Arbeit an den Buhnenfeldern: Fischzimmer statt Wasserstein

Oliver Plöger

Das Arbeitsschiff Segerdiek ist bereits im Einsatz. Bis Mitte November sollen die Buhnen ökologisch aufgewertet sein. Die bestehenden Einbuchtungen sind auf der rechten Seite gut zu erkennen. MT- - © Foto: Oliver Plöger
Das Arbeitsschiff Segerdiek ist bereits im Einsatz. Bis Mitte November sollen die Buhnen ökologisch aufgewertet sein. Die bestehenden Einbuchtungen sind auf der rechten Seite gut zu erkennen. MT- (© Foto: Oliver Plöger)

Petershagen-Schlüsselburg (mt). Die Arbeiten an den Schlüsselburger Buhnenfeldern haben begonnen. Über eine Strecke von einem Kilometer – vom Wehr aus gesehen – soll die Struktur des Uferbereichs verbessert, außerdem eine naturnahe Aue zur Förderung heimischer Arten entwickelt werden.

Zuständig ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Verden. Das Modellprojekt unter dem Titel „Weserschleifen“ wird vom „Bundesprogramm Blaues Band Deutschland“ gefördert. Laut Thomas Rumpf, Leiter des WSA Verden, sollen die Arbeiten bis Mitte November abgeschlossen sein. Neben den Buhnenfeldern Schlüsselburg werde derzeit auch an der Gleituferentwicklung in Jössen gearbeitet, hier wird bereits Ende Oktober mit dem Abschluss gerechnet.

„Wir bauen Kinderzimmer für Fische“, hatte Thomas Lippel, ebenfalls WSA, im Petershäger Planungsausschuss betont. Die vorhandenen Buhnen in Schlüsselburg sollen teilweise gekerbt werden, wodurch ein ufernaher Strömungsfaden entstehe. Die Ufersicherung werde in einigen Bereichen rückgebaut und ein Weidezaun zum Schutz des Ufers vor dem Weidevieh errichtet, hieß es vom WSA. Da sich das Projektgebiet im Naturschutzgebiet „Weseraue“ befindet, wird das WSA die Bauarbeiten größtenteils vom Wasser aus durchführen lassen – um Störungen der Flora und Fauna so weit wie möglich zu minimieren. „An den ersten fünf Buhnen wird nichts geschehen, da der Wasserdruck zu hoch ist“, sagte Lippel. Angefasst werden die weiteren fünf Felder.

Doch bei aller Ökologie – das Projekt hat zumindest für die Wasser- und Schifffahrtsbehörde auch noch einen anderen Hintergrund: „Wir brauchen die intakten Buhnenfelder, damit wir mit den Schiffen bis ans Wehr kommen“, so Lippel. Alternativ hätte das Amt Wasserbausteine abgeladen, sinnvoller sei die ökologische Aufwertung in einem Zuge. Die Planung sei mit der Biologischen Station abgestimmt, ebenso mit Kanuten und Ruderern.

Die zeitgleich entwickelte „Gleituferentwicklung Jössen“ erstreckt sich über 1,4 Kilometer entlang des linken Weserufers zwischen Petershagen und Gernheim. Ziel hier seien die ökologische Verbesserung der vorhandenen Auenstrukturen sowie die Vielfalt im Bereich der Uferlinie und des Uferrandstreifens. Thomas Rumpf dazu in einer Pressemitteilung: „Die zwei Flutrinnen werden untereinander verbunden und einseitig an die Weser angeschlossen. Das Sohlenniveau wird beibehalten, so dass die Rinnen erst im Hochwasserfall geflutet werden.“

Hierdurch solle vor allem die Funktion als Nahrungshabitat für im Vogelschutzgebiet vorkommende Brutvogelarten – darunter Weißstorch – aufgewertet werden.

Weiter würden neue Ruheräume für Brutvögel und andere Tierarten entstehen.

Hintergrund des Blauen Bandes ist das Ziel, die Wasserstraßen bundesweit wieder naturnäher zu gestalten. „Die Renaturierung von Flüssen und Auen schafft Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt unserer Gewässerlandschaften und setzt neue Akzente für Freizeit und Erholung“, heißt es aus dem Verkehrs- und dem Umweltministerium, die das Bundesprogramm gemeinsam umsetzen wollen. Auch im Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode hatten die Regierungsparteien vereinbart, das Programm weiter zu verfolgen.

Weitere Renaturierungen werden in den Folgejahren laut MT-Informationen in den Teilbereichen „Grube Baltus“ und „Windheimer Marsch“ stattfinden.

