Espelkamp/Petershagen/Bielefeld

Prozess um Marihuana-Plantage in Ilvese: 50-Jähriger aus Espelkamp verurteilt

Nils Middelhauve

Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen wegen illegalen Cannabis-Anbaus im März 2019 auch einen Hof in Petershagen-Ilvese durchsucht. MT- - © Foto: Alex Lehn (Archiv)
Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen wegen illegalen Cannabis-Anbaus im März 2019 auch einen Hof in Petershagen-Ilvese durchsucht. MT- (© Foto: Alex Lehn (Archiv))

Espelkamp/Petershagen/Bielefeld (nim). 45.000 Euro plus ein vor Gericht nicht näher beziffertes Handgeld hatte Bartholomäus F. (Name geändert) im Sommer des vergangenen Jahrs gezahlt, als er ein verwinkeltes und ländlich gelegenes Anwesen in Petershagen-Ilvese kaufte. Dieses kann der 50 Jahre alte Mann aus Espelkamp nun in den Hanfduft geschwängerten Wind schreiben: Weil er den Hof weitervermietete, damit dort mit seinem Wissen eine hochprofessionelle Cannabisplantage errichtet werden konnte, verurteilte das Bielefelder Landgericht Bartholomäus F. nun zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Das Gehöft zog das Gericht ein, da es sich bei der Immobilie um ein Tatwerkzeug handelte.

Anfang dieses Jahrs war eine Gruppe von Marihuanadealern ins Visier der niedersächsischen Polizei geraten. Während der Ermittlungen stießen die Beamten auf einen Mann aus Espelkamp, der zwar nicht zu den Dealern gehörte, offenbar aber dennoch mit diesen zu tun hatte. Bei einer Hausdurchsuchung in Espelkamp fanden die Ermittler eine Cannabisplantage mit 150 Pflanzen. Diese hatte F. der Dealerbande, hiervon geht die Justiz bislang aus, zur Verfügung gestellt. Das Verfahren wurde jedoch in Hinblick auf die wegen der Hanfplantage in Petershagen zu erwartende Strafe etwas später vorläufig eingestellt.

Bei der Hausdurchsuchung in Espelkamp fanden die Beamten eine Stromrechnung für ein an der Ilveser Straße in Petershagen gelegenes Anwesen – jenes, das F. im August 2018 erworben hatte. Dort stellten die Polizisten bei einer Durchsuchung am 11. März 2019 in zwei Hallen 32 Kilogramm Marihuana sowie 920 Marihuanapflanzen unterschiedlicher Wachstumsphasen sicher, dazu entsprechendes Equipment. Bei dieser Plantage habe es sich, so die Kriminalpolizei, hinsichtlich der Professionalität und Lukrativität um eine der Top-20-Plantagen in Nordrhein-Westfalen gehandelt.

Bartholomäus F. wurde noch am selben Tag festgenommen und wanderte in Untersuchungshaft. In der mehrtägigen Verhandlung vor dem Bielefelder Landgericht räumte der nicht vorbestrafte Mann ein, der Dealer-Bande das Gehöft gegen eine Monatsmiete von 1.000 Euro überlassen zu haben – wissend, dass dort Cannabis angebaut werden solle. Allerdings habe er den Hof zunächst für eigene Zwecke gekauft. Letzterem folgte das Gericht jedoch nicht. Aus Sicht der Kammer hatte F. gezielt nach weiteren Räumen gesucht, um diese der Dealer-Bande zur Errichtung einer Cannabisplantage zur Verfügung zu stellen.

Zunächst war F. angeklagt gewesen, der Betreiber der Anlage gewesen zu sein – dieser Verdacht erhärtete sich jedoch nicht. Keiner der geladenen Zeugen hatte ihn nach Erwerb des Grundstücks jemals wieder an der Ilveser Straße gesehen. Stattdessen hatten die Ermittler bei der Durchsuchung des Anwesens Schlafstätten und Zahnbürsten gefunden, die für die Anwesenheit von mehreren Beteiligter sprachen. Das Gericht verurteilte F. nun wegen der Beihilfe zum Drogenhandel zu drei Jahren und drei Monaten Haft.

