Strengere Regeln Booster-Impfung für alle ab 12 Jahren geplant - Bald 2G in Pflegeheimen? Tim Szent-Ivanyi Berlin. Als Konsequenz aus dem schleppenden Verlauf der Auffrischimpfungen sollen bundesweit Impfzentren reaktiviert, wieder mehr mobile Impfteams eingesetzt und die besonders gefährdeten Altersgruppen schriftlich über das Angebot von Booster-Impfungen informiert werden. Das geht aus der Beschlussvorlage für die Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hervor, die ab Donnerstag geplant ist. Zudem sollen Besuche in Pflegeheimen nur noch mit einem negativen Testergebnis möglich sein, unabhängig vom Impfstatus. Das Pflegepersonal muss sich danach mindestens zwei Mal wöchentlich testen lassen, ebenfalls unabhängig von einer Impfung. „Der Schutz der älteren Menschen und hier besonders der Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben, muss weiter Priorität haben", heißt es in dem Entwurf. Abweichung verärgert Ärzte Trotz der Kritik von Ärzteverbänden und im Widerspruch zur Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wollen die Gesundheitsminister zudem Auffrischimpfungen allen Altersgruppen ab 12 Jahren anbieten, bei denen die erste Impfserie sechs Monate zurückliegt. Die Stiko empfiehlt dagegen eine Booster-Impfung erst für alle über 70-Jährigen. Die Abweichung von der Stiko-Empfehlung sorgte erneut für Ärger bei den Ärzten. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stiko-Chef Thomas Mertens, die Politik sei gut beraten, den Empfehlungen der unabhängigen Stiko zu folgen und nicht aus irgendeiner „Bauchevidenz" die Menschen zu verwirren. Stiko-Chef verteidigt Vorgehen Mertens verteidigt die Haltung der Stiko. Bei den unter 70-Jährigen lasse zwar auch die Immunität schrittweise nach, der Schutz vor schweren Erkrankungen sei aber weiterhin hoch genug. Ob die Stiko in den kommenden Wochen für weitere Altersgruppen eine Booster-Empfehlung aussprechen wird, ließ Mertens offen. Er zeigte sich in dieser Frage aber erkennbar zurückhaltend. Gassen räumte ein, dass das Tempo bei den Auffrischimpfungen in den Praxen nicht hoch genug ist. Erst zwei der rund 6,2 Millionen über 70-Jährigen, bei denen die erste Impfserie mehr als sechs Monate zurückliege, seien geboostert. „Da müssen wir noch nachlegen", so Gassen. Er versicherte aber, die Haus- und Facharztpraxen würden es schaffen, die insgesamt rund 15 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe bis zum Jahresende zu impfen – auch ohne eine Wiedereröffnung von Impfzentren. Wüst-Vorschlag stößt auf wenig Gegenliebe Zurückhaltend bis abweisend reagierten mehrere Bundesländer auf den Vorschlag des neuen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU), schon in der kommenden Woche bei einer erneuten Ministerpräsidentenkonferenz über die Corona-Lage zu sprechen. Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) sagte: „Ich brauche keine Ministerpräsidentenkonferenz, denn die letzte in Bonn hat einen klaren Beschluss gefasst." Außerdem gelte es, die Konferenz der Gesundheitsminister abzuwarten. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach sich gegen eine neue Zusammenkunft aus. „Aus schleswig-holsteinischer Perspektive sehe ich keine Notwendigkeit für ein Bund-Länder-Treffen", sagte Günther. Zustimmung erhielt Wüst dagegen aus Sachsen-Anhalt. „Ministerpräsident Reiner Haseloff und die Landesregierung Sachsen-Anhalt befürworten den Vorschlag. Der Ministerpräsident hatte ein solches Treffen auch schon angeregt und hält eine MPK für zwingend notwendig", teilte ein Regierungssprecher auf Anfrage mit. Die Landesregierungen Hessens und des Saarlands zeigten sich grundsätzlich offen für ein neues Bund-Länder-Treffen.
Strengere Regeln

Booster-Impfung für alle ab 12 Jahren geplant - Bald 2G in Pflegeheimen?

