Windheim

Harfespiel bei der Kulturnacht

Claudia Hyna

Um sich besser zurechtzufinden, ist das C rot, das F schwarz. Der Saitenabstand der Harfen, die Manfred Gosewinkel baut und spielt, ist genormt. MT- - © Foto: Alex Lehn
Um sich besser zurechtzufinden, ist das C rot, das F schwarz. Der Saitenabstand der Harfen, die Manfred Gosewinkel baut und spielt, ist genormt. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Petershagen-Windheim (mt). Mit der Harfe ist es ähnlich wie mit einem guten Wein: beide werden mit der Zeit besser. Und so spielt Manfred Gosewinkel auch heute noch gerne auf einem der Instrumente, das er vor rund 25 Jahren selbst gebaut hat. Einen Einblick in seinen musikalischen Kosmos gibt er den Zuhörern der Langen Nacht der Kultur in Minden am 14. September. Dort tritt er von 21 bis 21.45 Uhr in der Kirche St. Simeonis auf. Begleitet wird er auf der Blockflöte von seiner Frau Gisela Gosewinkel.

Die keltische Harfe ist ein in Irland und der Bretagne weit verbreitetes Volks-Instrument – und wesentlich unkomplizierter als die große Schwester, die Konzertharfe, sagt Gosewinkel. Musikalisch spannt er einen weiten Bogen von experimenteller, meditativer Klangimprovisation bis hin zu musikalisch und technisch anspruchsvoller klassischer Musik. Auch zeitlich deckt der Musiker einen Zeitraum vom Altertum bis in die Neuzeit ab, da stehen irische Volksweisen neben Präludien von Bach und Songs von Simon & Garfunkel sowie Eigenkompositionen.

Manfred Gosewinkel begann im Alter von 16 Jahren Gitarre zu spielen. Später absolvierte er ein Studium als Gitarrenlehrer an der Musikhochschule Trossingen und arbeitete als solcher mehr als 20 Jahre lang an einer Waldorfschule am Bodensee. Heute ist er unter anderem an einer Musikschule in Stadthagen tätig.

Ein paar Griffe auf der Gitarre spielen, das geht schnell, meint er. Wenn man Stücke mit Begleitung haben will, dann ist es ein eher kompliziertes Instrument. Die Harfe biete sich für den ambitionierten Amateur an, da sie relativ schnell zu lernen sei. Zum Instrumentenbau kam er eher nebenbei, als er einen 14-tägigen Kurs absolvierte. Und siehe da: „Die haben sofort gut geklungen.“ Da habe es ihn gepackt.

Seit drei Jahren wohnt er mit seiner Frau in Windheim, hier hat Gosewinkel eine kleine Werkstatt, in der er die Harfen baut. Seine Kunden sind Musikschulen genauso wie Privatleute. Die größte Harfe misst etwa 1,30 Meter, die kleinste mit rund 60 Zentimentern geht gerne mit auf Reisen. Körper und Decke bestehen aus Buchen- und Birkenholz, die Zupfinstrumente kommen ohne jeden Schnickschnack aus, sind zum Teil im Stil gotischer Harfen gefertigt. Wichtig ist, dass das Holz trocken ist, damit es sich nicht verzieht. Und dass die Säule der Harfe so einiges aushalten kann.

Schon die Bibel berichtet von der wundersamen Wirkung der Harfe. Heutzutage wird das Instrument mit seinen besonderen Schwingungen zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. „Musik macht was mit den Menschen“, davon ist Manfred Gosewinkel überzeugt. Und wenn schon Musik, dann klassische. Die sei besser für den Menschen. Mittlerweile ist er persönlich an einem Punkt angelangt, an dem er Popmusik nicht mehr ertragen kann. „Sie macht unruhig.“ Daher bevorzugt er auch Einkaufsmärkte, die völlig auf musikalische Beschallung verzichten. Er bedauert, dass viele Kinder heute nur noch Rock, Pop und Rap hören und kennen. „Sie kennen gar keine Volksmusik mehr.“ Musik sei immer auch eine Frage der Bildung. „Wenn man nur Schlager hört, dann verblödet man doch“, so seine Auffassung.

Harfenunterricht eigne sich für Kinder ab acht, neun Jahren. Besonders praktisch sei, dass sie das Zupfinstrument nicht halten müssen. Die Harfe bringe Saiten in den Menschen zum Klingen. Es gibt Leute, die sind laut und aufgewühlt. Sie werden vom Harfenklang ruhig. Andere werden tief berührt. Ein Feedback gebe es immer, sagen Therapeuten, die mit der Musik arbeiten. Das Publikum bei der Langen Kulturnacht kann sich selber ein Bild machen. Manfred Gosewinkel freut sich auf die besondere Akustik, die nur Kirchen bieten.

