75. Jahrestag des Massaker von Babi Jar: Der schwierige Umgang mit dem Holocaust Kiew (mt/ire). Unweit der Metrostation „Dorohozhychi“ befindet sich der Babi-Jar-Park. Wenige Hinweise deuten darauf hin, was sich dort ereignet hat. Das hat historische Gründe.Hunde streunen umher. Kinder umkurven mit ihren Fahrrädern ein Denkmal. Senioren treiben zusammen Sport. Die einstige Schlucht ist nicht zu erkennen, dafür eine Allee. Handelt es sich um eine Gedenk- oder Erinnerungsstätte? Sind dies Mahnmale? Weder noch oder ein bisschen von allem?Der Historiker Dr. Boris Zabarko kämpft schon lange dafür, dass dort ein Museum errichtet wird. Immer wieder wird er vertröstet. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko habe ihm bereits zugesagt, dass ein solches in den nächsten fünf Jahren gebaut werde. Gehört hat das Zabarko schon häufiger, nur passiert sei nie etwas.Kurz vor dem 75. Jahrestag von Babi Jar erklärt er in einem Vortrag, dass gespaltene Lager existieren. „Darunter Personen, die die Erschießungen leugnen und dass Ukrainer beim Massaker mitgeholfen haben. Das stimmt nicht - es gab auch ukrainische Täter!“ Bei einem gemeinsamen Abendessen in Kiew mit jüdischen Opfern sagte der Ghetto-Überlebende Arnold Gabur, dass viele Jugendliche den Begriff Holocaust mit einem Fußball-Verein verbinden würden.Entsprechend müsse das Wissen der Ukrainer über den Holocaust laut Zabarko ohnehin dringend ausgebaut werden. Schuld sei daran ebenso die Sowjetunion mit ihrem „antisemitischen Terrorregime“, in der der Holocaust ein Tabuthema war. Zudem wurden die Juden nicht als einzelne Gruppe genannt. Nur das Kollektiv zählte. Insofern sind Ghetto-Überlebende wie Leonid Drutman froh, dass im Park Denkmäler stehen. Zur Sowjet-Zeit gab es dort nämlich kaum Hinweise darauf.

75. Jahrestag des Massaker von Babi Jar: Der schwierige Umgang mit dem Holocaust

Der Babi-Jar-Park mit dem Denkmal, das den getöteten Kindern gewidmet ist. MT- © Foto: Ilja Regier

Kiew (mt/ire). Unweit der Metrostation „Dorohozhychi“ befindet sich der Babi-Jar-Park. Wenige Hinweise deuten darauf hin, was sich dort ereignet hat. Das hat historische Gründe.

Hunde streunen umher. Kinder umkurven mit ihren Fahrrädern ein Denkmal. Senioren treiben zusammen Sport. Die einstige Schlucht ist nicht zu erkennen, dafür eine Allee. Handelt es sich um eine Gedenk- oder Erinnerungsstätte? Sind dies Mahnmale? Weder noch oder ein bisschen von allem?

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Der Historiker Dr. Boris Zabarko kämpft schon lange dafür, dass dort ein Museum errichtet wird. Immer wieder wird er vertröstet. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko habe ihm bereits zugesagt, dass ein solches in den nächsten fünf Jahren gebaut werde. Gehört hat das Zabarko schon häufiger, nur passiert sei nie etwas.

Kurz vor dem 75. Jahrestag von Babi Jar erklärt er in einem Vortrag, dass gespaltene Lager existieren. „Darunter Personen, die die Erschießungen leugnen und dass Ukrainer beim Massaker mitgeholfen haben. Das stimmt nicht - es gab auch ukrainische Täter!“ Bei einem gemeinsamen Abendessen in Kiew mit jüdischen Opfern sagte der Ghetto-Überlebende Arnold Gabur, dass viele Jugendliche den Begriff Holocaust mit einem Fußball-Verein verbinden würden.

Entsprechend müsse das Wissen der Ukrainer über den Holocaust laut Zabarko ohnehin dringend ausgebaut werden. Schuld sei daran ebenso die Sowjetunion mit ihrem „antisemitischen Terrorregime“, in der der Holocaust ein Tabuthema war. Zudem wurden die Juden nicht als einzelne Gruppe genannt. Nur das Kollektiv zählte. Insofern sind Ghetto-Überlebende wie Leonid Drutman froh, dass im Park Denkmäler stehen. Zur Sowjet-Zeit gab es dort nämlich kaum Hinweise darauf.

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