Ovenstädt

Glasklare Faszination während des Gernheimer Glasmarktes

Ulrich Westermann

Petershagen-Ovenstädt (Wes). Wenn Kunstfertigkeit und Kreativität miteinander harmonieren, entsteht glasklare Faszination. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher des zweitägigen Gernheimer Glasmarktes überzeugen.

Sie nutzten die Gelegenheit, im Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude, im ehemaligen Fabrikantenwohnhaus und im früheren Anwesen Busse auf Entdeckungstour zu gehen. Zu den weiteren Stationen im Westfälischen Landesmuseum für Industriekultur gehörten Glasturm, Schleiferei, Korbflechterei, Lagerhaus und Klangspiel. Der Einladung waren 14 Aussteller gefolgt, um Einzelheiten über die Glaskunst und die daraus entstandenen Objekte zu vermitteln.

Im ehemaligen Gebäude Busse begeisterte Glasgestalter-Meister Falk Bauer aus Lauscha mit seiner Filigranarbeit das Publikum. Keine 30 Minuten dauerte es, da hatte er verschiedenfarbige Glasstäbe über einer Flamme bearbeitet und die einzelnen Teile zu einem Maikäfer zusammengefügt. „Ein Maikäfer im November, ein wahres Kunstwerk“, meinte ein Besucher, als er das in Lebensgröße entstandene Krabbeltier bewunderte.

Nina M - © Westermann
Nina M (© Westermann)

Bauer wies darauf hin, dass er sich seit 20 Jahren damit beschäftige, naturgetreue Insekten und Käfer aus Glas herzustellen. Inzwischen seien es mehr als 100. Jedes Jahr kämen vier bis fünf neue Exemplare dazu. „Es gibt Sammler, die schon auf die neuen Kreationen warten und denen es eine große Freude bereitet, sie zu erwerben“, erzählte der Meister seines Fachs.

In einer Ausstellung zeigte er Insekten, die im Laufe der Jahre entstanden waren. Dazu gehören Teichläufer, Tausendfüßler, gefleckter Schmalbock, Marienkäfer, australischer Federfühler, Libellen und Kartoffelkäfer.

Im früheren Herrenhaus des Fabrikdorfes Gernheim wurde gläserner Christbaumschmuck aus dem Thüringer Wald präsentiert. In Lauscha und den umliegenden Ortschaften werden Kugeln und Figuren aus Glas mit Gold und Silber verspiegelt und mit Lackfarben kunstvoll verziert.

Im südthüringischen Lauscha wurde 1597 die erste ortsfeste Glashütte eingerichtet. Entstanden ist ein Zentrum für Kunstglasbläserei, das weltweit einen hervorragenden Ruf genießt.

Glasgestalter-Meister Falk Bauer aus Lauscha begeisterte das Publikum mit seinem K - © Westermann
Glasgestalter-Meister Falk Bauer aus Lauscha begeisterte das Publikum mit seinem K (© Westermann)

Im umfangreichen Sortiment spielen auch Nikolaus, Weihnachtsmann, Knecht Ruprecht, Engel, Vöglein, Zapfen, Früchte und Christbaumspitzen eine wichtige Rolle. Angenommen wird, dass die Schmuckstücke auf einen armen Glasbläser zurückgehen, dem es an Äpfeln und Nüssen für den Weihnachtsbaumschmuck fehlte. So kam er auf die Idee, Glasfrüchte zu gestalten, denen schon bald die ersten Christbaumkugeln folgten. Es dauerte nicht lange, bis sich diese gläsernen Kostbarkeiten zu einem Exportschlager entwickelten.

Auch die Ausstellung der Lauscha-Arbeiten in Gernheim fand großes Interesse. Die Besucher nutzten das Angebot, um Schmuckstücke für den eigenen Adventskranz oder Weihnachtsbaum zu erwerben. „Viele dieser Glasarbeiten sind bereits verkauft, ein Restkontingent gibt es noch in unserem Museumsshop“, wusste eine Gernheim-Mitarbeiterin.

