Petershagen

Ösper-Expedition zum Wesertag: Eisvogel statt Pokémon

Oliver Plöger

Kornelia Fieselmann hatte sich schon früh für eine Renaturierung der Ösper eingesetzt. Mit dem Ergebnis heute zeigt sich die BUND-Sprecherin zufrieden. - © Plöger Oliver
Kornelia Fieselmann hatte sich schon früh für eine Renaturierung der Ösper eingesetzt. Mit dem Ergebnis heute zeigt sich die BUND-Sprecherin zufrieden. (© Plöger Oliver)

Petershagen (mt). Wenn Teilnehmer am Wesertag 2019 andauernd auf ihr Handy gucken, dann suchen sie keinesfalls die neuesten Pokéstops bei Pokémon, vielmehr interessieren sie sich für die Ökologie der Ösper. Und die ist mindestens genau so spannend, wie Kornelia Fieselmann von der BUND-Gruppe Petershagen weiß.

Deutlich naturnäher zeigt sich die Ösper heute. Bei der Schnitzeljagd spielt auch der hier dargestellte Eisvogel Blaufrack eine Rolle. MT- - © Foto: Oliver Plöger/Zeichnung: Ron Meier
Deutlich naturnäher zeigt sich die Ösper heute. Bei der Schnitzeljagd spielt auch der hier dargestellte Eisvogel Blaufrack eine Rolle. MT- (© Foto: Oliver Plöger/Zeichnung: Ron Meier)

Kinder und Erwachsene sollen erfahren, durch welche Strukturen ein fließnahes Gewässer gekennzeichnet ist und „warum die globalen Nachhaltigkeitsziele auch uns vor Ort etwas angehen.“ Also etwa saubere Ozeane und Meere, Maßnahmen zum Klimaschutz oder eben Nachhaltigkeit. Dabei liege das Beispiel Ösper nahe. Bereits 2014 ist der Abschnitt zwischen der Bremer Straße und der Brücke der B 61 renaturiert worden, auch der alte Ösperhafen zeigt sich seitdem umgestaltet. Fieselmann: „Flussaufweitungen schaffen nicht nur Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, sondern sind auch aktiver Hochwasserschutz für im Überschwemmungsgebiet der Weser liegende Teile Petershagens.“

Zuvor war das Gewässer über Jahrzehnte in ein schnurrgerades Bett eingezwängt. Fieselmann und die BUND-Ortsgruppe hatten sich früh für eine naturnahe Gestaltung eingesetzt. Das dann eingebrachte Totholz sorgte dafür, dass sich Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen bald wieder wohl fühlten.

Der ökologische Zustand der Ösper vor der Sanierung sei „nicht akzeptabel“ gewesen, sagt auch Joachim Weike, Geschäftsführer des Wasserverbands Weserniederung. Der Wasserabfluss sei gut gewesen, aber es fehlte an Lebensräumen. Betonbauwerke im Gewässer behinderten die Wanderung von Fischen und Kleinstlebewesen.

Und jetzt sind sie da: Stichlinge, Eintagsfliegen, Bachflohkrebse. Vom aktuellen Zustand hatte sich die Petershäger BUND-Gruppe vor einigen Tagen überzeugt. Zum Wesertag, der den Fluss mit zahlreichen Veranstaltungen am Sonntag, 25. August, in den Blick nehmen soll, wird die Begehung digital aufgehübscht, Leitmotiv: „Expedition am Wildbach – Wasser vor Ort und weltweit“.

Bei einer Rundtour sollen Kinder und Erwachsene hautnah erleben, welche Bedeutung Wasser für alle Lebewesen auf der Erde besitzt. Eisvogel Blaufrack und Lachs Laurine berichten aus ihren Lebensräumen und wie sie durch den Menschen verändert wurden. An zehn Stationen warten Rätsel, Aufgaben und vielfältige Informationen. Zuletzt gehe es auch darum, einen Schatz zu finden. Der aber, so Thomas Dippert vom Kreis-BUND, werde nicht verraten. Das Prinzip der Expedition fuße auf dem so genannten Geocaching, bei dem „Verstecke“ anhand geographischer Koordinaten gesucht werden. GPS- oder internetfähige Smartphones oder GPS-Geräte können mitgebracht werden.

