Zweifel an Selbsttest-Strategie in Kitas - Pool-Tests als Alternative? Doris Christoph Minden. Ob die Mütter und Väter sich an die Bitte halten, ist von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. „Am Anfang lief es schleppend“, sagt Corinna Mertens vom DRK-Kreisverband Minden, der drei Einrichtungen betreibt, über die Testungen. Mittlerweile aber seien die Eltern sehr sensibilisiert und arbeiteten gut mit. Sie habe den Eindruck, die Familien würden sich sehr vorsichtig verhalten. „In einem sozial benachteiligten Stadtteil ist vieles anders“, sagt Stephanie Gromotka, Leiterin der städtischen Einrichtung Kita Sieben Bauern in Bärenkämpen. 85 Kinder ab einem Jahr und 20 Mitarbeiter gibt es hier. Die Tests würden zwar großzügig ausgeteilt und die Packungsbeilage sei als Piktogramm ausgehängt. Sie gehe aber davon aus, dass viele Eltern sie nicht anwenden würden.Nur bei einem positiven Fall in der Einrichtung müssen Eltern zwei Wochen lang alle zwei Tage ihr Kind testen und das negative Ergebnis schriftlich bestätigen. „Wir würden uns wünschen, dass es regelmäßig gemacht wird“, sagt Gromotka. Eine Pflicht wäre sicherlich nicht schlecht, aber man bräuchte dafür ein Konzept. Nicht alle Eltern hätten die Möglichkeit, ins Testzentrum zu fahren. Die Kinder für mehr Sicherheit im Beisein der Mitarbeitenden zu testen, hält sie für nicht umsetzbar. „Das wäre ein riesiger personeller Aufwand.“ Für Mitarbeitende gibt es übrigens eine Testpflicht mehrmals pro Woche, für Ungeimpfte täglich. In der Kita Tausendfüßler testen die Eltern ihren Nachwuchs laut Leiterin Petra Rammelberg regelmäßig. Sie hat von vielen gehört, die ihre Kinder extra wegen der Ferien nochmal getestet hätten. „Aber kontrollieren können wir das nicht.“ Sie sehe aber auch keine andere Möglichkeit als die freiwillige Basis. „Wir können die Tests nicht selber durchführen.“ Der Organisationsaufwand für die Erzieherinnen sei jetzt schon immens. Für eine Testpflicht spricht sich hingegen Christin Niemeier, Vorstandsmitglied von Parität für Kinder, aus. Niedersachsen prüfe dies zurzeit. Der dortige Städtetag hatte sich dafür eingesetzt. Parität für Kinder betreibt unter anderem zwei Kitas in Minden. In seiner Portaner Einrichtung gab es diese Woche einen größeren Corona-Ausbruch. „Die Mitarbeiter würden die Lollitests anwenden“, meint Niemeier. Am sinnvollsten sei allerdings eine Testverpflichtung für Eltern vor den Augen der Erzieherinnen. In der Kita Bärenstark, ebenfalls ein Haus im Stadtteil Bärenkämpen, haben die Mitarbeiter den Eltern angeboten, mit deren Erlaubnis die Kinder zu testen. „Oder es ihnen zu zeigen“, sagt Niemeier. Sie macht es skeptisch, dass es dort nie einen positiven Fall gab. In der „Villa Kunterbunt“ am Simeonsplatz hingegen schon mehrere, hier würden die Eltern – eine vor allem akademisch-mittelständische Klientel – vermutlich mehr testen. Allerdings misstraut die Geschäftsführerin auch den Selbsttests. Das Land versorgt die Einrichtungen regelmäßig mit verschiedenen Sorten. „Die sind aber nicht aussagekräftig“, meint sie. Man habe Eltern bei einem positiven Fall mehrere Kits mitgegeben. „Sie schlugen nicht an.“ Ähnliches berichtet auch Petra Rammelberg von der Kita Tausendfüßler. Obwohl die Tests vom Paul-Ehrlich-Institut empfohlen seien, hat sie schon erlebt, dass sie bei Infektionen ein negatives Ergebnis anzeigten. „Dabei hieß es mal, die seien eher falsch-positiv.“ „Die meisten Fälle sind durch infizierte Geschwisterkinder und Eltern aufgefallen, nach Tests in der Schule oder wenn Erwachsene sich testen ließen“, sagt auch Stephanie Gromotka. Von positiven Fällen in Kitas als einem „Beifang“, spricht Christin Niemeier in diesem Zusammenhang: Infektionen seien aufgefallen, weil ein Geschwisterkind positiv getestet worden sei. „Wir brauchen PCR-Testungen in Kitas, um einen Ist-Zustand einzufangen“, fordert sie deshalb. Sie bemängelt, dass zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen ein Unterschied gemacht werde. Beim Sicherheitskonzept seien die Kitas abgehängt. Was sagt das zuständige NRW-Familienministerium zu alldem? „Die Landesregierung ist davon überzeugt, dass die Eltern in dieser Frage verantwortungsvoll handeln und ihre Kinder konsequent testen“, schreibt die Pressestelle. Eine landesweite Organisation und Übertragbarkeit des Testkonzepts von Grund- und Förderschulen sei angesichts der rund 10.600 Kitas in NRW plus der Tagespflege weder logistisch, noch „mit Blick auf die vorhandenen Laborkapazitäten umsetzbar“.Zur Qualität der Selbsttests heißt es: Die zur Verfügung gestellten Lolli-Tests für Kinder in der Kindertagesbetreuung würden hohe Werte in der Sensitivität ausweisen. Darüber hinaus liege die Bestätigung des Herstellers vor, dass diese auch auf die neue Variante Omikron ansprechen würden. „Statt der Selbsttests bieten einige Kommunen in Nordrhein-Westfalen sogenannte Lolli-Pool-Tests mit anschließender PCR-Laborauswertung an. Dies wird vom Land finanziell unterstützt“, verweist die Pressestelle auf eine weitere Testmöglichkeit.Ulrike Barg, Fachberaterin für 33 evangelische Kindertagesstätten im Kirchenkreis Minden, hat eine Anfrage zur Pool-Testung beim Kreisjugendamt gestellt. Nicht, weil sie den Eltern misstraue, sie hält pauschale Vorwürfe für falsch. „Aber die Selbsttests werden nicht genug genutzt, um sich als Mitarbeiter sicher zu fühlen.“ Bei ihr seien Sorgen eingegangen. Einen Pooltest müssten alle mitmachen, die Tests könnten beispielsweise in den Morgenkreis eingebaut werden, schlägt sie vor.Doch daraus wird nichts, wie Hans-Joerg Deichholz, Dezernent beim Kreis Minden-Lübbecke, mitteilt. Der Kreis habe sich dazu mit anderen Jugendämtern abgestimmt. Für das Land sei es das einfachste, die Organisation der Pool-Tests auf die Kommunen zu schieben. „Aber auch wir sind dazu nicht in der Lage. Es ist logistisch nicht leistbar.“ Allein zum Kreisjugendamt gehörten 80 Kindergärten, die Kinder würden zu unterschiedlichen Zeiten gebracht – anders als in Schulen. Die Tests müssten aber zeitgleich gemacht, eingesammelt und ins Labor gebracht werden. Und dort seien die Kapazitäten erschöpft. „Es muss bei Selbsttests bleiben“, so Deichholz. Angesichts der neuen Tests und der Möglichkeit, dreimal wöchentlich zu testen, sei sehr viel Sicherheit geschaffen worden.

