Petershagen/Bielefeld

Blaulicht-Prozess: Kaufte Marcel B. die Sirene wirklich nur fürs Twingo-Treffen?

Nadine Schwan

Bei dem Unfall auf der B 482 in Petershagen im Mai 2016 mit vier Toten landete der Twingo von Marcel B. auf dem Dach. MT-Foto: Schwan/Archiv - © Schwan,Nadine
Bei dem Unfall auf der B 482 in Petershagen im Mai 2016 mit vier Toten landete der Twingo von Marcel B. auf dem Dach. MT-Foto: Schwan/Archiv (© Schwan,Nadine)

Petershagen/Bielefeld (mt). Gab es das Twingo-Treffen in Hamm wirklich? Wer ist der zweite Kevin, der Marcel B. in den Sozialen Netzwerken anschrieb? Und wären die Insassen im BMW in der Nacht auf den 26. Mai 2016 auch gestorben, wenn die Lkw-Fahrerin nur 60 Kilometer pro Stunde gefahren wäre statt 69? Im Berufungsverfahren im „Blaulicht-Prozess“ sieht es derzeit nicht so aus, als würde es bald zu einem Urteil kommen. Ganz im Gegenteil: Möglicherweise zieht sich der Prozess noch bis in den Sommer.

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Der Verteidiger des Hauptangeklagten Marcel B., Raban Funk, ließ am Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld mit seinen vielen detailreichen Fragen an den Dekra-Sachverständigen Sven Knollmann durchblicken, dass er wahrscheinlich noch ein zweites Gutachten einholen lassen wird. Dafür würde allerdings noch einmal ein neuer Experte gebraucht – ein Biomechaniker.

Raban Funk will wissen: Wie hätten die Verletzungen der beim Unfall auf der B 482 gestorbenen vier libanesischen Männer ausgesehen, wenn die Lkw-Fahrerin neun Kilometer pro Stunde langsamer gewesen wäre? Tempo 60 wäre an dieser Stelle für sie erlaubt gewesen, ihr Tempomat war jedoch auf 69 Kilometer pro Stunde eingestellt. Dann nämlich hätten sich die Geschwindigkeiten, mit denen die beiden Fahrzeuge – der BMW und der Lkw – aufeinander getroffen sind, verringert. Im Falle des Lastwagens von 40 auf 27 km/h und im Falle des BMW von 37 auf 15 km/h. Auch die Stelle des Zusammenpralls wäre eine andere gewesen, wie der Sachverständige Knollmann vor Gericht berichtete. Der Lkw hätte den BMW weiter hinten am Heck getroffen.

„Wären die Verletzungen auch tödlich gewesen?“, wollte Funk wissen. Knollmann konnte darauf nicht antworten. Er sei nur auf Kraftfahrzeuge spezialisiert, nicht auf die genauen Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Ihm stimmte Klaus Ripken zu, der als zweiter Sachverständiger ein Gutachten zu dem Fall erstellte. Möglich sei es aber, dies zu berechnen, so Ripken. Rechtsanwalt Raban Funk stellte anschließend viele Fragen aus der Kategorie „Was-wäre-wenn“. Dabei ging es um Reaktionssekunden, mögliche Berührungspunkte und Abstände der beteiligten Fahrzeuge, Zeitfenster sowie Sichtweiten. Ob die Verteidiger hier wirklich noch einmal ein Gutachten anfordern, das insbesondere die Verletzungen der Männer im BMW bewertet, verriet Funk nicht. Einige der Prozessbeteiligten gehen aber davon aus, besonders weil die Verteidiger nicht akzeptieren wollen, dass der Geschwindigkeitsverstoß der Lkw-Fahrerin nur nebensächlich betrachtet wird.

