Neuenknick

Das Requisiten-Museum in Neuenknick: Filmstars auf Rädern

Claudia Hyna

Der Fiat aus dem Jahr 1969 war das erste Auto, das über einen Katalog verkauft wurde.
Der Fiat aus dem Jahr 1969 war das erste Auto, das über einen Katalog verkauft wurde.

Petershagen-Neuenknick (mt). Was für eine Zeitreise: Im Technik-Fahrzeug-Requisiten-Museum Neuenknick stehen alte Fahrzeuge neben Filmzubehör und Schreibmaschinen, neben allerhand Accessoires aus den Jahren 1930 bis 1990. Zu Ostern ist das besondere Museum Schauplatz eines besonderen Treffens: Vier Tage lang steht die Hofstelle in Neuenknick im Zeichen des VW Kübel. Rudi Babst, der das Museum betreibt, rechnet mit rund 40 Kübel-Liebhabern, die ihre Schätzchen vorführen. Die Besucher können fachsimpeln, das Museum erkunden und an Ausfahrten teilnehmen.

Der Staub ist gewollt und darf bleiben: Rudi Babst mit einem Praga von 1930. MT-Fotos: Claudia Hyna
Der Staub ist gewollt und darf bleiben: Rudi Babst mit einem Praga von 1930. MT-Fotos: Claudia Hyna

Bei ihm hat jedes Teil seine Geschichte – und die möchte er erzählen. Etwa die eines Modells vom Fiat Gamine, das nur einen Monat verkauft wurde und bei ihm in der Scheune ein Zuhause gefunden hat. Oder von Johann Bohse, der mit über 80 Jahren noch Autos konstruiert hat. Eines von 150 Vehikeln steht in Neuenknick. Auch ein altes Lieferfahrzeug, ein Borgward Hansa 1800 Diesel Kombi, ist zu begutachten. Es stammt von seinen Eltern, die in Dortmund eine Spedition betrieben.

Gestern gebraucht, morgen vergessen? Das will Babst mit seiner Sammlung verhindern, die auch aus Telefonzelle, Kaugummiautomat, alten Kinderwagen, Öllampen und Nähmaschinen besteht. Auf rund 1.000 Quadratmetern zeigt er ein geordnetes Chaos, das einzigartig ist. Sammeln und Bewahren, das ist ein Kernauftrag des Museums. Die Sammlung werde kontinuierlich aufgebaut und erweitert. Sie umfasst vor allem so genanntes technisches Kulturgut. Die umfangreichen Bestände verdankt das Museum unter anderem privaten Zuwendungen.

Den überwiegenden Teil hat der freie Mediengestalter bei seiner Arbeit für Film- und Fernsehproduktionen zusammen getragen. Da ist er für die Innen- und Außenrequisite zuständig: „Von der Mülltonne bis zur Nähmaschine sorge ich dafür, dass jeder Film passend ausgestattet ist“, sagt er. Die Bandbreite reichte von Wetten, dass? bis Melodien für Millionen.

Der VW 181 Kübelwagen ist ein viertüriges Cabriolet und überzeugt mit seinem skurrilen Charme seit 1969 die Fans. Die lieben außerdem, dass das Fahrzeug so variabel ist: offen oder geschlossen, mit oder ohne Türen, als Viersitzer oder mit Ladefläche und mit umgelegter Windschutzscheibe.

Hinsichtlich der Produktionszahlen spricht die Volkswagen AG von rund 73.00 Fahrzeugen, andere Quellen nennen 97.108 Einheiten des in Deutschland, Mexiko und Indonesien gebauten Autos.

Das überwiegend bei der Bundeswehr eingesetzte Fahrzeug wird von einer kleinen Schar Individualisten gehegt und gepflegt. Die letzten Zahlen sprechen von 4.000 zugelassenen Exemplaren. Neben dem Schrauben lieben Kübelfahrer die Geselligkeit. Da setzt Rudi Babst noch einen drauf: Er freut sich, dass er für den 22. April ab 20 Uhr einen Klavierspieler gefunden hat, der die Gäste bei Kerzenlicht musikalisch unterhält. Ansonsten können die Teilnehmer auf der Wiese vor dem Haus campen und Benzingespräche führen.

