Mehrere Erdbeben am Wochenende Vulkaninsel La Palma bebt immer stärker: Lava-Drama bald noch schlimmer? Ralph Schulze Immer heftigere Erdbeben erschüttern die spanische Urlaubsinsel La Palma, wo vor einem Monat der Vulkan im Gebirgszug Cumbre Vieja ausbrach. Die Beben signalisieren laut Vulkanforschern, dass immer mehr Magma, also Gesteinsschmelzen, aus dem Erdinneren nach oben drückt. Die Lavaflüsse, die das Vulkangebirge herunterfließen und schon verheerende Zerstörungen verursachten, könnten also noch zunehmen. Keine beruhigenden Aussichten für diese traumhafte und bergige Kanareninsel, die vor allem bei Wandertouristen beliebt ist. In den letzten Tagen ließen gleich mehrere Erdstöße mit einer Stärke zwischen 4 und 5 auf der Richterskala die Häuser auf der ganzen Insel wackeln. Die Epizentren lagen stets tief unter der südlichen Hälfte der Insel – also dort, wo die bis zu 2.000 Meter hohe Bergkette Cumbre Vieja seit dem 19. September große Mengen an Lava sowie Asche spuckt. Es sind die stärksten Beben, die seit Beginn dieser neuen Vulkankrise auf der Insel registriert wurden. "Die Beben haben mit einem Prozess der Wiederauffüllung der Magmakammern im Erdinneren zu tun", sagt Vicente Soler, staatlicher Vulkanologe, der zum wissenschaftlichen Krisenteam auf der Insel gehört. Diese riesigen unterirdischen Magmablasen speisen den aus dem Berg fließen Lavastrom und füllen sich, solange der Druck aus der Tiefe nicht nachlässt, immer wieder auf. Wenn die nach oben drängenden flüssigen Vulkanmassen auf Hindernisse stoßen und diese Barrieren plötzlich brechen, komme es zu Erdstößen, erklärt Soler. Das sei im Prinzip alles ganz normal. Zwar wurde bisher niemand durch die Erdstöße und die Lavaflüsse verletzt Doch was für die Geologen normal ist, alarmiert die Bevölkerung der Insel, auf der 83.000 Menschen leben und die jedes Jahr rund 250.000 Feriengäste anzieht. Zwar wurde bisher niemand durch die Erdstöße und die Lavaflüsse verletzt. Aber die Menschen werden mit jedem neuen Erdstoß daran erinnert, dass dieses Vulkandrama wohl noch lange nicht ausgestanden ist. "Niemand glaubt mehr daran, dass sich dieser Feuerberg so schnell wieder beruhigen wird", fasst ein Kommentator im Inselradio die Stimmung zusammen. Schon jetzt, nach einem Monat, hat der Vulkan Schäden in Höhe von Hunderten Millionen Euro verursacht: Laut Copernicus, dem europäischen Satelliten-Beobachtungsprogramm, wurden bereits nahezu 2.000 Bauten zerstört: Vor allem Wohnhäuser in den Gemeinden El Paso, Los Llanos de Aridane und Tazacorte. Aber auch viele Bauernbetriebe, die sich auf der Insel meist dem Bananen- und Weinanbau widmen. Bisher bedeckt die seit einem Monat fließende Lava auf La Palma eine Fläche von rund 7,5 Quadratkilometer. Das entspricht zum Beispiel annähernd der Größe der britischen Kronkolonie Gibraltar oder auch jener der deutschen Nordseeinsel Wangerooge. Der größte von mehreren Lavaströmen misst an seiner breitesten Stelle bereits mehr als zwei Kilometer. Dort, wo die flüssigen Vulkanmassen südlich des Ortes Tazacorte ins Meer fließen, formt sich eine neue Halbinsel, die mit knapp 40 Hektar schon fast so groß ist wie der Vatikanstaat. La Palma ist die aktivste Vulkaninsel des gesamten kanarischen Archipels Der Vulkan gilt auf den Kanarischen Inseln bereits als der zerstörerischste seit mehr als hundert Jahren. Bisher stieß dieser wütende Berg den Schätzungen zufolge bis zu 100 Millionen Kubikmeter an Lava aus. Das ist deutlich mehr als zusammengenommen bei den beiden vergangenen Vulkanausbrüchen, die auf den Kanaren im Jahr 1971 und 1949 registriert wurden. Diese beiden Eruptionen fanden ebenfalls auf La Palma statt, welche die aktivste Vulkaninsel des gesamten kanarischen Archipels ist. Nicht nur die Lava macht den Insulanern zu schaffen. Auch die Asche, die der Vulkan ausstößt, wird zu einem immer größeren Problem. Weite Teile der Insel liegen seit Tagen unter einer schwarzen Schicht, die vom Himmel regnet und sich auf Häuser, Straßen, Autos und die ganze Landschaft legte. Schuld ist ein neuer Vulkanschlund, der vor Kurzem aufriss und kein Feuer, sondern Riesenmengen an Asche ausspuckt. Viele Airlines sagten ihre Flüge von und nach La Palma ab Sogar in der rund 20 Kilometer vom Vulkan entfernten Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma kommt dieser hässliche schwarze Regen an. Da die Aschepartikel Automotoren, aber auch Flugzeugtriebwerke zum Stottern bringen können, sagten viele Airlines ihre Flüge von und nach La Palma ab. Die Aschewolken kamen inzwischen auch im Norden der Nachbarinsel Teneriffa an und stören dort nun ebenfalls den Flugverkehr. Teneriffa ist die meistbesuchte aller Kanarischen Inseln. Jetzt, im Oktober, halten sich dort Zehntausende Urlauber auf. Auf dem Airport Tenerife-Norte, zweitgrößter Flughafen der Insel, kam es in den letzten Tagen bereits wegen der Asche zu Verspätungen. Etliche Jets mussten sogar aus Sicherheitsgründen zum Inselsüden umgeleitet werden, wo ein weiterer großer Flughafen liegt.
Mehrere Erdbeben am Wochenende

