Heimsen

Heimsen dreht beim Erntefest die Zeit zurück

Ulrich Westermann

Petershagen-Heimsen (Wes). Das erste Erntefest des Jahres in der Stadt Petershagen haben am Samstag die Heimser gefeiert. Eingeladen zu einem fröhlichen und besinnlichen Programm, zu dem auch eine Andacht gehörte, hatte die Kulturgilde. Veranstaltungsort im Fischerhagen war die Hofstätte der Familie Stege.

Die Darbietungen standen unter dem Motto „Heimsen dreht die Zeit zurück – Erntefest wie in den 50er-Jahren“. Passend dazu rollte ein Festzug mit Oldtimertreckern, Leiterwagen, Maschinen von Anno dazumal und weiteren Fahrzeugen über die Heimser Straßen.

Zur Hoffeier hatten sich zahlreiche Besucher aus dem Weserdorf und der Nachbarschaft eingefunden. Ein Hingucker war die prächtige Erntekrone. Petershagens stellvertretender Bürgermeister Friedrich Lange (SPD) erinnerte an frühere Jahre, als schwere körperliche Arbeit die Erntezeit bestimmte und es kein Überangebot an Lebensmitteln gab. Damals hätten sich die Familien auf dem Land mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten versorgt. „Viel wurde von dem erarbeitet, was auf den Tisch kam. Dadurch hatten Lebensmittel einen anderen Wert und wurden nicht so leichtfertig weggeworfen, wie wir das heute oft erleben. Wenn es Reste gab, wurden Tiere damit gefüttert“, wusste Lange.

Das Bild in den Dörfern habe sich grundlegend geändert, so der Vertreter der Kommunalpolitik. Davon betroffen sei auch die Vereinsarbeit, die einen wichtigen Bauteil der sozialen Struktur und des Zusammenlebens darstelle. „Ich kann nur appellieren, das Erntefest zu bewahren und der nachfolgenden Generation zu zeigen, dass unsere Dörfern noch lebenswert sind“, bekräftigte Friedrich Lange.

Der Heimser Ortsbürgermeister Olaf Sprick (CDU) dankte Gastgebern und Mitwirkenden. Zudem ging er auf den Ernteablauf der vergangenen Wochen ein: „Das Korn war bereits Ende Juli abgeerntet, sonst immer zwei bis drei Wochen später, Mitte August. Die Getreideernte lag bis auf den Roggen leicht über dem Durchschnitt. Beim Gras konnte ein Mehrertrag von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt werden. Einbußen gab es beim Mais, der nur auf feuchten Böden gute Erträge bringt, auf den leichten Böden ist ein Großteil vertrocknet.“

In seinem Rückblick erinnerte Sprick an die 1950er Jahre, als beim Dengeln der Sensen laute Klopfgeräusche im Dorf zu hören waren. Weitere Themen seiner Nachlese waren die Nachbarschaftshilfe bei der Getreidemahd, das Aufstellen der Hocken, der Abtransport des getrockneten Getreides mit Leiterwagen sowie der Einsatz der Dreschflegel und der Dreschmaschine. Das Korn sei je nach Bedarf in Säcken zur Mühle gebracht und dort in das Mahlwerk gekippt worden.

Die Mühlen hätten in Heimsen schon immer eine große Rolle gespielt, führte Sprick weiter aus. Dabei nannte er die Windmühle im Bössel und die Wassermühle bei Mailand, die das Kloster Loccum im Jahr 1511 errichtet habe. „Wenn das Wasser nicht ausreichte, nutzten die Heimser die Dampfmühle in Schlüsselburg. Von 1628 bis 1954 stand eine Weserfähre zur Verfügung. Von 1648 bis 1760 gab es sogar eine Schiffmühle. die allerdings häufig vom Eisgang beschädigt wurde“, wusste der Ortsbürgermeister.

Erntebauer Burkhard Stege stellte die Geschichte der Hofstätte vor: „Vor 30 Jahren hatten wir hier neben dem Ackerbau und Weideland auch noch Milchkühe, Rinder und Bullenmast sowie Schweinezucht und -mast. Anfang 1994 sind Milchvieh und Bullenmast aufgegeben worden, bis ins Jahr 2000 wurden noch Schweine gehalten. Danach habe ich mich noch in meiner Freizeit bis 2016 mit dem Ackerbau beschäftigt. Jetzt sind alle Flächen verpachtet.“

Dank richtete Stege an die zahlreichen Helferinnen und Helfer beim Binden der Erntekrone. Hafer, Triticale und Weizen für das prächtige Flechtwerk hätten die Familien Schröder und Hagemann bzw. Hardo Buchholz gespendet. „Besonders möchte ich mich bei Heike Klenke, Conni Bleeke und Gudrun Lehmkuhl als letzte Kontrollinstanz bedanken. Zweieinhalb Stunden lang haben sie unermüdlich die Ähren an der Erntekrone befestigt“, betonte Stege. Im Wechsel mit Ulrike Wiegmann trug er einen Text zum Thema „Gedichte über Bauern“ vor, unter anderem hieß es: „Früh am Morgen, noch nicht hell, ist der Hahn schon zur Stell`, macht das ganze Dorf nun munter und geht vom Mist dann wieder runter“.

