Petershagen

Fotograf sucht Menschen für ein Projekt

Vasco Stemmer

Geraldine, Tobias und Jenny sind die ersten drei Kämpfer, die Artur Wiens für sein Projekt gewinnen konnte. - © Foto: Artur Wiens
Geraldine, Tobias und Jenny sind die ersten drei Kämpfer, die Artur Wiens für sein Projekt gewinnen konnte. (© Foto: Artur Wiens)

Petershagen (mt). Artur Wiens möchte Menschen porträtieren, die sich durchbeißen mussten. Menschen, die einen Kampf ausgetragen haben – auch mit sich selbst. Nur die Sonnenseiten des Lebens abzulichten ist nicht der Anspruch, den er sich als Fotograf gesetzt hat. Um solche Geschichten erzählen zu können, hat er die Bilderreihe „#Projectfighter“ ins Leben gerufen. „Ich möchte in erster Linie motivieren“, erklärt der Fotograf den Hintergrund seiner neuen Serie, für die er noch Persönlichkeiten sucht, die die Kamera nicht scheuen. Denn bisher ist die Resonanz auf sein Projekt eher zurückhaltend.

Bereits am Anfang des Jahres begann Wiens mit dem kreativen Prozess für sein Projekt. Das erste Foto entstand dann im Spätsommer und zeigt seine Frau Geraldine, bei der Ende 2018 schwarzer Hautkrebs diagnostiziert wurde. Nun hat sie mit den Folgen der Krankheit und besonders mit den Nebenwirkungen der Medikamente zu kämpfen.

Auch die zwei Bilder, die darauf folgten, befassen sich mit dem Kampf gegen eine Krankheit: Jenny leidet unter der Stoffwechselstörung PCOS und Tobias hat eine bipolare Störung. Beide mussten einen steinigen Weg gehen, um Lebensziele zu definieren und erreichen zu können.

Fotograf Artur Wiens. - © Foto: Vasco Stemmer
Fotograf Artur Wiens. (© Foto: Vasco Stemmer)

Dass die ersten drei Werke seiner Reihe sich mit dem Thema Krankheit befassen, sieht Wiens als einen Grund dafür, dass sein Projekt nur schleppend anläuft. „Wer unter einer Krankheit leidet, steht damit oft nicht gern im Mittelpunkt. Das ist etwas sehr Persönliches“, erklärt Wiens. Die bisher entstandenen Werke könnten den Eindruck erwecken, das Projekt befasse sich ausschließlich mit diesem Thema. Dabei sei das, so Wiens, reiner Zufall gewesen. Das Projekt sei keineswegs so eng gedacht.

Der Fotograf möchte nämlich auch Persönlichkeiten darstellen, die sich ihren Kampf selbst gewählt haben. „Es soll auch um Leute gehen, die etwas durchgehalten haben, weil sie Bock hatten“, erklärt Wiens seinen Ansatz. Dabei denkt er zum Beispiel an Menschen, die einem Hobby nachgehen, weil sie mit vollem Herzen daran hängen – auch wenn sie dafür mehr Zeit und Energie investieren müssen als andere.

Als prominentes Beispiel hat er sich für „#Projectfighter“ Toni Schönebeck vom Mindener Produzentenduo „Hitnapperz“ ins Boot geholt. Dieser startete in der Hip-Hop-Szene als Breakdancer und fand darüber seinen Weg zum Produzieren von Musik. „Toni hat damals als Breaker angefangen. Als andere feiern gegangen sind, hat er trainiert“, erklärt Artur Wiens den Werdegang von Schönebeck. Heute ist dieser ein erfolgreicher Musikproduzent mit einer goldenen Schallplatte und wird sich für das Projekt ablichten lassen.

Auch Geschichten, die am Ende nicht zum Erfolg führten, sind für die Bildreihe wichtig, denn Wiens ist sich sicher, dass in jedem Scheitern die Chance zu wachsen steckt.

Die Welt von Instagram, wo die Werke seines aktuellen Projektes zu sehen sind, hält er generell für glattgebügelt und realitätsfern. Menschen würden dort nicht ihr wahres Ich zeigen. „Ich will nicht sagen, dass früher alles besser war, aber ich glaube, es war vieles menschlicher“, erklärt der Künstler. Er selber sieht sich nicht als Mensch, der viele Kämpfe ausgetragen hat. Für seine Kunst legte er sich zwar ebenfalls ins Zeug, wie ein Kampf habe es sich dabei indes nie angefühlt. Mit dem Fotografieren angefangen hat Wiens im Jahr 2003 – damals noch mit einer analogen Kamera.

Der Stil der Bilder soll über das gesamte Projekt beibehalten werden. Diesen hat Wiens bewusst gewählt – ein Gesicht erhebt sich aus der Dunkelheit. Das sei auch durchaus symbolisch zu verstehen, erklärt der Künstler. „Ich zwinge aber niemandem eine Interpretation auf.“

Die Bilder werden zunächst über Instagram veröffentlicht. Zu den Aufnahmen wird die jeweilige Geschichte der porträtierten Person schriftlich erzählt. Eine Veröffentlichung über die Homepage des Künstlers ist geplant. Ob auch eine Ausstellung oder ein Buch folgen, bleibt offen.

