Insbesondere in der Region Ostwestfalen-Lippe, hier die Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld, sei die traditionelle völkische Szene stark ausgeprägt, sagte der Rechtsextremismus-Experte Jan Raabe am Mittwochabend in Petershagen. - © Foto: MT-Archiv (Plöger)
Insbesondere in der Region Ostwestfalen-Lippe, hier die Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld, sei die traditionelle völkische Szene stark ausgeprägt, sagte der Rechtsextremismus-Experte Jan Raabe am Mittwochabend in Petershagen. (© Foto: MT-Archiv (Plöger))

Traditionelle völkische Szene in Ostwestfalen stark ausgeprägt

veröffentlicht

Petershagen/Bielefeld (epd). Experten warnen vor der Zunahme der extremen Rechten in Nordrhein-Westfalen. Insbesondere in der Region Ostwestfalen-Lippe sei die traditionelle völkische Szene stark ausgeprägt, sagte der Rechtsextremismus-Experte Jan Raabe am Mittwochabend in Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke. Ein Grund seien historische Orte in der Region wie das Hermannsdenkmal in Detmold, die Externsteine oder die Wewelsburg in Büren bei Paderborn, die mit dem Germanentum und dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden.

Für völkisch-religiöse Gruppen wie die „Artgemeinschaft“ sei Ostwestfalen-Lippe mittlerweile ein Schwerpunkt, erklärte der Diplom-Sozialpädagoge, der für den Bielefelder Verein „Argumente und Kultur gegen rechts“ arbeitet. Bundesweit gehörten rund 400 Familien, Sippen genannt, zu dieser in der völkischen Bewegung der 1920er Jahre wurzelnden Bewegung. Die eher der Traditionspflege und -weitergabe verpflichtete „Artgemeinschaft“ richte sich nicht nach außen, doch seien Akteure auch in militante Bereiche vernetzt.

Während die rechte Bewegung an Stärke gewonnen habe, zähle der ebenfalls religiöse „Bund für Gotterkenntnis“ eher zu den Verlierern im rechten Spektrum, sagte Raabe. Aktivitäten in OWL seien bis auf das Auftreten einzelner Familien weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch rechtsextreme Kleinparteien wie „Die Rechte“ oder „Der III. Weg“ seien in der Region kaum vertreten.

Der „Bund für Gotterkenntnis“ wird in Verbindung mit der umstrittenen sogenannten Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld gebracht. Auf einem Treffen des Trägervereins des privaten Friedhofs mit völkischen Wurzeln war im Juni 2017 auch der rechtsextreme Aktivist Wolfram Schiedewitz aus Niedersachsen gesichtet worden. Dies hatte eine Debatte über die Ahnenstätte ausgelöst. Schiedewitz war laut Raabe früher im Umfeld der inhaftierten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho tätig. Erste Ergebnisse der historischen Aufarbeitung der Ahnenstätte Seelenfeld sollen nach Angaben einer Stadt-Sprecherin Anfang 2019 vorliegen.

Neben den völkisch-religiösen Organisationen ist Raabe zufolge in der Region auch die in Paderborn gegründete „Identitäre Bewegung“ aktiv, die modern, jung und dynamisch auftrete und mit Propaganda-Aktionen gegen die multikulturelle Gesellschaft agiere. Der Experte nannte außerdem Akteure der Rechts-Rock-Musik, die mit ihren Konzerten die Szene stabilisierten.

Lesen Sie zu diesem Thema auch

"Auf den Spuren der Ahnenstätte: Akten allein helfen nicht"

"Ahnenstätte Seelenfeld: Buschke bittet um Fairness"

"Ahnenstätte Seelenfeld: Spurensuche im Bundesarchiv"

Copyright © Mindener Tageblatt 2018
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Traditionelle völkische Szene in Ostwestfalen stark ausgeprägtPetershagen/Bielefeld (epd). Experten warnen vor der Zunahme der extremen Rechten in Nordrhein-Westfalen. Insbesondere in der Region Ostwestfalen-Lippe sei die traditionelle völkische Szene stark ausgeprägt, sagte der Rechtsextremismus-Experte Jan Raabe am Mittwochabend in Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke. Ein Grund seien historische Orte in der Region wie das Hermannsdenkmal in Detmold, die Externsteine oder die Wewelsburg in Büren bei Paderborn, die mit dem Germanentum und dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden. Für völkisch-religiöse Gruppen wie die „Artgemeinschaft“ sei Ostwestfalen-Lippe mittlerweile ein Schwerpunkt, erklärte der Diplom-Sozialpädagoge, der für den Bielefelder Verein „Argumente und Kultur gegen rechts“ arbeitet. Bundesweit gehörten rund 400 Familien, Sippen genannt, zu dieser in der völkischen Bewegung der 1920er Jahre wurzelnden Bewegung. Die eher der Traditionspflege und -weitergabe verpflichtete „Artgemeinschaft“ richte sich nicht nach außen, doch seien Akteure auch in militante Bereiche vernetzt. Während die rechte Bewegung an Stärke gewonnen habe, zähle der ebenfalls religiöse „Bund für Gotterkenntnis“ eher zu den Verlierern im rechten Spektrum, sagte Raabe. Aktivitäten in OWL seien bis auf das Auftreten einzelner Familien weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch rechtsextreme Kleinparteien wie „Die Rechte“ oder „Der III. Weg“ seien in der Region kaum vertreten. Der „Bund für Gotterkenntnis“ wird in Verbindung mit der umstrittenen sogenannten Ahnenstätte in Petershagen-Seelenfeld gebracht. Auf einem Treffen des Trägervereins des privaten Friedhofs mit völkischen Wurzeln war im Juni 2017 auch der rechtsextreme Aktivist Wolfram Schiedewitz aus Niedersachsen gesichtet worden. Dies hatte eine Debatte über die Ahnenstätte ausgelöst. Schiedewitz war laut Raabe früher im Umfeld der inhaftierten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho tätig. Erste Ergebnisse der historischen Aufarbeitung der Ahnenstätte Seelenfeld sollen nach Angaben einer Stadt-Sprecherin Anfang 2019 vorliegen. Neben den völkisch-religiösen Organisationen ist Raabe zufolge in der Region auch die in Paderborn gegründete „Identitäre Bewegung“ aktiv, die modern, jung und dynamisch auftrete und mit Propaganda-Aktionen gegen die multikulturelle Gesellschaft agiere. Der Experte nannte außerdem Akteure der Rechts-Rock-Musik, die mit ihren Konzerten die Szene stabilisierten. Lesen Sie zu diesem Thema auch "Auf den Spuren der Ahnenstätte: Akten allein helfen nicht" "Ahnenstätte Seelenfeld: Buschke bittet um Fairness" "Ahnenstätte Seelenfeld: Spurensuche im Bundesarchiv"