Südfelde

Südfelder Apfelkampagne startet schleppend

Oliver Plöger

Petershagen-Südfelde (mt). Die Apfelernte wird in drei großen Boxen bereit gehalten. In jede Box passen fünf Tonnen. Und es kam vor, dass die Boxen schon zwei oder drei Tage nach dem Beginn der Apfelannahme randvoll gefüllt waren. In den vergangenen 14 Tagen aber sind gerade mal 500 Kilo in das erste Behältnis gekullert. Und die Aussichten sind eher trübe, wie Günter Heese von der Mosterei Oevermann aus Südfelde sagt.

Die Qualität ist gut, allein die Menge lässt zu wünschen übrig, sagt Günter Heese von der Mosterei Oevermann. MT-Fotos: Oliver Plöger
Die Qualität ist gut, allein die Menge lässt zu wünschen übrig, sagt Günter Heese von der Mosterei Oevermann. MT-Fotos: Oliver Plöger

Die Ernte falle in diesem Jahr deutlich schwächer aus als in den Jahren zuvor, schwächer auch als im heißen Spätsommer 2018, als der Direktsaft aus insgesamt 20 Tonnen heimischen Äpfeln hergestellt wurde. „Das sind etwa 15.000 Liter“, überschlägt Heese und wird nachdenklich. 2015 sei das letzte „dicke Jahr“ gewesen. 40 oder gar 50 Tonnen habe es auch in den Jahren davor gegeben. Und in den Achtzigern habe man die Annahme zeitweise sogar stoppen müssen. „So viel konnten wir als kleine Mosterei gar nicht verarbeiten“, erinnert sich der gelernte Werkzeugmacher, der selbst schon seit 50 Jahren in der Saftfabrikation arbeitet, anfangs nebenberuflich, jetzt noch im Hobby, das sich aber eben auch finanzieren muss.

Die Maschinen stehen derzeit noch still.
Die Maschinen stehen derzeit noch still.

Die dicken Zeiten sind vorbei, wie Heese sagt, der mit Blick auf die Apfelernte 2019 von „30 Prozent weniger“ ausgeht. Auch Deutschland- und europaweit rechnen Experten mit einer geringeren Apfelernte. Für die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe war das Apfeljahr 2018 immerhin noch „gut“, wie Sprecher Bernhard Rüb bestätigt. Und nach solchen Jahren folge meist ein Jahr ohne besonders guten Ertrag.

Spätfröste und Hagelschäden seien etwa im Alten Land der Grund der geringeren Ernte, wie Matthias Görgens von der Obstbauversuchsanstalt Jork der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet. Die andernorts genannte Trockenheit sei an der Elbe kein Thema, die Landwirte dort hätten in der Regel genügend Wasser.

Erst eine Box ist zum Teil gefüllt.
Erst eine Box ist zum Teil gefüllt.

Anders in der Region um Südfelde, wie Günter Heese sagt. „Der Sommer 2018 hat den Obstbäumen das Grundwasser genommen.“ Das habe dann auch der Winter nicht mehr retten können.

Gleichwohl betonen die Heeses, dass die Saison ja gerade erst angefangen habe. Noch den ganzen September über und dann auch im Oktober nimmt die Mosterei Oevermann Äpfel an und presst daraus Direktsaft. „Natur pur“, wie die Heeses sagen und: „Was der Apfel hergibt, kommt auch in die Flasche.“ Ohne irgendwelche Zusatzstoffe.

Offizieller Start der Apfelkampagne war erst am 24. August. Vielleicht, so hofft Doris Heese, geborene Oevermann, kommen die Leute ja doch noch: diejenigen, die Äpfel bringen und vergünstigt Saft kaufen, aber auch diejenigen, die einfach nur den Saft wollen – ohne eigene Anlieferung. Für letztere könnten die Preise moderat ansteigen, wie Doris Heese andeutete. Der Bedarf soll auf jeden Fall gedeckt werden, möglicherweise auch durch den zusätzlichen Obsteinkauf. „Natürlich aus der Umgebung, denn der regionale Aspekt ist uns wichtig“, sagt Doris Heese, die etwa auf die Genossenschaft in Leese verweist.