Konkrete Antworten gab es dieses Mal aber auch. Zum Beispiel auf die Frage, ob das Blaulicht während des tödlichen Unfalls aus dem Fenster gehalten wurde oder nicht. Sie heißt: Eher nein. In einem Ergänzungsgutachten, das nachträglich erstellt wurde, wurde das Innere der Beifahrertür noch einmal genauer auf Glassplitter untersucht. Wäre die Scheibe offen gewesen, was für das Heraushalten des Blaulichts entscheidend gewesen wäre, weil es nicht allein auf dem Dach hielt, hätten sich mehr Glassplitter im Zwischenraum der Tür befunden. Das war nicht der Fall, wie Knollmann mitteilte. „Es sieht danach aus, dass die Beifahrerscheibe geschlossen war.“

Außerdem fertigte Knollmann ein Video von der Unfallstelle an, um zu überprüfen ob das Licht der Lkw-Fahrerin nicht hätte eher erkannt werden müssen und wie die Sichtverhältnisse dort sind. Laut dem Sachverständigen hätte Marcel B. die Kurve einsehen können, allerdings nicht besonders deutlich, weil Bäume die Sicht auf die langgezogene Rechtskurve erschweren.

Neben dem Sachverständigen Knollmann, beantwortete dieses Mal auch Marcel B. viele Fragen. In erster Instanz hatte er bisher geschwiegen.

Er berichtete, wie er seinen Mitfahrer Kevin G. kennenlernte und wie der Tag, der sein Leben veränderte, aus seiner Erinnerung abgelaufen sei. Marcel B. und Kevin G. kannten sich demnach über einen im Sterben liegenden Freund, den sie mehrfach im Krankenhaus in Hannover besuchten. Später sei der Freund an Krebs zu Hause gestorben. B. und G. waren dann eher flüchtige Bekannte, die, wie Richter Johannes Wiemann sagte, aus dem „gleichen Kaff“ kämen. Vielleicht waren B. und G. ein- oder zweimal feiern, so genau erinnere sich Marcel B. nicht mehr. Jedenfalls trafen sich die jungen Männer am Vormittag des 25. Mai 2016, dem Tag vor Fronleichnam.

Marcel B. fuhr zu Kevin G. um mit ihm seine im Internet bestellte Sirene in den blauen Twingo einzubauen. Marcel B., der eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abgeschlossen hatte, sei nicht besonders firm auf dem Gebiet der Elektrotechnik gewesen und hätte gehört, Kevin G. sei darin geschickt. Zusammen bauten sie die Sirene ein, was laut B. nicht richtig gelang. Es qualmte, also klemmten die Männer die Sirene wieder ab. Sie soll laut B. an dem Tag nicht im Einsatz gewesen sein. Laut Kevin G. habe sie allerdings funktioniert, wenn auch mit Wackelkontakt.

Nach dem Einbau sei Marcel B. nach Hause gefahren, hätte geduscht und Mittag gegessen. Dann sei er wieder zu Kevin G. gefahren, um mit ihm gemeinsam durch die Gegend zu fahren. Dabei sind die Männer an der ehemaligen Arbeitsstätte von Marcel B. in Raderhorst vorbei gekommen und seien dann über die B 482 hoch zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal gefahren.

Kevin G. soll dann die Idee gehabt haben, zu einem Treffen der Tuningszene in die Tiefgarage des Wez-Marktes in Hausberge zu fahren. Dort drehten sie eine Runde mit Blaulicht und fuhren zurück Richtung Nienburg. Unterwegs setzen sie das Blaulicht noch zweimal ein – einmal, um einen Moped-Fahrer zu überholen und dann auf der B 482, als sie auf den Golf der libanesischen Familie trafen, die wenig später ihre Verwandten tot aus dem BMW zog.

Besonders die Frage, warum Marcel B. sich Blaulicht und Sirenen im Internet bestellte, sorgte für Aufregung im Gericht. Zitat der Nebenklage: „Er soll mir erstmal den Blödsinn erklären.“ Rechtsanwalt Funk hielt die Frage für nicht nötig, sein Mandant hätte sie bereits mehrfach beantwortet. Er wollte damit laut eigenen Aussagen auf einem Twingo-Treffen Aufsehen erregen. Die Nebenkläger-Anwälte wollten das nicht ganz glauben und bohrten nach: War das wirklich der Grund? Marcel B. erklärte, er hätte von dem Treffen, was in „Hamm bei Köln“ etwa zwei bis vier Wochen nach dem tödlichen Unfall stattfinden sollte, gehört – von einer „Person, die sich mal bei mir gemeldet hatte“. Möglicherweise schrieb diese Person, die auch Kevin heißen soll – einen Nachnamen kennt Marcel B. nicht – ihn über Facebook an und erzählte von dem Twingo-Treffen. Vielleicht war es aber auch über Instagram?

