Petershagen

Skulptur von Bildhauer Peter Paul Medzech beim Transport zerstört

Claudia Hyna

Peter Medzech und Thomas Willer mussten eine Weile suchen, bis sie das ehemalige Kunstwerk in einer Ecke des Schulgeländes auf dem Boden fanden. MT- - © Foto: Alex Lehn
Peter Medzech und Thomas Willer mussten eine Weile suchen, bis sie das ehemalige Kunstwerk in einer Ecke des Schulgeländes auf dem Boden fanden. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Petershagen (mt). Der Künstler Peter Paul Medzech kann es nicht fassen. Auf dem Boden vor ihm liegt ein zerstörtes Kunstwerk. Bauarbeiter haben es im Auftrag der Stadt auf dem Gelände der Grundschule Petershagen beim Abbau beschädigt. Während Medzech sich über den Umgang mit der Kunst empört, beruft sich die Stadt auf ihre Verkehrssicherungspflicht gegenüber den Schülern.

Das war passiert: Im Jahr 2011 hat eine Schülergruppe gemeinsam mit dem Bildhauer Peter Paul Medzech und dem Kunstlehrer Thomas Willer den sogenannten Häuserbaum angefertigt. Die Skulptur fand ihren Standort vor dem Eingangsbereich der Hauptschule am Koppelweg. Diese ist aufgelöst, zu Schuljahresbeginn ist die Grundschule vom Standort Nachtigallenstraße an den Koppelweg gezogen. Derzeit kümmern sich Arbeiter um den neuen Spielbereich für die 175 Schülerinnen und Schüler.

Kurz: Die Skulptur war an ihrem Standort im Weg, da der Platz für die Spielfläche benötigt wurde. Daher sei sie nach Rücksprache mit dem Künstler in der vergangenen Woche versetzt worden, sagt Detlev Scheumann aus der Schul- und Sozialverwaltung der Stadt Petershagen. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht.

Darüber hinaus habe die Zeit ihre Spuren hinterlassen, das Werk sei nicht mehr standfest gewesen, sagt Scheumann. „Wir als Stadt haben die Verkehrssicherungspflicht." In dem Zusammenhang wäre es unverantwortlich, wenn Kinder auf den Häuserbaum kletterten und sich dabei möglicherweise verletzten. Teile davon hätten Schülern auf den Fuß fallen können.

„Das ist Blödsinn", sagt der Künstler Peter Medzech, der die Skulptur aus Eisen und Sandstein einst mit den Schülern angefertigt hatte. Bisher sei kein Kind auf die Idee gekommen, dort hinauf zu klettern und standfest sei das Werk im übrigen auch. Das Werk hätte nicht weg gemusst, meint er, da hätte man sich einigen können. Medzech prangert an, dass er mit dem Abbau vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei.

Montags sei er angerufen worden, bis Dienstag musste eine Lösung gefunden werden. Er habe schließlich vorgeschlagen, den Stahl sauber abzuschneiden und das Konstrukt vorsichtig auf die Seite zu legen. Doch nun sei alles zerstört, die zwölf Steine nicht mehr in Gänze erhalten. Man hätte es retten können, ist Medzech sicher. Gerne hätte er den Häuserbaum an anderer Stelle aufgestellt, aber das sei in dieser Form nicht mehr möglich.

Die Aktion sei „unglücklich gelaufen", kommentiert die Stadtpressesprecherin Tatjana Brast. Offenbar hätten die Arbeiter das Gewicht unterschätzt, so dass das Ganze weggekippt sei. Brast und Scheumann beziehen sich auf die Umnutzung der Einrichtung als Grundschule. Das sei ein neuer Bedarf und die Stadt müsse nun die Interessen der kleineren Kinder vertreten. Medzech hingegen ist empört über den Umgang mit Kunst. „Über das Urheberrecht hat sich hier keiner Gedanken gemacht", sagt er. Diese Ignoranz ärgert ihn.