Günter Heese sieht aber noch einen weiteren Grund für die Lieferflaute. „Ich glaube, die Leute sind da sehr bequem geworden und kaufen ihre Flaschen gleich im Supermarkt.“ Das sei ja auch ziemlich einfach. Denn um selbst Obst zu sammeln, müsse man sich eben bücken. „Das will nicht jeder“, sagt Günter Heese.

Und auch wenn sich die Apfelanlieferung momentan in deutlichen Grenzen hält, die Heeses sind frohen Mutes: Zeitgleich werden Zwetschgen angeliefert und im großen Bottich der Mosterei verarbeitet.

Der Bottich ist übrigens so alt wie das Unternehmen selbst und stammt aus dem Jahr 1947. Und da in Südfelde schon so lange Obst verarbeitet wird, gehen die Heeses davon aus, dass die Mosterei eine gute Zukunft hat – auch wenn es schon deutlich bessere Apfeljahre als 2019 gab. Und vielleicht liegt „selbst sammeln“ ja auch bald wieder im Trend.

So läuft es in Südfelde:

Die Äpfel werden vor dem Gebäude gesammelt und mit Wasserkraft ins Innere transportiert, wo dann schon die Bandpresse wartet. Die Maschine zerkleinert das Obst, Maische entsteht, die jetzt noch einmal gepresst wird. „Da ist dann nichts mehr rauszuholen“, sagt Günter Heese, wobei das Material als Viehfutter etwa in der Landwirtschaft weiterverwendet werden kann. Alles andere ist der sogenannte Muttersaft und natürlich trinkbar.

Nebenan steht die Flaschenwaschmaschine (jede Flasche kann im Kreislauf vier bis fünf Mal gefüllt werden). Ausschließlich Glas komm zum Einsatz, kein Plastik. Dann gibt es im weiteren Verlauf des Fließbands ein strahlend weißes Lichtfeld, vor der die Sauberkeit der Flaschen noch einmal getestet wird, schließlich die Vorrichtung zum Befüllen und die Etikettierung.