Zweifel an Selbsttest-Strategie in Kitas - Pool-Tests als Alternative?

Kinder bis sechs Jahren gelten generell als getestet. Eltern, die ihren Nachwuchs in der Tagespflege oder einer Kita betreuen lassen, werden gebeten, ihn zu testen. Pflicht ist das nicht. Symbolfoto: imago © imago images/IlluPics

Minden. Ob die Mütter und Väter sich an die Bitte halten, ist von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. „Am Anfang lief es schleppend“, sagt Corinna Mertens vom DRK-Kreisverband Minden, der drei Einrichtungen betreibt, über die Testungen. Mittlerweile aber seien die Eltern sehr sensibilisiert und arbeiteten gut mit. Sie habe den Eindruck, die Familien würden sich sehr vorsichtig verhalten.

„In einem sozial benachteiligten Stadtteil ist vieles anders“, sagt Stephanie Gromotka, Leiterin der städtischen Einrichtung Kita Sieben Bauern in Bärenkämpen. 85 Kinder ab einem Jahr und 20 Mitarbeiter gibt es hier. Die Tests würden zwar großzügig ausgeteilt und die Packungsbeilage sei als Piktogramm ausgehängt. Sie gehe aber davon aus, dass viele Eltern sie nicht anwenden würden.

Nur bei einem positiven Fall in der Einrichtung müssen Eltern zwei Wochen lang alle zwei Tage ihr Kind testen und das negative Ergebnis schriftlich bestätigen. „Wir würden uns wünschen, dass es regelmäßig gemacht wird“, sagt Gromotka. Eine Pflicht wäre sicherlich nicht schlecht, aber man bräuchte dafür ein Konzept. Nicht alle Eltern hätten die Möglichkeit, ins Testzentrum zu fahren. Die Kinder für mehr Sicherheit im Beisein der Mitarbeitenden zu testen, hält sie für nicht umsetzbar. „Das wäre ein riesiger personeller Aufwand.“ Für Mitarbeitende gibt es übrigens eine Testpflicht mehrmals pro Woche, für Ungeimpfte täglich.

In der Kita Tausendfüßler testen die Eltern ihren Nachwuchs laut Leiterin Petra Rammelberg regelmäßig. Sie hat von vielen gehört, die ihre Kinder extra wegen der Ferien nochmal getestet hätten. „Aber kontrollieren können wir das nicht.“ Sie sehe aber auch keine andere Möglichkeit als die freiwillige Basis. „Wir können die Tests nicht selber durchführen.“ Der Organisationsaufwand für die Erzieherinnen sei jetzt schon immens.

