zunehmend auf dem Land auf. Seit sie 19 Jahre alt ist, hat sie überall auf der Welt gelebt und gearbeitet. Aufgewachsen in Schwanewede bei Bremen, war sie nach dem Designstudium in Köln in Sydney, London, Santiago de Chile und München tätig. Der öffentliche Nahverkehr und das Internet auf dem Lande, das sei schon eine Herausforderung, sagt die Designerin. „Wir haben gute Lösungen gefunden. Und wir sehen uns als Teil einer Lösung, nicht als Teil eines Problems.“ Wichtig sei, dass die Bandbreite des Internets mit den wachsenden Anforderungen mithält. Und weiter: Keine Agentur könnte sich in einer Region halten oder niederlassen, in der keine angemessene Datenübertragung an Kunden und Datensicherung an IT-Dienstleister möglich ist. Die Agentur „Future + You“ zeigt auf, wie die Welt in drei, fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Barbara Busse und ihre Kollegen liefern individuelle Berichte für große Unternehmen oder gestalten Produkte und Dienste. Ihr Credo dabei: Weniger ist mehr. Die Menschen hätten ein Bedürfnis nach dem Ursprünglichen, dem Nicht-Künstlichen, darauf ist ihr Design ausgerichtet. Sie umschreibt es mit „guten alten Sachen“ und sagt: Bunt und billig, nicht mit mir. Dazu verwendet sie wertige Materialien, mit langer Haltbarkeit – und zwar, lange bevor es zum Trend wurde. Seit einiger Zeit ist recyceltes Plastik eine Alternative. Einfache und schöne Formen, eine einfache Bedienung, kein Schnick-Schnack, so sieht die Handschrift ihrer Produkte aus – etwa beim Entwurf einer neuen Kaffeemaschine aus Metall, Glas und Keramik, die im nächsten Jahr auf den Markt kommt. Der Erfolg gibt ihr recht, die Umsätze seien gut, berichtet sie. Am Anfang eines Auftrags stehe immer die Recherche. Der Konsumentenmarkt verändere sich derart schnell, so dass die Entscheider vom Markt entkoppelt seien. Hier setzt „Future + You“ an. Als Design-Researcherin unterwegs ist Cecilia Palombo (34), die mit Barbara Busse in Bonn bei der Telekom gearbeitet hat – und ihr im vergangenen Jahr von Köln nach Petershagen folgte. Hier könne sie die Zukunft mitgestalten, sagt sie. Dafür nimmt sie auch eine unbequeme Anreise in Kauf. Palombo wohnt in einer WG in Minden und braucht mit dem Bus täglich 45 Minuten nach Maaslingen. Sie vermisst die Großstadt durchaus – und stellt doch nach und nach fest, dass sie nach Besuchen von dort gestresst zurück kommt. Und in der näheren Umgebung bekommt sie ebenfalls Anregungen. Sie sagt: Bielefeld ist eine coole Stadt für Kreative. Auch Barbara Busse ist ein Viertel des Jahres unterwegs, darüber hinaus hat sie einen Lehrauftrag für Design Thinking in Osnabrück inne. Die Ideen für neue Produkte holt sie sich dort, aber auch auf Messen, Konferenzen und Auslandsreisen. Und dann sind da noch die Zusammenkünfte, zu denen regelmäßig rund 35 Teilnehmer aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Maaslingen kommen. Hier geht es in Vorträgen zum Beispiel um die Zukunft des Marketings, hier diskutieren Mitarbeiter von Melitta und Miele miteinander. „Eigentlich könnten wir von überall arbeiten. Am Ende zählt nur, dass das, was wir entwerfen, relevant ist. “