Kommentar zur Verkehrswende Petershagen: Zurück zur Kanne

Oliver Plöger

Ich erinnere mich an Zeiten, da wurden jene Züge belächelt, die „an jeder Milchkanne“ hielten. Und wer besonders lustig sein wollte, zitierte den Satz eines Hinweisschilds, das es innerhalb solcher Zugwagen gegeben haben soll: „Blumen pflücken während der Fahrt verboten.“ In den dann folgenden Jahren ging es vor allem darum, besonders rasch von A nach B zu kommen. Milchkannen hatten keine Schnitte – und überhaupt: Der Regionalexpress verströmte den leicht abgestandenen Duft der Gemächlichkeit.

Genau die könnte allerdings jetzt zu neuen Ehren kommen. Dann nämlich, wenn die Bahn wieder an jeder Milchkanne halten würde. Der Vorschlag kommt von einer soeben gegründeten Bürgerinitiative, die sich „Verkehrswende Petershagen“ nennt. Bahnsteigkanten aus alten Tagen könnten – teils mit geringen Mitteln – nutzbar gemacht werden.

Der Vorschlag ist nachvollziehbar und man fragt sich, warum Mobilitätsprobleme nicht längst auf diese Weise gelöst wurden. Die zusätzlichen Kosten beim Bremsabrieb wären zu verkraften, die Halte-Minuten in Wasserstraße, Heimsen, Windheim oder Frille würden sich relativieren.

Die Antwort kommt von der Eurobahn selbst: „Das Ganze ist sehr komplex“, hieß es dort. Verwiesen wird auf „Aufgabenträger und Politik“. Das jedoch dürfte nicht nur der Initiative schwer zu vermitteln sein. Denn eigentlich sind einfache Lösungen doch immer die Besten.

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Kommentar zur Verkehrswende Petershagen: Zurück zur KanneOliver PlögerIch erinnere mich an Zeiten, da wurden jene Züge belächelt, die „an jeder Milchkanne“ hielten. Und wer besonders lustig sein wollte, zitierte den Satz eines Hinweisschilds, das es innerhalb solcher Zugwagen gegeben haben soll: „Blumen pflücken während der Fahrt verboten.“ In den dann folgenden Jahren ging es vor allem darum, besonders rasch von A nach B zu kommen. Milchkannen hatten keine Schnitte – und überhaupt: Der Regionalexpress verströmte den leicht abgestandenen Duft der Gemächlichkeit. Genau die könnte allerdings jetzt zu neuen Ehren kommen. Dann nämlich, wenn die Bahn wieder an jeder Milchkanne halten würde. Der Vorschlag kommt von einer soeben gegründeten Bürgerinitiative, die sich „Verkehrswende Petershagen“ nennt. Bahnsteigkanten aus alten Tagen könnten – teils mit geringen Mitteln – nutzbar gemacht werden. Der Vorschlag ist nachvollziehbar und man fragt sich, warum Mobilitätsprobleme nicht längst auf diese Weise gelöst wurden. Die zusätzlichen Kosten beim Bremsabrieb wären zu verkraften, die Halte-Minuten in Wasserstraße, Heimsen, Windheim oder Frille würden sich relativieren. Die Antwort kommt von der Eurobahn selbst: „Das Ganze ist sehr komplex“, hieß es dort. Verwiesen wird auf „Aufgabenträger und Politik“. Das jedoch dürfte nicht nur der Initiative schwer zu vermitteln sein. Denn eigentlich sind einfache Lösungen doch immer die Besten.