Petershagen

Grünschnitt in Petershagen

Claudia Hyna

Ein lichtes Erscheinungsbild mit einigen Einzelbäumen, so soll der Radweg künftig an vielen Stellen aussehen.
Ein lichtes Erscheinungsbild mit einigen Einzelbäumen, so soll der Radweg künftig an vielen Stellen aussehen.

Petershagen (mt). „Es wirkt wie Kahlschlag, ist aber eine Verjüngung.“ Beatrix Aden kennt die kritische Haltung der Bevölkerung zu Rückschnitten und Baumfällungen. Die Leiterin des Bau- und Planungsamtes des Kreises Minden-Lübbecke zeigt beim Ortstermin am Weserradweg in Petershagen, wie es dort künftig aussehen soll.

Die vom 15. Oktober an geplante großflächige Gehölzpflege ist bereits vor zwei Jahren festgelegt worden – und keine unmittelbare Folge der vergangenen beiden regenarmen und heißen Sommer. Trockenschäden würden unverzüglich, das heißt eben auch vor der Vegetationspause, entfernt werden. In diesem Jahr sind die Bereiche Altstadt Petershagen, Bad Hopfenberg, Wietersheim (Kreisstraße 39, Lange Straße) und Schlüsselburg (Kreisstraße 2, Schleusenkanal) an der Reihe. Wie viele Bäume gefällt werden müssen, ist noch nicht klar. „Das zeigt sich in aller Regel erst, wenn wir anfangen“, sagt Christopher Meier, Leiter der Kreisstraßenmeisterei Minden. Auf jeden Fall wäre der Rückschnitt umfangreicher als geplant. Und da spiele dann doch der Klimawandel eine Rolle.

Ein einzelner Baum hat bessere Chancen, sich vernünftig zu entwickeln. Wenn Bäume zu eng stehen oder falsch beschnitten werden, bilden sie solche Gabelungen, erklärt Harald Bloem. Fotos: Lisa Seifert
Ein einzelner Baum hat bessere Chancen, sich vernünftig zu entwickeln. Wenn Bäume zu eng stehen oder falsch beschnitten werden, bilden sie solche Gabelungen, erklärt Harald Bloem. Fotos: Lisa Seifert

Oberstes Ziel sei die Verkehrssicherheit. Der Kreis achte vor allem darauf, dass der Begegnungsverkehr auf dem Radweg gewährleistet ist, daher muss die Bankette frei sein. Heute würde man wesentlich großzügiger bauen, sagt Beatrix Aden zu dem nur 1,75 Meter breiten Weg, der von Radfahrern, Spaziergängern (zum Teil mit Hund) und Joggern genutzt werde. Was wachsen soll, braucht Platz: Daher müssen zahlreiche Hecken und Sträucher auf den Stock gesetzt werden (20 bis 40 Zentimeter über dem Boden), um die Chance zu haben, sich zu regenerieren. Einige Böschungen sind derart zugewachsen, dass weder Licht noch Wasser und Luft die Pflanzen erreichen. Hier sei ein radikaler Rückschnitt erforderlich. Gerodet werde nicht – schließlich seien die Wurzeln wichtig, um das Erdreich festzuhalten.

Mehrere Bäume haben bereits Totholz abgeworfen, hier ist schnelles Handeln gefragt. Weitaus tückischer seien Äste, die für den Laien grün aussehen, dennoch schon abgestorben seien, erklärt Christopher Meier. Einige Bäume wiesen starke Vergrämungen und Mehrfachtriebe auf, das heißt, sie gabelten sich in niedriger Höhe. So entstehe Standunsicherheit. Andere Bäume sind schief gewachsen, auch das sei meistens ein Platzproblem – dass wiederum nur mit Fällungen behoben werden könne.

Es gehe darum, die Schäden der Vergangenheit zu beseitigen. In den siebziger Jahren sei „ohne Sinn und Verstand“ gepflanzt worden, erläutert Harald Bloem, Leiter des Baubetriebshofes und der Kreisstraßenmeistereien Minden und Lübbecke. Nach dem Motto „Hauptsache Grün“ finden sich dort heute Ahorn, Eichen, Buchen, Weiden, Kirschen, Lärchen, Birken, Ligusterhecken, Weißdorn, Eschen. Ihre anschließende Pflege sei jedoch vernachlässigt worden. Wenn im kommenden Frühjahr die Arbeiten abgeschlossen sind, dann habe man an den betroffenen Abschnitten für rund zehn bis 15 Jahre Ruhe, verspricht Bloem. „Uns geht es um Nachhaltigkeit.“

Grundsätzlich sei es gut, dass die Bürger sich heute mehr für die Umwelt einsetzen, meint Beatrix Aden. Leider führe das teilweise dazu, dass Mitarbeiter bei den Pflegearbeiten beschimpft werden. „Es geht nur um die Sicherheit“, stellt sie klar. Auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger solle gewährleistet sein, ergänzt Bloem. Er zeigt auf einen Bereich des Radweges, der im vergangenen Jahr freigeschnitten wurde – und der ein Vorbild für weitere Arbeiten sein kann. Bereits jetzt seien die Sträucher und Hecken auf ansehnliche Höhe nachgewachsen. Bäume könnten ihre Kronen ausbilden, da sie nicht von Konkurrenten bedrängt würden. Auch wachsen keine Äste mehr über den Weg.