Angesteuert werden die Stationen per digitaler Positionsbestimmung – GPS- oder internetfähige Smartphones oder GPS-Geräte können mitgebracht werden. Das Bildungsangebot, so Kornelia Fieselmann, findet in Kooperation mit dem NABU-Besucherzentrum Moorhus statt. Fieselmann: „Die Teilnehmenden erkennen, dass unser Verhalten Auswirkungen hat auf die Umwelt vor Ort, aber auch auf das Leben von Menschen und Tieren in anderen Teilen der Welt. Und sie lernen: Gemeinsam sind wir stark und können tatsächlich etwas verändern.“

Verändern wird sich übrigens auch die Ösper in Petershagen weiter – auch nach dem Abschluss des Renaturierungsprojektes, das im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt wurde und in diesem Abschnitt etwa 400.000 Euro gekostet hat. Böschungen sind bereits neu entstanden, auch Abbrüche. Noch einmal Joachim Weike: „Heute können Fische und Kleinstlebewesen den Fluss wieder passieren, ohne dass der Hochwasserschutz vernachlässigt wird. Die Artenvielfalt in Tier- und Pflanzenwelt ist größer geworden.“

Das Moorhus, mit dem der BUND bei der GPS-Schnitzeljagd kooperiert, ist Regionalzentrum in der Landeskampagne „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Zukunft lernen NRW“. Als außerschulischer Lernort fördert es nach dem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) den gesellschaftlichen Wandel in Richtung nachhaltiger Entwicklung mit den Schwerpunkten Arten-, Klima- und Ressourcenschutz, nachhaltigem Konsum und der bewussten Wahrnehmung der Natur für Gesundheit und Wohlergehen. Alles zusammen ergibt auch saubere Meere.

Information

Die Ösper-Expedition findet am Sonntag, 25. August, statt. Sie ist Teil des Wesertages 2019, beginnt um 11.15 Uhr am Ösperhafen und dauert etwa zwei Stunden. GPS- oder internetfähige Smartphones oder GPS-Geräte können für die Schatzsuche mitgebracht werden. Die Teilnahme ist kostenlos. Kontakt: Kornelia Fieselmann, BUND Petershagen, Telefon: (0 57 07) 12 42.

