Windheim

Songs mit kluger Dramaturgie

Rolf Graff

Die australische Mason Rack Band eröffnet mit Bluesrock die Saison in Windheim

Petershagen-Windheim (rgr). Die „Freunde des gepflegten Zwölftakters“ wissen längst, dass Australien musikalisch mehr zu bieten hat als AC/DC. Zweimal war die Mason Rack Band bei ihnen zu Gast, 2017 als Hauptband der Bluesnacht. Deutlich rockiger und härter als die meisten Bands, die in Windheim No2 spielen, gehen die Australier auch diesmal zur Sache.

Bandleader Mason Rack fasziniert mit seiner tiefen rauen Stimme, die klingt, als hätte er mit Rollsplitt gegurgelt und die an John Lee Hooker, Screaming Jay Hawkins und Tom Waits erinnert und die er trotzdem nuanciert und recht theatralisch einzusetzen weiß – auch mal zum Geheul oder Urschrei.

Überhaupt zeigen die Songs eine kluge Dramaturgie. Die Band kann Spannungsbögen setzen und geschickt mit der Dynamik, dem Timing und atmosphärischen Effekten spielen. So bietet sie manchmal leise, fast zarte Passagen, in der die von Mason Rack gespielte akustische Weissenborn-Lapsteel-Gitarre mit Squareneck im Vordergrund steht, bis die Band nach langsamer Steigerung zu explodieren scheint. Das ist schon beim ersten Titel „Crawling Kingnake“ so, der genau wie später „C.C. Rider“ als Zeitlupen-Version beginnt. Dafür scheint „Black Betty“ auf Amphetamin zu sein und „Flip, flop and fly“ klingt, wenn Mason Rack es singt, fast bedrohlich, wie auch das wild ausufernde „Who do you love“.

Nach besonders krachigem Spiel freut sich der Sänger mit breitem Grinsen. Seine E-Gitarre weiß er für dynamische Spannungsbögen einzusetzen. Mal spielt er weit hinten, um dann nach vorn zu drängen. Auf lange Soli verzichtet er meist und benutzt häufig die Slide-Röhrchen.

Vini „Dr. Feelgood“ Melo, der neu dabei ist, spielt seinen Bass mit druckvollen Linien, die weit über die Bluesharmonik hinausgehen. Solistisch wagt er sich slappend in knackige Funk-Bereiche. Schlagzeuger Joel „Thunder Foot“ Purkess spielt treibend und oft stilübergreifend. Mit seinem Solo reißt er die Zuhörer von den Stühlen. Neben bekannten Blues-Titeln stehen eigene Songs. Darunter ist mit „Time again“ der erste als Single veröffentlichte Song, der es in ihrer Heimat auf den ersten Platz der Blues-Charts schaffte.

Für einen Song wechseln die Musiker die Instrumente untereinander und bei einem anderen trommelt Mason Rack auf dem Boden vor der Bühne und auf einem Metall-Bierfass. Dann holt er den Schlagzeuger samt seiner Tom dazu. Der Bassist schnappt sich ein weiteres Fass, bis sich die drei während des Spiels gleichzeitig die Sticks zuwerfen, ohne aus dem Rhythmus zu kommen.

Eine Zuschauerin sieht sich plötzlich nach kurzer Anleitung die Laptop-Gitarre spielen. Solche Showeinlagen ernten frenetischen Applaus. Das Publikum bekommt nach anhaltendem Beifall die gewünschten Zugaben.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

WindheimSongs mit kluger DramaturgieDie australische Mason Rack Band eröffnet mit Bluesrock die Saison in WindheimRolf GraffPetershagen-Windheim (rgr). Die „Freunde des gepflegten Zwölftakters“ wissen längst, dass Australien musikalisch mehr zu bieten hat als AC/DC. Zweimal war die Mason Rack Band bei ihnen zu Gast, 2017 als Hauptband der Bluesnacht. Deutlich rockiger und härter als die meisten Bands, die in Windheim No2 spielen, gehen die Australier auch diesmal zur Sache. Bandleader Mason Rack fasziniert mit seiner tiefen rauen Stimme, die klingt, als hätte er mit Rollsplitt gegurgelt und die an John Lee Hooker, Screaming Jay Hawkins und Tom Waits erinnert und die er trotzdem nuanciert und recht theatralisch einzusetzen weiß – auch mal zum Geheul oder Urschrei. Überhaupt zeigen die Songs eine kluge Dramaturgie. Die Band kann Spannungsbögen setzen und geschickt mit der Dynamik, dem Timing und atmosphärischen Effekten spielen. So bietet sie manchmal leise, fast zarte Passagen, in der die von Mason Rack gespielte akustische Weissenborn-Lapsteel-Gitarre mit Squareneck im Vordergrund steht, bis die Band nach langsamer Steigerung zu explodieren scheint. Das ist schon beim ersten Titel „Crawling Kingnake“ so, der genau wie später „C.C. Rider“ als Zeitlupen-Version beginnt. Dafür scheint „Black Betty“ auf Amphetamin zu sein und „Flip, flop and fly“ klingt, wenn Mason Rack es singt, fast bedrohlich, wie auch das wild ausufernde „Who do you love“. Nach besonders krachigem Spiel freut sich der Sänger mit breitem Grinsen. Seine E-Gitarre weiß er für dynamische Spannungsbögen einzusetzen. Mal spielt er weit hinten, um dann nach vorn zu drängen. Auf lange Soli verzichtet er meist und benutzt häufig die Slide-Röhrchen. Vini „Dr. Feelgood“ Melo, der neu dabei ist, spielt seinen Bass mit druckvollen Linien, die weit über die Bluesharmonik hinausgehen. Solistisch wagt er sich slappend in knackige Funk-Bereiche. Schlagzeuger Joel „Thunder Foot“ Purkess spielt treibend und oft stilübergreifend. Mit seinem Solo reißt er die Zuhörer von den Stühlen. Neben bekannten Blues-Titeln stehen eigene Songs. Darunter ist mit „Time again“ der erste als Single veröffentlichte Song, der es in ihrer Heimat auf den ersten Platz der Blues-Charts schaffte. Für einen Song wechseln die Musiker die Instrumente untereinander und bei einem anderen trommelt Mason Rack auf dem Boden vor der Bühne und auf einem Metall-Bierfass. Dann holt er den Schlagzeuger samt seiner Tom dazu. Der Bassist schnappt sich ein weiteres Fass, bis sich die drei während des Spiels gleichzeitig die Sticks zuwerfen, ohne aus dem Rhythmus zu kommen. Eine Zuschauerin sieht sich plötzlich nach kurzer Anleitung die Laptop-Gitarre spielen. Solche Showeinlagen ernten frenetischen Applaus. Das Publikum bekommt nach anhaltendem Beifall die gewünschten Zugaben.