Aktion in elf Bundesländern Bundesweite Aktion gegen Rechtsextreme - Razzien auch in NRW Karlsruhe (agr/dpa/AFP). Ermittler gehen seit dem Morgen mit einer großen Aktion in elf Bundesländern gegen mutmaßliche Rechtsextremisten vor. Vier Personen aus dem Umfeld einer Eisenacher Kampfsportgruppe seien festgenommen worden, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch. Zuvor hatten der "Spiegel" und andere Medien berichtet. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr, hat es auch Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen gegeben. Details dazu wurden zunächst nicht bekannt. Nach Informationen des "Spiegel" durchsuchten Beamtinnen und Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) im Auftrag des Generalbundesanwalts seit den frühen Morgenstunden die Wohnungen von 50 beschuldigten Rechtsextremisten. Insgesamt stürmten die Polizisten laut dem Medienbericht 61 Objekte. Fünf einzelne Verfahren Laut Spiegel-Bericht gliedern sich die Ermittlungen in insgesamt fünf einzelne Verfahren. Sie richten sich gegen die Anhänger eines verzweigten Neonazi-Netzwerks. Einem Teil der Beschuldigten wird nach Spiegel-Angaben die versuchte Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen, einem anderen Teil die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Ein weiterer Teil wird beschuldigt, so der Medienbericht, einen Neonazi-Verein trotz eines behördlichen Verbots weiterbetrieben zu haben. Nach Spiegel-Informationen ist unter den Tatverdächtigen ein aktiver Soldat der Bundeswehr im Rang eines Unteroffiziers. Die Aktion der Sicherheitsbehörden richtet sich unter anderem gegen mutmaßliche Mitglieder der "Atomwaffen Division" (AWD), außerdem gegen eine ideologisch verwandte Teilgruppierung. Das rechtsterroristische Neonazi-Netzwerk hat seinen Ursprung laut Spiegel in den USA. Gegründet wurde es 2015 von internetaffinen jungen Rassisten. Die dortigen Behörden werfen AWD-Anhängern fünf Morde vor, heißt es in dem Medienbericht. In den Fokus der Sicherheitsbehörden war die AWD unter anderem geraten, weil ein Mitglied vor wenigen Jahren mit der Fahne der Gruppierung vor der Wewelsburg bei Paderborn posierte. Ein Foto davon sorgte für Aufsehen. Gruppen mit Bezug zu Corona-Protesten betroffen Bei der Eisenacher Kampfsportgruppe handelt es sich um "Knockout 51". Die Gruppe habe vom thüringischen Eisenach aus agiert. Bei den Vorwürfen gehe es um Körperverletzung, vor allem gegen Menschen aus der linken Szene, hieß es. Die Beschuldigten sollen versucht haben, mit Kiezstreifen "für Ordnung" zu sorgen. Außerdem sollen Mitglieder von "Knockout 51" auch an Protesten gegen die Corona-Maßnahmen teilgenommen haben, um dort Gewalt zu provozieren. Von den Durchsuchungen ist den Informationen zufolge auch das "Flieder Volkshaus" in Eisenach betroffen, in dem sich die Landeszentrale der rechtsextremen NPD befindet. In dem Haus sollen Trainings der Kampfsportgruppe stattgefunden haben. Auch die Anfang 2020 verbotene rechtsextreme Gruppierung "Combat 18" ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft von den Razzien betroffen. Hier gehe es um Verstöße gegen das Vereinigungsverbot. "Ein wichtiger Schlag" Die Durchsuchungen bei mutmaßlichen Neonazis sind nach Einschätzung von Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang "ein wichtiger Schlag gegen die gewaltbereite rechtsextremistische Szene und ein großer Erfolg der Sicherheitsbehörden". Das zuletzt intensivierte Maßnahmenpaket der Bundesregierung gegen den Rechtsextremismus in Deutschland zeige Wirkung, sagte Haldenwang am Mittwochmorgen in Berlin. "Gegen Nachfolgebestrebungen verbotener Organisationen gehen wir ebenso konsequent vor wie gegen die rechtsextremistische Kampfsportszene."
Aktion in elf Bundesländern

