Ziegenbock aus Petershagen zieht zu 1. FC Köln-Maskottchen Hennes VIII. in den Kölner Zoo Sebastian Radermacher Petershagen-Ilse (mt). Weg vom Land, ab in die Großstadt – und dann direkt in eine Promi-WG: So ist es einem Ziegenbock aus Petershagen ergangen, der vor Kurzem in den Kölner Zoo gezogen ist. Das Tier von Biolandwirt Friedrich Dörmann lebt dort nämlich zusammen mit Hennes VIII., dem berühmten Maskottchen des 1. FC Köln. Der Biolandwirt aus Petershagen-Ilse ist etwas traurig über den Abschied. Er ist aber auch stolz, dass sein Bock im Rheinland für Furore sorgt. „Ich bin schon ein wenig neidisch auf ihn, weil er jetzt Köln erobert", sagt der 54-Jährige. Wie kommt das knapp sechs Monate alte Tier überhaupt zu dieser Ehre? Friedrich Dörmann muss schmunzeln, als er die Geschichte erzählt. Es ist einer der vielen heißen Sommertage im August. Dörmann und seine Frau Heike sind gerade auf ihrem Hof beschäftigt – die rund 300 Tiere der Rasse „Bunte deutsche Edelziege" machen schließlich eine Menge Arbeit. Plötzlich klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist Bernd Marcordes, der Kurator des Kölner Zoos. Er sei auf der Suche nach einem Ziegenbock und einem passenden Weibchen, die künftig im Zoo leben und irgendwann dort für Nachwuchs sorgen sollen. Dörmann bleibt kurz die Stimme weg. „Ich dachte zunächst, er will mich veräppeln und das ist ein Scherz-Anruf", gibt der Ziegenzüchter zu. Doch der Verwalter des Zoos, der Mitbestimmung bei Tier-Neukäufen hat, meint es ernst. Friedrich Dörmann, der in der näheren Umgebung der einzige Landwirt ist, der von der Ziegenzucht und dem Verkauf des selbst hergestellten Ziegenkäses und weiterer Milchprodukte lebt, fühlt sich geehrt – wann hat schon mal der Kölner Zoo Interesse an einem Bock aus Petershagen? Der Kurator hat sich im Vorfeld gut vorbereitet, er weiß genau, was er will. Und zwar den Bock ohne Namen, der lediglich eine Marke mit der Zahl 570 am Ohr trägt. „Der ist mir bei meiner Suche im Internet direkt aufgefallen", erzählt Marcordes im MT-Gespräch. Dabei hält er eigentlich online nur nach neuen Zwergziegen für den Zoo Ausschau, bis er auf Dörmanns Bock stößt. „Mir war sofort klar: Der passt gut zu unseren Tieren und könnte sich auch mit Hennes gut verstehen." Im Telefonat habe er dann gemerkt, dass Dörmann ebenfalls ein Mann vom Fach ist. „Wir haben uns gut unterhalten und uns schnell geeinigt", sagt der Kurator. Und Petershagen sei ihm ebenfalls ein Begriff gewesen. Denn Marcordes, der seit zwölf Jahren beim Kölner Zoo tätig ist, stammt aus der Nähe von Diepholz in Niedersachsen, kennt daher die Region ganz gut. „Ich wusste, wo ich hinfahren musste." Zusätzlich zur kräftigen Statur und dem dominanten Auftreten des Bockes punktet Dörmann mit einem weiteren Argument: Auf seinem Hof lebt gleich die passende Freundin für den künftigen Zoo-Bewohner: Ilse aus Ilse. Der Plan des Kurators: Auch sie soll den knapp 250 Kilometer langen Umzug ins Rheinland auf sich nehmen. Ilse ist drei Monate jung, das letztgeborene Ziegenbaby in diesem