Eine Woche online mit Trump: Präsidiales Twitter-Gewitter

Can Merey und Hans-Georg Gottfried Dittmann

Der Twitter-Account des US-Präsidenten @realDonaldTrump. - © Screenschot/mt/hgd
Der Twitter-Account des US-Präsidenten @realDonaldTrump. (© Screenschot/mt/hgd)

Washington (dpa/mt). Was für eine Woche im Leben von US-Präsident Donald Trump: Schlechte Laune und miese Presse beim Besuch in Frankreich, Giftpfeile gegen Präsident Emmanuel Macron, Breitseiten gegen US-Sonderermittler Robert Mueller – und dann setzt die First Lady noch den Rauswurf der stellvertretenden Sicherheitsberaterin Mira Ricardel durch. Währenddessen reibt sich die Opposition die Hände. Ereignisreiche Tage, nachgezeichnet anhand präsidialer Tweets.

Los geht es bereits am Freitagabend, 9. November, Trump ist gerade erst zu den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren in Paris gelandet, da sondert er schon eine Twitter-Breitseite gegen den Gastgeber ab. Macron hat zuvor den Aufbau einer europäische Armee vorgeschlagen. „Sehr kränkend“, schreibt Trump – und fordert die Europäer auf, stattdessen endlich ihren fairen Anteil an der Nato zu bezahlen. Es ist eine kurze Nacht für Trump, womöglich ist das dem Jetlag geschuldet. Der Macron-Tweet ist von 22.10 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ), den ersten Tweet am Samstagmorgen schickt der Präsident um 4.52 Uhr MEZ auf den Weg. Trump lobt in dem Tweet vor Sonnenaufgang Matthew Whitaker, den er am vorhergehenden Mittwoch – dem Tag nach den Kongresswahlen – zum amtierenden Justizminister gemacht hat. Der Verdacht der Opposition: Trump will damit US-Sonderermittler Robert Mueller ausbremsen, auf dessen Bericht die Nation mit Spannung wartet. Mueller untersucht unter anderem, ob Trumps Wahlkampfteam 2016 geheime Absprachen mit Russland getroffen hat. Whitaker hat sich in der Vergangenheit kritisch über die Ermittlungen geäußert. Trump schreibt: „Ich habe Whitaker nicht gekannt.“ Im Oktober hat er seinem Haussender Fox noch gesagt: „Ich meine, ich kenne Matt Whitaker.“

Trumps Tweets (Plus-Inhalt)

Doch der US-Präsident braucht nicht immer mehrere Wochen, um seine Meinung, seine Fakten oder seine Laune zu ändern. Der Blick durch das Brennglas der vergangenen Woche reicht völlig aus.

Samstag, 10. November: Selbst Schuld am Waldbrand

Vor Beginn seines Programms in Paris droht Trump noch schnell dem liberalen Westküstenstaat Kalifornien mit dem Entzug von Bundesmitteln – wegen der Waldbrände. Für die macht Trump nicht etwa den Klimawandel, sondern Missmanagement der örtlichen Behörden verantwortlich. „Es gibt keine Gründe für diese massiven, tödlichen und teuren Waldbrände in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement“, schimpft er auf Twitter. Kaliforniens Feuerwehrverband CPF nennt die Aussage „demütigend“.

Sonntag, 11. November: Nur bei Sonnenschein

In Paris regnet es immer noch, als sich mehr als 60 Staats- und Regierungschefs auf den Champs-Élysées versammeln, um gemeinsam zur Gedenkfeier am Triumphbogen zu laufen. Nicht dabei: Trump. Er kommt gesondert mit seiner Fahrzeugkolonne, das Weiße Haus führt Sicherheitsgründe an. Die größte Bedrohung: Eine barbusige Femen-Aktivistin überwindet die Absperrung und rennt kurz nach Durchfahrt von Trumps Limousine in den Konvoi, sie wird festgenommen. Am Nachmittag besucht Trump dann doch noch einen US-Soldatenfriedhof. Seine zehnminütige Ansprache hält er ohne Regenschirm. An die Adresse von US-Veteranen, die bei der Zeremonie im Trockenen sitzen, sagt der Präsident: „Sie sehen so behaglich aus unter dem Schutz, während wir durchnässt werden. Sie sind sehr schlaue Leute.“ Macrons Friedensforum spart sich Trump, er fliegt da schon wieder nach Hause. Robin Wright vom Magazin The New Yorker Schreibt: „Trump vollendet eine beschämende Reise nach Paris, so wie er die globale Bühne braucht.“