Unter den Glasmarktausstellern war Tony Meeuwsen aus den Niederlanden. Nach seiner Ausbildung in der Glasfachschule in Zwiesel (Bayern) hat er sich darauf spezialisiert, Objekte für den Innen- und Außenbereich zu entwerfen. Dabei verarbeitet er mehrere Glassorten, auch in Kombination mit Naturstein und Edelstahl.

Eine Station des Glasmarktes war der Ausstellungsstand von Frieder Korff aus Niedernwöhren im Schaumburger Land. Als Autodidakt kam der Glaskünstler, Jahrgang 1936, über die Fotografie zur Malerei, später dann zu Glasverschmelzungen (Fusing). In Gernheim präsentierte er unter anderem Glasköpfe und farbige Schmetterlinge.

Nur wenige Meter davon entfernt hatte Albert Schwiezer aus Hessisch Oldendorf seinen Stand aufgebaut. Der 80-Jährige sammelt seit 1970 Gebrauchshohlglas. „In Deutschland, möglicherweise sogar in Europa, stehe ich mit meiner Sammlung aus Flaschen und Vorratsgefäßen an der Spitze. Insgesamt verfüge ich über 25.000 Glasobjekte, darunter sind 22.500 Unikate und 2.500 Duplikate“, erzählte Schwiezer. Nach Gernheim hatte er 250 Einzelstücke in verschiedenen Farben, Formen und Größen für Haarpflegemittel, Medizin und Getränke mitgebracht.

Die Bilanz von Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus hätte nicht besser ausfallen können: „Hohe Qualität der Exponate und großes Besucherinteresse: Wir sind mit dem Verlauf unseres Glasmarktes sehr zufrieden“.

Brauchtumssprechstunde

Parallel zum Glasmarkt lief im früheren Herrenhaus eine Kunstaktion mit Unterstützung des Heimat-Schecks des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. In einer „Brauchtumssprechstunde“ hatten die Besucher Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre Geschichten „Rund ums Glas“ zu erzählen. Ansprechpersonen waren Christine Bargstedt und Nina Mühlmann („KulturFragMente“).

Dabei entstanden 13 Erzählungen, die zu einem Ausstellungsobjekt, einer Lesung in der alten Korbflechterei und zum Verbleib in der Glashütte zusammengeführt wurden. Themen waren „Kasperle im Bowleglas“, „Die Glashütte als Abenteuerspielplatz“ und „Inter-nationales Flaschensammeln“.

