Jössen

Geflügelhalterin Anne Korte will beste Landwirtin werden

Claudia Hyna

Anne Christine Korte setzt auf Putenhaltung ohne Antibiotika. Damit möchte sie auch die Jury des Ceres Award überzeugen. MT- - © Foto: Alex Lehn
Anne Christine Korte setzt auf Putenhaltung ohne Antibiotika. Damit möchte sie auch die Jury des Ceres Award überzeugen. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Petershagen-Jössen (mt). Die Geflügelhalterin Anne Korte hat sich für den Ceres-Award qualifiziert. Diese Auszeichnung erhalten Landwirte, die Außergewöhnliches leisten und dabei nachhaltig Verantwortung für Mitmenschen, Tiere und Umwelt übernehmen. Falls sie gewinnt, ist das Preisgeld von 10.000 Euro gut angelegt: Damit möchte Korte zum einen ein „Grünes Klassenzimmer“ auf dem Hof in Jössen einrichten, ein Teil soll dem Deutschen Jagdverband für ein Projekt mit Schulklassen gespendet werden.

Die Geflügelhalterin aus Jössen zählt zu den 33 besten Landwirten im deutschsprachigen Raum. Aber darauf will sie sich nicht ausruhen. Der Hof, das ist ein ständiger Prozess – und das könne man ruhig sehen. Sie sei jetzt an einem Punkt angelangt, wo sie entweder den Betrieb erweitern könne oder auf eine andere Schiene setzen wolle. Geplant sind zwei E-Tankstellen. Damit können nicht nur die eigenen Elektroautos, sondern auch die anderer umweltbewusster Autofahrer betankt werden. Es bleibt also spannend, wie die Geschichte der Hofstätte weiter geht.

Genauso spannend ist die Frage, ob Anne Korte die beste Landwirtin wird. Das zeigt sich erst am 16. Oktober in Berlin, wenn der Award vergeben wird. Was sie bei der Bewerbung antreibt: „Mir ist es wichtig zu zeigen, wie vielfältig die Landwirtschaft ist“, sagt die 32-Jährige. Damit steht sie in einer langen Tradition. Denn bereits seit dem 17. Jahrhundert lebt die Familie Korte nachweislich auf der Hofstätte Jössen 7, heute Kronsbrink 1. Seitdem wurde der Hof von Generation zu Generation weitergegeben.

Ihre Vorfahren würden sich allerdings wundern, wie sich die Hofstätte heute präsentiert. Den Betrieb, so wie er heute ist, haben die Eltern Hedda und Wilhelm aufgebaut. Angefangen haben sie in den 90er Jahren mit 5.000 Puten in konventioneller Haltung. Doch ihre Mutter konnte sich nicht mit der Gabe von Antibiotika abfinden. Da kam der Vorschlag der Tierärztin: „Warum versucht ihr es nicht homöopathisch?“ gerade recht. Seit 1995 läuft der Betrieb antibiotikafrei. „Statt Krankheiten zu bekämpfen, stärken wir das Immunsystem der Tiere“, so die Landwirtin. Das bedeute zum einen, dass die Tierärztin alle zwei Tage schaut, wie es den Tieren geht. „Ohne sie wäre eine solche Haltung nicht möglich.“ Die naturheilkundlichen Mittel nehmen die Puten mit dem Trinkwasser auf. Im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der Tiere auf 9.000, diese werden in vier bis fünf Herden gehalten.

Dass sie in den elterlichen Betrieb einsteigen würde, war nicht immer klar. Nach dem Abitur am Gymnasium Petershagen machte Anne Korte eine hauswirtschaftliche Ausbildung im elterlichen Betrieb. Anschließend studierte sie vier Jahre Ernährungs- und Versorgungsmanagement in Mittelfranken. Und dann ging sie doch zurück, das Bauchgefühl zog sie wieder nach Jössen. Rückblickend war es die richtige Entscheidung, denn hier hat sie ihre Berufung gefunden. Gemeinsam mit den Eltern und 30 Mitarbeitern managt sie das Unternehmen. Den Hauptteil des Tages verbringt sie im Büro, ihre Mutter Hedda ist im Verkauf und in der Schlachterei, ihr Vater Wilhelm in der Landwirtschaft (im Ackerbau und in den Putenställen) tätig.