Montag, 12. November: Belästigung durch Demokraten

Der Präsident hat heute kein Programm, da bleibt mehr Zeit für Twitter. In Florida werden wegen des knappen Ausgangs bei den Zwischenwahlen die Stimmen für einen Senatssitz und das Gouverneursamt neu ausgezählt, beide hat Trump sicher für seine Republikaner geglaubt. Nun fordert er, seine Kandidaten zu Siegern zu erklären. „Viele Stimmzettel sind aus dem Nichts aufgetaucht, und viele Stimmzettel fehlen oder sind gefälscht.“ Beweise dafür legt der Präsident wie üblich nicht vor. Die Demokraten haben im Abgeordnetenhaus weit mehr Sitze erobert als zunächst gedacht. Mit ihrer Mehrheit dort könnten sie Trump nun das Leben mit Untersuchungen schwermachen. Trump warnt auf Twitter: „Die Aussicht auf Belästigung des Präsidenten durch die Demokraten bereitet dem Aktienmarkt große Kopfschmerzen!“ Cristina Mittermeier antwortet Trump auf dem Tweet: „Als Präsident besteht ihre erste Aufgabe darin, unsere Demokratie zu schützen und nicht zu gefährden, indem sie versuchen, die Dinge zugunsten ihrer Partei zu manipulieren!

Dienstag, 13. November: Wie ging der Zweite Weltkrieg aus?

Trumps Tag beginnt mit einer Salve von Tweets, in denen er seinen Paris-Besuch aufarbeitet. Er schreibt erneut: „Emmanuel Macron schlägt vor, eine eigene Armee aufzubauen, um Europa gegen die USA, China und Russland zu verteidigen. Aber es war Deutschland im Ersten und im Zweiten Weltkrieg – wie ist das für Frankreich ausgegangen?“ Macron hat zwar vom Schutz Europas auch vor den USA gesprochen, aber nicht im Zusammenhang mit der angedachten Armee. Wenige Stunden später erklärt Merkel, sie unterstütze Macron.

Mittwoch, 14. November: Beistand für Kalifornien

Der Präsident verfügt, dass Ricardel zwar weiter für die Regierung arbeiten kann, das Weiße Haus aber verlassen muss. Das wirft Fragen auf: Warum stößt Melania Trump so etwas öffentlich über ihre Sprecherin an, statt es im direkten Gespräch mit ihrem Ehemann zu regeln? Und wer hat eigentlich das Sagen im Weißen Haus? Auch mit den Behörden in Kalifornien ist alles wieder gut: „Ich habe gerade mit Gouverneur Jerry Brown gesprochen, um ihn wissen zu lassen, dass wir ihm und den Menschen in Kalifornien beistehen.“

Donnerstag, 15. November: Hexenjagd

Nach der Ablösung Ricardels tritt Trump dem Eindruck entgegen, dass unter seiner Ägide Chaos herrsche. „Das Weiße Haus läuft sehr reibungslos und die Ergebnisse für unsere Nation sind offensichtlich sehr gut“, twittert er. „Wir werden von der Welt beneidet. Aber jedes Mal, wenn ich über Änderungen nachdenke, drehen die Fake-News-Medien durch, die immer versuchen, uns so schlecht wie möglich aussehen zu lassen! Sehr unehrlich!“ Fake-News-Medien, das sind für Trump kritische Medien wie etwa CNN. Der Sender zitiert einen Regierungsmitarbeiter mit den Worten, Trump sei „angepisst von verdammt noch mal fast jedem“ in seinem Umfeld. Besorgt sei der Präsident über die Untersuchungen von Sonderermittler Mueller. Eines Tages werde an Hochschulen untersucht werden, was „Mueller und seine Bande demokratischer Strolche getan haben, um Menschen zu zerstören“, wütet der Präsident. Dann hält er die Feststelltaste gedrückt, was wirkt, als würde Trump schreien: „EINE TOTALE HEXENJAGD WIE KEINE ANDERE IN DER AMERIKANISCHEN GESCHICHTE!“