Marcel B. war angetan und besorgte sich dann die Teile, um seinen mit grünen Applikationen verzierten Twingo aufzumotzen. Vorab wollte er alle Teile einbauen und testen. Das Blaulicht probierte er zuvor einmal bei nicht laufenden Motor auf einem Feldweg aus und dann später laut seinen Aussaugen dreimal im Straßenverkehr. Immer ein bisschen mit der Angst im Nacken, erwischt zu werden.

Der Prozess wird am 31. Mai fortgesetzt, geplant sind dann die Plädoyers der Verteidiger, Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Das Urteil soll voraussichtlich am 11. Juni fallen, wenn nicht noch ein neuer Beweisantrag gestellt wird.

Um was geht es?

Marcel B. und Kevin G. haben am 25. Mai 2016 durch ein riskantes Überholmanöver auf der B 482 in Petershagen einen Unfall mit vier Toten verursacht. Bei dem Unfall prallte ein BMW einer libanesischen Familie mit einem Lkw zusammen, ein Insasse im BMW überlebte. Zuvor fielen die beiden jungen Männer durch den Gebrauch eines illegalen Blaulichtes auf.

Fahrer Marcel B. und Beifahrer Kevin G. (beide 26) wurden im Februar 2018 bereits vor dem Mindener Amtsgericht verurteilt – B. zu vier Jahren und G. zu einem Jahr und acht Monaten.

Der „Blaulicht-Prozess“ wird nun – ein Jahr später – am Landgericht Bielefeld neu aufgerollt, weil die Verteidiger der Angeklagten Berufung eingelegt haben. Mit der Härte der Strafe und einigen Sachverhalten, wie dem Tempo-Verstoß der beteiligten Lkw-Fahrerin, sind die Verteidiger Mirko Roßkamp und Raban Funk nicht einverstanden.

Alle Berichte zum Blaulichtprozess finden Sie hier.

