Astrazeneca: Gesundheitspolitiker fordern mehr Termine für Freiwillige Steven Geyer Berlin. Angesichts der unverhofft großen Nachfrage nach dem Astrazeneca-Impfstoff bei speziellen Impfungen am Osterwochenende haben Gesundheitspolitiker im Bundestag mehr freiwillige Impftermine mit dem Vakzin gefordert. Wegen der zunächst geringen Versorgung von Hausarztpraxen mit Impfstoffen appelliert die Politik zudem zum Vorziehen möglichst vieler Erst- vor die Zweitimpfungen. "Wir sind mitten in der dritten Welle. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Bürger die Chance nutzen, sich schnellstmöglich impfen zu lassen", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar. Wichtig sei nun, dass keine Impfstoffdosen für die Zweitimpfung zurückgehalten werden, sondern alles, was vorhanden ist, für die Erstimpfung benutzt wird. "Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass möglichst viele einen Impfschutz aufbauen." 400.000 Termine binnen 24 Stunden vergeben Am Osterwochenende waren etwa in Nordrhein-Westfalen rund 400.000 Termine für über 60-Jährige, die sich mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen wollten, binnen eines Tages ausgebucht. Im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern hatten die Impfzentren am Ostermontag für Impfwillige ohne Termin geöffnet, um übrig gebliebene Astrazeneca-Dosen zu verimpfen. Hier trafen in Städten wie Wismar Interessierte teils zwei Stunden vor Öffnung ein und bildeten Hunderte Meter lange Schlangen, sodass die Aktion bis in den Abend verlängert wurde und mehr als 800 Menschen ihre Erstimpfung erhielten. Mehrere Gesundheitspolitiker zeigten sich erfreut über das große Interesse an den freigewordenen Impfdosen. Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) nannte die Beispiele vom Osterwochenende vorbildlich: "Ein freiwilliges Impfangebot führt dazu, dass der holprige Impfstart nicht noch weiter ins Stocken gerät", sagte sie. Es müsse kein Impfstoff verfallen: "Es gibt genügend Freiwillige, die sich gerne mit Restdosen impfen lassen", so die Liberale. Die Bürger "wissen, dass mit einer zweimaligen Impfung die Grundrechteinschränkungen zurückgenommen werden müssen und etwa das Reisen wieder möglich ist". CDU/CSU gegen Impfung ohne Termin Auch CDU/CSU-Gesundheitsexpertin Karin Maag freute sich über den Run auf Astrazeneca, zweifelt jedoch am Prinzip des offenen Impfzentrums: "Mir erscheint die kurzfristige Terminvergabe die bessere Wahl zu sein als lange Warteschlangen vor den Impfzentren", sagte sie. Maag betonte, auch Gesundheitsgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe angesichts der zu erwartenden steigenden Liefermengen empfohlen, verfügbare Dosen ohne Rückstellungen für die Zweitimpfung zu verimpfen. "Es ist wichtig, dass wir mit den Erstimpfungen schneller vorankommen." Die Infektionsschutzexpertin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, sagte, am beschädigten Ruf des Astrazeneca-Impfstoffs habe "eine mehr als unglückliche Kommunikation der Bundesregierung ihren Anteil". "Wichtig ist jetzt, klar und verständlich zu kommunizieren und offene Fragen schnellstmöglich zu klären." So müsse Spahn erklären, ob nach der Einschränkung für Astrazeneca seine Impfstrategie gewährleistet bleibt. Das Vorziehen der Erstimpfungen sollte er mit seinen Amtskollegen aus den Ländern schnell konkret besprechen, forderte die Grüne. "Zugleich müssen die Arztpraxen jetzt endlich umfassend in die Impfkampagne mit einbezogen werden." Allein im April 15 Millionen neue Impfdosen Am Dienstag hatte der Impftstart in den Hausarzt-Praxen nur schleppend begonnen. Die Hausärzte seien startklar und es hätten sich 35.000 Praxen gemeldet, sagte der Chef des Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt dem RBB. Es gebe aber anfangs nur so wenig Impfdosen, dass "wir zunächst im Schnitt ungefähr 20 Dosen pro Praxis bekommen pro Woche". Pilotpraxen, die bereits seit März impfen, hätten zwischen 60 und 100 Patienten pro Woche geimpft. Allerdings werden allein im April mehr als 15 Millionen Dosen Nachschub erwartet - mehr, als im ersten Quartal gespritzt wurde. Im zweiten Quartal sollen insgesamt 70 Millionen Dosen anrollen. Für die Linksfraktion zeigt die Nachfrage nach dem "nicht unumstrittenen Impfstoff Astrazeneca, dass die Geduld der Menschen mit der widersprüchlichen Politik der Bundesregierung erschöpft ist", sagte ihr Sprecher für Gesundheitspolitik, Achim Kessler. "Anstatt die Lizenzen freizugeben, um möglichst schnell möglichst viel Impfstoffe herzustellen, zwingt die Bundesregierung die Menschen in einen strapaziösen und wirkungslosen Jo-Jo-Lockdown", so der Linken-Abgeordnete. Die Politik müsse auch Impfstoffhersteller mit Firmensitz außerhalb der EU zulassen und alle Möglichkeiten zur Erhöhung der Produktionskapazitäten ausschöpfen. !function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(a){if(void 0!==a.data["datawrapper-height"])for(var e in a.data["datawrapper-height"]){var t=document.getElementById("datawrapper-chart-"+e)||document.querySelector("iframe[src*='"+e+"']");t&&(t.style.height=a.data["datawrapper-height"][e]+"px")}}))}();

Astrazeneca: Gesundheitspolitiker fordern mehr Termine für Freiwillige

Eine Person wird mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft. © AFP

Berlin. Angesichts der unverhofft großen Nachfrage nach dem Astrazeneca-Impfstoff bei speziellen Impfungen am Osterwochenende haben Gesundheitspolitiker im Bundestag mehr freiwillige Impftermine mit dem Vakzin gefordert. Wegen der zunächst geringen Versorgung von Hausarztpraxen mit Impfstoffen appelliert die Politik zudem zum Vorziehen möglichst vieler Erst- vor die Zweitimpfungen.