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Eine Woche online mit Trump: Präsidiales Twitter-GewitterHans-Georg Gottfried Dittmann,Can MereyWashington (dpa/mt). Was für eine Woche im Leben von US-Präsident Donald Trump: Schlechte Laune und miese Presse beim Besuch in Frankreich, Giftpfeile gegen Präsident Emmanuel Macron, Breitseiten gegen US-Sonderermittler Robert Mueller – und dann setzt die First Lady noch den Rauswurf der stellvertretenden Sicherheitsberaterin Mira Ricardel durch. Währenddessen reibt sich die Opposition die Hände. Ereignisreiche Tage, nachgezeichnet anhand präsidialer Tweets. Los geht es bereits am Freitagabend, 9. November, Trump ist gerade erst zu den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren in Paris gelandet, da sondert er schon eine Twitter-Breitseite gegen den Gastgeber ab. Macron hat zuvor den Aufbau einer europäische Armee vorgeschlagen. „Sehr kränkend“, schreibt Trump – und fordert die Europäer auf, stattdessen endlich ihren fairen Anteil an der Nato zu bezahlen. Es ist eine kurze Nacht für Trump, womöglich ist das dem Jetlag geschuldet. Der Macron-Tweet ist von 22.10 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ), den ersten Tweet am Samstagmorgen schickt der Präsident um 4.52 Uhr MEZ auf den Weg. Trump lobt in dem Tweet vor Sonnenaufgang Matthew Whitaker, den er am vorhergehenden Mittwoch – dem Tag nach den Kongresswahlen – zum amtierenden Justizminister gemacht hat. Der Verdacht der Opposition: Trump will damit US-Sonderermittler Robert Mueller ausbremsen, auf dessen Bericht die Nation mit Spannung wartet. Mueller untersucht unter anderem, ob Trumps Wahlkampfteam 2016 geheime Absprachen mit Russland getroffen hat. Whitaker hat sich in der Vergangenheit kritisch über die Ermittlungen geäußert. Trump schreibt: „Ich habe Whitaker nicht gekannt.“ Im Oktober hat er seinem Haussender Fox noch gesagt: „Ich meine, ich kenne Matt Whitaker.“ Doch der US-Präsident braucht nicht immer mehrere Wochen, um seine Meinung, seine Fakten oder seine Laune zu ändern. Der Blick durch das Brennglas der vergangenen Woche reicht völlig aus. Samstag, 10. November: Selbst Schuld am Waldbrand Vor Beginn seines Programms in Paris droht Trump noch schnell dem liberalen Westküstenstaat Kalifornien mit dem Entzug von Bundesmitteln – wegen der Waldbrände. Für die macht Trump nicht etwa den Klimawandel, sondern Missmanagement der örtlichen Behörden verantwortlich. „Es gibt keine Gründe für diese massiven, tödlichen und teuren Waldbrände in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement“, schimpft er auf Twitter. Kaliforniens Feuerwehrverband CPF nennt die Aussage „demütigend“. Sonntag, 11. November: Nur bei Sonnenschein In Paris regnet es immer noch, als sich mehr als 60 Staats- und Regierungschefs auf den Champs-Élysées versammeln, um gemeinsam zur Gedenkfeier am Triumphbogen zu laufen. Nicht dabei: Trump. Er kommt gesondert mit seiner Fahrzeugkolonne, das Weiße Haus führt Sicherheitsgründe an. Die größte Bedrohung: Eine barbusige Femen-Aktivistin überwindet die Absperrung und rennt kurz nach Durchfahrt von Trumps Limousine in den Konvoi, sie wird festgenommen. Am Nachmittag besucht Trump dann doch noch einen US-Soldatenfriedhof. Seine zehnminütige Ansprache hält er ohne Regenschirm. An die Adresse von US-Veteranen, die bei der Zeremonie im Trockenen sitzen, sagt der Präsident: „Sie sehen so behaglich aus unter dem Schutz, während wir durchnässt werden. Sie sind sehr schlaue Leute.