Der Vertrieb ist kurz und direkt. Ein Großteil gelangt in die Auslage von Heddas Bauernladen am Kapellenort in Jössen. Daneben beliefert der Hof Korte 17 Wochenmärkte in der Region, vor allem auch in Niedersachsen. Momentan wird weniger geschlachtet als sonst, denn bei den hohen Temperaturen kaufen die Verbraucher weniger Fleisch. Die Hennen sind einen halben bis einen Tag alt, wenn sie auf den Hof in Jössen kommen. Alle acht Wochen gibt es neue Küken, die bei 36 Grad Nestwärme aufwachsen.

Die Puten werden nicht nicht wie in der konventionellen Haltung nach 16, sondern nach 17 bis 25 Wochen geschlachtet. Dann bringen sie rund zehn bis zwölf Kilo auf die Waage. Bei ihnen gebe es andere Maßstäbe, hier sei vieles noch Handarbeit. Um das zu verdeutlichen: „Was wir im Jahr schlachten, schlachten Großbetriebe in vier Stunden.“ Die Kunden geben den höheren Preis, den die aufwendige Haltung mit sich bringt, gerne aus: Sie sagen, man schmeckt es.

Der Arbeitstag von Anne Korte hat viele Stunden, er geht frühmorgens los und endet erst gegen 19 Uhr. Auch an den Wochenenden ist immer was zu tun. „Frei ist eine Definitionssache“, sagt sie. Momentan wohnt sie nicht auf dem Hof, das soll sich aber ändern. Demnächst baut sie das Haupthaus für sich um. So sind auf dem Anwesen überall Spuren von Bauarbeiten zu finden, ein Teil des Grundstücks wird gepflastert für die Verkaufswagen.

Wenn die Jury kommt, finden die kritischen Augen auf keinen Fall die perfekte Ordnung vor, das macht Anne Korte klar. „Je mehr man sich vorbereitet, um so unnatürlicher sieht es aus“, meint sie gelassen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