Kunstlehrer Thomas Willer ist schockiert und traurig, wie er sagt. Mehr als zehn Jahre habe man an der Hauptschule bildhauerische Projekte mit Schülern erarbeitet. Das Land NRW war Träger des Projekts mit dem Namen „Kultur und Schule". Eine sei zerstört, zwei weitere Arbeiten – Torbogen und die Steingruppe Dialog – stehen noch auf dem Gelände. Doch auch diese hat die Stadt im Visier. Den Torbogen mit Steinen vor der Schule haben bereits Vandalen für sich entdeckt, sie entfernten nach und nach einige der Steine. Westlich des Schulgebäudes befindet sich außerdem die Steingruppe namens Dialog. Diese sei durch die räumliche Entfernung von der Schule und ihre Standfestigkeit momentan nicht kritisch, sagt Scheumann. Irgendwann entstehe sicher auch hier Handlungsbedarf.

Kommentar von Claudia Hyna

Es mag Gründe dafür geben, das Kunstwerk an der ehemaligen Hauptschule der Spielfläche für die Grundschüler zu opfern. Immerhin haben sich die Bedingungen an dem Ort mit der neuen Nutzung grundlegend geändert.

Es gilt nun, den jüngeren Schülern einen angemessenen Raum zum Toben zu geben. Wenn man die Mädchen und Jungen an die erste Stelle setzt, ist der Abbau des Kunstwerks nicht als Aufreger zu werten. Jedoch stand der Umzug der Schule an den Standort bereits seit einem Jahr fest. Den Beteiligten muss von Anfang an klar gewesen sein, dass das Kunstwerk dort nicht stehen bleiben kann. Dass dennoch zeitlicher Druck entstand und eine einvernehmliche Lösung verhinderte, wäre vermeidbar gewesen.

Wer in dem Fall das Recht auf seiner Seite hat, steht nicht zur Debatte. Kritikwürdig ist allerdings der respektlose Umgang mit der Kunst, die hier gleichsam in den Dreck geworfen wurde. Die Gleichgültigkeit, die schließlich zu der Zerstörung führte, trifft nicht nur die Arbeit des Bildhauers, sondern auch die Kinder.

