Petershagen

Mehr Geld für Heimatpflege: So funktionieren die neuen Förderrichtlinien für kulturelle Veranstaltungen

Oliver Plöger

Die neuen Förderrichtlinien sollen die Gemeinschaft in den Orten und die Heimatpflege (wie hier in Heimsen) unterstützen. Neben den Förderzuschüssen, die beantragt werden können, gibt es auch Pauschalbeträge. Die Förderhöhe hängt von der Bevölkerungszahl ab. Foto: Westermann Ulrich - © Westermann Ulrich
Die neuen Förderrichtlinien sollen die Gemeinschaft in den Orten und die Heimatpflege (wie hier in Heimsen) unterstützen. Neben den Förderzuschüssen, die beantragt werden können, gibt es auch Pauschalbeträge. Die Förderhöhe hängt von der Bevölkerungszahl ab. Foto: Westermann Ulrich (© Westermann Ulrich)

Petershagen (mt). Wenn es den Stadtfinanzen besser geht, sollen möglichst viele davon profitieren. Zum Beispiel die Kulturgemeinschaften in den 29 Petershäger Orten. Die sollen nach dem Willen der Verwaltung künftig höhere Zuschüsse bekommen. Doch helfen die Summen wirklich weiter?

Bei genauerem Blick in die neu erarbeiteten Förderrichtlinien für kulturelle Veranstaltungen bekommt etwa ein Ort wie Buchholz statt bislang 142 Euro künftig einen jährlichen Betrag von 214 Euro. Der Betrag fällt weiter gering aus, da Buchholz lediglich über knapp 140 Einwohner verfügt. Gestaffelt ist die Förderung generell nach Bevölkerungszahlen: mehr Einwohner, mehr Geld. Gorspen-Vahlsen mit unter 500 Einwohnern bekäme 409 Euro, Meßlingen ebenso. Orte über 3.000 Einwohner (nur Petershagen Kernstadt und Lahde) freuen sich über 907 Euro. Letztere werden in den aktuellen Richtlinien noch mit je 601 Euro bedient.

Insgesamt soll künftig – statt 8.950 Euro – ein Pauschalbetrag von 13.500 Euro für die Kulturgemeinschaften in Petershagen gelten. Der zur Verfügung gestellte Betrag, so heißt es aus dem Rathaus, ist in erster Linie zur Förderung der Gemeinschaft und der Heimatpflege in der Ortschaft zu verwenden. Das Geld fließt ohne besonderen Antrag.

Dass die Förderrichtlinien nach 30 Jahren neu aufgelegt werden, wird in den Fraktionen dankbar aufgenommen. Einen Beschluss hat der Aussschuss für Kultur- und Heimatpflege allerdings noch nicht gefasst. Martin Sölter (SPD), der die neuen Förderrichtlinien grundsätzlich begrüßte, bat um Vertagung in den Haupt- und Finanzausschuss, da den Genossen die Zeit fehlte, über die neuen „Spielregeln“ abschließend zu diskutieren. Das Ehrenamt noch weiter zu stärken, bat indes Heiko Deterding (CDU), selbst Ortsbürgermeister in Raderhorst und dort auch Vorsitzender der Kulturgemeinschaft. Der Ort bekäme nach den Richtlinien einen jährlichen Betrag von 409 Euro. „Wir müssen möglichst dahinkommen, das Ehrenamt weiter zu stärken“, sagte Deterding. Das Geld werde oft für Veranstaltungen benötigt. „Und ich weiß, dass viele Kulturgemeinschaften da gerade mal mit einer schwarzen Null rauskommen.“

Die Kulturgemeinschaften in den Petershäger Orten bündeln die Interessen der einzelnen Vereine, sie sind gewissermaßen deren Dachorganisation. In einigen Fällen sind die jeweiligen Ortsbürgermeister auch die Vorsitzenden der Kulturgemeinschaften. Dorffeste werden in aller Regel über die Kulturgemeinschaften (oder wie in Heimsen) die Kulturgilde abgewickelt. In Friedewalde organisiert die Kulturgemeinschaft etwa das Dorfgemeinschaftsfest und den Volkstrauertag.

Neben der pauschalen Zuweisung besteht auch bei den neuen Richtlinien die Möglichkeit, eine Förderung zu beantragen. Antragsberechtigt sind künftig auch freie Kulturschaffende und kulturelle Institutionen. Neu gefasst sind auch die Sonderzuschüsse, darunter für Konzertveranstaltungen, Jubiläen, Herausgabe von Büchern und Broschüren, Kunstausstellungen und Maßnahmen, so wörtlich, „im Rahmen der Pflege von internationalen Beziehungen.“

Auch der Bürgermeister bekommt einen größeren Spielraum. Bislang konnte Dieter Blume (CDU) über Zuschüsse in Höhe von 250 Euro entscheiden, künftig sollen es 500 Euro sein. Bei größeren Summen muss dann der Rat entscheiden.