Vulkaninsel La Palma bebt immer stärker: Lava-Drama bald noch schlimmer?

Lava aus dem Vulkan Cumbre Vieja verbrennt Felder um das Gebäude in Los Llanos auf der Kanareninsel La Palma in El Paso. © picture alliance / AA

Immer heftigere Erdbeben erschüttern die spanische Urlaubsinsel La Palma, wo vor einem Monat der Vulkan im Gebirgszug Cumbre Vieja ausbrach. Die Beben signalisieren laut Vulkanforschern, dass immer mehr Magma, also Gesteinsschmelzen, aus dem Erdinneren nach oben drückt. Die Lavaflüsse, die das Vulkangebirge herunterfließen und schon verheerende Zerstörungen verursachten, könnten also noch zunehmen. Keine beruhigenden Aussichten für diese traumhafte und bergige Kanareninsel, die vor allem bei Wandertouristen beliebt ist.

In den letzten Tagen ließen gleich mehrere Erdstöße mit einer Stärke zwischen 4 und 5 auf der Richterskala die Häuser auf der ganzen Insel wackeln. Die Epizentren lagen stets tief unter der südlichen Hälfte der Insel – also dort, wo die bis zu 2.000 Meter hohe Bergkette Cumbre Vieja seit dem 19. September große Mengen an Lava sowie Asche spuckt. Es sind die stärksten Beben, die seit Beginn dieser neuen Vulkankrise auf der Insel registriert wurden.

Laut Experten besteht keine Hoffnung, dass der Vulkanausbruch in Kürze endet. - © Luismi Ortiz / UME / AFP
Laut Experten besteht keine Hoffnung, dass der Vulkanausbruch in Kürze endet. - © Luismi Ortiz / UME / AFP

"Die Beben haben mit einem Prozess der Wiederauffüllung der Magmakammern im Erdinneren zu tun", sagt Vicente Soler, staatlicher Vulkanologe, der zum wissenschaftlichen Krisenteam auf der Insel gehört. Diese riesigen unterirdischen Magmablasen speisen den aus dem Berg fließen Lavastrom und füllen sich, solange der Druck aus der Tiefe nicht nachlässt, immer wieder auf. Wenn die nach oben drängenden flüssigen Vulkanmassen auf Hindernisse stoßen und diese Barrieren plötzlich brechen, komme es zu Erdstößen, erklärt Soler. Das sei im Prinzip alles ganz normal.