Der Politik in Petershagen war es wichtig, dass die Landwirte und Nutzer der Weser einbezogen werden. Das war bei den bisherigen Projekten laut WSA geschehen, auch eine Informationsveranstaltung hatte vor dem Start der Arbeiten stattgefunden.

Der Autor ist erreichbarunter (0571) 882 264 oderOliver.Ploeger@MT.de

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Arbeit an den Buhnenfeldern: Fischzimmer statt WassersteinOliver PlögerPetershagen-Schlüsselburg (mt). Die Arbeiten an den Schlüsselburger Buhnenfeldern haben begonnen. Über eine Strecke von einem Kilometer – vom Wehr aus gesehen – soll die Struktur des Uferbereichs verbessert, außerdem eine naturnahe Aue zur Förderung heimischer Arten entwickelt werden. Zuständig ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Verden. Das Modellprojekt unter dem Titel „Weserschleifen“ wird vom „Bundesprogramm Blaues Band Deutschland“ gefördert. Laut Thomas Rumpf, Leiter des WSA Verden, sollen die Arbeiten bis Mitte November abgeschlossen sein. Neben den Buhnenfeldern Schlüsselburg werde derzeit auch an der Gleituferentwicklung in Jössen gearbeitet, hier wird bereits Ende Oktober mit dem Abschluss gerechnet. „Wir bauen Kinderzimmer für Fische“, hatte Thomas Lippel, ebenfalls WSA, im Petershäger Planungsausschuss betont. Die vorhandenen Buhnen in Schlüsselburg sollen teilweise gekerbt werden, wodurch ein ufernaher Strömungsfaden entstehe. Die Ufersicherung werde in einigen Bereichen rückgebaut und ein Weidezaun zum Schutz des Ufers vor dem Weidevieh errichtet, hieß es vom WSA. Da sich das Projektgebiet im Naturschutzgebiet „Weseraue“ befindet, wird das WSA die Bauarbeiten größtenteils vom Wasser aus durchführen lassen – um Störungen der Flora und Fauna so weit wie möglich zu minimieren. „An den ersten fünf Buhnen wird nichts geschehen, da der Wasserdruck zu hoch ist“, sagte Lippel. Angefasst werden die weiteren fünf Felder. Doch bei aller Ökologie – das Projekt hat zumindest für die Wasser- und Schifffahrtsbehörde auch noch einen anderen Hintergrund: „Wir brauchen die intakten Buhnenfelder, damit wir mit den Schiffen bis ans Wehr kommen“, so Lippel. Alternativ hätte das Amt Wasserbausteine abgeladen, sinnvoller sei die ökologische Aufwertung in einem Zuge. Die Planung sei mit der Biologischen Station abgestimmt, ebenso mit Kanuten und Ruderern. Die zeitgleich entwickelte „Gleituferentwicklung Jössen“ erstreckt sich über 1,4 Kilometer entlang des linken Weserufers zwischen Petershagen und Gernheim. Ziel hier seien die ökologische Verbesserung der vorhandenen Auenstrukturen sowie die Vielfalt im Bereich der Uferlinie und des Uferrandstreifens. Thomas Rumpf dazu in einer Pressemitteilung: „Die zwei Flutrinnen werden untereinander verbunden und einseitig an die Weser angeschlossen. Das Sohlenniveau wird beibehalten, so dass die Rinnen erst im Hochwasserfall geflutet werden.“ Hierdurch solle vor allem die Funktion als Nahrungshabitat für im Vogelschutzgebiet vorkommende Brutvogelarten – darunter Weißstorch – aufgewertet werden. Weiter würden neue Ruheräume für Brutvögel und andere Tierarten entstehen. Hintergrund des Blauen Bandes ist das Ziel, die Wasserstraßen bundesweit wieder naturnäher zu gestalten. „Die Renaturierung von Flüssen und Auen schafft Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt unserer Gewässerlandschaften und setzt neue Akzente für Freizeit und Erholung“, heißt es aus dem Verkehrs- und dem Umweltministerium, die das Bundesprogramm gemeinsam umsetzen wollen. Auch im Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode hatten die Regierungsparteien vereinbart, das Programm weiter zu verfolgen. Weitere Renaturierungen werden in den Folgejahren laut MT-Informationen in den Teilbereichen „Grube Baltus“ und „Windheimer Marsch“ stattfinden. Der Politik in Petershagen war es wichtig, dass die Landwirte und Nutzer der Weser einbezogen werden. Das war bei den bisherigen Projekten laut WSA geschehen, auch eine Informationsveranstaltung hatte vor dem Start der Arbeiten stattgefunden. Der Autor ist erreichbarunter (0571) 882 264 oderOliver.Ploeger@MT.de