Jahr auf Dörmanns Hof, ein neugieriger Wirbelwind. Sie huscht kreuz und quer durch den Stall, läuft dann wieder ins Gehege, wo sich die Herde tummelt. Mittendrin statt nur dabei – das scheint ihr Motto zu sein. Sie kann aber auch anders, denn kurze Zeit später ist Entspannung angesagt: Ilse platziert sich gemütlich auf dem Fahrersitz von Dörmanns Traktor und legt eine Ruhepause ein. „Sie genießt hier auf dem Hof schon einige Sonderrechte", sagt der Chef mit einem Augenzwinkern, wenige Tage vor dem großen Umzug. Die Konditionen für den „Wechsel" nach Köln sind schnell ausgehandelt, der Zoo kauft dem Züchter beide Tiere ab. Details dazu nennt der Biolandwirt nicht – wie im Millionen-Geschäft Fußball, da vereinbaren Vereine bei Transfers auch meist Stillschweigen über die Ablösemodalitäten. Was im Gespräch deutlich wird: Friedrich Dörmann freut sich nicht nur über den Verkaufserlös. „Es ist toll, dass zwei unserer Tiere jetzt im Kölner Zoo leben", sagt er stolz. Und fügt im selben Atemzug hinzu: „Wir werden die beiden natürlich öfter mal besuchen." Als erstes Maskottchen in der Geschichte des 1. FC Köln wohnt Hennes VIII. mitten in der Stadt, im Kölner Zoo. Seit 2014 hat er dort ein eigenes Gehege, seit ein paar Wochen teilt er sich das „kleine Geißbockheim", wie es in Anlehnung an die gleichlautende Trainingsstätte des Vereins genannt wird, nun mit dem Bock aus Ostwestfalen. Zu jedem Spiel wird Hennes ins Stadion kutschiert, während seiner Abwesenheit hissen die Tierpfleger im Zoo eine FC-Fahne. Hennes ist die gute Seele des 1. FC Köln und in der Stadt ein echtes Markenzeichen. Ob es überhaupt Kölner gibt, die ihn nicht kennen? Fraglich. Über eine Internet-Webcam lässt Hennes seine Fans live an seinem Leben im Zoo mit dem Bock aus Petershagen teilhaben. Er hat sogar eine eigene Facebookseite, die mehr als 33.000 Nutzer abonniert haben. Irgendwann wird der Tag kommen, dann muss sich der Traditionsverein um einen Nachfolger für sein Maskottchen kümmern. Schließlich ist Hennes VIII. mit seinen elf Jahren nicht mehr der Jüngste. Bereits seit 2008 ist er in sportlicher Mission unterwegs. Und er muss topfit sein, wenn er vor bis zu 50.000 Fans ins Stadion einläuft und dabei lauthals mit „Hennes"-Sprechchören gefeiert wird. Wie lange der aktuelle Hennes seinen Job noch ausüben kann, dazu äußert sich Zoo-Kurator Marcordes nicht. Auch auf die Frage, ob der Bock aus Petershagen ein Kandidat für die Nachfolge werden könnte, hält er sich bedeckt. „Momentan gibt es keinen Grund, die Nachfolge von Hennes VIII. akut zu regeln", sagt er. Theoretisch hätte das Tier aus Petershagen aber alle Voraussetzungen, um ein Hennes zu werden. Marcordes: „Wer weiß, was in Zukunft alles passiert." Sollte sein Bock irgendwann tatsächlich einmal das Maskottchen des Traditionsvereins werden, würde Friedrich Dörmann natürlich sofort einen Abstecher ins Stadion machen – „auch wenn mein Herz eher für Werder Bremen schlägt". Bei der Wahl des aktuellen Maskottchens vor zehn Jahren hatten die FC-Fans das letzte Wort und konnten