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PetershagenÖsper-Expedition zum Wesertag: Eisvogel statt PokémonOliver PlögerPetershagen (mt). Wenn Teilnehmer am Wesertag 2019 andauernd auf ihr Handy gucken, dann suchen sie keinesfalls die neuesten Pokéstops bei Pokémon, vielmehr interessieren sie sich für die Ökologie der Ösper. Und die ist mindestens genau so spannend, wie Kornelia Fieselmann von der BUND-Gruppe Petershagen weiß. Kinder und Erwachsene sollen erfahren, durch welche Strukturen ein fließnahes Gewässer gekennzeichnet ist und „warum die globalen Nachhaltigkeitsziele auch uns vor Ort etwas angehen.“ Also etwa saubere Ozeane und Meere, Maßnahmen zum Klimaschutz oder eben Nachhaltigkeit. Dabei liege das Beispiel Ösper nahe. Bereits 2014 ist der Abschnitt zwischen der Bremer Straße und der Brücke der B 61 renaturiert worden, auch der alte Ösperhafen zeigt sich seitdem umgestaltet. Fieselmann: „Flussaufweitungen schaffen nicht nur Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, sondern sind auch aktiver Hochwasserschutz für im Überschwemmungsgebiet der Weser liegende Teile Petershagens.“ Zuvor war das Gewässer über Jahrzehnte in ein schnurrgerades Bett eingezwängt. Fieselmann und die BUND-Ortsgruppe hatten sich früh für eine naturnahe Gestaltung eingesetzt. Das dann eingebrachte Totholz sorgte dafür, dass sich Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen bald wieder wohl fühlten. Der ökologische Zustand der Ösper vor der Sanierung sei „nicht akzeptabel“ gewesen, sagt auch Joachim Weike, Geschäftsführer des Wasserverbands Weserniederung. Der Wasserabfluss sei gut gewesen, aber es fehlte an Lebensräumen. Betonbauwerke im Gewässer behinderten die Wanderung von Fischen und Kleinstlebewesen. Und jetzt sind sie da: Stichlinge, Eintagsfliegen, Bachflohkrebse. Vom aktuellen Zustand hatte sich die Petershäger BUND-Gruppe vor einigen Tagen überzeugt. Zum Wesertag, der den Fluss mit zahlreichen Veranstaltungen am Sonntag, 25. August, in den Blick nehmen soll, wird die Begehung digital aufgehübscht, Leitmotiv: „Expedition am Wildbach – Wasser vor Ort und weltweit“. Bei einer Rundtour sollen Kinder und Erwachsene hautnah erleben, welche Bedeutung Wasser für alle Lebewesen auf der Erde besitzt. Eisvogel Blaufrack und Lachs Laurine berichten aus ihren Lebensräumen und wie sie durch den Menschen verändert wurden. An zehn Stationen warten Rätsel, Aufgaben und vielfältige Informationen. Zuletzt gehe es auch darum, einen Schatz zu finden. Der aber, so Thomas Dippert vom Kreis-BUND, werde nicht verraten. Das Prinzip der Expedition fuße auf dem so genannten Geocaching, bei dem „Verstecke“ anhand geographischer Koordinaten gesucht werden. GPS- oder internetfähige Smartphones oder GPS-Geräte können mitgebracht werden. Angesteuert werden die Stationen per digitaler Positionsbestimmung – GPS- oder internetfähige Smartphones oder GPS-Geräte können mitgebracht werden. Das Bildungsangebot, so Kornelia Fieselmann, findet in Kooperation mit dem NABU-Besucherzentrum Moorhus statt. Fieselmann: „Die Teilnehmenden erkennen, dass unser Verhalten Auswirkungen hat auf die Umwelt vor Ort, aber auch auf das Leben von Menschen und Tieren in anderen Teilen der Welt. Und sie lernen: Gemeinsam sind wir stark und können tatsächlich etwas verändern.“ Verändern wird sich übrigens auch die Ösper in Petershagen weiter – auch nach dem Abschluss des Renaturierungsprojektes, das im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt wurde und in diesem Abschnitt etwa 400.000 Euro gekostet hat. Böschungen sind bereits neu entstanden, auch Abbrüche. Noch einmal Joachim Weike: „Heute können Fische und Kleinstlebewesen den Fluss wieder passieren, ohne dass der Hochwasserschutz vernachlässigt wird. Die Artenvielfalt in Tier- und Pflanzenwelt ist größer geworden.“ Das Moorhus, mit dem der BUND bei der GPS-Schnitzeljagd kooperiert, ist Regionalzentrum in der Landeskampagne „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Zukunft lernen NRW“. Als außerschulischer Lernort fördert es nach dem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) den gesellschaftlichen Wandel in Richtung nachhaltiger Entwicklung mit den Schwerpunkten Arten-, Klima- und Ressourcenschutz, nachhaltigem Konsum und der bewussten Wahrnehmung der Natur für Gesundheit und Wohlergehen. Alles zusammen ergibt auch saubere Meere. Information Die Ösper-Expedition findet am Sonntag, 25. August, statt. Sie ist Teil des Wesertages 2019, beginnt um 11.15 Uhr am Ösperhafen und dauert etwa zwei Stunden. GPS- oder internetfähige Smartphones oder GPS-Geräte können für die Schatzsuche mitgebracht werden. Die Teilnahme ist kostenlos. Kontakt: Kornelia Fieselmann, BUND Petershagen, Telefon: (0 57 07) 12 42.