“ Macrons Friedensforum spart sich Trump, er fliegt da schon wieder nach Hause. Robin Wright vom Magazin The New Yorker Schreibt: „Trump vollendet eine beschämende Reise nach Paris, so wie er die globale Bühne braucht.“ Montag, 12. November: Belästigung durch Demokraten Der Präsident hat heute kein Programm, da bleibt mehr Zeit für Twitter. In Florida werden wegen des knappen Ausgangs bei den Zwischenwahlen die Stimmen für einen Senatssitz und das Gouverneursamt neu ausgezählt, beide hat Trump sicher für seine Republikaner geglaubt. Nun fordert er, seine Kandidaten zu Siegern zu erklären. „Viele Stimmzettel sind aus dem Nichts aufgetaucht, und viele Stimmzettel fehlen oder sind gefälscht.“ Beweise dafür legt der Präsident wie üblich nicht vor. Die Demokraten haben im Abgeordnetenhaus weit mehr Sitze erobert als zunächst gedacht. Mit ihrer Mehrheit dort könnten sie Trump nun das Leben mit Untersuchungen schwermachen. Trump warnt auf Twitter: „Die Aussicht auf Belästigung des Präsidenten durch die Demokraten bereitet dem Aktienmarkt große Kopfschmerzen!“ Cristina Mittermeier antwortet Trump auf dem Tweet: „Als Präsident besteht ihre erste Aufgabe darin, unsere Demokratie zu schützen und nicht zu gefährden, indem sie versuchen, die Dinge zugunsten ihrer Partei zu manipulieren! Dienstag, 13. November: Wie ging der Zweite Weltkrieg aus? Trumps Tag beginnt mit einer Salve von Tweets, in denen er seinen Paris-Besuch aufarbeitet. Er schreibt erneut: „Emmanuel Macron schlägt vor, eine eigene Armee aufzubauen, um Europa gegen die USA, China und Russland zu verteidigen. Aber es war Deutschland im Ersten und im Zweiten Weltkrieg – wie ist das für Frankreich ausgegangen?“ Macron hat zwar vom Schutz Europas auch vor den USA gesprochen, aber nicht im Zusammenhang mit der angedachten Armee. Wenige Stunden später erklärt Merkel, sie unterstütze Macron. Mittwoch, 14. November: Beistand für Kalifornien Der Präsident verfügt, dass Ricardel zwar weiter für die Regierung arbeiten kann, das Weiße Haus aber verlassen muss. Das wirft Fragen auf: Warum stößt Melania Trump so etwas öffentlich über ihre Sprecherin an, statt es im direkten Gespräch mit ihrem Ehemann zu regeln? Und wer hat eigentlich das Sagen im Weißen Haus? Auch mit den Behörden in Kalifornien ist alles wieder gut: „Ich habe gerade mit Gouverneur Jerry Brown gesprochen, um ihn wissen zu lassen, dass wir ihm und den Menschen in Kalifornien beistehen.“ Donnerstag, 15. November: Hexenjagd Nach der Ablösung Ricardels tritt Trump dem Eindruck entgegen, dass unter seiner Ägide Chaos herrsche. „Das Weiße Haus läuft sehr reibungslos und die Ergebnisse für unsere Nation sind offensichtlich sehr gut“, twittert er. „Wir werden von der Welt beneidet. Aber jedes Mal, wenn ich über Änderungen nachdenke, drehen die Fake-News-Medien durch, die immer versuchen, uns so schlecht wie möglich aussehen zu lassen! Sehr unehrlich!“ Fake-News-Medien, das sind für Trump kritische Medien wie etwa CNN. Der Sender zitiert einen Regierungsmitarbeiter mit den Worten, Trump sei „angepisst von verdammt noch mal fast jedem“ in seinem Umfeld. Besorgt sei der Präsident über die Untersuchungen von Sonderermittler Mueller. Eines Tages werde an Hochschulen untersucht werden, was „Mueller und seine Bande demokratischer Strolche getan haben, um Menschen zu zerstören“, wütet der Präsident. Dann hält er die Feststelltaste gedrückt, was wirkt, als würde Trump schreien: „EINE TOTALE HEXENJAGD WIE KEINE ANDERE IN DER AMERIKANISCHEN GESCHICHTE!“