Hintergrund für die Erhöhung der Zuschüsse ist – neben der verbesserten Haushaltslage –. auch die im Doppelhaushalt 1919/1920 verbesserte Sportförderung. Wörtlich heißt es von der Stadt: „Die Kulturgemeinschaften, die wichtige kulturelle Beiträge in den Ortschaften leisten, sollten ebenfalls von der zurzeit positive Haushaltslage profitieren.“

Unverändert bleibt auch in den überarbeiteten Richtlinien die jährliche Finanzspritze für die Chöre in der Stadt Petershagen und das Jugendblasorchester. Hier fließen jährlich 100 Euro. Insider vernuten allerdings, dass dieses Geld nicht mehr allzu oft abgerufen wird, denn die Zahl der Chöre hat sich in den vergangenen 30 Jahren nachweislich minimiert.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

PetershagenMehr Geld für Heimatpflege: So funktionieren die neuen Förderrichtlinien für kulturelle VeranstaltungenOliver PlögerPetershagen (mt). Wenn es den Stadtfinanzen besser geht, sollen möglichst viele davon profitieren. Zum Beispiel die Kulturgemeinschaften in den 29 Petershäger Orten. Die sollen nach dem Willen der Verwaltung künftig höhere Zuschüsse bekommen. Doch helfen die Summen wirklich weiter? Bei genauerem Blick in die neu erarbeiteten Förderrichtlinien für kulturelle Veranstaltungen bekommt etwa ein Ort wie Buchholz statt bislang 142 Euro künftig einen jährlichen Betrag von 214 Euro. Der Betrag fällt weiter gering aus, da Buchholz lediglich über knapp 140 Einwohner verfügt. Gestaffelt ist die Förderung generell nach Bevölkerungszahlen: mehr Einwohner, mehr Geld. Gorspen-Vahlsen mit unter 500 Einwohnern bekäme 409 Euro, Meßlingen ebenso. Orte über 3.000 Einwohner (nur Petershagen Kernstadt und Lahde) freuen sich über 907 Euro. Letztere werden in den aktuellen Richtlinien noch mit je 601 Euro bedient. Insgesamt soll künftig – statt 8.950 Euro – ein Pauschalbetrag von 13.500 Euro für die Kulturgemeinschaften in Petershagen gelten. Der zur Verfügung gestellte Betrag, so heißt es aus dem Rathaus, ist in erster Linie zur Förderung der Gemeinschaft und der Heimatpflege in der Ortschaft zu verwenden. Das Geld fließt ohne besonderen Antrag. Dass die Förderrichtlinien nach 30 Jahren neu aufgelegt werden, wird in den Fraktionen dankbar aufgenommen. Einen Beschluss hat der Aussschuss für Kultur- und Heimatpflege allerdings noch nicht gefasst. Martin Sölter (SPD), der die neuen Förderrichtlinien grundsätzlich begrüßte, bat um Vertagung in den Haupt- und Finanzausschuss, da den Genossen die Zeit fehlte, über die neuen „Spielregeln“ abschließend zu diskutieren. Das Ehrenamt noch weiter zu stärken, bat indes Heiko Deterding (CDU), selbst Ortsbürgermeister in Raderhorst und dort auch Vorsitzender der Kulturgemeinschaft. Der Ort bekäme nach den Richtlinien einen jährlichen Betrag von 409 Euro. „Wir müssen möglichst dahinkommen, das Ehrenamt weiter zu stärken“, sagte Deterding. Das Geld werde oft für Veranstaltungen benötigt. „Und ich weiß, dass viele Kulturgemeinschaften da gerade mal mit einer schwarzen Null rauskommen.“ Die Kulturgemeinschaften in den Petershäger Orten bündeln die Interessen der einzelnen Vereine, sie sind gewissermaßen deren Dachorganisation. In einigen Fällen sind die jeweiligen Ortsbürgermeister auch die Vorsitzenden der Kulturgemeinschaften. Dorffeste werden in aller Regel über die Kulturgemeinschaften (oder wie in Heimsen) die Kulturgilde abgewickelt. In Friedewalde organisiert die Kulturgemeinschaft etwa das Dorfgemeinschaftsfest und den Volkstrauertag. Neben der pauschalen Zuweisung besteht auch bei den neuen Richtlinien die Möglichkeit, eine Förderung zu beantragen. Antragsberechtigt sind künftig auch freie Kulturschaffende und kulturelle Institutionen. Neu gefasst sind auch die Sonderzuschüsse, darunter für Konzertveranstaltungen, Jubiläen, Herausgabe von Büchern und Broschüren, Kunstausstellungen und Maßnahmen, so wörtlich, „im Rahmen der Pflege von internationalen Beziehungen.“ Auch der Bürgermeister bekommt einen größeren Spielraum. Bislang konnte Dieter Blume (CDU) über Zuschüsse in Höhe von 250 Euro entscheiden, künftig sollen es 500 Euro sein. Bei größeren Summen muss dann der Rat entscheiden. Hintergrund für die Erhöhung der Zuschüsse ist – neben der verbesserten Haushaltslage –. auch die im Doppelhaushalt 1919/1920 verbesserte Sportförderung. Wörtlich heißt es von der Stadt: „Die Kulturgemeinschaften, die wichtige kulturelle Beiträge in den Ortschaften leisten, sollten ebenfalls von der zurzeit positive Haushaltslage profitieren.“ Unverändert bleibt auch in den überarbeiteten Richtlinien die jährliche Finanzspritze für die Chöre in der Stadt Petershagen und das Jugendblasorchester. Hier fließen jährlich 100 Euro. Insider vernuten allerdings, dass dieses Geld nicht mehr allzu oft abgerufen wird, denn die Zahl der Chöre hat sich in den vergangenen 30 Jahren nachweislich minimiert.