Coronaschutz-Impfung Arzt über geheime Impfungen: "Habe mindestens 500 Kinder geimpft" Sven Christian Schulz Ob er sich auch ganz sicher sei, wollte seine Frau von ihm wissen, bevor er die Spritze mit dem Corona-Impfstoff am Arm seines sechsjährigen Sohnes ansetzte. Ja, das war der Arzt aus dem Münsterland. Er hatte viele Studien gelesen, wusste über die Dosierung Bescheid, kannte Berichte von Fachleuten über Kinderimpfungen in anderen Ländern. Für den Vater und Hausarzt, der aus Angst vor Drohungen anonym bleiben will, war die Entscheidung eine Risiko-Nutzen-Abwägung: „Das Risiko, einen schon millionenfach eingesetzten Impfstoff in einer durch Studien nachgewiesen verträglichen Dosierung für meine Kinder zu verwenden oder sie mit einer Infektionskrankheit zu konfrontieren, deren Langzeitfolgen nicht absehbar sind", sagte er dieser Redaktion. Für ihn war die Entscheidung eindeutig. Er hat seine drei Kinder geimpft, das jüngste Kind ist gerade einmal ein Jahr alt. "Unverantwortlich" Für „unverantwortlich" hält der Kinderarzt Jakob Maske die Impfung eines einjährigen Kindes. Er ist Sprecher des Berufsverbands Kinder- und Jugendärzte und betont, dass Impfstoff und Impfdosis für Einjährige nicht ausreichend erforscht seien. Bisher gibt es nicht einmal für 5- bis 12-Jährige einen zugelassenen Corona-Impfstoff in der EU. Fachleute rechnen damit, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) am 25. November den Biontech-Impfstoff für diese Altersgruppe freigibt. Bis es auch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt, dürfte es aber Wochen dauern. Andere Länder sind weiter: Seit Dienstag impft Israel Kinder ab 5 Jahren gegen Corona, die USA hat damit bereits Anfang November begonnen. Doch anders als in USA sterben in Deutschland nicht hunderte gesunde Kinder und Jugendliche, gibt Maske zu bedenken. "Wir haben eine andere Situation und können uns mit der Impfung Zeit bis zur Stiko-Empfehlung lassen." Kleine Vermittlungsnetzwerke Der Münsterländer Arzt hat auf Twitter als Dr. Pappa von der Impfung seiner Kinder berichtet. „Eigentlich wollte ich nur meine eigenen Kinder schützen", sagte er, doch dann habe er unzählige Anfragen von Eltern erhalten, die ihr Kind impfen lassen möchten. Lange musste der Arzt nicht überlegen. „Es ist für mich unvorstellbar, dass ich nur meine eigenen Kinder schütze und anderen Kindern den Schutz komplett verweigere." An manchen Tagen stehen dutzende Eltern mit ihren Kindern vor seiner Praxis. „Ich habe mindestens 500 Kinder geimpft", sagte er. Viele hätten bereits die zweite Impfung erhalten. „Ich habe erlebt, dass Eltern überglücklich in Tränen ausbrechen, wenn ich ihre Kinder impfe." Die Eltern seien wahnsinnig erleichtert, ringen um Worte und wüssten gar nicht, was sie sagen sollen. Viele Eltern sind verzweifelt auf der Suche nach einem Arzt, der ihre Kinder impft. Die Namen der Ärzte sind geheim, werden von Eltern oder kleinen Vermittlungsnetzwerken unter der Hand weitergegeben. Auch Dr. Pappa bittet Eltern, seine Kontaktdaten nur an Personen weiterzugeben, denen sie absolut vertrauen. Zu groß ist seine Sorge, Opfer von Impfgegnern zu werden. „Es gab schon Drohungen gegen mich." Immer wieder benötigen Ärzte Polizeischutz, weil sie Kinder gegen Corona impfen. Seine Kollegen im Ort finden seine Kinderimpfungen gut, schicken sogar Eltern zu ihm, wenn sie sich nach einer Impfung für ihr Kind erkundigen. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kinder bei mir geimpft werden." Ihnen seien die Impfungen aber zu riskant. „Sie steigen erst ein, wenn die Haftung geklärt ist." Bei Dr. Pappa müssen die Eltern einen Haftungsausschluss unterschreiben. Zumindest solange, bis der Impfstoff in Europa offiziell zugelassen ist. Dann will Dr. Pappa auch nicht mehr heimlich impfen, sondern öffentlich Impfungen für Kinder ab 5 Jahren anbieten.
Coronaschutz-Impfung

Arzt über geheime Impfungen: "Habe mindestens 500 Kinder geimpft"

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wird in Israel bereits an Kinder verimpft. © Reuters

Ob er sich auch ganz sicher sei, wollte seine Frau von ihm wissen, bevor er die Spritze mit dem Corona-Impfstoff am Arm seines sechsjährigen Sohnes ansetzte. Ja, das war der Arzt aus dem Münsterland. Er hatte viele Studien gelesen, wusste über die Dosierung Bescheid, kannte Berichte von Fachleuten über Kinderimpfungen in anderen Ländern.