Bundesweite Aktion gegen Rechtsextreme - Razzien auch in NRW

In mehreren Bundesländern sind Polizisten gegen die Neonazi-Szene vorgegangen. © picture alliance / imageBROKER

Karlsruhe (agr/dpa/AFP). Ermittler gehen seit dem Morgen mit einer großen Aktion in elf Bundesländern gegen mutmaßliche Rechtsextremisten vor. Vier Personen aus dem Umfeld einer Eisenacher Kampfsportgruppe seien festgenommen worden, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch. Zuvor hatten der "Spiegel" und andere Medien berichtet. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr, hat es auch Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen gegeben. Details dazu wurden zunächst nicht bekannt.

Nach Informationen des "Spiegel" durchsuchten Beamtinnen und Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) im Auftrag des Generalbundesanwalts seit den frühen Morgenstunden die Wohnungen von 50 beschuldigten Rechtsextremisten. Insgesamt stürmten die Polizisten laut dem Medienbericht 61 Objekte.

Fünf einzelne Verfahren

Laut Spiegel-Bericht gliedern sich die Ermittlungen in insgesamt fünf einzelne Verfahren. Sie richten sich gegen die Anhänger eines verzweigten Neonazi-Netzwerks. Einem Teil der Beschuldigten wird nach Spiegel-Angaben die versuchte Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen, einem anderen Teil die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Ein weiterer Teil wird beschuldigt, so der Medienbericht, einen Neonazi-Verein trotz eines behördlichen Verbots weiterbetrieben zu haben. Nach Spiegel-Informationen ist unter den Tatverdächtigen ein aktiver Soldat der Bundeswehr im Rang eines Unteroffiziers.

Die Aktion der Sicherheitsbehörden richtet sich unter anderem gegen mutmaßliche Mitglieder der "Atomwaffen Division" (AWD), außerdem gegen eine ideologisch verwandte Teilgruppierung. Das rechtsterroristische Neonazi-Netzwerk hat seinen Ursprung laut Spiegel in den USA. Gegründet wurde es 2015 von internetaffinen jungen Rassisten. Die dortigen Behörden werfen AWD-Anhängern fünf Morde vor, heißt es in dem Medienbericht.

In den Fokus der Sicherheitsbehörden war die AWD unter anderem geraten, weil ein Mitglied vor wenigen Jahren mit der Fahne der Gruppierung vor der Wewelsburg bei Paderborn posierte. Ein Foto davon sorgte für Aufsehen.

Gruppen mit Bezug zu Corona-Protesten betroffen

Bei der Eisenacher Kampfsportgruppe handelt es sich um "Knockout 51". Die Gruppe habe vom thüringischen Eisenach aus agiert. Bei den Vorwürfen gehe es um Körperverletzung, vor allem gegen Menschen aus der linken Szene, hieß es. Die Beschuldigten sollen versucht haben, mit Kiezstreifen "für Ordnung" zu sorgen. Außerdem sollen Mitglieder von "Knockout 51" auch an Protesten gegen die Corona-Maßnahmen teilgenommen haben, um dort Gewalt zu provozieren.

Von den Durchsuchungen ist den Informationen zufolge auch das "Flieder Volkshaus" in Eisenach betroffen, in dem sich die Landeszentrale der rechtsextremen NPD befindet. In dem Haus sollen Trainings der Kampfsportgruppe stattgefunden haben.

Auch die Anfang 2020 verbotene rechtsextreme Gruppierung "Combat 18" ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft von den Razzien betroffen. Hier gehe es um Verstöße gegen das Vereinigungsverbot.

"Ein wichtiger Schlag"

Die Durchsuchungen bei mutmaßlichen Neonazis sind nach Einschätzung von Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang "ein wichtiger Schlag gegen die gewaltbereite rechtsextremistische Szene und ein großer Erfolg der Sicherheitsbehörden". Das zuletzt intensivierte Maßnahmenpaket der Bundesregierung gegen den Rechtsextremismus in Deutschland zeige Wirkung, sagte Haldenwang am Mittwochmorgen in Berlin. "Gegen Nachfolgebestrebungen verbotener Organisationen gehen wir ebenso konsequent vor wie gegen die rechtsextremistische Kampfsportszene."

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