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WindheimHarfespiel bei der KulturnachtClaudia HynaPetershagen-Windheim (mt). Mit der Harfe ist es ähnlich wie mit einem guten Wein: beide werden mit der Zeit besser. Und so spielt Manfred Gosewinkel auch heute noch gerne auf einem der Instrumente, das er vor rund 25 Jahren selbst gebaut hat. Einen Einblick in seinen musikalischen Kosmos gibt er den Zuhörern der Langen Nacht der Kultur in Minden am 14. September. Dort tritt er von 21 bis 21.45 Uhr in der Kirche St. Simeonis auf. Begleitet wird er auf der Blockflöte von seiner Frau Gisela Gosewinkel. Die keltische Harfe ist ein in Irland und der Bretagne weit verbreitetes Volks-Instrument – und wesentlich unkomplizierter als die große Schwester, die Konzertharfe, sagt Gosewinkel. Musikalisch spannt er einen weiten Bogen von experimenteller, meditativer Klangimprovisation bis hin zu musikalisch und technisch anspruchsvoller klassischer Musik. Auch zeitlich deckt der Musiker einen Zeitraum vom Altertum bis in die Neuzeit ab, da stehen irische Volksweisen neben Präludien von Bach und Songs von Simon & Garfunkel sowie Eigenkompositionen. Manfred Gosewinkel begann im Alter von 16 Jahren Gitarre zu spielen. Später absolvierte er ein Studium als Gitarrenlehrer an der Musikhochschule Trossingen und arbeitete als solcher mehr als 20 Jahre lang an einer Waldorfschule am Bodensee. Heute ist er unter anderem an einer Musikschule in Stadthagen tätig. Ein paar Griffe auf der Gitarre spielen, das geht schnell, meint er. Wenn man Stücke mit Begleitung haben will, dann ist es ein eher kompliziertes Instrument. Die Harfe biete sich für den ambitionierten Amateur an, da sie relativ schnell zu lernen sei. Zum Instrumentenbau kam er eher nebenbei, als er einen 14-tägigen Kurs absolvierte. Und siehe da: „Die haben sofort gut geklungen.“ Da habe es ihn gepackt. Seit drei Jahren wohnt er mit seiner Frau in Windheim, hier hat Gosewinkel eine kleine Werkstatt, in der er die Harfen baut. Seine Kunden sind Musikschulen genauso wie Privatleute. Die größte Harfe misst etwa 1,30 Meter, die kleinste mit rund 60 Zentimentern geht gerne mit auf Reisen. Körper und Decke bestehen aus Buchen- und Birkenholz, die Zupfinstrumente kommen ohne jeden Schnickschnack aus, sind zum Teil im Stil gotischer Harfen gefertigt. Wichtig ist, dass das Holz trocken ist, damit es sich nicht verzieht. Und dass die Säule der Harfe so einiges aushalten kann. Schon die Bibel berichtet von der wundersamen Wirkung der Harfe. Heutzutage wird das Instrument mit seinen besonderen Schwingungen zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. „Musik macht was mit den Menschen“, davon ist Manfred Gosewinkel überzeugt. Und wenn schon Musik, dann klassische. Die sei besser für den Menschen. Mittlerweile ist er persönlich an einem Punkt angelangt, an dem er Popmusik nicht mehr ertragen kann. „Sie macht unruhig.“ Daher bevorzugt er auch Einkaufsmärkte, die völlig auf musikalische Beschallung verzichten. Er bedauert, dass viele Kinder heute nur noch Rock, Pop und Rap hören und kennen. „Sie kennen gar keine Volksmusik mehr.“ Musik sei immer auch eine Frage der Bildung. „Wenn man nur Schlager hört, dann verblödet man doch“, so seine Auffassung. Harfenunterricht eigne sich für Kinder ab acht, neun Jahren. Besonders praktisch sei, dass sie das Zupfinstrument nicht halten müssen. Die Harfe bringe Saiten in den Menschen zum Klingen. Es gibt Leute, die sind laut und aufgewühlt. Sie werden vom Harfenklang ruhig. Andere werden tief berührt. Ein Feedback gebe es immer, sagen Therapeuten, die mit der Musik arbeiten. Das Publikum bei der Langen Kulturnacht kann sich selber ein Bild machen. Manfred Gosewinkel freut sich auf die besondere Akustik, die nur Kirchen bieten.