Rekord-Inzidenz am Sonntag - diese Maßnahmen werden jetzt diskutiert Berlin/Bielefeld. Die sich zuspitzende Corona-Lage droht das Gesundheitssystem in Deutschland nach Einschätzung von Medizinern zu überfordern. Am Sonntag überstieg die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Deutschland die Marke von fünf Millionen. Auch in Ostwestfalen-Lippe stieg Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner erneut an. Nun werden verschiedene Maßnahmen diskutiert, die bei der Eindämmung der Pandemie helfen sollen. Ein Überblick: Infektionslage Nach Angaben des Robert Koch-Institus (RKI) vom Sonntag hat die Zahl der Infektionen bundesweit die Marke von fünf Millionen seit Beginn der Pandemie überschritten. Die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner stieg auf den Rekordwert von 289,0. An der Spitze stand Sachsen mit 670,9. Thüringen wies am Sonntag einen Wert von über 500 auf, Bayern stand kurz vor dieser Marke. 97.672 Menschen sind im Zusammenhang mit Corona seit Beginn der Pandemie gestorben. In OWL stieg die Sieben-Tage-Inzidenz bis Sonntag auf 208,8, in NRW lag sie dem RKI zufolge am Sonntag bei 162,6. Intensivlage „Uns rennt im Moment wirklich die Zeit davon", sagte Intensivmediziner Christian Karagiannidis dem RBB. Der „allergrößte Teil" der Covid-Intensivpatienten seien Ungeimpfte. Zunehmend gebe es hier aber auch doppelt Geimpfte, dies seien aber vielfach ältere Menschen sowie Patienten mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpften. Vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen bereiteten ihm "größte Sorgen", sagte der Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). Am Sonntag stieg die Zahl der Corona-Intensivpatienten auf über 3.000 bundesweit, das sind rund 1.000 mehr als vor zwei Wochen. Einem vertraulichen Bericht der Länder zufolge gibt es in Bayern und Baden-Württemberg bereits „täglich Verlegungen zwischen Krankenhäusern zum Ausgleich und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit. In Ostwestfalen-Lippe lag die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Covid-19-Patienen am Sonntag laut Divi (Stand: 15.10 Uhr) bei 69. Davon mussten 40 invasiv beatmet werden. Homeoffice Angesichts der sprunghaften Entwicklung der Infektionszahlen wird eine Verschärfung von Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens wahrscheinlicher. In der Bundesregierung gibt es den Plan, die Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer wieder einzuführen. Ein Entwurf des Bundesarbeitsministeriums für ein geändertes Infektionsschutzgesetz sieht dies vor. In dem Entwurfstext heißt es: "Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen. Die Beschäftigten haben dieses Angebot anzunehmen, soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen." Aus informierten Kreisen hieß es am Sonntag, zwischen den Fraktionen aus SPD, Grünen und FDP, die zurzeit über eine neue Bundesregierung verhandeln, gebe es noch keine endgültige Einigung. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann sagte, es sei "richtig, dass Arbeitgeber erneut verpflichtet sind, wo immer möglich Homeoffice anzubieten". "Auch dass Beschäftigte dieses Angebot grundsätzlich ernstnehmen müssen, ist in der jetzigen Situation richtig und wichtig." Niemand dürfe jedoch gezwungen werden, im Homeoffice zu arbeiten. Impfstatus von Beschäftigten Auch zur Auskunftspflicht in Betrieben gibt es offenbar Überlegungen. In einem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Gesetzentwurf heißt es, Beschäftigte seien verpflichtet, am Arbeitsplatz einen Impf- oder Genesenennachweis vorzulegen. Wer dies nicht kann, muss sich demnach täglich testen lassen. Der Arbeitgeber müsse demnach die Nachweise kontrollieren - sonst drohe ein Bußgeld. Zur Begründung heißt es in dem Entwurf, "die Verarbeitung der Nachweise über den Status geimpft, genesen oder getestet von Beschäftigten zum Zwecke der Zugangsbeschränkung der Arbeitsstätte ist im Sinne dieser Vorschrift aus Gründen des öffentlichen Interesses im Bereich der öffentlichen Gesundheit erforderlich, um die Weiterverbreitung der Coronavirus-Krankheit-2019 an diesem Ort zu begrenzen". 2G-Plus Nach einem Tagesspiegel-Bericht soll für Veranstaltungen die Option auf "2G plus" eingeführt werden. Geimpfte und Genesene bräuchten für den Zutritt dann zusätzlich einen negativen Test. Die Zeitung bezieht sich auf Änderungsentwürfe der amtierenden Bundesregierung, die auf Vorschläge der Ampel-Partner zurückgehen. Grünen-Chef Habeck nannte 2G plus einen „logisch nächsten Schritt". Der noch amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich kürzlich für die Einführung von 2G plus bei öffentlichen Veranstaltungen aus. 3G in Zügen Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert die Ausweitung der 3G-Pflicht auf den Bahn-Fernverkehr. Auch Grünen-Chef Robert Habeck sprach sich dafür aus. Die Deutsche Bahn erklärte, sie stehe "in ständigem Austausch mit den Ministerien und Behörden von Bund und Ländern". An die aktuelle Lage angepassten Verordnungen "folgen wir und setzen diese um". Lauterbach sagte der Bild am Sonntag: In dieser Corona-Situation sei es "unverantwortlich, dass Menschen ungeimpft und ungetestet in vollen Zügen im Fernverkehr stundenlang eng neben anderen Passagieren sitzen". Das sei Geimpften insbesondere in der Weihnachtszeit kaum zumutbar. Ohne eine 3G-Regel im Fernverkehr müssten 50 Prozent der Plätze frei bleiben, forderte er. Habeck sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Auch das Bahnfahren muss sicherer werden. Aus meiner Sicht sollte hier 3G gelten, darüber werden wir reden müssen." 3G heißt, die Fahrgäste müssten geimpft, genesen oder getestet sein und dies - wie etwa im Restaurant - auch nachweisen können. NRW-Ministerpräsident für einheitliche 2G-Regel Hendrik Wüst (CDU) spricht sich für die Einführung von bundesweit einheitlichen 2G-Regeln aus. „Wir brauchen vergleichbare Maßnahmen in den Ländern, um die vierte Welle zu brechen", sagte Wüst dem Kölner Stadt-Anzeiger. Das gelte beim Impfen, beim Testen und bei allem, was zusätzliche Sicherheit schaffe. „Deshalb werden wir über 2G-Regeln auch beim Bund-Länder-Treffen reden", kündigte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz an. Wüst sprach sich zugleich gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht aus: „Man sollte nicht darauf setzen, Probleme mit immer mehr staatlichem Druck zu lösen." Mit Druck erzeuge man Gegendruck. (dpa/anwi/epd/AFP) !function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r