zwischen vier Kandidaten wählen (siehe Kasten unten). Gut möglich, dass der Verein auch in Zukunft seine Anhänger über den Hennes-Nachfolger abstimmen lässt. Fakt ist: Der Bock aus Petershagen könnte nicht nur mit seinem äußeren Erscheinungsbild punkten, sondern auch mit seinen Fitnesswerten. Um es in der Sportlersprache zu sagen: Den erforderlichen Medizincheck hat er schon absolviert. „Es war eine Grundvoraussetzung des Zoos, dass er kerngesund ist", erzählt Dörmann. Und Marcordes ergänzt: „Wir haben beide Tiere aus Petershagen noch einmal gründlich untersucht. Es ist alles in Ordnung." In den ersten Tagen im neuen Zuhause sei der Bock etwas scheu gewesen. „Das ist aber völlig normal, denn er muss sich ja an die neue Umgebung erst einmal gewöhnen", erklärt der Kurator. Mittlerweile habe er sich aber gut eingelebt. Erst recht, seitdem er mit Hennes in einem Gehege wohnt – von der anfänglichen Nervosität sei nun nichts mehr zu spüren. Und auch Hennes scheint seinen neuen Mitbewohner zu mögen. „Er war zuvor immer etwas träge und inaktiv. Seitdem der Bock aus Petershagen bei ihm lebt, bewegt er sich wieder deutlich mehr", sagt Marcordes. „Es ist für beide Tiere sehr schön, so wie es jetzt ist." Und auch Ilse fühle sich im Streichelzoo wohl. „Bei den anderen Tieren musste sie sich in der Rangfolge natürlich erst einmal hinten anstellen. Sie ist aber sehr zutraulich, was vor allem die Besucher freut." Mittlerweile hat der Bock aus Ilse auch einen Namen, wie der Zoo-Kurator erzählt: Er heißt Johannes. Klingt ja fast wie Hennes. Hennes ist viel mehr als ein normales Maskottchen Geißbock Hennes, das wohl bekannteste Fußball-Vereinstier der Welt, begleitet den 1. FC Köln seit 1950. Die Hennes-Geschichte hat ihren Anfang kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. In Neustadt an der Orla in Thüringen greifen Mitarbeiter des aus Köln stammenden Zirkus Williams auf der Flucht in den letzten Tagen des Krieges eine verängstigte Ziege am Wegesrand auf. 1949 gebärt sie einen Bock – am 13. Februar 1950 schenkt der Zirkus dem 1. FC Köln auf dessen Karnevalssitzung das Tier als Maskottchen. Noch am selben Abend wird es in Anlehnung an den damaligen Spielertrainer Hennes Weisweiler auf den Namen Hennes getauft. Die Legende, der verängstigte Bock habe Weisweiler auf der Bühne angepinkelt, entspricht nach Auskunft aller Zeitzeugen nicht der Wahrheit. Bis Anfang der 1960er Jahre begleitet der Geißbock die erste Mannschaft nicht nur zu allen Heim-, sondern auch zu fast allen Auswärtsspielen. Transportiert wird er zunächst im Mannschaftsbus, später im eigens angefertigten Wagen, der an den Bus gehängt wird. Tierschutzaspekte, logistische Gründe und DFB-Regularien sorgen dafür, dass Hennes später nur noch bei Heimspielen eingesetzt wird. Hennes VIII. wurde 2007 in Bergisch Gladbach geboren. Nach dem Tod von Hennes VII. wählen ihn mehr als 70 Prozent der FC-Mitglieder zu dessen Nachfolger. Als „Bock ohne Namen" setzt er sich gegen die Konkurrenten „Jimmy", „Elvis" und „Rocky" durch.?(Quelle: 1. FC Köln)

