Ovenstädt

Verbindung zwischen Sigwardsweg und Glashütte Gernheim

Ulrich Westermann

Kleine Tafeln weisen auf den Verlauf des Sigwardswegs hin.
Kleine Tafeln weisen auf den Verlauf des Sigwardswegs hin.

Petershagen-Ovenstädt (Wes). Zwischen dem Sigwardsweg und der Glashütte Gernheim des Westfälischen Landesmuseums für Industriekultur besteht seit Pfingstsamstag eine direkte Verbindung. Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus, Evelyn Hotze (Wirtschaftsförderung und Tourismus der Stadt Petershagen) und der Ovenstädter Ortsbürgermeister Wolfgang Koopmann eröffneten ihn am Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe. Bei der Freigabe lösten sie symbolisch ein Band.

Unter dem Motto „Glas kennt viele Sprachen" fanden auf dem Museumsgelände verschiedensprachige Führungen statt. Für Informationen auf Türkisch im Bereich der Glasherstellung sorgte Rejwan Toplu. Weitere Vorträge hielten Michael Hiller (Englisch), Lina Pris (Russisch) und Katharina Koch (Plattdeutsch und Französisch).

Zwischen dem Sigwardsweg und dem alten Fabrikantenwohnhaus der Glashütte Gernheim besteht nun eine direkte Verbindung. Dr. Katrin Holthaus (r.), Evelyn Hotze und Wolfgang Koopmann lösten symbolisch ein Band und gaben den Weg frei. Fotos: Ulrich Westermann
Zwischen dem Sigwardsweg und dem alten Fabrikantenwohnhaus der Glashütte Gernheim besteht nun eine direkte Verbindung. Dr. Katrin Holthaus (r.), Evelyn Hotze und Wolfgang Koopmann lösten symbolisch ein Band und gaben den Weg frei. Fotos: Ulrich Westermann

Bisher standen die Pilger auf dem Sigwardsweg, der vom Marschweg östlich des Friedhofs durch das Wäldchen „Ovenstädter Hang" führt, in Höhe des Gernheimer Herrenhausgartens vor einem verschlossen Tor. Um ihren Weg fortsetzen zu können, mussten sie eine Treppe benutzen. Auch von dort war der Besuch der restaurierten Gernheimer Fabrikdorf-Stationen möglich, allerdings nur über einen Umweg.

Nach der nun erfolgten Anbindung wird das ehemalige Herrenhaus mit seiner ideenreich gestalteten Grünanlage über eine gepflasterte Fläche und weniger als 20 Treppenstufen erreicht. Dr. Katrin Holthaus freute sich über die Fertigstellung dieses „Stichwegs" und wies darauf hin, dass in Kürze auch eine Informationstafel aufgestellt werde. „Diese neue Verbindung kann zu unseren Öffnungszeiten genutzt werden. Das ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Montags haben wir außer an Feiertagen geschlossen."

Auf die Informationsschriften zum Pilgerweg ging Evelyn Hotze ein. Dazu gehörten eine Karte mit dem Streckenverlauf des Sigwardswegs über 170 Kilometer zwischen der ehemaligen Bischofsstadt Minden und der Ortschaft Idensen in der Nähe des Steinhuder Meers, das Kulturpäckchen für Nordrhein-Westfalen und die Museumskarte der Stadt Petershagen. In den Textbeiträgen seien Einzelheiten über die Glashütte Gernheim, das Stadtarchiv Petershagen, die Ilser Webstube, das Heringsfängermuseum Heimsen, den Mühlenbauhof Frille, das Westfälische Storchenmuseum in Windheim, die alte Synagoge in Petershagen und die Weserfähre Petra Solara zu erfahren, führte sie weiter aus.

Um das Leben der Glasmacher und ihrer Familien sowie die Gebäude des Museumsdorfs ging es bei einem Rundgang in plattdeutscher Sprache mit der Ovenstädter Ortsheimatpflegerin und Gernheim-Mitarbeiterin Katharina Koch. Stationen waren die frühere Korbflechterei, ein altes Arbeiterhaus, der Lagerschuppen, der Glasturm und die Schleiferei. Passend dazu hieß sie einige Teilnehmerinnen willkommen: „Leive Beseuker, zu düsser Führung well ik jau begreuten".

Ein Thema war die Verpackung. „Die Glashütte Gernheim hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Produktion aufgenommen. Vor dem Transport des Glases mit Fuhrwerken oder Schiffen wurde es zum Schutz in Heu und Stroh eingewickelt. Für die Verpackung standen Weidenkörbe, Holzkisten, Säcke, Fässer und Kiepen zur Verfügung", berichtete Katharina Koch. Zudem ging es in ihrem Vortrag um das Wohnen in der Glasfabrik und den Alltag der Glasmacher.

Sie wies darauf hin, dass der Fabrikant Fritz Schrader zwischen 1812 und 1829 über 30 Arbeiterwohnungen in Gernheim einrichten ließ. Zahlreiche Glasmacherfamilien hätten zusätzlich Gartenland zur Selbstversorgung erhalten. „Nördlich des Tafelturms hatte ein Wirtshaus mit Kramladen seinen Platz. Dort gab es unter anderem Tabak und Seife."

