Petershagen

Schule und Medien: Petershagen kann nicht von Gigabit-Förderung profitieren

Oliver Plöger

Interaktive Whiteboards (Foto) sollen auch in Petershagen durch modernere Smartboards abgelöst werden. Symbolfoto: Ingo Wagner/dpa - © Ingo Wagner
Interaktive Whiteboards (Foto) sollen auch in Petershagen durch modernere Smartboards abgelöst werden. Symbolfoto: Ingo Wagner/dpa (© Ingo Wagner)

Petershagen (mt). Eigentlich eine gute Nachricht für die digitale Ausstattung an den Schulen – nur eben nicht für Petershagen: Das Land fordert und fördert derzeit Anschlüsse im Gigabit-Bereich. An einer entsprechenden „Werbeveranstaltung“ hatten auch Vertreter der Stadt Petershagen teilgenommen. „Für uns war das Ergebnis der Veranstaltung mehr als nur ernüchternd“, sagt Achim Buschke aus der Sozial- und Schulverwaltung. Gefördert würden über die Abteilung „Gigabit.NRW“ Anschlüsse mit einem Gigabit je Sekunde. „Davon“, so Buschke im jüngsten Schulausschuss, „sind wir meilenweit entfernt. Keiner unserer Schulstandorte käme auch nur ansatzweise für eine Förderung infrage.“

Das alles heißt natürlich nicht, dass in Petershagen ausschließlich noch anhand von Tafelbildern gelernt wird, das Ende der Kreidezeit ist eingeläutet: In der Pädagogik sind die Schulen aktuell mit 378 PC-Arbeitsplätzen ausgestattet, Spitzenreiter ist das Gymnasium mit 126 Arbeitsplätzen, in der Sekundarschule gibt es 106. Zum Vergleich die Grundschule: Eldagsen hat 18 PC-Arbeitsplätze in der Pädagogik, Friedewalde 15, Lahde 48, Frille 17, Petershagen 27 und Windheim 21. Laptops sind laut Buschke nicht mehr im operativen Einsatz an den Schulen, sie stehen nur noch den Lehrkräften zur Verfügung, die damit etwa die Noten erfassen. Transport der Geräte und Ladezeiten hätten die Akzeptanz sinken lassen, so Buschke.

Lob für die „digitale Betreuung“ durch die Stadt gab es soeben von Karin Fischer-Hildebrand, Schulleiterin am Städtischen Gymnasium. Aus gutem Grund: die weiterführenden Schulen sind 2017 mit neuer Server-Hardware ausgestattet worden, zeitgleich gab es in der Pädagogik die Umstellung auf das Betriebssystem Windows Education 10, das laut Hersteller „Tools zum gemeinschaftlichen Lernen und zur Leistungsverbesserung“ enthält. Für das kommende Jahr ist an den Grundschulstandorten in Petershagen zudem eine neue Server-Hardware geplant.

Was die künftige Medienversorgung in Petershagen angeht, gibt es von den Schulen klare Vorgaben. Gefordert wird die Anbindung ans schnellere Internet, in den Klassenräumen müssen mindestens 30 M/bit pro Sekunde und Klassenraum möglich sein. „Das bedeutet“, so Achim Buschke, „das ein Schulgelände mit beispielsweise 20 Klassen eine Internetverbindung von 600 Mbit pro Sekunde in beide Richtungen bekommt.“ An allen Schulstandorten müsse es zudem ein flächendeckendes WLAN geben, nicht nur (wie bereits jetzt) an Gymnasium und Sekundarschule.

Die noch vor wenigen Jahren als hypermodern geltenden Whiteboards haben ausgedient. „Sie entsprechen nicht mehr dem technischen Standard“, sagt Achim Buschke. Gearbeitet wird künftig mit den kontrastreicheren Smartboards, die dann Videos und Sound abspielen können und App-fähig sind. Gefordert sind je Klasse zudem acht Tablet-PCs, davon sieben zur Nutzung durch die Schüler und ein Gerät jeweils für die Lehrkraft. Der Bildschirminhalt dieses PCs kann per Funk auf dem Touchscreen dargestellt werden. Buschke: „Kreidetafeln entfallen und somit auch die Notwendigkeit von Frisch- und Abwasser.“

In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Rechenzentrum (KRZ) hat die Stadt eine Testphase an allen Petershäger Schulstandorten vereinbart, durchzuführen bis „mindestens Ende des Schuljahres 2018/2019.“ An den Grundschulen werden bereits die Anschlüsse für die Smartboards vorbereitet. Auch am Standort Koppelweg (künftig Grundschule) habe ein WLAN-Spezialist des Rechenzentrums erste Messungen durchgeführt. Die Geräte sollen über das KRZ bestellt werden, der Liefertermin, so Buschke, sei noch nicht bekannt.

Bleibt die Frage der Finanzierung, wobei neben den eigenen Haushaltsmitteln der Stadt das neu aufgelegte Förderprogramm „Digital-Pakt Schule“ des Bundes helfen könnte. Über fünf Jahren sollen fünf Milliarden Euro in die Schulen fließen. 2019 würden dann im Gymnasium 39 noch nicht mit digitaler Technik versorgte Unterrichtsräume ausgerüstet, weitere vier im Anbau. Darüber hinaus müssten über Fördermittel 39 interaktive Whiteboards in der Sekundarschule ersetzt werden, eine Aufgabe, die spätestens 2020 ohnehin ansteht. Dann sollten nach der Erprobungsphase die Klassenräume der Jahrgänge drei und vier ausgestattet werden. Vielleicht, so hieß es, könne das auch schon Ende 2019 geschehen.

Günstiger kommt auf jeden Fall die Verwaltung der Schulen durch die nächsten Jahre. Vor 2022 werde es keinen Geräte-Austausch geben, Defekte mal ausgenommen, so Buschke.