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PetershagenSkulptur von Bildhauer Peter Paul Medzech beim Transport zerstörtClaudia HynaPetershagen (mt). Der Künstler Peter Paul Medzech kann es nicht fassen. Auf dem Boden vor ihm liegt ein zerstörtes Kunstwerk. Bauarbeiter haben es im Auftrag der Stadt auf dem Gelände der Grundschule Petershagen beim Abbau beschädigt. Während Medzech sich über den Umgang mit der Kunst empört, beruft sich die Stadt auf ihre Verkehrssicherungspflicht gegenüber den Schülern. Das war passiert: Im Jahr 2011 hat eine Schülergruppe gemeinsam mit dem Bildhauer Peter Paul Medzech und dem Kunstlehrer Thomas Willer den sogenannten Häuserbaum angefertigt. Die Skulptur fand ihren Standort vor dem Eingangsbereich der Hauptschule am Koppelweg. Diese ist aufgelöst, zu Schuljahresbeginn ist die Grundschule vom Standort Nachtigallenstraße an den Koppelweg gezogen. Derzeit kümmern sich Arbeiter um den neuen Spielbereich für die 175 Schülerinnen und Schüler. Kurz: Die Skulptur war an ihrem Standort im Weg, da der Platz für die Spielfläche benötigt wurde. Daher sei sie nach Rücksprache mit dem Künstler in der vergangenen Woche versetzt worden, sagt Detlev Scheumann aus der Schul- und Sozialverwaltung der Stadt Petershagen. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Darüber hinaus habe die Zeit ihre Spuren hinterlassen, das Werk sei nicht mehr standfest gewesen, sagt Scheumann. „Wir als Stadt haben die Verkehrssicherungspflicht." In dem Zusammenhang wäre es unverantwortlich, wenn Kinder auf den Häuserbaum kletterten und sich dabei möglicherweise verletzten. Teile davon hätten Schülern auf den Fuß fallen können. „Das ist Blödsinn", sagt der Künstler Peter Medzech, der die Skulptur aus Eisen und Sandstein einst mit den Schülern angefertigt hatte. Bisher sei kein Kind auf die Idee gekommen, dort hinauf zu klettern und standfest sei das Werk im übrigen auch. Das Werk hätte nicht weg gemusst, meint er, da hätte man sich einigen können. Medzech prangert an, dass er mit dem Abbau vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Montags sei er angerufen worden, bis Dienstag musste eine Lösung gefunden werden. Er habe schließlich vorgeschlagen, den Stahl sauber abzuschneiden und das Konstrukt vorsichtig auf die Seite zu legen. Doch nun sei alles zerstört, die zwölf Steine nicht mehr in Gänze erhalten. Man hätte es retten können, ist Medzech sicher. Gerne hätte er den Häuserbaum an anderer Stelle aufgestellt, aber das sei in dieser Form nicht mehr möglich. Die Aktion sei „unglücklich gelaufen", kommentiert die Stadtpressesprecherin Tatjana Brast. Offenbar hätten die Arbeiter das Gewicht unterschätzt, so dass das Ganze weggekippt sei. Brast und Scheumann beziehen sich auf die Umnutzung der Einrichtung als Grundschule. Das sei ein neuer Bedarf und die Stadt müsse nun die Interessen der kleineren Kinder vertreten. Medzech hingegen ist empört über den Umgang mit Kunst. „Über das Urheberrecht hat sich hier keiner Gedanken gemacht", sagt er. Diese Ignoranz ärgert ihn. Kunstlehrer Thomas Willer ist schockiert und traurig, wie er sagt. Mehr als zehn Jahre habe man an der Hauptschule bildhauerische Projekte mit Schülern erarbeitet. Das Land NRW war Träger des Projekts mit dem Namen „Kultur und Schule". Eine sei zerstört, zwei weitere Arbeiten – Torbogen und die Steingruppe Dialog – stehen noch auf dem Gelände. Doch auch diese hat die Stadt im Visier. Den Torbogen mit Steinen vor der Schule haben bereits Vandalen für sich entdeckt, sie entfernten nach und nach einige der Steine. Westlich des Schulgebäudes befindet sich außerdem die Steingruppe namens Dialog. Diese sei durch die räumliche Entfernung von der Schule und ihre Standfestigkeit momentan nicht kritisch, sagt Scheumann. Irgendwann entstehe sicher auch hier Handlungsbedarf. Kommentar von Claudia Hyna Es mag Gründe dafür geben, das Kunstwerk an der ehemaligen Hauptschule der Spielfläche für die Grundschüler zu opfern. Immerhin haben sich die Bedingungen an dem Ort mit der neuen Nutzung grundlegend geändert. Es gilt nun, den jüngeren Schülern einen angemessenen Raum zum Toben zu geben. Wenn man die Mädchen und Jungen an die erste Stelle setzt, ist der Abbau des Kunstwerks nicht als Aufreger zu werten. Jedoch stand der Umzug der Schule an den Standort bereits seit einem Jahr fest. Den Beteiligten muss von Anfang an klar gewesen sein, dass das Kunstwerk dort nicht stehen bleiben kann. Dass dennoch zeitlicher Druck entstand und eine einvernehmliche Lösung verhinderte, wäre vermeidbar gewesen. Wer in dem Fall das Recht auf seiner Seite hat, steht nicht zur Debatte. Kritikwürdig ist allerdings der respektlose Umgang mit der Kunst, die hier gleichsam in den Dreck geworfen wurde. Die Gleichgültigkeit, die schließlich zu der Zerstörung führte, trifft nicht nur die Arbeit des Bildhauers, sondern auch die Kinder.