Ziegenbock aus Petershagen zieht zu 1. FC Köln-Maskottchen Hennes VIII. in den Kölner Zoo

Kurz vor dem Umzug nach Köln: Biolandwirt Friedrich Dörmann und sein etwa sechs Monate alter Bock auf dem Außengelände des Biolandhofs in Petershagen-Ilse. MT-Fotos (2): Alex Lehn

Petershagen-Ilse (mt). Weg vom Land, ab in die Großstadt – und dann direkt in eine Promi-WG: So ist es einem Ziegenbock aus Petershagen ergangen, der vor Kurzem in den Kölner Zoo gezogen ist. Das Tier von Biolandwirt Friedrich Dörmann lebt dort nämlich zusammen mit Hennes VIII., dem berühmten Maskottchen des 1. FC Köln.

Der Biolandwirt aus Petershagen-Ilse ist etwas traurig über den Abschied. Er ist aber auch stolz, dass sein Bock im Rheinland für Furore sorgt. „Ich bin schon ein wenig neidisch auf ihn, weil er jetzt Köln erobert", sagt der 54-Jährige. Wie kommt das knapp sechs Monate alte Tier überhaupt zu dieser Ehre? Friedrich Dörmann muss schmunzeln, als er die Geschichte erzählt.

Maskottchen Hennes schaut sich traditionell jedes Heimspiel des 1. FC Köln direkt vom Spielfeldrand aus an. Foto: Federico Gambarini/dpa - © Federico Gambarini
Maskottchen Hennes schaut sich traditionell jedes Heimspiel des 1. FC Köln direkt vom Spielfeldrand aus an. Foto: Federico Gambarini/dpa - © Federico Gambarini

Es ist einer der vielen heißen Sommertage im August. Dörmann und seine Frau Heike sind gerade auf ihrem Hof beschäftigt – die rund 300 Tiere der Rasse „Bunte deutsche Edelziege" machen schließlich eine Menge Arbeit. Plötzlich klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist Bernd Marcordes, der Kurator des Kölner Zoos. Er sei auf der Suche nach einem Ziegenbock und einem passenden Weibchen, die künftig im Zoo leben und irgendwann dort für Nachwuchs sorgen sollen. Dörmann bleibt kurz die Stimme weg. „Ich dachte zunächst, er will mich veräppeln und das ist ein Scherz-Anruf", gibt der Ziegenzüchter zu. Doch der Verwalter des Zoos, der Mitbestimmung bei Tier-Neukäufen hat, meint es ernst.

- © Alex Lehn
© Alex Lehn

Friedrich Dörmann, der in der näheren Umgebung der einzige Landwirt ist, der von der Ziegenzucht und dem Verkauf des selbst hergestellten Ziegenkäses und weiterer Milchprodukte lebt, fühlt sich geehrt – wann hat schon mal der Kölner Zoo Interesse an einem Bock aus Petershagen? Der Kurator hat sich im Vorfeld gut vorbereitet, er weiß genau, was er will. Und zwar den Bock ohne Namen, der lediglich eine Marke mit der Zahl 570 am Ohr trägt. „Der ist mir bei meiner Suche im Internet direkt aufgefallen", erzählt Marcordes im MT-Gespräch. Dabei hält er eigentlich online nur nach neuen Zwergziegen für den Zoo Ausschau, bis er auf Dörmanns Bock stößt. „Mir war sofort klar: Der passt gut zu unseren Tieren und könnte sich auch mit Hennes gut verstehen." Im Telefonat habe er dann gemerkt, dass Dörmann ebenfalls ein Mann vom Fach ist. „Wir haben uns gut unterhalten und uns schnell geeinigt", sagt der Kurator. Und Petershagen sei ihm ebenfalls ein Begriff gewesen. Denn Marcordes, der seit zwölf Jahren beim Kölner Zoo tätig ist, stammt aus der Nähe von Diepholz in Niedersachsen, kennt daher die Region ganz gut. „Ich wusste, wo ich hinfahren musste."

Angekommen im neuen Zuhause: Der Bock aus Petershagen lebt jetzt mit Hennes VIII. in dessen Gehege im Kölner Zoo. - © Foto: Marcordes / Kölner Zoo
Angekommen im neuen Zuhause: Der Bock aus Petershagen lebt jetzt mit Hennes VIII. in dessen Gehege im Kölner Zoo. - © Foto: Marcordes / Kölner Zoo

Zusätzlich zur kräftigen Statur und dem dominanten Auftreten des Bockes punktet Dörmann mit einem weiteren Argument: Auf seinem Hof lebt gleich die passende Freundin für den künftigen Zoo-Bewohner: Ilse aus Ilse. Der Plan des Kurators: Auch sie soll den knapp 250 Kilometer langen Umzug ins Rheinland auf sich nehmen.