Bislang empfiehlt die Stiko eine Auffrischungsimpfung für alle über 70-Jährigen. © picture alliance / ROBIN UTRECHT

Berlin. Als Konsequenz aus dem schleppenden Verlauf der Auffrischimpfungen sollen bundesweit Impfzentren reaktiviert, wieder mehr mobile Impfteams eingesetzt und die besonders gefährdeten Altersgruppen schriftlich über das Angebot von Booster-Impfungen informiert werden. Das geht aus der Beschlussvorlage für die Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hervor, die ab Donnerstag geplant ist.

Zudem sollen Besuche in Pflegeheimen nur noch mit einem negativen Testergebnis möglich sein, unabhängig vom Impfstatus. Das Pflegepersonal muss sich danach mindestens zwei Mal wöchentlich testen lassen, ebenfalls unabhängig von einer Impfung. „Der Schutz der älteren Menschen und hier besonders der Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben, muss weiter Priorität haben", heißt es in dem Entwurf.

Abweichung verärgert Ärzte

Trotz der Kritik von Ärzteverbänden und im Widerspruch zur Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wollen die Gesundheitsminister zudem Auffrischimpfungen allen Altersgruppen ab 12 Jahren anbieten, bei denen die erste Impfserie sechs Monate zurückliegt. Die Stiko empfiehlt dagegen eine Booster-Impfung erst für alle über 70-Jährigen.

Die Abweichung von der Stiko-Empfehlung sorgte erneut für Ärger bei den Ärzten. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stiko-Chef Thomas Mertens, die Politik sei gut beraten, den Empfehlungen der unabhängigen Stiko zu folgen und nicht aus irgendeiner „Bauchevidenz" die Menschen zu verwirren.

Stiko-Chef verteidigt Vorgehen

Mertens verteidigt die Haltung der Stiko. Bei den unter 70-Jährigen lasse zwar auch die Immunität schrittweise nach, der Schutz vor schweren Erkrankungen sei aber weiterhin hoch genug. Ob die Stiko in den kommenden Wochen für weitere Altersgruppen eine Booster-Empfehlung aussprechen wird, ließ Mertens offen. Er zeigte sich in dieser Frage aber erkennbar zurückhaltend.

Gassen räumte ein, dass das Tempo bei den Auffrischimpfungen in den Praxen nicht hoch genug ist. Erst zwei der rund 6,2 Millionen über 70-Jährigen, bei denen die erste Impfserie mehr als sechs Monate zurückliege, seien geboostert. „Da müssen wir noch nachlegen", so Gassen. Er versicherte aber, die Haus- und Facharztpraxen würden es schaffen, die insgesamt rund 15 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe bis zum Jahresende zu impfen – auch ohne eine Wiedereröffnung von Impfzentren.

Wüst-Vorschlag stößt auf wenig Gegenliebe

Zurückhaltend bis abweisend reagierten mehrere Bundesländer auf den Vorschlag des neuen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst (CDU), schon in der kommenden Woche bei einer erneuten Ministerpräsidentenkonferenz über die Corona-Lage zu sprechen.

Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) sagte: „Ich brauche keine Ministerpräsidentenkonferenz, denn die letzte in Bonn hat einen klaren Beschluss gefasst." Außerdem gelte es, die Konferenz der Gesundheitsminister abzuwarten. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach sich gegen eine neue Zusammenkunft aus. „Aus schleswig-holsteinischer Perspektive sehe ich keine Notwendigkeit für ein Bund-Länder-Treffen", sagte Günther.

Zustimmung erhielt Wüst dagegen aus Sachsen-Anhalt. „Ministerpräsident Reiner Haseloff und die Landesregierung Sachsen-Anhalt befürworten den Vorschlag. Der Ministerpräsident hatte ein solches Treffen auch schon angeregt und hält eine MPK für zwingend notwendig", teilte ein Regierungssprecher auf Anfrage mit. Die Landesregierungen Hessens und des Saarlands zeigten sich grundsätzlich offen für ein neues Bund-Länder-Treffen.

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