Petershagen

Nach sieben Jahren Dornröschenschlaf: Es tut sich was im La Luna

Claudia Hyna

Die ehemalige Pizzeria an der Mindener Straße ist eingerüstet. Oben rechts ist das Dach bereits mit neuen Tonziegeln gedeckt. - © Foto: Lisa Seifert
Die ehemalige Pizzeria an der Mindener Straße ist eingerüstet. Oben rechts ist das Dach bereits mit neuen Tonziegeln gedeckt. (© Foto: Lisa Seifert)

Petershagen (mt). An der ehemaligen Gaststätte La Luna tut sich was. Das Haus an der Mindener Straße 19 in Petershagen ist seit Kurzem eingerüstet und mit einem Bauzaun abgesperrt. Die alten Dachziegel sind entfernt worden, ein Teil des Daches ist bereits neu eingedeckt.

Sieben Jahre lag das Haus im Dornröschenschlaf. Von Zeit zu Zeit hatte der Eigentümer Majid Mohazzab (70) auf sich aufmerksam gemacht – zuletzt 2017, als er androhte, die Fenster mit Spanplatten zu versperren. Nun hofft er, dass er die Renovierungsarbeiten Mitte nächsten Jahres abschließen kann. Bis dahin will der Bau-Ingenieur großteils in Eigenleistung dort vier Wohnungen ausbauen. „Sanitär, Elektroarbeiten und Fußbodenheizung, das mache ich alles selber.“ Die zwei Ein-Zimmer- und zwei Drei-Zimmer-Wohnungen sollen so günstig sein, dass auch junge Leute sich diese leisten können.

Außerdem schwebt ihm vor, dass in dem Gebäude ein Ladengeschäft und eine Gaststätte – möglicherweise ein Burgerrestaurant, schließlich seien Gymnasium und Jugendherberge in der Nähe. Insgesamt investiere er zwischen 200.000 und 300.000 Euro in das Haus. Bei der Sanierung lege er Wert auf Umweltfreundlichkeit, betont er.

Lobende Worte findet er vor allem für die Stadt Petershagen in Person des Kämmerers Dirk Breves und Bauamtsleiters Kay Busche. Nachdem ihm seit Kauf des Hauses nur Steine in den Weg gelegt worden seien, käme die Stadt ihm nun sehr entgegen. Die neuen Tonziegel – die genauso aussähen wie die ursprünglichen – seien mit der Stadt als Untere Denkmalbehörde abgesprochen. In vielen Gesprächen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seien die Rahmenbedingungen der neuen Nutzung abgestimmt worden, ergänzt Stadt-Pressesprecherin Tatjana Brast. Damit der Eigentümer Landes-Fördermittel, beispielsweise für Brandschutzvorsorgen, bekommen kann, fehle allerdings noch der Bauantrag des Eigentümers. Der erklärt, er müsse zunächst das Dach decken. „Vor dem Winter muss es dicht sein.“ Anschließend werde er sich dann um den Bauantrag kümmern.

Die Vorgeschichte: Majid Mohazzab hatte das Gebäude im Juni 2012 gekauft. Im November ließ die Stadt die Gaststätte in die Denkmalliste eintragen. Mohazzabs erste Klage richtete sich gegen die vorläufige Unterschutzstellung im Juni, gegen den endgültigen Vollzug im November klagte er abermals. Der Käufer berief sich auf die zahlreichen Umbauten des Gebäudes aus dem Jahr 1912. Damals war aus zwei Häusern mit Abbruchsteinen eines anderen Hauses ein neues Gebäude entstanden. Ursprünglich war es wohl ein Hotel gewesen. Sprich, es habe keine Wohnungen gegeben, die der Gutachter aktuell als erhaltenswert eingestuft hatte.

1995 war es noch als nicht denkmalwert eingestuft worden. Die Ortsheimatpflege Petershagen beantragte dann die Unterschutzstellung, der schließlich stattgegeben wurde. Begründung: Es handele sich um einen charakteristischen Bau der Zeit. Der Bau von Anfang des 20. Jahrhunderts zeige einen neuen städtischen Baustil. Nicht das ganze Objekt steht unter Denkmalschutz, sondern Teile der Fassade, die Treppe, Türen und weitere Details.

Mohazzab hatte gesagt, er wolle sich nicht vom Denkmalschutz gängeln lassen und auch nicht bei jeder Sanierung nachfragen müssen. Er weigerte sich etwa, die Frontfenster in Holzausführung zu erneuern, wie der Denkmalschutz es vorsieht. Er wolle sie lediglich in historischer Optik anfertigen lassen. Mittlerweile hat er akzeptiert, dass Holzfenster ein Muss sind. Auch dass die Türen im Inneren unter Schutz stehen, wundert ihn. Die seien marode, sagte er.