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Petershagen/BielefeldBlaulicht-Prozess: Kaufte Marcel B. die Sirene wirklich nur fürs Twingo-Treffen?Nadine SchwanPetershagen/Bielefeld (mt). Gab es das Twingo-Treffen in Hamm wirklich? Wer ist der zweite Kevin, der Marcel B. in den Sozialen Netzwerken anschrieb? Und wären die Insassen im BMW in der Nacht auf den 26. Mai 2016 auch gestorben, wenn die Lkw-Fahrerin nur 60 Kilometer pro Stunde gefahren wäre statt 69? Im Berufungsverfahren im „Blaulicht-Prozess“ sieht es derzeit nicht so aus, als würde es bald zu einem Urteil kommen. Ganz im Gegenteil: Möglicherweise zieht sich der Prozess noch bis in den Sommer. Der Verteidiger des Hauptangeklagten Marcel B., Raban Funk, ließ am Donnerstag vor dem Landgericht Bielefeld mit seinen vielen detailreichen Fragen an den Dekra-Sachverständigen Sven Knollmann durchblicken, dass er wahrscheinlich noch ein zweites Gutachten einholen lassen wird. Dafür würde allerdings noch einmal ein neuer Experte gebraucht – ein Biomechaniker. Raban Funk will wissen: Wie hätten die Verletzungen der beim Unfall auf der B 482 gestorbenen vier libanesischen Männer ausgesehen, wenn die Lkw-Fahrerin neun Kilometer pro Stunde langsamer gewesen wäre? Tempo 60 wäre an dieser Stelle für sie erlaubt gewesen, ihr Tempomat war jedoch auf 69 Kilometer pro Stunde eingestellt. Dann nämlich hätten sich die Geschwindigkeiten, mit denen die beiden Fahrzeuge – der BMW und der Lkw – aufeinander getroffen sind, verringert. Im Falle des Lastwagens von 40 auf 27 km/h und im Falle des BMW von 37 auf 15 km/h. Auch die Stelle des Zusammenpralls wäre eine andere gewesen, wie der Sachverständige Knollmann vor Gericht berichtete. Der Lkw hätte den BMW weiter hinten am Heck getroffen. „Wären die Verletzungen auch tödlich gewesen?“, wollte Funk wissen. Knollmann konnte darauf nicht antworten. Er sei nur auf Kraftfahrzeuge spezialisiert, nicht auf die genauen Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Ihm stimmte Klaus Ripken zu, der als zweiter Sachverständiger ein Gutachten zu dem Fall erstellte. Möglich sei es aber, dies zu berechnen, so Ripken. Rechtsanwalt Raban Funk stellte anschließend viele Fragen aus der Kategorie „Was-wäre-wenn“. Dabei ging es um Reaktionssekunden, mögliche Berührungspunkte und Abstände der beteiligten Fahrzeuge, Zeitfenster sowie Sichtweiten. Ob die Verteidiger hier wirklich noch einmal ein Gutachten anfordern, das insbesondere die Verletzungen der Männer im BMW bewertet, verriet Funk nicht. Einige der Prozessbeteiligten gehen aber davon aus, besonders weil die Verteidiger nicht akzeptieren wollen, dass der Geschwindigkeitsverstoß der Lkw-Fahrerin nur nebensächlich betrachtet wird. Konkrete Antworten gab es dieses Mal aber auch. Zum Beispiel auf die Frage, ob das Blaulicht während des tödlichen Unfalls aus dem Fenster gehalten wurde oder nicht. Sie heißt: Eher nein. In einem Ergänzungsgutachten, das nachträglich erstellt wurde, wurde das Innere der Beifahrertür noch einmal genauer auf Glassplitter untersucht. Wäre die Scheibe offen gewesen, was für das Heraushalten des Blaulichts entscheidend gewesen wäre, weil es nicht allein auf dem Dach hielt, hätten sich mehr Glassplitter im Zwischenraum der Tür befunden. Das war nicht der Fall, wie Knollmann mitteilte. „Es sieht danach aus, dass die Beifahrerscheibe geschlossen war.“ Außerdem fertigte Knollmann ein Video von der Unfallstelle an, um zu überprüfen ob das Licht der Lkw-Fahrerin nicht hätte eher erkannt werden müssen und wie die Sichtverhältnisse dort sind. Laut dem Sachverständigen hätte Marcel B. die Kurve einsehen können, allerdings nicht besonders deutlich, weil Bäume die Sicht auf die langgezogene Rechtskurve erschweren. Neben dem Sachverständigen Knollmann, beantwortete dieses Mal auch Marcel B. viele Fragen. In erster Instanz hatte er bisher geschwiegen. Er berichtete, wie er seinen Mitfahrer Kevin G. kennenlernte und wie der Tag, der sein Leben veränderte, aus seiner Erinnerung abgelaufen sei. Marcel B. und Kevin G. kannten sich demnach über einen im Sterben liegenden Freund, den sie mehrfach im Krankenhaus in Hannover besuchten. Später sei der Freund an Krebs zu