Nicht alle Bäume seien am Radweg geeignet, sagt Aden. Das zeige die Natur deutlich. Künftig müsse es auch darum gehen, wie man sich dem Klimawandel anpasst. Einige Bäume hielten der Trockenheit nicht stand, erschwerend hinzu kämen sandige Böden. All das müsse auch bei den Ausgleichspflanzungen berücksichtigt werden. Diese sollen 2020 in großem Umfang erfolgen, sagt die Amtsleiterin.

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PetershagenGrünschnitt in PetershagenClaudia HynaPetershagen (mt). „Es wirkt wie Kahlschlag, ist aber eine Verjüngung.“ Beatrix Aden kennt die kritische Haltung der Bevölkerung zu Rückschnitten und Baumfällungen. Die Leiterin des Bau- und Planungsamtes des Kreises Minden-Lübbecke zeigt beim Ortstermin am Weserradweg in Petershagen, wie es dort künftig aussehen soll. Die vom 15. Oktober an geplante großflächige Gehölzpflege ist bereits vor zwei Jahren festgelegt worden – und keine unmittelbare Folge der vergangenen beiden regenarmen und heißen Sommer. Trockenschäden würden unverzüglich, das heißt eben auch vor der Vegetationspause, entfernt werden. In diesem Jahr sind die Bereiche Altstadt Petershagen, Bad Hopfenberg, Wietersheim (Kreisstraße 39, Lange Straße) und Schlüsselburg (Kreisstraße 2, Schleusenkanal) an der Reihe. Wie viele Bäume gefällt werden müssen, ist noch nicht klar. „Das zeigt sich in aller Regel erst, wenn wir anfangen“, sagt Christopher Meier, Leiter der Kreisstraßenmeisterei Minden. Auf jeden Fall wäre der Rückschnitt umfangreicher als geplant. Und da spiele dann doch der Klimawandel eine Rolle. Oberstes Ziel sei die Verkehrssicherheit. Der Kreis achte vor allem darauf, dass der Begegnungsverkehr auf dem Radweg gewährleistet ist, daher muss die Bankette frei sein. Heute würde man wesentlich großzügiger bauen, sagt Beatrix Aden zu dem nur 1,75 Meter breiten Weg, der von Radfahrern, Spaziergängern (zum Teil mit Hund) und Joggern genutzt werde. Was wachsen soll, braucht Platz: Daher müssen zahlreiche Hecken und Sträucher auf den Stock gesetzt werden (20 bis 40 Zentimeter über dem Boden), um die Chance zu haben, sich zu regenerieren. Einige Böschungen sind derart zugewachsen, dass weder Licht noch Wasser und Luft die Pflanzen erreichen. Hier sei ein radikaler Rückschnitt erforderlich. Gerodet werde nicht – schließlich seien die Wurzeln wichtig, um das Erdreich festzuhalten. Mehrere Bäume haben bereits Totholz abgeworfen, hier ist schnelles Handeln gefragt. Weitaus tückischer seien Äste, die für den Laien grün aussehen, dennoch schon abgestorben seien, erklärt Christopher Meier. Einige Bäume wiesen starke Vergrämungen und Mehrfachtriebe auf, das heißt, sie gabelten sich in niedriger Höhe. So entstehe Standunsicherheit. Andere Bäume sind schief gewachsen, auch das sei meistens ein Platzproblem – dass wiederum nur mit Fällungen behoben werden könne. Es gehe darum, die Schäden der Vergangenheit zu beseitigen. In den siebziger Jahren sei „ohne Sinn und Verstand“ gepflanzt worden, erläutert Harald Bloem, Leiter des Baubetriebshofes und der Kreisstraßenmeistereien Minden und Lübbecke. Nach dem Motto „Hauptsache Grün“ finden sich dort heute Ahorn, Eichen, Buchen, Weiden, Kirschen, Lärchen, Birken, Ligusterhecken, Weißdorn, Eschen. Ihre anschließende Pflege sei jedoch vernachlässigt worden. Wenn im kommenden Frühjahr die Arbeiten abgeschlossen sind, dann habe man an den betroffenen Abschnitten für rund zehn bis 15 Jahre Ruhe, verspricht Bloem. „Uns geht es um Nachhaltigkeit.“ Grundsätzlich sei es gut, dass die Bürger sich heute mehr für die Umwelt einsetzen, meint Beatrix Aden. Leider führe das teilweise dazu, dass Mitarbeiter bei den Pflegearbeiten beschimpft werden. „Es geht nur um die Sicherheit“, stellt sie klar. Auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger solle gewährleistet sein, ergänzt Bloem. Er zeigt auf einen Bereich des Radweges, der im vergangenen Jahr freigeschnitten wurde – und der ein Vorbild für weitere Arbeiten sein kann. Bereits jetzt seien die Sträucher und Hecken auf ansehnliche Höhe nachgewachsen. Bäume könnten ihre Kronen ausbilden, da sie nicht von Konkurrenten bedrängt würden. Auch wachsen keine Äste mehr über den Weg. Nicht alle Bäume seien am Radweg geeignet, sagt Aden. Das zeige die Natur deutlich. Künftig müsse es auch darum gehen, wie man sich dem Klimawandel anpasst. Einige Bäume hielten der Trockenheit nicht stand, erschwerend hinzu kämen sandige Böden. All das müsse auch bei den Ausgleichspflanzungen berücksichtigt werden. Diese sollen 2020 in großem Umfang erfolgen, sagt die Amtsleiterin.