2013 hat der gebürtige Dortmunder Rudi Babst den sogenannten Davidhof übernommen – und die Scheune nach und nach zu einem Paradies für Liebhaber technischen Kulturguts ausgebaut. Besonders gut gefällt ihm, dass es in der Nachbarschaft ebenfalls motorisiert zugeht. Hier treffen sich regelmäßig die Freunde von Motorrädern, alten Traktoren und Oldtimern zum Schrauben und zu Fachgesprächen. Namentlich beheimatet sind hier der SC Neuenknick, der mit seinen Speedway-Rennen auch überörtlich bekannt ist. Außerdem bieten die Mitglieder des Kabuffteams Neuenknick seit 2005 Alttraktoren- und Oldtimertreffen.

Noch mehr Programm hat Rudi Babst für die Liebhaber besonderer Autos beim Ostfahrzeug-Treffen vom 21. bis 23. Juni. Dazu kann er aus dem Fundus seiner Scheune einige Exemplare beisteuern. Da ist etwa ein Trabi 601, der in der deutschen Krimiserie Peter Strohm (1989 bis 1996) zum Einsatz kam. Auch Amphibienfahrzeuge der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR sind dort untergestellt. Um vorschnellen Urteilen vorzubeugen, macht Babst deutlich: „Ich verfolge keine politischen Ziele und habe mit Militaristen nichts am Hut.“ Ihm geht es vielmehr darum, der jungen Generation zu zeigen, wie es in der Vergangenheit war und die Faszination des Alten – das oft mit wenigen Handgriffen zu reparieren ist – herüberzubringen.

Auf schnelle Fortbewegung legt Rudi Babst übrigens überhaupt keinen Wert. Er selbst fährt aus Überzeugung einen 25 Jahre alten T3. „Und bei Tempo 120 sehe ich wenigstens etwas von der Landschaft.“



  • Ein VW-Kübel-Treffen ist vom 19. bis 22. April geplant.
  • Ein Ost-Fahrzeug-Treffen findet vom 21. bis 23. Juni am Museum Neuenknick, Depenbrock 11, statt.
  • Wer in Neuenknick ausstellen möchte, kann sich unter Telefon (0 57 05) 1 44 32 27 anmelden. Wer sich spontan entschließt, ist ebenso willkommen.
  • Und wer dem Haus etwas überlassen möchte, kann sich ebenfalls unter dieser Nummer melden. Es können auch Führungen im Museum vereinbart werden.


Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

NeuenknickDas Requisiten-Museum in Neuenknick: Filmstars auf RädernClaudia HynaPetershagen-Neuenknick (mt). Was für eine Zeitreise: Im Technik-Fahrzeug-Requisiten-Museum Neuenknick stehen alte Fahrzeuge neben Filmzubehör und Schreibmaschinen, neben allerhand Accessoires aus den Jahren 1930 bis 1990. Zu Ostern ist das besondere Museum Schauplatz eines besonderen Treffens: Vier Tage lang steht die Hofstelle in Neuenknick im Zeichen des VW Kübel. Rudi Babst, der das Museum betreibt, rechnet mit rund 40 Kübel-Liebhabern, die ihre Schätzchen vorführen. Die Besucher können fachsimpeln, das Museum erkunden und an Ausfahrten teilnehmen. Bei ihm hat jedes Teil seine Geschichte – und die möchte er erzählen. Etwa die eines Modells vom Fiat Gamine, das nur einen Monat verkauft wurde und bei ihm in der Scheune ein Zuhause gefunden hat. Oder von Johann Bohse, der mit über 80 Jahren noch Autos konstruiert hat. Eines von 150 Vehikeln steht in Neuenknick. Auch ein altes Lieferfahrzeug, ein Borgward Hansa 1800 Diesel Kombi, ist zu begutachten. Es stammt von seinen Eltern, die in Dortmund eine Spedition betrieben. Gestern gebraucht, morgen vergessen? Das will Babst mit seiner Sammlung verhindern, die auch aus Telefonzelle, Kaugummiautomat, alten Kinderwagen, Öllampen und Nähmaschinen besteht. Auf rund 1.000 Quadratmetern zeigt er ein geordnetes Chaos, das einzigartig ist. Sammeln und Bewahren, das ist ein Kernauftrag des Museums. Die Sammlung werde kontinuierlich aufgebaut und erweitert. Sie umfasst vor allem so genanntes technisches Kulturgut. Die umfangreichen Bestände verdankt das Museum unter anderem privaten Zuwendungen. Den überwiegenden Teil hat der freie Mediengestalter bei seiner Arbeit für Film- und Fernsehproduktionen zusammen getragen. Da ist er für die Innen- und Außenrequisite zuständig: „Von der Mülltonne bis zur Nähmaschine sorge ich dafür, dass jeder Film passend ausgestattet ist“, sagt er. Die Bandbreite reichte von Wetten, dass? bis Melodien für Millionen. Der VW 181 Kübelwagen ist ein viertüriges Cabriolet und überzeugt mit seinem skurrilen Charme seit 1969 die Fans. Die lieben außerdem, dass das Fahrzeug so variabel ist: offen oder geschlossen, mit oder ohne Türen, als Viersitzer oder mit Ladefläche und mit umgelegter Windschutzscheibe. Hinsichtlich der Produktionszahlen spricht die Volkswagen AG von rund 73.00 Fahrzeugen, andere Quellen nennen 97.108 Einheiten des in Deutschland, Mexiko und Indonesien gebauten Autos. Das überwiegend bei der Bundeswehr eingesetzte Fahrzeug wird von einer kleinen Schar Individualisten gehegt und gepflegt. Die letzten Zahlen sprechen von 4.000 zugelassenen Exemplaren. Neben dem Schrauben lieben Kübelfahrer die Geselligkeit. Da setzt Rudi Babst noch einen drauf: Er freut sich, dass er für den 22. April ab 20 Uhr einen Klavierspieler gefunden hat, der die Gäste bei Kerzenlicht musikalisch unterhält. Ansonsten können die Teilnehmer auf der Wiese vor dem Haus campen und Benzingespräche führen. 2013 hat der gebürtige Dortmunder Rudi Babst den sogenannten Davidhof übernommen – und die Scheune nach und nach zu einem Paradies für Liebhaber technischen Kulturguts ausgebaut. Besonders gut gefällt ihm, dass es in der Nachbarschaft ebenfalls motorisiert zugeht. Hier treffen sich regelmäßig die Freunde von Motorrädern, alten Traktoren und Oldtimern zum Schrauben und zu Fachgesprächen. Namentlich beheimatet sind hier der SC Neuenknick, der mit seinen Speedway-Rennen auch überörtlich bekannt ist. Außerdem bieten die Mitglieder des Kabuffteams Neuenknick seit 2005 Alttraktoren- und Oldtimertreffen. Noch mehr Programm hat Rudi Babst für die Liebhaber besonderer Autos beim Ostfahrzeug-Treffen vom 21. bis 23. Juni. Dazu kann er aus dem Fundus seiner Scheune einige Exemplare beisteuern. Da ist etwa ein Trabi 601, der in der deutschen Krimiserie Peter Strohm (1989 bis 1996) zum Einsatz kam. Auch Amphibienfahrzeuge der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR sind dort untergestellt. Um vorschnellen Urteilen vorzubeugen, macht Babst deutlich: „Ich verfolge keine politischen Ziele und habe mit Militaristen nichts am Hut.“ Ihm geht es vielmehr darum, der jungen Generation zu zeigen, wie es in der Vergangenheit war und die Faszination des Alten – das oft mit wenigen Handgriffen zu reparieren ist – herüberzubringen. Auf schnelle Fortbewegung legt Rudi Babst übrigens überhaupt keinen Wert. Er selbst fährt aus Überzeugung einen 25 Jahre alten T3. „Und bei Tempo 120 sehe ich wenigstens etwas von der Landschaft.“ Ein VW-Kübel-Treffen ist vom 19. bis 22. April geplant. Ein Ost-Fahrzeug-Treffen findet vom 21. bis 23. Juni am Museum Neuenknick, Depenbrock 11, statt. Wer in Neuenknick ausstellen möchte, kann sich unter Telefon (0 57 05) 1 44 32 27 anmelden. Wer sich spontan entschließt, ist ebenso willkommen. Und wer dem Haus etwas überlassen möchte, kann sich ebenfalls unter dieser Nummer melden. Es können auch Führungen im Museum vereinbart werden.