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SüdfeldeSüdfelder Apfelkampagne startet schleppendOliver PlögerPetershagen-Südfelde (mt). Die Apfelernte wird in drei großen Boxen bereit gehalten. In jede Box passen fünf Tonnen. Und es kam vor, dass die Boxen schon zwei oder drei Tage nach dem Beginn der Apfelannahme randvoll gefüllt waren. In den vergangenen 14 Tagen aber sind gerade mal 500 Kilo in das erste Behältnis gekullert. Und die Aussichten sind eher trübe, wie Günter Heese von der Mosterei Oevermann aus Südfelde sagt. Die Ernte falle in diesem Jahr deutlich schwächer aus als in den Jahren zuvor, schwächer auch als im heißen Spätsommer 2018, als der Direktsaft aus insgesamt 20 Tonnen heimischen Äpfeln hergestellt wurde. „Das sind etwa 15.000 Liter“, überschlägt Heese und wird nachdenklich. 2015 sei das letzte „dicke Jahr“ gewesen. 40 oder gar 50 Tonnen habe es auch in den Jahren davor gegeben. Und in den Achtzigern habe man die Annahme zeitweise sogar stoppen müssen. „So viel konnten wir als kleine Mosterei gar nicht verarbeiten“, erinnert sich der gelernte Werkzeugmacher, der selbst schon seit 50 Jahren in der Saftfabrikation arbeitet, anfangs nebenberuflich, jetzt noch im Hobby, das sich aber eben auch finanzieren muss. Die dicken Zeiten sind vorbei, wie Heese sagt, der mit Blick auf die Apfelernte 2019 von „30 Prozent weniger“ ausgeht. Auch Deutschland- und europaweit rechnen Experten mit einer geringeren Apfelernte. Für die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe war das Apfeljahr 2018 immerhin noch „gut“, wie Sprecher Bernhard Rüb bestätigt. Und nach solchen Jahren folge meist ein Jahr ohne besonders guten Ertrag. Spätfröste und Hagelschäden seien etwa im Alten Land der Grund der geringeren Ernte, wie Matthias Görgens von der Obstbauversuchsanstalt Jork der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet. Die andernorts genannte Trockenheit sei an der Elbe kein Thema, die Landwirte dort hätten in der Regel genügend Wasser. Anders in der Region um Südfelde, wie Günter Heese sagt. „Der Sommer 2018 hat den Obstbäumen das Grundwasser genommen.“ Das habe dann auch der Winter nicht mehr retten können. Gleichwohl betonen die Heeses, dass die Saison ja gerade erst angefangen habe. Noch den ganzen September über und dann auch im Oktober nimmt die Mosterei Oevermann Äpfel an und presst daraus Direktsaft. „Natur pur“, wie die Heeses sagen und: „Was der Apfel hergibt, kommt auch in die Flasche.“ Ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Offizieller Start der Apfelkampagne war erst am 24. August. Vielleicht, so hofft Doris Heese, geborene Oevermann, kommen die Leute ja doch noch: diejenigen, die Äpfel bringen und vergünstigt Saft kaufen, aber auch diejenigen, die einfach nur den Saft wollen – ohne eigene Anlieferung. Für letztere könnten die Preise moderat ansteigen, wie Doris Heese andeutete. Der Bedarf soll auf jeden Fall gedeckt werden, möglicherweise auch durch den zusätzlichen Obsteinkauf. „Natürlich aus der Umgebung, denn der regionale Aspekt ist uns wichtig“, sagt Doris Heese, die etwa auf die Genossenschaft in Leese verweist. Günter Heese sieht aber noch einen weiteren Grund für die Lieferflaute. „Ich glaube, die Leute sind da sehr bequem geworden und kaufen ihre Flaschen gleich im Supermarkt.“ Das sei ja auch ziemlich einfach. Denn um selbst Obst zu sammeln, müsse man sich eben bücken. „Das will nicht jeder“, sagt Günter Heese. Und auch wenn sich die Apfelanlieferung momentan in deutlichen Grenzen hält, die Heeses sind frohen Mutes: Zeitgleich werden Zwetschgen angeliefert und im großen Bottich der Mosterei verarbeitet. Der Bottich ist übrigens so alt wie das Unternehmen selbst und stammt aus dem Jahr 1947. Und da in Südfelde schon so lange Obst verarbeitet wird, gehen die Heeses davon aus, dass die Mosterei eine gute Zukunft hat – auch wenn es schon deutlich bessere Apfeljahre als 2019 gab. Und vielleicht liegt „selbst sammeln“ ja auch bald wieder im Trend. So läuft es in Südfelde: Die Äpfel werden vor dem Gebäude gesammelt und mit Wasserkraft ins Innere transportiert, wo dann schon die Bandpresse wartet. Die Maschine zerkleinert das Obst, Maische entsteht, die jetzt noch einmal gepresst wird. „Da ist dann nichts mehr rauszuholen“, sagt Günter Heese, wobei das Material als Viehfutter etwa in der Landwirtschaft weiterverwendet werden kann. Alles andere ist der sogenannte Muttersaft und natürlich trinkbar. Nebenan steht die Flaschenwaschmaschine (jede Flasche kann im Kreislauf vier bis fünf Mal gefüllt werden). Ausschließlich Glas komm zum Einsatz, kein Plastik. Dann gibt es im weiteren Verlauf des Fließbands ein strahlend weißes Lichtfeld, vor der die Sauberkeit der Flaschen noch einmal getestet wird, schließlich die Vorrichtung zum Befüllen und die Etikettierung.