"Wir sind mitten in der dritten Welle. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Bürger die Chance nutzen, sich schnellstmöglich impfen zu lassen", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar.

Wichtig sei nun, dass keine Impfstoffdosen für die Zweitimpfung zurückgehalten werden, sondern alles, was vorhanden ist, für die Erstimpfung benutzt wird. "Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass möglichst viele einen Impfschutz aufbauen."

400.000 Termine binnen 24 Stunden vergeben

Am Osterwochenende waren etwa in Nordrhein-Westfalen rund 400.000 Termine für über 60-Jährige, die sich mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen wollten, binnen eines Tages ausgebucht. Im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern hatten die Impfzentren am Ostermontag für Impfwillige ohne Termin geöffnet, um übrig gebliebene Astrazeneca-Dosen zu verimpfen. Hier trafen in Städten wie Wismar Interessierte teils zwei Stunden vor Öffnung ein und bildeten Hunderte Meter lange Schlangen, sodass die Aktion bis in den Abend verlängert wurde und mehr als 800 Menschen ihre Erstimpfung erhielten.

Mehrere Gesundheitspolitiker zeigten sich erfreut über das große Interesse an den freigewordenen Impfdosen. Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) nannte die Beispiele vom Osterwochenende vorbildlich: "Ein freiwilliges Impfangebot führt dazu, dass der holprige Impfstart nicht noch weiter ins Stocken gerät", sagte sie. Es müsse kein Impfstoff verfallen: "Es gibt genügend Freiwillige, die sich gerne mit Restdosen impfen lassen", so die Liberale. Die Bürger "wissen, dass mit einer zweimaligen Impfung die Grundrechteinschränkungen zurückgenommen werden müssen und etwa das Reisen wieder möglich ist".

CDU/CSU gegen Impfung ohne Termin

Auch CDU/CSU-Gesundheitsexpertin Karin Maag freute sich über den Run auf Astrazeneca, zweifelt jedoch am Prinzip des offenen Impfzentrums: "Mir erscheint die kurzfristige Terminvergabe die bessere Wahl zu sein als lange Warteschlangen vor den Impfzentren", sagte sie. Maag betonte, auch Gesundheitsgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe angesichts der zu erwartenden steigenden Liefermengen empfohlen, verfügbare Dosen ohne Rückstellungen für die Zweitimpfung zu verimpfen. "Es ist wichtig, dass wir mit den Erstimpfungen schneller vorankommen."

Die Infektionsschutzexpertin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, sagte, am beschädigten Ruf des Astrazeneca-Impfstoffs habe "eine mehr als unglückliche Kommunikation der Bundesregierung ihren Anteil". "Wichtig ist jetzt, klar und verständlich zu kommunizieren und offene Fragen schnellstmöglich zu klären."

So müsse Spahn erklären, ob nach der Einschränkung für Astrazeneca seine Impfstrategie gewährleistet bleibt. Das Vorziehen der Erstimpfungen sollte er mit seinen Amtskollegen aus den Ländern schnell konkret besprechen, forderte die Grüne. "Zugleich müssen die Arztpraxen jetzt endlich umfassend in die Impfkampagne mit einbezogen werden."

Allein im April 15 Millionen neue Impfdosen

Am Dienstag hatte der Impftstart in den Hausarzt-Praxen nur schleppend begonnen. Die Hausärzte seien startklar und es hätten sich 35.000 Praxen gemeldet, sagte der Chef des Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt dem RBB. Es gebe aber anfangs nur so wenig Impfdosen, dass "wir zunächst im Schnitt ungefähr 20 Dosen pro Praxis bekommen pro Woche".

Pilotpraxen, die bereits seit März impfen, hätten zwischen 60 und 100 Patienten pro Woche geimpft. Allerdings werden allein im April mehr als 15 Millionen Dosen Nachschub erwartet - mehr, als im ersten Quartal gespritzt wurde. Im zweiten Quartal sollen insgesamt 70 Millionen Dosen anrollen.

Für die Linksfraktion zeigt die Nachfrage nach dem "nicht unumstrittenen Impfstoff Astrazeneca, dass die Geduld der Menschen mit der widersprüchlichen Politik der Bundesregierung erschöpft ist", sagte ihr Sprecher für Gesundheitspolitik, Achim Kessler. "Anstatt die Lizenzen freizugeben, um möglichst schnell möglichst viel Impfstoffe herzustellen, zwingt die Bundesregierung die Menschen in einen strapaziösen und wirkungslosen Jo-Jo-Lockdown", so der Linken-Abgeordnete. Die Politik müsse auch Impfstoffhersteller mit Firmensitz außerhalb der EU zulassen und alle Möglichkeiten zur Erhöhung der Produktionskapazitäten ausschöpfen.

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