Die Besucher nutzten die Gelegenheit, bei ihrem Rundgang ein „Dunkelzimmer" der Gernheimer Produktionsjahre zu besichtigen. Dieser Raum, in dem es auch tagsüber stets Dämmerlicht gab, erleichterte den Glasmachern das Einschlafen, nachdem sie in der Nacht vor dem gleißenden Feuerloch des Schmelzofens zu tun hatten.

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OvenstädtVerbindung zwischen Sigwardsweg und Glashütte GernheimUlrich WestermannPetershagen-Ovenstädt (Wes). Zwischen dem Sigwardsweg und der Glashütte Gernheim des Westfälischen Landesmuseums für Industriekultur besteht seit Pfingstsamstag eine direkte Verbindung. Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus, Evelyn Hotze (Wirtschaftsförderung und Tourismus der Stadt Petershagen) und der Ovenstädter Ortsbürgermeister Wolfgang Koopmann eröffneten ihn am Tag der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe. Bei der Freigabe lösten sie symbolisch ein Band. Unter dem Motto „Glas kennt viele Sprachen" fanden auf dem Museumsgelände verschiedensprachige Führungen statt. Für Informationen auf Türkisch im Bereich der Glasherstellung sorgte Rejwan Toplu. Weitere Vorträge hielten Michael Hiller (Englisch), Lina Pris (Russisch) und Katharina Koch (Plattdeutsch und Französisch). Bisher standen die Pilger auf dem Sigwardsweg, der vom Marschweg östlich des Friedhofs durch das Wäldchen „Ovenstädter Hang" führt, in Höhe des Gernheimer Herrenhausgartens vor einem verschlossen Tor. Um ihren Weg fortsetzen zu können, mussten sie eine Treppe benutzen. Auch von dort war der Besuch der restaurierten Gernheimer Fabrikdorf-Stationen möglich, allerdings nur über einen Umweg. Nach der nun erfolgten Anbindung wird das ehemalige Herrenhaus mit seiner ideenreich gestalteten Grünanlage über eine gepflasterte Fläche und weniger als 20 Treppenstufen erreicht. Dr. Katrin Holthaus freute sich über die Fertigstellung dieses „Stichwegs" und wies darauf hin, dass in Kürze auch eine Informationstafel aufgestellt werde. „Diese neue Verbindung kann zu unseren Öffnungszeiten genutzt werden. Das ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Montags haben wir außer an Feiertagen geschlossen." Auf die Informationsschriften zum Pilgerweg ging Evelyn Hotze ein. Dazu gehörten eine Karte mit dem Streckenverlauf des Sigwardswegs über 170 Kilometer zwischen der ehemaligen Bischofsstadt Minden und der Ortschaft Idensen in der Nähe des Steinhuder Meers, das Kulturpäckchen für Nordrhein-Westfalen und die Museumskarte der Stadt Petershagen. In den Textbeiträgen seien Einzelheiten über die Glashütte Gernheim, das Stadtarchiv Petershagen, die Ilser Webstube, das Heringsfängermuseum Heimsen, den Mühlenbauhof Frille, das Westfälische Storchenmuseum in Windheim, die alte Synagoge in Petershagen und die Weserfähre Petra Solara zu erfahren, führte sie weiter aus. Um das Leben der Glasmacher und ihrer Familien sowie die Gebäude des Museumsdorfs ging es bei einem Rundgang in plattdeutscher Sprache mit der Ovenstädter Ortsheimatpflegerin und Gernheim-Mitarbeiterin Katharina Koch. Stationen waren die frühere Korbflechterei, ein altes Arbeiterhaus, der Lagerschuppen, der Glasturm und die Schleiferei. Passend dazu hieß sie einige Teilnehmerinnen willkommen: „Leive Beseuker, zu düsser Führung well ik jau begreuten". Ein Thema war die Verpackung. „Die Glashütte Gernheim hat zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Produktion aufgenommen. Vor dem Transport des Glases mit Fuhrwerken oder Schiffen wurde es zum Schutz in Heu und Stroh eingewickelt. Für die Verpackung standen Weidenkörbe, Holzkisten, Säcke, Fässer und Kiepen zur Verfügung", berichtete Katharina Koch. Zudem ging es in ihrem Vortrag um das Wohnen in der Glasfabrik und den Alltag der Glasmacher. Sie wies darauf hin, dass der Fabrikant Fritz Schrader zwischen 1812 und 1829 über 30 Arbeiterwohnungen in Gernheim einrichten ließ. Zahlreiche Glasmacherfamilien hätten zusätzlich Gartenland zur Selbstversorgung erhalten. „Nördlich des Tafelturms hatte ein Wirtshaus mit Kramladen seinen Platz. Dort gab es unter anderem Tabak und Seife." Die Besucher nutzten die Gelegenheit, bei ihrem Rundgang ein „Dunkelzimmer" der Gernheimer Produktionsjahre zu besichtigen. Dieser Raum, in dem es auch tagsüber stets Dämmerlicht gab, erleichterte den Glasmachern das Einschlafen, nachdem sie in der Nacht vor dem gleißenden Feuerloch des Schmelzofens zu tun hatten.