Für den Vater und Hausarzt, der aus Angst vor Drohungen anonym bleiben will, war die Entscheidung eine Risiko-Nutzen-Abwägung: „Das Risiko, einen schon millionenfach eingesetzten Impfstoff in einer durch Studien nachgewiesen verträglichen Dosierung für meine Kinder zu verwenden oder sie mit einer Infektionskrankheit zu konfrontieren, deren Langzeitfolgen nicht absehbar sind", sagte er dieser Redaktion. Für ihn war die Entscheidung eindeutig. Er hat seine drei Kinder geimpft, das jüngste Kind ist gerade einmal ein Jahr alt.

"Unverantwortlich"

Für „unverantwortlich" hält der Kinderarzt Jakob Maske die Impfung eines einjährigen Kindes. Er ist Sprecher des Berufsverbands Kinder- und Jugendärzte und betont, dass Impfstoff und Impfdosis für Einjährige nicht ausreichend erforscht seien.

Bisher gibt es nicht einmal für 5- bis 12-Jährige einen zugelassenen Corona-Impfstoff in der EU. Fachleute rechnen damit, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) am 25. November den Biontech-Impfstoff für diese Altersgruppe freigibt. Bis es auch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt, dürfte es aber Wochen dauern.

Andere Länder sind weiter: Seit Dienstag impft Israel Kinder ab 5 Jahren gegen Corona, die USA hat damit bereits Anfang November begonnen. Doch anders als in USA sterben in Deutschland nicht hunderte gesunde Kinder und Jugendliche, gibt Maske zu bedenken. "Wir haben eine andere Situation und können uns mit der Impfung Zeit bis zur Stiko-Empfehlung lassen."

Kleine Vermittlungsnetzwerke

Der Münsterländer Arzt hat auf Twitter als Dr. Pappa von der Impfung seiner Kinder berichtet. „Eigentlich wollte ich nur meine eigenen Kinder schützen", sagte er, doch dann habe er unzählige Anfragen von Eltern erhalten, die ihr Kind impfen lassen möchten. Lange musste der Arzt nicht überlegen. „Es ist für mich unvorstellbar, dass ich nur meine eigenen Kinder schütze und anderen Kindern den Schutz komplett verweigere."

An manchen Tagen stehen dutzende Eltern mit ihren Kindern vor seiner Praxis. „Ich habe mindestens 500 Kinder geimpft", sagte er. Viele hätten bereits die zweite Impfung erhalten. „Ich habe erlebt, dass Eltern überglücklich in Tränen ausbrechen, wenn ich ihre Kinder impfe." Die Eltern seien wahnsinnig erleichtert, ringen um Worte und wüssten gar nicht, was sie sagen sollen.

Viele Eltern sind verzweifelt auf der Suche nach einem Arzt, der ihre Kinder impft. Die Namen der Ärzte sind geheim, werden von Eltern oder kleinen Vermittlungsnetzwerken unter der Hand weitergegeben. Auch Dr. Pappa bittet Eltern, seine Kontaktdaten nur an Personen weiterzugeben, denen sie absolut vertrauen. Zu groß ist seine Sorge, Opfer von Impfgegnern zu werden. „Es gab schon Drohungen gegen mich." Immer wieder benötigen Ärzte Polizeischutz, weil sie Kinder gegen Corona impfen.

Seine Kollegen im Ort finden seine Kinderimpfungen gut, schicken sogar Eltern zu ihm, wenn sie sich nach einer Impfung für ihr Kind erkundigen. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kinder bei mir geimpft werden." Ihnen seien die Impfungen aber zu riskant. „Sie steigen erst ein, wenn die Haftung geklärt ist."

Bei Dr. Pappa müssen die Eltern einen Haftungsausschluss unterschreiben. Zumindest solange, bis der Impfstoff in Europa offiziell zugelassen ist. Dann will Dr. Pappa auch nicht mehr heimlich impfen, sondern öffentlich Impfungen für Kinder ab 5 Jahren anbieten.

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