Zwar wurde bisher niemand durch die Erdstöße und die Lavaflüsse verletzt

Doch was für die Geologen normal ist, alarmiert die Bevölkerung der Insel, auf der 83.000 Menschen leben und die jedes Jahr rund 250.000 Feriengäste anzieht. Zwar wurde bisher niemand durch die Erdstöße und die Lavaflüsse verletzt. Aber die Menschen werden mit jedem neuen Erdstoß daran erinnert, dass dieses Vulkandrama wohl noch lange nicht ausgestanden ist. "Niemand glaubt mehr daran, dass sich dieser Feuerberg so schnell wieder beruhigen wird", fasst ein Kommentator im Inselradio die Stimmung zusammen.

Schon jetzt, nach einem Monat, hat der Vulkan Schäden in Höhe von Hunderten Millionen Euro verursacht: Laut Copernicus, dem europäischen Satelliten-Beobachtungsprogramm, wurden bereits nahezu 2.000 Bauten zerstört: Vor allem Wohnhäuser in den Gemeinden El Paso, Los Llanos de Aridane und Tazacorte. Aber auch viele Bauernbetriebe, die sich auf der Insel meist dem Bananen- und Weinanbau widmen.

Bisher bedeckt die seit einem Monat fließende Lava auf La Palma eine Fläche von rund 7,5 Quadratkilometer. Das entspricht zum Beispiel annähernd der Größe der britischen Kronkolonie Gibraltar oder auch jener der deutschen Nordseeinsel Wangerooge. Der größte von mehreren Lavaströmen misst an seiner breitesten Stelle bereits mehr als zwei Kilometer. Dort, wo die flüssigen Vulkanmassen südlich des Ortes Tazacorte ins Meer fließen, formt sich eine neue Halbinsel, die mit knapp 40 Hektar schon fast so groß ist wie der Vatikanstaat.

La Palma ist die aktivste Vulkaninsel des gesamten kanarischen Archipels

Der Vulkan gilt auf den Kanarischen Inseln bereits als der zerstörerischste seit mehr als hundert Jahren. Bisher stieß dieser wütende Berg den Schätzungen zufolge bis zu 100 Millionen Kubikmeter an Lava aus. Das ist deutlich mehr als zusammengenommen bei den beiden vergangenen Vulkanausbrüchen, die auf den Kanaren im Jahr 1971 und 1949 registriert wurden. Diese beiden Eruptionen fanden ebenfalls auf La Palma statt, welche die aktivste Vulkaninsel des gesamten kanarischen Archipels ist.

Nicht nur die Lava macht den Insulanern zu schaffen. Auch die Asche, die der Vulkan ausstößt, wird zu einem immer größeren Problem. Weite Teile der Insel liegen seit Tagen unter einer schwarzen Schicht, die vom Himmel regnet und sich auf Häuser, Straßen, Autos und die ganze Landschaft legte. Schuld ist ein neuer Vulkanschlund, der vor Kurzem aufriss und kein Feuer, sondern Riesenmengen an Asche ausspuckt.

Viele Airlines sagten ihre Flüge von und nach La Palma ab

Sogar in der rund 20 Kilometer vom Vulkan entfernten Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma kommt dieser hässliche schwarze Regen an. Da die Aschepartikel Automotoren, aber auch Flugzeugtriebwerke zum Stottern bringen können, sagten viele Airlines ihre Flüge von und nach La Palma ab.

Die Aschewolken kamen inzwischen auch im Norden der Nachbarinsel Teneriffa an und stören dort nun ebenfalls den Flugverkehr. Teneriffa ist die meistbesuchte aller Kanarischen Inseln. Jetzt, im Oktober, halten sich dort Zehntausende Urlauber auf.

Auf dem Airport Tenerife-Norte, zweitgrößter Flughafen der Insel, kam es in den letzten Tagen bereits wegen der Asche zu Verspätungen. Etliche Jets mussten sogar aus Sicherheitsgründen zum Inselsüden umgeleitet werden, wo ein weiterer großer Flughafen liegt.

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