Dabei habe es damals geheißen, das Haus befinde sich in einem hervorragenden Zustand. Abriss und Neubau an gleicher Stelle wären für ihn billiger gewesen, stellt Mohazzab heute fest.

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PetershagenNach sieben Jahren Dornröschenschlaf: Es tut sich was im La LunaClaudia HynaPetershagen (mt). An der ehemaligen Gaststätte La Luna tut sich was. Das Haus an der Mindener Straße 19 in Petershagen ist seit Kurzem eingerüstet und mit einem Bauzaun abgesperrt. Die alten Dachziegel sind entfernt worden, ein Teil des Daches ist bereits neu eingedeckt. Sieben Jahre lag das Haus im Dornröschenschlaf. Von Zeit zu Zeit hatte der Eigentümer Majid Mohazzab (70) auf sich aufmerksam gemacht – zuletzt 2017, als er androhte, die Fenster mit Spanplatten zu versperren. Nun hofft er, dass er die Renovierungsarbeiten Mitte nächsten Jahres abschließen kann. Bis dahin will der Bau-Ingenieur großteils in Eigenleistung dort vier Wohnungen ausbauen. „Sanitär, Elektroarbeiten und Fußbodenheizung, das mache ich alles selber.“ Die zwei Ein-Zimmer- und zwei Drei-Zimmer-Wohnungen sollen so günstig sein, dass auch junge Leute sich diese leisten können. Außerdem schwebt ihm vor, dass in dem Gebäude ein Ladengeschäft und eine Gaststätte – möglicherweise ein Burgerrestaurant, schließlich seien Gymnasium und Jugendherberge in der Nähe. Insgesamt investiere er zwischen 200.000 und 300.000 Euro in das Haus. Bei der Sanierung lege er Wert auf Umweltfreundlichkeit, betont er. Lobende Worte findet er vor allem für die Stadt Petershagen in Person des Kämmerers Dirk Breves und Bauamtsleiters Kay Busche. Nachdem ihm seit Kauf des Hauses nur Steine in den Weg gelegt worden seien, käme die Stadt ihm nun sehr entgegen. Die neuen Tonziegel – die genauso aussähen wie die ursprünglichen – seien mit der Stadt als Untere Denkmalbehörde abgesprochen. In vielen Gesprächen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seien die Rahmenbedingungen der neuen Nutzung abgestimmt worden, ergänzt Stadt-Pressesprecherin Tatjana Brast. Damit der Eigentümer Landes-Fördermittel, beispielsweise für Brandschutzvorsorgen, bekommen kann, fehle allerdings noch der Bauantrag des Eigentümers. Der erklärt, er müsse zunächst das Dach decken. „Vor dem Winter muss es dicht sein.“ Anschließend werde er sich dann um den Bauantrag kümmern. Die Vorgeschichte: Majid Mohazzab hatte das Gebäude im Juni 2012 gekauft. Im November ließ die Stadt die Gaststätte in die Denkmalliste eintragen. Mohazzabs erste Klage richtete sich gegen die vorläufige Unterschutzstellung im Juni, gegen den endgültigen Vollzug im November klagte er abermals. Der Käufer berief sich auf die zahlreichen Umbauten des Gebäudes aus dem Jahr 1912. Damals war aus zwei Häusern mit Abbruchsteinen eines anderen Hauses ein neues Gebäude entstanden. Ursprünglich war es wohl ein Hotel gewesen. Sprich, es habe keine Wohnungen gegeben, die der Gutachter aktuell als erhaltenswert eingestuft hatte. 1995 war es noch als nicht denkmalwert eingestuft worden. Die Ortsheimatpflege Petershagen beantragte dann die Unterschutzstellung, der schließlich stattgegeben wurde. Begründung: Es handele sich um einen charakteristischen Bau der Zeit. Der Bau von Anfang des 20. Jahrhunderts zeige einen neuen städtischen Baustil. Nicht das ganze Objekt steht unter Denkmalschutz, sondern Teile der Fassade, die Treppe, Türen und weitere Details. Mohazzab hatte gesagt, er wolle sich nicht vom Denkmalschutz gängeln lassen und auch nicht bei jeder Sanierung nachfragen müssen. Er weigerte sich etwa, die Frontfenster in Holzausführung zu erneuern, wie der Denkmalschutz es vorsieht. Er wolle sie lediglich in historischer Optik anfertigen lassen. Mittlerweile hat er akzeptiert, dass Holzfenster ein Muss sind. Auch dass die Türen im Inneren unter Schutz stehen, wundert ihn. Die seien marode, sagte er. Dabei habe es damals geheißen, das Haus befinde sich in einem hervorragenden Zustand. Abriss und Neubau an gleicher Stelle wären für ihn billiger gewesen, stellt Mohazzab heute fest.