Die Zeit zurückgedreht: Bei ersten Erntefest in der Stadt Petershagen gab es im Heringsfängerdorf Heimsen viel Beifall für die Darbietungen der Volkstanzgruppe Cammer. Fotos: Westermann
Die Zeit zurückgedreht: Bei ersten Erntefest in der Stadt Petershagen gab es im Heringsfängerdorf Heimsen viel Beifall für die Darbietungen der Volkstanzgruppe Cammer. Fotos: Westermann

An der Gestaltung der Erntefeier war der Posaunenchor der Kirchengemeinde Heimsen/Ilvese unter der Leitung von Kai Plenge beteiligt. Vorgetragen wurden u. a. die Musikstücke „Mächtig gewaltig“ und „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“.

Pfarrerin Esther Witte stellte in ihrer Andacht die Bedeutung des Miteinanders heraus. Gemeinsam mit den Besuchern und dem Posaunenchor stimmte sie die Lieder „Freuet euch der schönen Erde“, „Gut, dass wir einander haben“ und „Nun danket alle Gott“ an.

Melodisch: Mit klingendem Spiel unterhielt der Posaunenchor der Kirchengemeinde Heimsen/Ilvese unter der Leitung von Kai Plenge.
Melodisch: Mit klingendem Spiel unterhielt der Posaunenchor der Kirchengemeinde Heimsen/Ilvese unter der Leitung von Kai Plenge.

Das „Heimser Lied“ trugen die Cousinen Sophie und Klara Plenge vor. Begleitet wurde der Gesang der beiden Mädchen von Wilhelm Mailand mit dem Akkordeon.

Beifall gab es für die schwungvollen Darbietungen der Volkstanzgruppe Cammer sowie der Volkstanz- und Trachtengruppe Röcke. Präsentiert wurden „Freischütz“ und „Sette-Tanz“ bzw. „Beckedorfer“ und „Windmühlenflügel“.

In seinem Schlusswort freute sich Kulturgildevorsitzender Günter Damke über die gelungene Hoffeier, die nach eineinhalb Stunden beendet war. Es schloss sich der Ernteumzug zum Festzelt auf dem Sportplatz an. Die Kolonnenspitze bildeten Oldtimertrecker und Leiterwagen mit Erntekrone. Essen aus der Schlachtemolle und Tanz unter der Erntekrone waren weitere Programmpunkte