Ilse ist drei Monate jung, das letztgeborene Ziegenbaby in diesem Jahr auf Dörmanns Hof, ein neugieriger Wirbelwind. Sie huscht kreuz und quer durch den Stall, läuft dann wieder ins Gehege, wo sich die Herde tummelt. Mittendrin statt nur dabei – das scheint ihr Motto zu sein. Sie kann aber auch anders, denn kurze Zeit später ist Entspannung angesagt: Ilse platziert sich gemütlich auf dem Fahrersitz von Dörmanns Traktor und legt eine Ruhepause ein. „Sie genießt hier auf dem Hof schon einige Sonderrechte", sagt der Chef mit einem Augenzwinkern, wenige Tage vor dem großen Umzug.

Die Konditionen für den „Wechsel" nach Köln sind schnell ausgehandelt, der Zoo kauft dem Züchter beide Tiere ab. Details dazu nennt der Biolandwirt nicht – wie im Millionen-Geschäft Fußball, da vereinbaren Vereine bei Transfers auch meist Stillschweigen über die Ablösemodalitäten. Was im Gespräch deutlich wird: Friedrich Dörmann freut sich nicht nur über den Verkaufserlös. „Es ist toll, dass zwei unserer Tiere jetzt im Kölner Zoo leben", sagt er stolz. Und fügt im selben Atemzug hinzu: „Wir werden die beiden natürlich öfter mal besuchen."

Als erstes Maskottchen in der Geschichte des 1. FC Köln wohnt Hennes VIII. mitten in der Stadt, im Kölner Zoo. Seit 2014 hat er dort ein eigenes Gehege, seit ein paar Wochen teilt er sich das „kleine Geißbockheim", wie es in Anlehnung an die gleichlautende Trainingsstätte des Vereins genannt wird, nun mit dem Bock aus Ostwestfalen.

Zu jedem Spiel wird Hennes ins Stadion kutschiert, während seiner Abwesenheit hissen die Tierpfleger im Zoo eine FC-Fahne. Hennes ist die gute Seele des 1. FC Köln und in der Stadt ein echtes Markenzeichen. Ob es überhaupt Kölner gibt, die ihn nicht kennen? Fraglich. Über eine Internet-Webcam lässt Hennes seine Fans live an seinem Leben im Zoo mit dem Bock aus Petershagen teilhaben. Er hat sogar eine eigene Facebookseite, die mehr als 33.000 Nutzer abonniert haben.

Irgendwann wird der Tag kommen, dann muss sich der Traditionsverein um einen Nachfolger für sein Maskottchen kümmern. Schließlich ist Hennes VIII. mit seinen elf Jahren nicht mehr der Jüngste. Bereits seit 2008 ist er in sportlicher Mission unterwegs. Und er muss topfit sein, wenn er vor bis zu 50.000 Fans ins Stadion einläuft und dabei lauthals mit „Hennes"-Sprechchören gefeiert wird. Wie lange der aktuelle Hennes seinen Job noch ausüben kann, dazu äußert sich Zoo-Kurator Marcordes nicht. Auch auf die Frage, ob der Bock aus Petershagen ein Kandidat für die Nachfolge werden könnte, hält er sich bedeckt. „Momentan gibt es keinen Grund, die Nachfolge von Hennes VIII. akut zu regeln", sagt er. Theoretisch hätte das Tier aus Petershagen aber alle Voraussetzungen, um ein Hennes zu werden. Marcordes: „Wer weiß, was in Zukunft alles passiert." Sollte sein Bock irgendwann tatsächlich einmal das Maskottchen des Traditionsvereins werden, würde Friedrich Dörmann natürlich sofort einen Abstecher ins Stadion machen – „auch wenn mein Herz eher für Werder Bremen schlägt".