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Patrick Schwemmling

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Für eine Testpflicht spricht sich hingegen Christin Niemeier, Vorstandsmitglied von Parität für Kinder, aus. Niedersachsen prüfe dies zurzeit. Der dortige Städtetag hatte sich dafür eingesetzt. Parität für Kinder betreibt unter anderem zwei Kitas in Minden. In seiner Portaner Einrichtung gab es diese Woche einen größeren Corona-Ausbruch. „Die Mitarbeiter würden die Lollitests anwenden“, meint Niemeier. Am sinnvollsten sei allerdings eine Testverpflichtung für Eltern vor den Augen der Erzieherinnen.

In der Kita Bärenstark, ebenfalls ein Haus im Stadtteil Bärenkämpen, haben die Mitarbeiter den Eltern angeboten, mit deren Erlaubnis die Kinder zu testen. „Oder es ihnen zu zeigen“, sagt Niemeier. Sie macht es skeptisch, dass es dort nie einen positiven Fall gab. In der „Villa Kunterbunt“ am Simeonsplatz hingegen schon mehrere, hier würden die Eltern – eine vor allem akademisch-mittelständische Klientel – vermutlich mehr testen. Allerdings misstraut die Geschäftsführerin auch den Selbsttests. Das Land versorgt die Einrichtungen regelmäßig mit verschiedenen Sorten. „Die sind aber nicht aussagekräftig“, meint sie. Man habe Eltern bei einem positiven Fall mehrere Kits mitgegeben. „Sie schlugen nicht an.“

Ähnliches berichtet auch Petra Rammelberg von der Kita Tausendfüßler. Obwohl die Tests vom Paul-Ehrlich-Institut empfohlen seien, hat sie schon erlebt, dass sie bei Infektionen ein negatives Ergebnis anzeigten. „Dabei hieß es mal, die seien eher falsch-positiv.“

„Die meisten Fälle sind durch infizierte Geschwisterkinder und Eltern aufgefallen, nach Tests in der Schule oder wenn Erwachsene sich testen ließen“, sagt auch Stephanie Gromotka. Von positiven Fällen in Kitas als einem „Beifang“, spricht Christin Niemeier in diesem Zusammenhang: Infektionen seien aufgefallen, weil ein Geschwisterkind positiv getestet worden sei. „Wir brauchen PCR-Testungen in Kitas, um einen Ist-Zustand einzufangen“, fordert sie deshalb. Sie bemängelt, dass zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen ein Unterschied gemacht werde. Beim Sicherheitskonzept seien die Kitas abgehängt.

Was sagt das zuständige NRW-Familienministerium zu alldem? „Die Landesregierung ist davon überzeugt, dass die Eltern in dieser Frage verantwortungsvoll handeln und ihre Kinder konsequent testen“, schreibt die Pressestelle. Eine landesweite Organisation und Übertragbarkeit des Testkonzepts von Grund- und Förderschulen sei angesichts der rund 10.600 Kitas in NRW plus der Tagespflege weder logistisch, noch „mit Blick auf die vorhandenen Laborkapazitäten umsetzbar“.

Zur Qualität der Selbsttests heißt es: Die zur Verfügung gestellten Lolli-Tests für Kinder in der Kindertagesbetreuung würden hohe Werte in der Sensitivität ausweisen. Darüber hinaus liege die Bestätigung des Herstellers vor, dass diese auch auf die neue Variante Omikron ansprechen würden. „Statt der Selbsttests bieten einige Kommunen in Nordrhein-Westfalen sogenannte Lolli-Pool-Tests mit anschließender PCR-Laborauswertung an. Dies wird vom Land finanziell unterstützt“, verweist die Pressestelle auf eine weitere Testmöglichkeit.

Ulrike Barg, Fachberaterin für 33 evangelische Kindertagesstätten im Kirchenkreis Minden, hat eine Anfrage zur Pool-Testung beim Kreisjugendamt gestellt. Nicht, weil sie den Eltern misstraue, sie hält pauschale Vorwürfe für falsch. „Aber die Selbsttests werden nicht genug genutzt, um sich als Mitarbeiter sicher zu fühlen.“ Bei ihr seien Sorgen eingegangen. Einen Pooltest müssten alle mitmachen, die Tests könnten beispielsweise in den Morgenkreis eingebaut werden, schlägt sie vor.

Doch daraus wird nichts, wie Hans-Joerg Deichholz, Dezernent beim Kreis Minden-Lübbecke, mitteilt. Der Kreis habe sich dazu mit anderen Jugendämtern abgestimmt. Für das Land sei es das einfachste, die Organisation der Pool-Tests auf die Kommunen zu schieben. „Aber auch wir sind dazu nicht in der Lage. Es ist logistisch nicht leistbar.“ Allein zum Kreisjugendamt gehörten 80 Kindergärten, die Kinder würden zu unterschiedlichen Zeiten gebracht – anders als in Schulen. Die Tests müssten aber zeitgleich gemacht, eingesammelt und ins Labor gebracht werden. Und dort seien die Kapazitäten erschöpft. „Es muss bei Selbsttests bleiben“, so Deichholz. Angesichts der neuen Tests und der Möglichkeit, dreimal wöchentlich zu testen, sei sehr viel Sicherheit geschaffen worden.

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