Rekord-Inzidenz am Sonntag - diese Maßnahmen werden jetzt diskutiert

Die Corona-Infektionszahlen steigen sprunghaft. © picture alliance / Geisler-Fotopress

Berlin/Bielefeld. Die sich zuspitzende Corona-Lage droht das Gesundheitssystem in Deutschland nach Einschätzung von Medizinern zu überfordern. Am Sonntag überstieg die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Deutschland die Marke von fünf Millionen. Auch in Ostwestfalen-Lippe stieg Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner erneut an. Nun werden verschiedene Maßnahmen diskutiert, die bei der Eindämmung der Pandemie helfen sollen. Ein Überblick:

Infektionslage

Nach Angaben des Robert Koch-Institus (RKI) vom Sonntag hat die Zahl der Infektionen bundesweit die Marke von fünf Millionen seit Beginn der Pandemie überschritten. Die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner stieg auf den Rekordwert von 289,0. An der Spitze stand Sachsen mit 670,9. Thüringen wies am Sonntag einen Wert von über 500 auf, Bayern stand kurz vor dieser Marke. 97.672 Menschen sind im Zusammenhang mit Corona seit Beginn der Pandemie gestorben.

In OWL stieg die Sieben-Tage-Inzidenz bis Sonntag auf 208,8, in NRW lag sie dem RKI zufolge am Sonntag bei 162,6.

Intensivlage

„Uns rennt im Moment wirklich die Zeit davon", sagte Intensivmediziner Christian Karagiannidis dem RBB. Der „allergrößte Teil" der Covid-Intensivpatienten seien Ungeimpfte. Zunehmend gebe es hier aber auch doppelt Geimpfte, dies seien aber vielfach ältere Menschen sowie Patienten mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpften. Vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen bereiteten ihm "größte Sorgen", sagte der Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Am Sonntag stieg die Zahl der Corona-Intensivpatienten auf über 3.000 bundesweit, das sind rund 1.000 mehr als vor zwei Wochen. Einem vertraulichen Bericht der Länder zufolge gibt es in Bayern und Baden-Württemberg bereits „täglich Verlegungen zwischen Krankenhäusern zum Ausgleich und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit. In Ostwestfalen-Lippe lag die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Covid-19-Patienen am Sonntag laut Divi (Stand: 15.10 Uhr) bei 69. Davon mussten 40 invasiv beatmet werden.