Lesen Sie zu diesem Thema auch

"Razzia im Kreisgebiet: Polizei durchsucht Wohnung in der Königstraße"

"Prozess beginnt: Fünf Monate nach dem Fund der großen Cannabis-Plantagen in Ilvese steht 50-jähriger Mann vor Gericht"

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Espelkamp/Petershagen/BielefeldProzess um Marihuana-Plantage in Ilvese: 50-Jähriger aus Espelkamp verurteiltNils MiddelhauveEspelkamp/Petershagen/Bielefeld (nim). 45.000 Euro plus ein vor Gericht nicht näher beziffertes Handgeld hatte Bartholomäus F. (Name geändert) im Sommer des vergangenen Jahrs gezahlt, als er ein verwinkeltes und ländlich gelegenes Anwesen in Petershagen-Ilvese kaufte. Dieses kann der 50 Jahre alte Mann aus Espelkamp nun in den Hanfduft geschwängerten Wind schreiben: Weil er den Hof weitervermietete, damit dort mit seinem Wissen eine hochprofessionelle Cannabisplantage errichtet werden konnte, verurteilte das Bielefelder Landgericht Bartholomäus F. nun zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Das Gehöft zog das Gericht ein, da es sich bei der Immobilie um ein Tatwerkzeug handelte. Anfang dieses Jahrs war eine Gruppe von Marihuanadealern ins Visier der niedersächsischen Polizei geraten. Während der Ermittlungen stießen die Beamten auf einen Mann aus Espelkamp, der zwar nicht zu den Dealern gehörte, offenbar aber dennoch mit diesen zu tun hatte. Bei einer Hausdurchsuchung in Espelkamp fanden die Ermittler eine Cannabisplantage mit 150 Pflanzen. Diese hatte F. der Dealerbande, hiervon geht die Justiz bislang aus, zur Verfügung gestellt. Das Verfahren wurde jedoch in Hinblick auf die wegen der Hanfplantage in Petershagen zu erwartende Strafe etwas später vorläufig eingestellt. Bei der Hausdurchsuchung in Espelkamp fanden die Beamten eine Stromrechnung für ein an der Ilveser Straße in Petershagen gelegenes Anwesen – jenes, das F. im August 2018 erworben hatte. Dort stellten die Polizisten bei einer Durchsuchung am 11. März 2019 in zwei Hallen 32 Kilogramm Marihuana sowie 920 Marihuanapflanzen unterschiedlicher Wachstumsphasen sicher, dazu entsprechendes Equipment. Bei dieser Plantage habe es sich, so die Kriminalpolizei, hinsichtlich der Professionalität und Lukrativität um eine der Top-20-Plantagen in Nordrhein-Westfalen gehandelt. Bartholomäus F. wurde noch am selben Tag festgenommen und wanderte in Untersuchungshaft. In der mehrtägigen Verhandlung vor dem Bielefelder Landgericht räumte der nicht vorbestrafte Mann ein, der Dealer-Bande das Gehöft gegen eine Monatsmiete von 1.000 Euro überlassen zu haben – wissend, dass dort Cannabis angebaut werden solle. Allerdings habe er den Hof zunächst für eigene Zwecke gekauft. Letzterem folgte das Gericht jedoch nicht. Aus Sicht der Kammer hatte F. gezielt nach weiteren Räumen gesucht, um diese der Dealer-Bande zur Errichtung einer Cannabisplantage zur Verfügung zu stellen. Zunächst war F. angeklagt gewesen, der Betreiber der Anlage gewesen zu sein – dieser Verdacht erhärtete sich jedoch nicht. Keiner der geladenen Zeugen hatte ihn nach Erwerb des Grundstücks jemals wieder an der Ilveser Straße gesehen. Stattdessen hatten die Ermittler bei der Durchsuchung des Anwesens Schlafstätten und Zahnbürsten gefunden, die für die Anwesenheit von mehreren Beteiligter sprachen. Das Gericht verurteilte F. nun wegen der Beihilfe zum Drogenhandel zu drei Jahren und drei Monaten Haft. Lesen Sie zu diesem Thema auch "Razzia im Kreisgebiet: Polizei durchsucht Wohnung in der Königstraße" "Prozess beginnt: Fünf Monate nach dem Fund der großen Cannabis-Plantagen in Ilvese steht 50-jähriger Mann vor Gericht"