Hause gestorben. B. und G. waren dann eher flüchtige Bekannte, die, wie Richter Johannes Wiemann sagte, aus dem „gleichen Kaff“ kämen. Vielleicht waren B. und G. ein- oder zweimal feiern, so genau erinnere sich Marcel B. nicht mehr. Jedenfalls trafen sich die jungen Männer am Vormittag des 25. Mai 2016, dem Tag vor Fronleichnam. Marcel B. fuhr zu Kevin G. um mit ihm seine im Internet bestellte Sirene in den blauen Twingo einzubauen. Marcel B., der eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abgeschlossen hatte, sei nicht besonders firm auf dem Gebiet der Elektrotechnik gewesen und hätte gehört, Kevin G. sei darin geschickt. Zusammen bauten sie die Sirene ein, was laut B. nicht richtig gelang. Es qualmte, also klemmten die Männer die Sirene wieder ab. Sie soll laut B. an dem Tag nicht im Einsatz gewesen sein. Laut Kevin G. habe sie allerdings funktioniert, wenn auch mit Wackelkontakt. Nach dem Einbau sei Marcel B. nach Hause gefahren, hätte geduscht und Mittag gegessen. Dann sei er wieder zu Kevin G. gefahren, um mit ihm gemeinsam durch die Gegend zu fahren. Dabei sind die Männer an der ehemaligen Arbeitsstätte von Marcel B. in Raderhorst vorbei gekommen und seien dann über die B 482 hoch zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal gefahren. Kevin G. soll dann die Idee gehabt haben, zu einem Treffen der Tuningszene in die Tiefgarage des Wez-Marktes in Hausberge zu fahren. Dort drehten sie eine Runde mit Blaulicht und fuhren zurück Richtung Nienburg. Unterwegs setzen sie das Blaulicht noch zweimal ein – einmal, um einen Moped-Fahrer zu überholen und dann auf der B 482, als sie auf den Golf der libanesischen Familie trafen, die wenig später ihre Verwandten tot aus dem BMW zog. Besonders die Frage, warum Marcel B. sich Blaulicht und Sirenen im Internet bestellte, sorgte für Aufregung im Gericht. Zitat der Nebenklage: „Er soll mir erstmal den Blödsinn erklären.“ Rechtsanwalt Funk hielt die Frage für nicht nötig, sein Mandant hätte sie bereits mehrfach beantwortet. Er wollte damit laut eigenen Aussagen auf einem Twingo-Treffen Aufsehen erregen. Die Nebenkläger-Anwälte wollten das nicht ganz glauben und bohrten nach: War das wirklich der Grund? Marcel B. erklärte, er hätte von dem Treffen, was in „Hamm bei Köln“ etwa zwei bis vier Wochen nach dem tödlichen Unfall stattfinden sollte, gehört – von einer „Person, die sich mal bei mir gemeldet hatte“. Möglicherweise schrieb diese Person, die auch Kevin heißen soll – einen Nachnamen kennt Marcel B. nicht – ihn über Facebook an und erzählte von dem Twingo-Treffen. Vielleicht war es aber auch über Instagram? Marcel B. war angetan und besorgte sich dann die Teile, um seinen mit grünen Applikationen verzierten Twingo aufzumotzen. Vorab wollte er alle Teile einbauen und testen. Das Blaulicht probierte er zuvor einmal bei nicht laufenden Motor auf einem Feldweg aus und dann später laut seinen Aussaugen dreimal im Straßenverkehr. Immer ein bisschen mit der Angst im Nacken, erwischt zu werden. Der Prozess wird am 31. Mai fortgesetzt, geplant sind dann die Plädoyers der Verteidiger, Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Das Urteil soll voraussichtlich am 11. Juni fallen, wenn nicht noch ein neuer Beweisantrag gestellt wird. Um was geht es? Marcel B. und Kevin G. haben am 25. Mai 2016 durch ein riskantes Überholmanöver auf der B 482 in Petershagen einen Unfall mit vier Toten verursacht. Bei dem Unfall prallte ein BMW einer libanesischen Familie mit einem Lkw zusammen, ein Insasse im BMW überlebte. Zuvor fielen die beiden jungen Männer durch den Gebrauch eines illegalen Blaulichtes auf. Fahrer Marcel B. und Beifahrer Kevin G. (beide 26) wurden im Februar 2018 bereits vor dem Mindener Amtsgericht verurteilt – B. zu vier Jahren und G. zu einem Jahr und acht Monaten. Der „Blaulicht-Prozess“ wird nun – ein Jahr später – am Landgericht Bielefeld neu aufgerollt, weil die Verteidiger der Angeklagten Berufung eingelegt haben. Mit der Härte der Strafe und einigen Sachverhalten, wie dem Tempo-Verstoß der beteiligten Lkw-Fahrerin, sind die Verteidiger Mirko Roßkamp und Raban Funk nicht einverstanden. Alle Berichte zum Blaulichtprozess finden Sie hier.