Bundestagswahl Briefwahl-Boom in OWL: Kommunen reagieren auf Rekord-Ansturm Désirée Winter Bielefeld. Die Bundestagswahl rückt immer näher. Während einige noch überlegen, wo sie am Sonntag, 26. September, die Kreuze setzen sollen, haben andere schon per Briefwahl gewählt oder diese beantragt. Durch die Corona-Pandemie ist die Wahl per Brief deutlich beliebter geworden. Was vorher hauptsächlich diejenigen gemacht haben, die am Tag einer Wahl nicht vor Ort ihre Stimme abgeben konnten, nutzen nun auch viele andere. Aus dem Innenministerium des Landes NRW heißt es, dass mit einem deutlichen Zuwachs an Briefwählern gerechnet wird. "Wie hoch der Anteil genau sein wird lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir gehen aber davon aus, das der Anteil an Briefwählern mindestens auf dem Niveau der Kommunalwahlen 2020 liegen wird", sagt Sprecher Matthias Gebler. In NRW haben bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr 42,8 Prozent aller Wähler per Briefwahl abgestimmt. Bei den Landtagswahl in Baden-Württemberg im Frühjahr diesen Jahres waren es 51,5 Prozent und in Rheinland-Pfalz sogar 66,5 Prozent. "Ich kann mir gut vorstellen, das wir ähnliche Werte bei der Bundestagswahl erreichen", schätzt Gebler. Ob dadurch mit einem Mehraufwand gerechnet werden müsse, sei nicht abzusehen und stark abhängig von der Größe der Kommune. Zeitlich dauere das Auszählen der Briefwahlunterlagen länger. Bei beschädigten Umschlägen müsse zusätzlich überprüft werden, ob es sich um eine einfache Beschädigung handele oder um einen Manipulationsversuch. Auch in OWL mehr Briefwähler Den einzelnen Kommunen liegen dagegen bereits jetzt konkretere Zahlen vor, die auch eine bessere Planung der Auszählung ermöglichen. Die Stadt Gütersloh hat die Wahlbenachrichtigungen am 16. August verschickt. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Bürgerinnen und Bürger Briefwahlunterlagen beantragen. Am 19. August wurde das Direktbüro für die Briefwahl geöffnet. "Wir haben schon im Vorfeld mit mehr Briefwählern gerechnet. Inzwischen können wir auch bestätigen, das es wirklich so ist", sagt Annette Blumenstein, Sprecherin der Stadt Gütersloh. Bereits jetzt, zwei Wochen vor der Wahl, sei der Anteil an Briefwählern deutlich höher als bei der Bundestagswahl 2017. Von rund 71.100 Wahlberechtigten haben 24.500 Menschen bereits die Briefwahl beantragt (Stand: 10. September), das sind umgerechnet 34 Prozent. Damit hat Gütersloh den höchsten Wert der Stadtgeschichte erreicht. 2017 waren es dagegen lediglich rund 17.000 Briefwähler. "Die Menschen nehmen das Angebot gerne an" Damit am Tag der Auszählung der Mehraufwand für die Wahlhelfer möglichst gering ausfällt, habe sich die Stadt entschieden, die Zahl der Briefwahlvorstände zu erhöhen. "Wenn wir kurz vor dem Wahlsonntag sehen, dass ein Bezirk besonders viele Briefwähler hat, dann werden wir dort das Team zusätzlich verstärken", sagt Blumenstein. Mit einer größeren Menge an Briefwahlbüros oder mehr Personen pro Team plant auch die Stadt Detmold. Dort haben von etwa 59.000 Wahlberechtigten schon rund 20.000 Menschen ihre Unterlagen für die Briefwahl beantragt. "Die Menschen nehmen das Angebot gerne an. Das hat seit Corona enorm zugenommen", sagt Pressesprecherin Ina Paulfeuerborn. "Einen höheren Aufwand haben wir also nicht nur beim Auszählen, sondern auch schon beim Verschicken der Unterlagen." Ansturm auch in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens Insgesamt zeichnet sich in Nordrhein-Westfalen ein Rekord-Anteil an Briefwählern ab. Auch Städte außerhalb von OWL berichten über eine stark gestiegene Nachfrage nach Briefwahlunterlagen. Die Stadt Dortmund spricht von einer „bisher nicht dagewesenen Resonanz". Bis Freitag seien mehr als 141.400 Unterlagen ausgestellt worden. Im vergleichbaren Zeitraum vor der Bundestagswahl 2017 seien es etwa 80.700 gewesen. Der Trend zieht sich durch alle befragten Städte. „Wir gehen sowohl total als auch prozentual von einem Rekordwert aus", teilte ein Sprecher in Bochum mit. In Köln sind bisher mehr als 301.000 Anträge eingegangen - von etwa 40 Prozent aller Wahlberechtigten. In Aachen beantragten bislang etwa 35 Prozent aller Berechtigten Briefwahl. „Die jetzigen Werte sind die bisher höchsten", teilte eine Stadtsprecherin mit.
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Briefwahl-Boom in OWL: Kommunen reagieren auf Rekord-Ansturm

Briefwahl ist seit Corona immer beliebter geworden. Auch bei der Bundestagswahl wird mit deutlich mehr Briefwählern gerechnet. © Lena Henning

Bielefeld. Die Bundestagswahl rückt immer näher. Während einige noch überlegen, wo sie am Sonntag, 26. September, die Kreuze setzen sollen, haben andere schon per Briefwahl gewählt oder diese beantragt. Durch die Corona-Pandemie ist die Wahl per Brief deutlich beliebter geworden. Was vorher hauptsächlich diejenigen gemacht haben, die am Tag einer Wahl nicht vor Ort ihre Stimme abgeben konnten, nutzen nun auch viele andere.