Bei der Wahl des aktuellen Maskottchens vor zehn Jahren hatten die FC-Fans das letzte Wort und konnten zwischen vier Kandidaten wählen (siehe Kasten unten). Gut möglich, dass der Verein auch in Zukunft seine Anhänger über den Hennes-Nachfolger abstimmen lässt. Fakt ist: Der Bock aus Petershagen könnte nicht nur mit seinem äußeren Erscheinungsbild punkten, sondern auch mit seinen Fitnesswerten. Um es in der Sportlersprache zu sagen: Den erforderlichen Medizincheck hat er schon absolviert. „Es war eine Grundvoraussetzung des Zoos, dass er kerngesund ist", erzählt Dörmann. Und Marcordes ergänzt: „Wir haben beide Tiere aus Petershagen noch einmal gründlich untersucht. Es ist alles in Ordnung."

In den ersten Tagen im neuen Zuhause sei der Bock etwas scheu gewesen. „Das ist aber völlig normal, denn er muss sich ja an die neue Umgebung erst einmal gewöhnen", erklärt der Kurator. Mittlerweile habe er sich aber gut eingelebt. Erst recht, seitdem er mit Hennes in einem Gehege wohnt – von der anfänglichen Nervosität sei nun nichts mehr zu spüren. Und auch Hennes scheint seinen neuen Mitbewohner zu mögen. „Er war zuvor immer etwas träge und inaktiv. Seitdem der Bock aus Petershagen bei ihm lebt, bewegt er sich wieder deutlich mehr", sagt Marcordes. „Es ist für beide Tiere sehr schön, so wie es jetzt ist." Und auch Ilse fühle sich im Streichelzoo wohl. „Bei den anderen Tieren musste sie sich in der Rangfolge natürlich erst einmal hinten anstellen. Sie ist aber sehr zutraulich, was vor allem die Besucher freut."

Mittlerweile hat der Bock aus Ilse auch einen Namen, wie der Zoo-Kurator erzählt: Er heißt Johannes. Klingt ja fast wie Hennes.

Hennes ist viel mehr als ein normales Maskottchen

Geißbock Hennes, das wohl bekannteste Fußball-Vereinstier der Welt, begleitet den 1. FC Köln seit 1950.

Die Hennes-Geschichte hat ihren Anfang kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. In Neustadt an der Orla in Thüringen greifen Mitarbeiter des aus Köln stammenden Zirkus Williams auf der Flucht in den letzten Tagen des Krieges eine verängstigte Ziege am Wegesrand auf. 1949 gebärt sie einen Bock – am 13. Februar 1950 schenkt der Zirkus dem 1. FC Köln auf dessen Karnevalssitzung das Tier als Maskottchen.

Noch am selben Abend wird es in Anlehnung an den damaligen Spielertrainer Hennes Weisweiler auf den Namen Hennes getauft. Die Legende, der verängstigte Bock habe Weisweiler auf der Bühne angepinkelt, entspricht nach Auskunft aller Zeitzeugen nicht der Wahrheit.

Bis Anfang der 1960er Jahre begleitet der Geißbock die erste Mannschaft nicht nur zu allen Heim-, sondern auch zu fast allen Auswärtsspielen. Transportiert wird er zunächst im Mannschaftsbus, später im eigens angefertigten Wagen, der an den Bus gehängt wird. Tierschutzaspekte, logistische Gründe und DFB-Regularien sorgen dafür, dass Hennes später nur noch bei Heimspielen eingesetzt wird.

Hennes VIII. wurde 2007 in Bergisch Gladbach geboren. Nach dem Tod von Hennes VII. wählen ihn mehr als 70 Prozent der FC-Mitglieder zu dessen Nachfolger. Als „Bock ohne Namen" setzt er sich gegen die Konkurrenten „Jimmy", „Elvis" und „Rocky" durch.?(Quelle: 1. FC Köln)

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