Der Autor ist erreichbarunter (05 71) 882 264oder Oliver.Ploeger@MT.de

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PetershagenSchule und Medien: Petershagen kann nicht von Gigabit-Förderung profitierenOliver PlögerPetershagen (mt). Eigentlich eine gute Nachricht für die digitale Ausstattung an den Schulen – nur eben nicht für Petershagen: Das Land fordert und fördert derzeit Anschlüsse im Gigabit-Bereich. An einer entsprechenden „Werbeveranstaltung“ hatten auch Vertreter der Stadt Petershagen teilgenommen. „Für uns war das Ergebnis der Veranstaltung mehr als nur ernüchternd“, sagt Achim Buschke aus der Sozial- und Schulverwaltung. Gefördert würden über die Abteilung „Gigabit.NRW“ Anschlüsse mit einem Gigabit je Sekunde. „Davon“, so Buschke im jüngsten Schulausschuss, „sind wir meilenweit entfernt. Keiner unserer Schulstandorte käme auch nur ansatzweise für eine Förderung infrage.“ Das alles heißt natürlich nicht, dass in Petershagen ausschließlich noch anhand von Tafelbildern gelernt wird, das Ende der Kreidezeit ist eingeläutet: In der Pädagogik sind die Schulen aktuell mit 378 PC-Arbeitsplätzen ausgestattet, Spitzenreiter ist das Gymnasium mit 126 Arbeitsplätzen, in der Sekundarschule gibt es 106. Zum Vergleich die Grundschule: Eldagsen hat 18 PC-Arbeitsplätze in der Pädagogik, Friedewalde 15, Lahde 48, Frille 17, Petershagen 27 und Windheim 21. Laptops sind laut Buschke nicht mehr im operativen Einsatz an den Schulen, sie stehen nur noch den Lehrkräften zur Verfügung, die damit etwa die Noten erfassen. Transport der Geräte und Ladezeiten hätten die Akzeptanz sinken lassen, so Buschke. Lob für die „digitale Betreuung“ durch die Stadt gab es soeben von Karin Fischer-Hildebrand, Schulleiterin am Städtischen Gymnasium. Aus gutem Grund: die weiterführenden Schulen sind 2017 mit neuer Server-Hardware ausgestattet worden, zeitgleich gab es in der Pädagogik die Umstellung auf das Betriebssystem Windows Education 10, das laut Hersteller „Tools zum gemeinschaftlichen Lernen und zur Leistungsverbesserung“ enthält. Für das kommende Jahr ist an den Grundschulstandorten in Petershagen zudem eine neue Server-Hardware geplant. Was die künftige Medienversorgung in Petershagen angeht, gibt es von den Schulen klare Vorgaben. Gefordert wird die Anbindung ans schnellere Internet, in den Klassenräumen müssen mindestens 30 M/bit pro Sekunde und Klassenraum möglich sein. „Das bedeutet“, so Achim Buschke, „das ein Schulgelände mit beispielsweise 20 Klassen eine Internetverbindung von 600 Mbit pro Sekunde in beide Richtungen bekommt.“ An allen Schulstandorten müsse es zudem ein flächendeckendes WLAN geben, nicht nur (wie bereits jetzt) an Gymnasium und Sekundarschule. Die noch vor wenigen Jahren als hypermodern geltenden Whiteboards haben ausgedient. „Sie entsprechen nicht mehr dem technischen Standard“, sagt Achim Buschke. Gearbeitet wird künftig mit den kontrastreicheren Smartboards, die dann Videos und Sound abspielen können und App-fähig sind. Gefordert sind je Klasse zudem acht Tablet-PCs, davon sieben zur Nutzung durch die Schüler und ein Gerät jeweils für die Lehrkraft. Der Bildschirminhalt dieses PCs kann per Funk auf dem Touchscreen dargestellt werden. Buschke: „Kreidetafeln entfallen und somit auch die Notwendigkeit von Frisch- und Abwasser.“ In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Rechenzentrum (KRZ) hat die Stadt eine Testphase an allen Petershäger Schulstandorten vereinbart, durchzuführen bis „mindestens Ende des Schuljahres 2018/2019.“ An den Grundschulen werden bereits die Anschlüsse für die Smartboards vorbereitet. Auch am Standort Koppelweg (künftig Grundschule) habe ein WLAN-Spezialist des Rechenzentrums erste Messungen durchgeführt. Die Geräte sollen über das KRZ bestellt werden, der Liefertermin, so Buschke, sei noch nicht bekannt. Bleibt die Frage der Finanzierung, wobei neben den eigenen Haushaltsmitteln der Stadt das neu aufgelegte Förderprogramm „Digital-Pakt Schule“ des Bundes helfen könnte. Über fünf Jahren sollen fünf Milliarden Euro in die Schulen fließen. 2019 würden dann im Gymnasium 39 noch nicht mit digitaler Technik versorgte Unterrichtsräume ausgerüstet, weitere vier im Anbau. Darüber hinaus müssten über Fördermittel 39 interaktive Whiteboards in der Sekundarschule ersetzt werden, eine Aufgabe, die spätestens 2020 ohnehin ansteht. Dann sollten nach der Erprobungsphase die Klassenräume der Jahrgänge drei und vier ausgestattet werden. Vielleicht, so hieß es, könne das auch schon Ende 2019 geschehen. Günstiger kommt auf jeden Fall die Verwaltung der Schulen durch die nächsten Jahre. Vor 2022 werde es keinen Geräte-Austausch geben, Defekte mal ausgenommen, so Buschke. Der Autor ist erreichbarunter (05 71) 882 264oder Oliver.Ploeger@MT.de