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HeimsenHeimsen dreht beim Erntefest die Zeit zurückUlrich WestermannPetershagen-Heimsen (Wes). Das erste Erntefest des Jahres in der Stadt Petershagen haben am Samstag die Heimser gefeiert. Eingeladen zu einem fröhlichen und besinnlichen Programm, zu dem auch eine Andacht gehörte, hatte die Kulturgilde. Veranstaltungsort im Fischerhagen war die Hofstätte der Familie Stege. Die Darbietungen standen unter dem Motto „Heimsen dreht die Zeit zurück – Erntefest wie in den 50er-Jahren“. Passend dazu rollte ein Festzug mit Oldtimertreckern, Leiterwagen, Maschinen von Anno dazumal und weiteren Fahrzeugen über die Heimser Straßen. Zur Hoffeier hatten sich zahlreiche Besucher aus dem Weserdorf und der Nachbarschaft eingefunden. Ein Hingucker war die prächtige Erntekrone. Petershagens stellvertretender Bürgermeister Friedrich Lange (SPD) erinnerte an frühere Jahre, als schwere körperliche Arbeit die Erntezeit bestimmte und es kein Überangebot an Lebensmitteln gab. Damals hätten sich die Familien auf dem Land mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten versorgt. „Viel wurde von dem erarbeitet, was auf den Tisch kam. Dadurch hatten Lebensmittel einen anderen Wert und wurden nicht so leichtfertig weggeworfen, wie wir das heute oft erleben. Wenn es Reste gab, wurden Tiere damit gefüttert“, wusste Lange. Das Bild in den Dörfern habe sich grundlegend geändert, so der Vertreter der Kommunalpolitik. Davon betroffen sei auch die Vereinsarbeit, die einen wichtigen Bauteil der sozialen Struktur und des Zusammenlebens darstelle. „Ich kann nur appellieren, das Erntefest zu bewahren und der nachfolgenden Generation zu zeigen, dass unsere Dörfern noch lebenswert sind“, bekräftigte Friedrich Lange. Der Heimser Ortsbürgermeister Olaf Sprick (CDU) dankte Gastgebern und Mitwirkenden. Zudem ging er auf den Ernteablauf der vergangenen Wochen ein: „Das Korn war bereits Ende Juli abgeerntet, sonst immer zwei bis drei Wochen später, Mitte August. Die Getreideernte lag bis auf den Roggen leicht über dem Durchschnitt. Beim Gras konnte ein Mehrertrag von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt werden. Einbußen gab es beim Mais, der nur auf feuchten Böden gute Erträge bringt, auf den leichten Böden ist ein Großteil vertrocknet.“ In seinem Rückblick erinnerte Sprick an die 1950er Jahre, als beim Dengeln der Sensen laute Klopfgeräusche im Dorf zu hören waren. Weitere Themen seiner Nachlese waren die Nachbarschaftshilfe bei der Getreidemahd, das Aufstellen der Hocken, der Abtransport des getrockneten Getreides mit Leiterwagen sowie der Einsatz der Dreschflegel und der Dreschmaschine. Das Korn sei je nach Bedarf in Säcken zur Mühle gebracht und dort in das Mahlwerk gekippt worden. Die Mühlen hätten in Heimsen schon immer eine große Rolle gespielt, führte Sprick weiter aus. Dabei nannte er die Windmühle im Bössel und die Wassermühle bei Mailand, die das Kloster Loccum im Jahr 1511 errichtet habe. „Wenn das Wasser nicht ausreichte, nutzten die Heimser die Dampfmühle in Schlüsselburg. Von 1628 bis 1954 stand eine Weserfähre zur Verfügung. Von 1648 bis 1760 gab es sogar eine Schiffmühle. die allerdings häufig vom Eisgang beschädigt wurde“, wusste der Ortsbürgermeister. Erntebauer Burkhard Stege stellte die Geschichte der Hofstätte vor: „Vor 30 Jahren hatten wir hier neben dem Ackerbau und Weideland auch noch Milchkühe, Rinder und Bullenmast sowie Schweinezucht und -mast. Anfang 1994 sind Milchvieh und Bullenmast aufgegeben worden, bis ins Jahr 2000 wurden noch Schweine gehalten. Danach habe ich mich noch in meiner Freizeit bis 2016 mit dem Ackerbau beschäftigt. Jetzt sind alle Flächen verpachtet.“ Dank richtete Stege an die zahlreichen Helferinnen und Helfer beim Binden der Erntekrone. Hafer, Triticale und Weizen für das prächtige Flechtwerk hätten die Familien Schröder und Hagemann bzw. Hardo Buchholz gespendet. „Besonders möchte ich mich bei Heike Klenke, Conni Bleeke und Gudrun Lehmkuhl als letzte Kontrollinstanz bedanken. Zweieinhalb Stunden lang haben sie unermüdlich die Ähren an der Erntekrone befestigt“, betonte Stege. Im Wechsel mit Ulrike Wiegmann trug er einen Text zum Thema „Gedichte über Bauern“ vor, unter anderem hieß es: „Früh am Morgen, noch nicht hell, ist der Hahn schon zur Stell`, macht das ganze Dorf nun munter und geht vom Mist dann wieder runter“. An der Gestaltung der Erntefeier war der Posaunenchor der Kirchengemeinde Heimsen/Ilvese unter der Leitung von Kai Plenge beteiligt. Vorgetragen wurden u. a. die Musikstücke „Mächtig gewaltig“ und „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“. Pfarrerin Esther Witte stellte in ihrer Andacht die Bedeutung des Miteinanders heraus. Gemeinsam mit den Besuchern und dem Posaunenchor stimmte sie die Lieder „Freuet euch der schönen Erde“, „Gut, dass wir einander haben“ und „Nun danket alle Gott“ an. Das „Heimser Lied“ trugen die Cousinen Sophie und Klara Plenge vor. Begleitet wurde der Gesang der beiden Mädchen von Wilhelm Mailand mit dem Akkordeon. Beifall gab es für die schwungvollen Darbietungen der Volkstanzgruppe Cammer sowie der Volkstanz- und Trachtengruppe Röcke. Präsentiert wurden „Freischütz“ und „Sette-Tanz“ bzw. „Beckedorfer“ und „Windmühlenflügel“. In seinem Schlusswort freute sich Kulturgildevorsitzender Günter Damke über die gelungene Hoffeier, die nach eineinhalb Stunden beendet war. Es schloss sich der Ernteumzug zum Festzelt auf dem Sportplatz an. Die Kolonnenspitze bildeten Oldtimertrecker und Leiterwagen mit Erntekrone. Essen aus der Schlachtemolle und Tanz unter der Erntekrone waren weitere Programmpunkte