"Eine andere Freiheit" Corona-Impfungen bei Kindern: Faktencheck zu Schweigers Aussage Désirée Winter Wien/Bielefeld. Die Debatte über Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen ist seit Wochen in vollem Gange. Inzwischen hat auch die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impf-Empfehlung für alle Menschen ab 12 Jahren ausgesprochen. Die in Österreich produzierte Dokumentation "Eine andere Freiheit" setzt sich nun ebenfalls mit dem Thema auseinander und hat dabei einen kritischen Blickwinkel. Der Trailer zeigt, dass Personen aus unterschiedlichen Bereichen in der 80-minütigen Dokumentation zu Wort kommen. Darunter Ärzte, Wissenschaftler und Menschen aus dem Bereich Kunst und Kultur, wie auch Schauspieler Til Schweiger. In weiten Teilen wird sich gegen eine Impfung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Selbst der österreichische Kinderarzt Reinhold Kerbl, betrachtet eine Impfung für Jugendliche eher als Weg in ein Leben wie vor der Pandemie, statt als Schutz vor einer Virusinfektion. BehauptungTil Schweiger äußert sich noch drastischer mit den Worten: "Für Kinder ist dieses Virus absolut harmlos. Und die Gefahr von so einer Impfung, die man nicht erforscht hat, ist ungleich höher als das Virus selber." BewertungNach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) lässt sich das nicht so einfach sagen. Im Epidemiologischen Steckbrief zu Covid-19 (Stand 14. Juli 2021) heißt es, dass Kinder im Kindergartenalter weniger empfänglich für eine Infektion mit dem Coronavirus seien als Kinder im Schulalter. FaktenBereits mit dem Auftreten der Alpha-Variante sei die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass sich Kinder mit dem Virus infizieren. Seit einigen Wochen sei außerdem zu beobachten, dass sich das Infektionsgeschehen in Schulen rasant entwickelt. Grundsätzlich erkrankten Kinder weniger schwer als Erwachsene an Covid-19, sagt der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena, Mathias Pletz. Dennoch sei nicht ausgeschlossen, dass Delta-Variante für Kinder gefährlicher sein könnte als bisherige Varianten. "Es gibt aber Berichte aus verschiedenen Regionen der Welt, dass aktuell die Hospitalisierungsrate bei Kindern steigt", sagt Pletz. Auch seien Kinder und Jugendliche häufig von Long-Covid oder Post-Covid betroffen, heißt es im Ärzteblatt. Eine Studie der Gesundheitsbehörde Public Health London soll gezeigt haben, dass Jugendliche drei Monate nach einem positiven PCR-Test zu 14 Prozent häufiger drei oder mehr Beschwerden angegeben haben, als eine Kontrollgruppe mit negativem Ergebnis. Davor schütze auch ein milder Verlauf der eigentlichen Infektion nicht. Wie die NW  berichtete, handelt es sich bei Long-Covid um einen Verlauf, bei dem die Patienten die Symptome auch Monate nach der Infektion nicht loswerden. "Bei Post-Covid haben die Patienten erst einen milden Verlauf und entwickeln Monate später nach einem beschwerdefreien Intervall erneut Symptome", sagt Johannes Tebbe, Chefarzt für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Lippe. Guter Artikel im @guardian zu #LongCovid bei Kindern. In UK geht man immer noch von 7-9% der infizierten Kinder aus. Die Zahl der Kinder mit langen und schweren Symptomen dürfte viel kleiner sein. Aber trotzdem zu hoch für Durchseuchung der Schulklassen https://t.co/5N3ZinqYzN — Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) July 11, 2021Zur Aussage, dass die Impfung nicht erforscht sei, lässt sich auf der Webseite der Bundesregierung lesen, dass eine Impfstoffentwicklung einem Prozess folgt, "der von nationalen beziehungsweise EU-Behörden, wie der Europäischen Arzneimittel-Agentur, streng kontrolliert wird. Deshalb wird ein Impfstoff in Deutschland nur dann zugelassen, wenn er an ausreichend vielen Personen getestet wurde und bestätigt wurde, dass die gewünschte Wirkung gegenüber den aufgetretenen Nebenwirkungen deutlich überwiegt." Die Impfung ist folglich nicht gefährlicher, als eine Infektion. Auch wenn Impfungen mit neuen Impfstoffen kritisch betrachtet werden kann, sollte der gesundheitliche Nutzen dabei vor allem im Blick behalten werden. Laut Pletz ist die Impfung der einzige Weg aus der Pandemie. Mit Material der dpa.
"Eine andere Freiheit"

