Zweifelhafte Schatzsuchen: Manchen Magnetangler treibt nicht das historische Interesse an Vasco Stemmer Minden. Erst eine Granate, dann eine Patronenhülse: Der Kampfmittelräumdienst musste innerhalb von einem Monat gleich zweimal im Kreisgebiet ausrücken, um Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich zu machen. In beiden Fällen hatten Magnetangler die explosiven Zeitzeugen aus dem Mittellandkanal gefischt. Dabei ist das Magnetangeln ohne Genehmigung illegal und einige der Schatzsucher haben es auf zweifelhafte Devotionalien abgesehen. Das Aufspüren von Bodendenkmälern ist in Deutschland generell genehmigungspflichtig. Das gilt für Magnetangler, die mit einem an eine Schnur gebundenen Magneten die Gewässer absuchen, genauso wie für Sondengänger, die mit einem Metalldetektor Artefakte im Boden aufspüren wollen. „Ich kenne keinen, der das Magnetangeln mit Genehmigung macht“, erklärt Daniel Bake, zweiter Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke im MT-Gespräch. Die Ordnungsbehörden hält der Grabungstechniker auf diesem Gebiet für zu wenig sensibilisiert. Zwar schaue das Ordnungsamt bei Sondengängern mittlerweile genauer hin, das Magnetfischen verlaufe allerdings weitgehend unter dem Radar. Wie viele Magnetangler im Mühlenkreis unterwegs sind, weiß Bake nicht. Er hält die zwei kürzlich bekannt gewordenen Fälle allerdings nur für die Spitze des Eisberges. „Das ist ein weitverbreitetes Hobby“, ist er sich sicher. Ein echtes geschichtliches Interesse spricht er einer Vielzahl der Schatzsucher allerdings ab. „Das sind im besten Fall Leute, die sich für den Zweiten Weltkrieg interessieren“, erklärt Bake. Öfter handele es sich aber um Personen mit rechter Gesinnung, die nach Devotionalien aus der NS-Zeit suchen. Gefundene Stahlhelme, Waffenteile, Emailleschilder oder Munitionsreste werden in einschlägigen Internetforen zur Schau gestellt und gehandelt. „Ich schaue mich oft in solchen Foren um, allerdings nicht unter Klarnamen“, erklärt Bake. Neben den zweifelhaften politischen Gründen kann auch der Verlust von archäologisch wertvollen Stücken die Folge der illegalen Schatzsuchen sein. „Es ist ein Problem, wenn Sachen gefunden werden, die älter sind als der Zweite Weltkrieg“, erläutert Bake. So kann es passieren, dass zum Beispiel eisenzeitliche Artefakte, wie Speerspitzen, gar nicht als solche erkannt und entsorgt werden. Werden Kampfmittel wie Granaten gefunden, kann außerdem Gefahr für Leib und Leben bestehen. Die Ordnungsbehörden und der Kampfmittelräumdienst werden dann tätig und das bedeutet Aufwand und Kosten für den Steuerzahler. Die Finder werden in der Regel nicht zur Kasse gebeten. Die Kosten von Räumungen auf die Schatzsucher zu verlagern, oder ihnen höhere Strafen aufzubrummen hält Daniel Bake nicht für den richtigen Weg, um dem Problem beizukommen: „Ich weiß nicht, ob das etwas bringen würde. Die Ordnungskräfte müssten einfach besser geschult werden. Vielleicht würde da eine Rundmail innerhalb der Behörde schon etwas bringen.“ An archäologisch interessierte Schatzsucher appelliert Bake: „Meldet euch bei uns.“ Die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege hilft dann dabei, legal auf die Suche gehen zu können. Zwar werden Funde dann von der Denkmalbehörde begutachtet, behalten darf sie der Finder aber in Regel trotzdem. Dann wäre auch ein Verkauf von Fundstücken aus dem Zweiten Weltkrieg legal, für Bake aber ethisch nicht vertretbar. Wen die Hoffnung auf Geld antreibt, muss er aber ohnehin enttäuschen: „Wer diesem Treiben nachgeht, um damit Geld zu verdienen, wird bei uns sowieso eher verhungern.“

Zweifelhafte Schatzsuchen: Manchen Magnetangler treibt nicht das historische Interesse an