Wer mitmachen möchte, kann sich bei Artur Wiens unter info@arturwiens.de oder über www.instagram.com/crizvault melden.

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PetershagenFotograf sucht Menschen für ein ProjektVasco StemmerPetershagen (mt). Artur Wiens möchte Menschen porträtieren, die sich durchbeißen mussten. Menschen, die einen Kampf ausgetragen haben – auch mit sich selbst. Nur die Sonnenseiten des Lebens abzulichten ist nicht der Anspruch, den er sich als Fotograf gesetzt hat. Um solche Geschichten erzählen zu können, hat er die Bilderreihe „#Projectfighter“ ins Leben gerufen. „Ich möchte in erster Linie motivieren“, erklärt der Fotograf den Hintergrund seiner neuen Serie, für die er noch Persönlichkeiten sucht, die die Kamera nicht scheuen. Denn bisher ist die Resonanz auf sein Projekt eher zurückhaltend. Bereits am Anfang des Jahres begann Wiens mit dem kreativen Prozess für sein Projekt. Das erste Foto entstand dann im Spätsommer und zeigt seine Frau Geraldine, bei der Ende 2018 schwarzer Hautkrebs diagnostiziert wurde. Nun hat sie mit den Folgen der Krankheit und besonders mit den Nebenwirkungen der Medikamente zu kämpfen. Auch die zwei Bilder, die darauf folgten, befassen sich mit dem Kampf gegen eine Krankheit: Jenny leidet unter der Stoffwechselstörung PCOS und Tobias hat eine bipolare Störung. Beide mussten einen steinigen Weg gehen, um Lebensziele zu definieren und erreichen zu können. Dass die ersten drei Werke seiner Reihe sich mit dem Thema Krankheit befassen, sieht Wiens als einen Grund dafür, dass sein Projekt nur schleppend anläuft. „Wer unter einer Krankheit leidet, steht damit oft nicht gern im Mittelpunkt. Das ist etwas sehr Persönliches“, erklärt Wiens. Die bisher entstandenen Werke könnten den Eindruck erwecken, das Projekt befasse sich ausschließlich mit diesem Thema. Dabei sei das, so Wiens, reiner Zufall gewesen. Das Projekt sei keineswegs so eng gedacht. Der Fotograf möchte nämlich auch Persönlichkeiten darstellen, die sich ihren Kampf selbst gewählt haben. „Es soll auch um Leute gehen, die etwas durchgehalten haben, weil sie Bock hatten“, erklärt Wiens seinen Ansatz. Dabei denkt er zum Beispiel an Menschen, die einem Hobby nachgehen, weil sie mit vollem Herzen daran hängen – auch wenn sie dafür mehr Zeit und Energie investieren müssen als andere. Als prominentes Beispiel hat er sich für „#Projectfighter“ Toni Schönebeck vom Mindener Produzentenduo „Hitnapperz“ ins Boot geholt. Dieser startete in der Hip-Hop-Szene als Breakdancer und fand darüber seinen Weg zum Produzieren von Musik. „Toni hat damals als Breaker angefangen. Als andere feiern gegangen sind, hat er trainiert“, erklärt Artur Wiens den Werdegang von Schönebeck. Heute ist dieser ein erfolgreicher Musikproduzent mit einer goldenen Schallplatte und wird sich für das Projekt ablichten lassen. Auch Geschichten, die am Ende nicht zum Erfolg führten, sind für die Bildreihe wichtig, denn Wiens ist sich sicher, dass in jedem Scheitern die Chance zu wachsen steckt. Die Welt von Instagram, wo die Werke seines aktuellen Projektes zu sehen sind, hält er generell für glattgebügelt und realitätsfern. Menschen würden dort nicht ihr wahres Ich zeigen. „Ich will nicht sagen, dass früher alles besser war, aber ich glaube, es war vieles menschlicher“, erklärt der Künstler. Er selber sieht sich nicht als Mensch, der viele Kämpfe ausgetragen hat. Für seine Kunst legte er sich zwar ebenfalls ins Zeug, wie ein Kampf habe es sich dabei indes nie angefühlt. Mit dem Fotografieren angefangen hat Wiens im Jahr 2003 – damals noch mit einer analogen Kamera. Der Stil der Bilder soll über das gesamte Projekt beibehalten werden. Diesen hat Wiens bewusst gewählt – ein Gesicht erhebt sich aus der Dunkelheit. Das sei auch durchaus symbolisch zu verstehen, erklärt der Künstler. „Ich zwinge aber niemandem eine Interpretation auf.“ Die Bilder werden zunächst über Instagram veröffentlicht. Zu den Aufnahmen wird die jeweilige Geschichte der porträtierten Person schriftlich erzählt. Eine Veröffentlichung über die Homepage des Künstlers ist geplant. Ob auch eine Ausstellung oder ein Buch folgen, bleibt offen. Wer mitmachen möchte, kann sich bei Artur Wiens unter info@arturwiens.de oder über www.instagram.com/crizvault melden.