9 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

JössenGeflügelhalterin Anne Korte will beste Landwirtin werdenClaudia HynaPetershagen-Jössen (mt). Die Geflügelhalterin Anne Korte hat sich für den Ceres-Award qualifiziert. Diese Auszeichnung erhalten Landwirte, die Außergewöhnliches leisten und dabei nachhaltig Verantwortung für Mitmenschen, Tiere und Umwelt übernehmen. Falls sie gewinnt, ist das Preisgeld von 10.000 Euro gut angelegt: Damit möchte Korte zum einen ein „Grünes Klassenzimmer“ auf dem Hof in Jössen einrichten, ein Teil soll dem Deutschen Jagdverband für ein Projekt mit Schulklassen gespendet werden. Die Geflügelhalterin aus Jössen zählt zu den 33 besten Landwirten im deutschsprachigen Raum. Aber darauf will sie sich nicht ausruhen. Der Hof, das ist ein ständiger Prozess – und das könne man ruhig sehen. Sie sei jetzt an einem Punkt angelangt, wo sie entweder den Betrieb erweitern könne oder auf eine andere Schiene setzen wolle. Geplant sind zwei E-Tankstellen. Damit können nicht nur die eigenen Elektroautos, sondern auch die anderer umweltbewusster Autofahrer betankt werden. Es bleibt also spannend, wie die Geschichte der Hofstätte weiter geht. Genauso spannend ist die Frage, ob Anne Korte die beste Landwirtin wird. Das zeigt sich erst am 16. Oktober in Berlin, wenn der Award vergeben wird. Was sie bei der Bewerbung antreibt: „Mir ist es wichtig zu zeigen, wie vielfältig die Landwirtschaft ist“, sagt die 32-Jährige. Damit steht sie in einer langen Tradition. Denn bereits seit dem 17. Jahrhundert lebt die Familie Korte nachweislich auf der Hofstätte Jössen 7, heute Kronsbrink 1. Seitdem wurde der Hof von Generation zu Generation weitergegeben. Ihre Vorfahren würden sich allerdings wundern, wie sich die Hofstätte heute präsentiert. Den Betrieb, so wie er heute ist, haben die Eltern Hedda und Wilhelm aufgebaut. Angefangen haben sie in den 90er Jahren mit 5.000 Puten in konventioneller Haltung. Doch ihre Mutter konnte sich nicht mit der Gabe von Antibiotika abfinden. Da kam der Vorschlag der Tierärztin: „Warum versucht ihr es nicht homöopathisch?“ gerade recht. Seit 1995 läuft der Betrieb antibiotikafrei. „Statt Krankheiten zu bekämpfen, stärken wir das Immunsystem der Tiere“, so die Landwirtin. Das bedeute zum einen, dass die Tierärztin alle zwei Tage schaut, wie es den Tieren geht. „Ohne sie wäre eine solche Haltung nicht möglich.“ Die naturheilkundlichen Mittel nehmen die Puten mit dem Trinkwasser auf. Im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der Tiere auf 9.000, diese werden in vier bis fünf Herden gehalten. Dass sie in den elterlichen Betrieb einsteigen würde, war nicht immer klar. Nach dem Abitur am Gymnasium Petershagen machte Anne Korte eine hauswirtschaftliche Ausbildung im elterlichen Betrieb. Anschließend studierte sie vier Jahre Ernährungs- und Versorgungsmanagement in Mittelfranken. Und dann ging sie doch zurück, das Bauchgefühl zog sie wieder nach Jössen. Rückblickend war es die richtige Entscheidung, denn hier hat sie ihre Berufung gefunden. Gemeinsam mit den Eltern und 30 Mitarbeitern managt sie das Unternehmen. Den Hauptteil des Tages verbringt sie im Büro, ihre Mutter Hedda ist im Verkauf und in der Schlachterei, ihr Vater Wilhelm in der Landwirtschaft (im Ackerbau und in den Putenställen) tätig. Der Vertrieb ist kurz und direkt. Ein Großteil gelangt in die Auslage von Heddas Bauernladen am Kapellenort in Jössen. Daneben beliefert der Hof Korte 17 Wochenmärkte in der Region, vor allem auch in Niedersachsen. Momentan wird weniger geschlachtet als sonst, denn bei den hohen Temperaturen kaufen die Verbraucher weniger Fleisch. Die Hennen sind einen halben bis einen Tag alt, wenn sie auf den Hof in Jössen kommen. Alle acht Wochen gibt es neue Küken, die bei 36 Grad Nestwärme aufwachsen. Die Puten werden nicht nicht wie in der konventionellen Haltung nach 16, sondern nach 17 bis 25 Wochen geschlachtet. Dann bringen sie rund zehn bis zwölf Kilo auf die Waage. Bei ihnen gebe es andere Maßstäbe, hier sei vieles noch Handarbeit. Um das zu verdeutlichen: „Was wir im Jahr schlachten, schlachten Großbetriebe in vier Stunden.“ Die Kunden geben den höheren Preis, den die aufwendige Haltung mit sich bringt, gerne aus: Sie sagen, man schmeckt es. Der Arbeitstag von Anne Korte hat viele Stunden, er geht frühmorgens los und endet erst gegen 19 Uhr. Auch an den Wochenenden ist immer was zu tun. „Frei ist eine Definitionssache“, sagt sie. Momentan wohnt sie nicht auf dem Hof, das soll sich aber ändern. Demnächst baut sie das Haupthaus für sich um. So sind auf dem Anwesen überall Spuren von Bauarbeiten zu finden, ein Teil des Grundstücks wird gepflastert für die Verkaufswagen. Wenn die Jury kommt, finden die kritischen Augen auf keinen Fall die perfekte Ordnung vor, das macht Anne Korte klar. „Je mehr man sich vorbereitet, um so unnatürlicher sieht es aus“, meint sie gelassen.