Diese Weltkriegs-Granate zog ein Portaner vor kurzem aus dem Wasser des Schleusenkanals in Windheim. Drei Wochen später wurde eine Patronenhülse in Minden geborgen. © Foto: Wasserschutzpolizei

Minden. Erst eine Granate, dann eine Patronenhülse: Der Kampfmittelräumdienst musste innerhalb von einem Monat gleich zweimal im Kreisgebiet ausrücken, um Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich zu machen. In beiden Fällen hatten Magnetangler die explosiven Zeitzeugen aus dem Mittellandkanal gefischt. Dabei ist das Magnetangeln ohne Genehmigung illegal und einige der Schatzsucher haben es auf zweifelhafte Devotionalien abgesehen.

Das Aufspüren von Bodendenkmälern ist in Deutschland generell genehmigungspflichtig. Das gilt für Magnetangler, die mit einem an eine Schnur gebundenen Magneten die Gewässer absuchen, genauso wie für Sondengänger, die mit einem Metalldetektor Artefakte im Boden aufspüren wollen. „Ich kenne keinen, der das Magnetangeln mit Genehmigung macht“, erklärt Daniel Bake, zweiter Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege im Kreis Minden-Lübbecke im MT-Gespräch. Die Ordnungsbehörden hält der Grabungstechniker auf diesem Gebiet für zu wenig sensibilisiert. Zwar schaue das Ordnungsamt bei Sondengängern mittlerweile genauer hin, das Magnetfischen verlaufe allerdings weitgehend unter dem Radar.

Wie viele Magnetangler im Mühlenkreis unterwegs sind, weiß Bake nicht. Er hält die zwei kürzlich bekannt gewordenen Fälle allerdings nur für die Spitze des Eisberges. „Das ist ein weitverbreitetes Hobby“, ist er sich sicher. Ein echtes geschichtliches Interesse spricht er einer Vielzahl der Schatzsucher allerdings ab. „Das sind im besten Fall Leute, die sich für den Zweiten Weltkrieg interessieren“, erklärt Bake. Öfter handele es sich aber um Personen mit rechter Gesinnung, die nach Devotionalien aus der NS-Zeit suchen. Gefundene Stahlhelme, Waffenteile, Emailleschilder oder Munitionsreste werden in einschlägigen Internetforen zur Schau gestellt und gehandelt. „Ich schaue mich oft in solchen Foren um, allerdings nicht unter Klarnamen“, erklärt Bake.

Neben den zweifelhaften politischen Gründen kann auch der Verlust von archäologisch wertvollen Stücken die Folge der illegalen Schatzsuchen sein. „Es ist ein Problem, wenn Sachen gefunden werden, die älter sind als der Zweite Weltkrieg“, erläutert Bake. So kann es passieren, dass zum Beispiel eisenzeitliche Artefakte, wie Speerspitzen, gar nicht als solche erkannt und entsorgt werden. Werden Kampfmittel wie Granaten gefunden, kann außerdem Gefahr für Leib und Leben bestehen. Die Ordnungsbehörden und der Kampfmittelräumdienst werden dann tätig und das bedeutet Aufwand und Kosten für den Steuerzahler. Die Finder werden in der Regel nicht zur Kasse gebeten.

Die Kosten von Räumungen auf die Schatzsucher zu verlagern, oder ihnen höhere Strafen aufzubrummen hält Daniel Bake nicht für den richtigen Weg, um dem Problem beizukommen: „Ich weiß nicht, ob das etwas bringen würde. Die Ordnungskräfte müssten einfach besser geschult werden. Vielleicht würde da eine Rundmail innerhalb der Behörde schon etwas bringen.“

An archäologisch interessierte Schatzsucher appelliert Bake: „Meldet euch bei uns.“ Die Gesellschaft zur Förderung der Bodendenkmalpflege hilft dann dabei, legal auf die Suche gehen zu können. Zwar werden Funde dann von der Denkmalbehörde begutachtet, behalten darf sie der Finder aber in Regel trotzdem. Dann wäre auch ein Verkauf von Fundstücken aus dem Zweiten Weltkrieg legal, für Bake aber ethisch nicht vertretbar. Wen die Hoffnung auf Geld antreibt, muss er aber ohnehin enttäuschen: „Wer diesem Treiben nachgeht, um damit Geld zu verdienen, wird bei uns sowieso eher verhungern.“

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