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OvenstädtGlasklare Faszination während des Gernheimer GlasmarktesUlrich WestermannPetershagen-Ovenstädt (Wes). Wenn Kunstfertigkeit und Kreativität miteinander harmonieren, entsteht glasklare Faszination. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher des zweitägigen Gernheimer Glasmarktes überzeugen. Sie nutzten die Gelegenheit, im Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude, im ehemaligen Fabrikantenwohnhaus und im früheren Anwesen Busse auf Entdeckungstour zu gehen. Zu den weiteren Stationen im Westfälischen Landesmuseum für Industriekultur gehörten Glasturm, Schleiferei, Korbflechterei, Lagerhaus und Klangspiel. Der Einladung waren 14 Aussteller gefolgt, um Einzelheiten über die Glaskunst und die daraus entstandenen Objekte zu vermitteln. Im ehemaligen Gebäude Busse begeisterte Glasgestalter-Meister Falk Bauer aus Lauscha mit seiner Filigranarbeit das Publikum. Keine 30 Minuten dauerte es, da hatte er verschiedenfarbige Glasstäbe über einer Flamme bearbeitet und die einzelnen Teile zu einem Maikäfer zusammengefügt. „Ein Maikäfer im November, ein wahres Kunstwerk“, meinte ein Besucher, als er das in Lebensgröße entstandene Krabbeltier bewunderte. Bauer wies darauf hin, dass er sich seit 20 Jahren damit beschäftige, naturgetreue Insekten und Käfer aus Glas herzustellen. Inzwischen seien es mehr als 100. Jedes Jahr kämen vier bis fünf neue Exemplare dazu. „Es gibt Sammler, die schon auf die neuen Kreationen warten und denen es eine große Freude bereitet, sie zu erwerben“, erzählte der Meister seines Fachs. In einer Ausstellung zeigte er Insekten, die im Laufe der Jahre entstanden waren. Dazu gehören Teichläufer, Tausendfüßler, gefleckter Schmalbock, Marienkäfer, australischer Federfühler, Libellen und Kartoffelkäfer. Im früheren Herrenhaus des Fabrikdorfes Gernheim wurde gläserner Christbaumschmuck aus dem Thüringer Wald präsentiert. In Lauscha und den umliegenden Ortschaften werden Kugeln und Figuren aus Glas mit Gold und Silber verspiegelt und mit Lackfarben kunstvoll verziert. Im südthüringischen Lauscha wurde 1597 die erste ortsfeste Glashütte eingerichtet. Entstanden ist ein Zentrum für Kunstglasbläserei, das weltweit einen hervorragenden Ruf genießt. Im umfangreichen Sortiment spielen auch Nikolaus, Weihnachtsmann, Knecht Ruprecht, Engel, Vöglein, Zapfen, Früchte und Christbaumspitzen eine wichtige Rolle. Angenommen wird, dass die Schmuckstücke auf einen armen Glasbläser zurückgehen, dem es an Äpfeln und Nüssen für den Weihnachtsbaumschmuck fehlte. So kam er auf die Idee, Glasfrüchte zu gestalten, denen schon bald die ersten Christbaumkugeln folgten. Es dauerte nicht lange, bis sich diese gläsernen Kostbarkeiten zu einem Exportschlager entwickelten. Auch die Ausstellung der Lauscha-Arbeiten in Gernheim fand großes Interesse. Die Besucher nutzten das Angebot, um Schmuckstücke für den eigenen Adventskranz oder Weihnachtsbaum zu erwerben. „Viele dieser Glasarbeiten sind bereits verkauft, ein Restkontingent gibt es noch in unserem Museumsshop“, wusste eine Gernheim-Mitarbeiterin. Unter den Glasmarktausstellern war Tony Meeuwsen aus den Niederlanden. Nach seiner Ausbildung in der Glasfachschule in Zwiesel (Bayern) hat er sich darauf spezialisiert, Objekte für den Innen- und Außenbereich zu entwerfen. Dabei verarbeitet er mehrere Glassorten, auch in Kombination mit Naturstein und Edelstahl. Eine Station des Glasmarktes war der Ausstellungsstand von Frieder Korff aus Niedernwöhren im Schaumburger Land. Als Autodidakt kam der Glaskünstler, Jahrgang 1936, über die Fotografie zur Malerei, später dann zu Glasverschmelzungen (Fusing). In Gernheim präsentierte er unter anderem Glasköpfe und farbige Schmetterlinge. Nur wenige Meter davon entfernt hatte Albert Schwiezer aus Hessisch Oldendorf seinen Stand aufgebaut. Der 80-Jährige sammelt seit 1970 Gebrauchshohlglas. „In Deutschland, möglicherweise sogar in Europa, stehe ich mit meiner Sammlung aus Flaschen und Vorratsgefäßen an der Spitze. Insgesamt verfüge ich über 25.000 Glasobjekte, darunter sind 22.500 Unikate und 2.500 Duplikate“, erzählte Schwiezer. Nach Gernheim hatte er 250 Einzelstücke in verschiedenen Farben, Formen und Größen für Haarpflegemittel, Medizin und Getränke mitgebracht. Die Bilanz von Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus hätte nicht besser ausfallen können: „Hohe Qualität der Exponate und großes Besucherinteresse: Wir sind mit dem Verlauf unseres Glasmarktes sehr zufrieden“. Brauchtumssprechstunde Parallel zum Glasmarkt lief im früheren Herrenhaus eine Kunstaktion mit Unterstützung des Heimat-Schecks des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. In einer „Brauchtumssprechstunde“ hatten die Besucher Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre Geschichten „Rund ums Glas“ zu erzählen. Ansprechpersonen waren Christine Bargstedt und Nina Mühlmann („KulturFragMente“). Dabei entstanden 13 Erzählungen, die zu einem Ausstellungsobjekt, einer Lesung in der alten Korbflechterei und zum Verbleib in der Glashütte zusammengeführt wurden. Themen waren „Kasperle im Bowleglas“, „Die Glashütte als Abenteuerspielplatz“ und „Inter-nationales Flaschensammeln“.