Homeoffice

Angesichts der sprunghaften Entwicklung der Infektionszahlen wird eine Verschärfung von Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens wahrscheinlicher. In der Bundesregierung gibt es den Plan, die Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer wieder einzuführen. Ein Entwurf des Bundesarbeitsministeriums für ein geändertes Infektionsschutzgesetz sieht dies vor. In dem Entwurfstext heißt es: "Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen. Die Beschäftigten haben dieses Angebot anzunehmen, soweit ihrerseits keine Gründe entgegenstehen."

Aus informierten Kreisen hieß es am Sonntag, zwischen den Fraktionen aus SPD, Grünen und FDP, die zurzeit über eine neue Bundesregierung verhandeln, gebe es noch keine endgültige Einigung. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann sagte, es sei "richtig, dass Arbeitgeber erneut verpflichtet sind, wo immer möglich Homeoffice anzubieten". "Auch dass Beschäftigte dieses Angebot grundsätzlich ernstnehmen müssen, ist in der jetzigen Situation richtig und wichtig." Niemand dürfe jedoch gezwungen werden, im Homeoffice zu arbeiten.

Impfstatus von Beschäftigten

Auch zur Auskunftspflicht in Betrieben gibt es offenbar Überlegungen. In einem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Gesetzentwurf heißt es, Beschäftigte seien verpflichtet, am Arbeitsplatz einen Impf- oder Genesenennachweis vorzulegen. Wer dies nicht kann, muss sich demnach täglich testen lassen. Der Arbeitgeber müsse demnach die Nachweise kontrollieren - sonst drohe ein Bußgeld.

Zur Begründung heißt es in dem Entwurf, "die Verarbeitung der Nachweise über den Status geimpft, genesen oder getestet von Beschäftigten zum Zwecke der Zugangsbeschränkung der Arbeitsstätte ist im Sinne dieser Vorschrift aus Gründen des öffentlichen Interesses im Bereich der öffentlichen Gesundheit erforderlich, um die Weiterverbreitung der Coronavirus-Krankheit-2019 an diesem Ort zu begrenzen".

2G-Plus

Nach einem Tagesspiegel-Bericht soll für Veranstaltungen die Option auf "2G plus" eingeführt werden. Geimpfte und Genesene bräuchten für den Zutritt dann zusätzlich einen negativen Test. Die Zeitung bezieht sich auf Änderungsentwürfe der amtierenden Bundesregierung, die auf Vorschläge der Ampel-Partner zurückgehen. Grünen-Chef Habeck nannte 2G plus einen „logisch nächsten Schritt". Der noch amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich kürzlich für die Einführung von 2G plus bei öffentlichen Veranstaltungen aus.

3G in Zügen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert die Ausweitung der 3G-Pflicht auf den Bahn-Fernverkehr. Auch Grünen-Chef Robert Habeck sprach sich dafür aus. Die Deutsche Bahn erklärte, sie stehe "in ständigem Austausch mit den Ministerien und Behörden von Bund und Ländern". An die aktuelle Lage angepassten Verordnungen "folgen wir und setzen diese um".

Lauterbach sagte der Bild am Sonntag: In dieser Corona-Situation sei es "unverantwortlich, dass Menschen ungeimpft und ungetestet in vollen Zügen im Fernverkehr stundenlang eng neben anderen Passagieren sitzen". Das sei Geimpften insbesondere in der Weihnachtszeit kaum zumutbar. Ohne eine 3G-Regel im Fernverkehr müssten 50 Prozent der Plätze frei bleiben, forderte er. Habeck sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Auch das Bahnfahren muss sicherer werden. Aus meiner Sicht sollte hier 3G gelten, darüber werden wir reden müssen." 3G heißt, die Fahrgäste müssten geimpft, genesen oder getestet sein und dies - wie etwa im Restaurant - auch nachweisen können.

NRW-Ministerpräsident für einheitliche 2G-Regel

Hendrik Wüst (CDU) spricht sich für die Einführung von bundesweit einheitlichen 2G-Regeln aus. „Wir brauchen vergleichbare Maßnahmen in den Ländern, um die vierte Welle zu brechen", sagte Wüst dem Kölner Stadt-Anzeiger. Das gelte beim Impfen, beim Testen und bei allem, was zusätzliche Sicherheit schaffe. „Deshalb werden wir über 2G-Regeln auch beim Bund-Länder-Treffen reden", kündigte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz an. Wüst sprach sich zugleich gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht aus: „Man sollte nicht darauf setzen, Probleme mit immer mehr staatlichem Druck zu lösen." Mit Druck erzeuge man Gegendruck.

(dpa/anwi/epd/AFP)

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