Corona-Impfungen bei Kindern: Faktencheck zu Schweigers Aussage

Im Trailer von "Eine andere Freiheit" kommt auch Schauspieler Til Schweiger zu Wort. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Wien/Bielefeld. Die Debatte über Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen ist seit Wochen in vollem Gange. Inzwischen hat auch die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impf-Empfehlung für alle Menschen ab 12 Jahren ausgesprochen. Die in Österreich produzierte Dokumentation "Eine andere Freiheit" setzt sich nun ebenfalls mit dem Thema auseinander und hat dabei einen kritischen Blickwinkel.

Der Trailer zeigt, dass Personen aus unterschiedlichen Bereichen in der 80-minütigen Dokumentation zu Wort kommen. Darunter Ärzte, Wissenschaftler und Menschen aus dem Bereich Kunst und Kultur, wie auch Schauspieler Til Schweiger. In weiten Teilen wird sich gegen eine Impfung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Selbst der österreichische Kinderarzt Reinhold Kerbl, betrachtet eine Impfung für Jugendliche eher als Weg in ein Leben wie vor der Pandemie, statt als Schutz vor einer Virusinfektion.

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Behauptung
Til Schweiger äußert sich noch drastischer mit den Worten: "Für Kinder ist dieses Virus absolut harmlos. Und die Gefahr von so einer Impfung, die man nicht erforscht hat, ist ungleich höher als das Virus selber."

Bewertung
Nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) lässt sich das nicht so einfach sagen. Im Epidemiologischen Steckbrief zu Covid-19 (Stand 14. Juli 2021) heißt es, dass Kinder im Kindergartenalter weniger empfänglich für eine Infektion mit dem Coronavirus seien als Kinder im Schulalter.

Fakten
Bereits mit dem Auftreten der Alpha-Variante sei die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass sich Kinder mit dem Virus infizieren. Seit einigen Wochen sei außerdem zu beobachten, dass sich das Infektionsgeschehen in Schulen rasant entwickelt. Grundsätzlich erkrankten Kinder weniger schwer als Erwachsene an Covid-19, sagt der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena, Mathias Pletz. Dennoch sei nicht ausgeschlossen, dass Delta-Variante für Kinder gefährlicher sein könnte als bisherige Varianten. "Es gibt aber Berichte aus verschiedenen Regionen der Welt, dass aktuell die Hospitalisierungsrate bei Kindern steigt", sagt Pletz.

Auch seien Kinder und Jugendliche häufig von Long-Covid oder Post-Covid betroffen, heißt es im Ärzteblatt. Eine Studie der Gesundheitsbehörde Public Health London soll gezeigt haben, dass Jugendliche drei Monate nach einem positiven PCR-Test zu 14 Prozent häufiger drei oder mehr Beschwerden angegeben haben, als eine Kontrollgruppe mit negativem Ergebnis. Davor schütze auch ein milder Verlauf der eigentlichen Infektion nicht. Wie die NW  berichtete, handelt es sich bei Long-Covid um einen Verlauf, bei dem die Patienten die Symptome auch Monate nach der Infektion nicht loswerden. "Bei Post-Covid haben die Patienten erst einen milden Verlauf und entwickeln Monate später nach einem beschwerdefreien Intervall erneut Symptome", sagt Johannes Tebbe, Chefarzt für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Lippe.

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Zur Aussage, dass die Impfung nicht erforscht sei, lässt sich auf der Webseite der Bundesregierung lesen, dass eine Impfstoffentwicklung einem Prozess folgt, "der von nationalen beziehungsweise EU-Behörden, wie der Europäischen Arzneimittel-Agentur, streng kontrolliert wird. Deshalb wird ein Impfstoff in Deutschland nur dann zugelassen, wenn er an ausreichend vielen Personen getestet wurde und bestätigt wurde, dass die gewünschte Wirkung gegenüber den aufgetretenen Nebenwirkungen deutlich überwiegt."

Die Impfung ist folglich nicht gefährlicher, als eine Infektion. Auch wenn Impfungen mit neuen Impfstoffen kritisch betrachtet werden kann, sollte der gesundheitliche Nutzen dabei vor allem im Blick behalten werden. Laut Pletz ist die Impfung der einzige Weg aus der Pandemie.

Mit Material der dpa.

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