Aus dem Innenministerium des Landes NRW heißt es, dass mit einem deutlichen Zuwachs an Briefwählern gerechnet wird. "Wie hoch der Anteil genau sein wird lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir gehen aber davon aus, das der Anteil an Briefwählern mindestens auf dem Niveau der Kommunalwahlen 2020 liegen wird", sagt Sprecher Matthias Gebler.

In NRW haben bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr 42,8 Prozent aller Wähler per Briefwahl abgestimmt. Bei den Landtagswahl in Baden-Württemberg im Frühjahr diesen Jahres waren es 51,5 Prozent und in Rheinland-Pfalz sogar 66,5 Prozent. "Ich kann mir gut vorstellen, das wir ähnliche Werte bei der Bundestagswahl erreichen", schätzt Gebler. Ob dadurch mit einem Mehraufwand gerechnet werden müsse, sei nicht abzusehen und stark abhängig von der Größe der Kommune. Zeitlich dauere das Auszählen der Briefwahlunterlagen länger. Bei beschädigten Umschlägen müsse zusätzlich überprüft werden, ob es sich um eine einfache Beschädigung handele oder um einen Manipulationsversuch.

Auch in OWL mehr Briefwähler

Den einzelnen Kommunen liegen dagegen bereits jetzt konkretere Zahlen vor, die auch eine bessere Planung der Auszählung ermöglichen. Die Stadt Gütersloh hat die Wahlbenachrichtigungen am 16. August verschickt. Ab diesem Zeitpunkt konnten die Bürgerinnen und Bürger Briefwahlunterlagen beantragen.

Am 19. August wurde das Direktbüro für die Briefwahl geöffnet. "Wir haben schon im Vorfeld mit mehr Briefwählern gerechnet. Inzwischen können wir auch bestätigen, das es wirklich so ist", sagt Annette Blumenstein, Sprecherin der Stadt Gütersloh. Bereits jetzt, zwei Wochen vor der Wahl, sei der Anteil an Briefwählern deutlich höher als bei der Bundestagswahl 2017.

Von rund 71.100 Wahlberechtigten haben 24.500 Menschen bereits die Briefwahl beantragt (Stand: 10. September), das sind umgerechnet 34 Prozent. Damit hat Gütersloh den höchsten Wert der Stadtgeschichte erreicht. 2017 waren es dagegen lediglich rund 17.000 Briefwähler.

"Die Menschen nehmen das Angebot gerne an"

Damit am Tag der Auszählung der Mehraufwand für die Wahlhelfer möglichst gering ausfällt, habe sich die Stadt entschieden, die Zahl der Briefwahlvorstände zu erhöhen. "Wenn wir kurz vor dem Wahlsonntag sehen, dass ein Bezirk besonders viele Briefwähler hat, dann werden wir dort das Team zusätzlich verstärken", sagt Blumenstein.

Mit einer größeren Menge an Briefwahlbüros oder mehr Personen pro Team plant auch die Stadt Detmold. Dort haben von etwa 59.000 Wahlberechtigten schon rund 20.000 Menschen ihre Unterlagen für die Briefwahl beantragt. "Die Menschen nehmen das Angebot gerne an. Das hat seit Corona enorm zugenommen", sagt Pressesprecherin Ina Paulfeuerborn. "Einen höheren Aufwand haben wir also nicht nur beim Auszählen, sondern auch schon beim Verschicken der Unterlagen."

Ansturm auch in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens

Insgesamt zeichnet sich in Nordrhein-Westfalen ein Rekord-Anteil an Briefwählern ab. Auch Städte außerhalb von OWL berichten über eine stark gestiegene Nachfrage nach Briefwahlunterlagen. Die Stadt Dortmund spricht von einer „bisher nicht dagewesenen Resonanz". Bis Freitag seien mehr als 141.400 Unterlagen ausgestellt worden. Im vergleichbaren Zeitraum vor der Bundestagswahl 2017 seien es etwa 80.700 gewesen. Der Trend zieht sich durch alle befragten Städte.

„Wir gehen sowohl total als auch prozentual von einem Rekordwert aus", teilte ein Sprecher in Bochum mit. In Köln sind bisher mehr als 301.000 Anträge eingegangen - von etwa 40 Prozent aller Wahlberechtigten. In Aachen beantragten bislang etwa 35 Prozent aller Berechtigten Briefwahl. „Die jetzigen Werte sind die bisher höchsten", teilte eine Stadtsprecherin mit.

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